E-Man – Die neuen virtuellen Herrscher

Dieses Buch schrieb ich im Winter 2000/2001, ganz euphorisch damals, dass Wild Duck so gut aufgenommen worden war (heute ist es schon in vierter Auflage erhältlich, eine „fünfte“ erschien zwischenzeitlich beim Kaminski-Verlag mit 5000 Ex., weil der Springer-Verlag erst nicht an den Erfolg von TB-Ausgaben glauben wollte). Euphorisch? Na, vielleicht auch sehr erleichtert. Ich hatte beim ersten Buch Wild Duck so viel Neuerscheinungsfieber, dass ich mich glatte acht Wochen vor der Buchmesse krank fühlte. Danach aber hatte ich eine neue Idee für ein Buch und schrieb sofort wie im Rausch.

In Wild Duck beleuchte ich das verschiedene Sein und Glück der Menschen, die ich nach C.G. Jung’s Typologie unterscheide. Extrovertierte fühlen Glück anders als Introvertierte! Ordentliche Menschen erleben anderes Glück als Abenteurer („Flexible“). Jeder Mensch tickt anders, je nachdem, was seine Persönlichkeit ausmacht. Klar.

Aber in der Wirklichkeit herrscht die Norm.

Es wird nichts Verschiedenes gewünscht. Man bügelt über, macht platt, ebnet ein. Es liegt daran, dass ein bestimmter Menschentyp die Obermacht über alle anderen behauptet. Es ist eben der Typus des Ordentlichen. Wenn er an der Macht ist, ordnet er alles und befiehlt allen Menschen so zu sein wie er selbst. So wird die Norm verstanden, nach der sich jeder zu richten hat!

Gunter Dueck - E-Man - Cover

Vieles in der Welt hängt also davon ab, welcher Menschentypus die Macht hat. Im Urwald hat sicher nicht der Ordentliche die Macht, sondern der Starke. Unter den Jägern ist ein anderer Menschenschlag dominierend als unter den Bauern! Das war die Idee, die ich in E-Man ausführen wollte. Die starken Kinder werden heute in der Schule als Hyperaktive diszipliniert und unterdrückt! Man soll brav sein und sich alles eintrichtern lassen.

In der Wirtschaft aber wird noch ein anderer Menschentypus gesucht: Der unternehmende Visionär, der Unternehmer, jemand, der die Herzensenergien vieler Menschen auf ein gemeinsames Ziel einen kann. Es geht um Aufbruch, Veränderung, Zuversicht im ungewissen Marsch in die Zukunft, das Führen von großen Teams. E-Man kommt!

Ich habe ein Buch über die spekulative These geschrieben, dass bald andere Menschentypen die Macht übernehmen werden. Wir mutierten in der Frühgeschichte von Jägern zu Bauern. Und nun von Bauern zu E-Men? Das Buch steht noch ganz unter dem Bann der New Economy, die damals entstand. Die Ideen perlten und die Visionen sprossen …

Das Buch sollte ursprünglich Jäger, Bauer, E-Man heißen. Diesen Titel finde ich auch heute noch schöner. Ich habe ihn für viele, viele Vorträge benutzt, in denen es darum ging, „Wissensarbeitern“ klar zu machen, dass die Normen unserer Gesellschaft ihnen oft so fremd sind, weil sie eben von einer Minderheit von „Ordentlichen“ allen anderen oktroyiert werden. (Und die Pisa-Studie sagt indirekt, dass Deutsche sehr ordentlich sind, ja, aber nicht „Wissensarbeiter“ der Zukunft.)