Lean Brain Management – Erfolg und Effizienzsteigerung durch Null-Hirn

Dieses Buch schrieb ich 2005 aus Zorn, weil viele Berufe (wie im Callcenter oder in der Bank) sich praktisch zu  „Flachbildschirmrückseitenberatung“ durch einen „Flachbildschirmsklaven“ entwickelten. Was früher „Beratung“ war, ist heute Ablesen von Computerantworten wie bei einem Teleprompter, der für Politiker die Reden vorschreibt. Intelligenz? Wird nicht mehr gebraucht! Aus dem Zorn wurde eine bitterböse Satire über eine ökonomisch profitträchtige Verdummung der Welt. Ach ja, und wenn ich heute darin lese, sehe ich mit Grausen, dass die Welt meine Warnung vor der Automatisierung der Berufe durch Computer wirklich gehört haben muss. Die Welt hat sich aber nicht warnen lassen, sondern meine Satire-Vorschläge glatt umgesetzt! Können Sie heute noch über das Buch herzlich lachen? 2006 war das noch ungebrochen möglich, da wurde das Buch zum Wirtschaftsbuch des Jahres 2006 gewählt.

Intelligenz ist sehr teuer, wird aber kaum noch sinnvoll eingesetzt. Warum sparen wir sie dann nicht ein? Warum studieren wir, was wir nie wieder im Leben brauchen? Warum bekommen wir mit einem Doktor so hohe Gehälter, wenn wir ja doch nur den lieben langen Tag Computer mit dösigen Daten füttern? Warum brauchen wir so viele Politiker, wenn jeder sofort bestraft wird, wenn er selbst denkt? „Ich weiß, es geht besser, aber der Computer schlägt es so vor. Wenn ich abweiche, geht es auf meine Kappe. Das tu ich nicht.“

In meiner Daily Dueck 2 Kolumne  habe ich schon vor einiger Zeit für Sie über das Einsparen von Intelligenz sinniert. Das Thema faszinierte mich so sehr! Es ließ mich nicht so recht los. Ich musste mir immer mehr, immer schrägere Beispiele ausdenken…

Gunter Dueck - Lean Brain Management - Cover

Irgendwann entstand wie von selbst ein Buch, ganz ungeplant. Ich schrieb atemberaubend ketzerische Passagen und dachte bei mir, Bärbel Nietzold, die gerade über allen meinen Texten wacht, würde mich steinigen. Ich glaube, im Buch kommt sogar Lean Brain Sex vor. Spätestens da müsste Bärbel doch mucken! Obwohl das Gehirn da echt nur abseitig hinpasst. Zu meiner Überraschung fischte Bärbel einzelne Seiten heraus und kommentierte missbilligend: „Gunter, wo bleibt hier der beißende Spott? Was du schreibst, ist ja eigentlich real!“ Ich merkte es dann auch selbst, wie schnell die Grenzen verschwimmen. Ich habe mich redlich bemüht, die Wirklichkeit für Bärbel satirisch zu verlassen, was mir wohl nicht so richtig gelungen ist. Wissen Sie, was das für ein hoffnungsloses Gefühl ist, wenn Sie die Wirklichkeit immer wieder einholt?

Im Buch habe ich mit einer Tradition gebrochen. Ich arbeitete bisher Einsichten so kristallklar wie möglich heraus, so dass Sie Ihnen in die Augen springen müssen. Dann – so dachte ich – wissen Sie, was Sie zu tun haben. Dieses Buch ist aber satirischer Weise wie ein dumpfer Ratgeber geschrieben. Ich meine, so wie ein Kochbuch, das nur Rezepte enthält, damit man sie nachkochen kann, ohne sich überhaupt für Essen zu interessieren. Viele Menschen wollen das so! Dazu gehören ziemlich alle Manager, glaube ich. Ich habe mir also etwas Mühe gegeben, stilecht Messages abzugeben und Kontrollfragen einzufügen. Sogar an Take-Aways habe ich gedacht. Alles totally easy to read und in Listenform wie im Kochbuch. Diese wenigen ungewohnten Stellen im Buch haben mich die größte Anstrengung gekostet. Irgendwie habe ich dabei nämlich das Gefühl, Sie dort absolut nicht mehr wie einen intelligenten Menschen zu behandeln. Auf der anderen Seite – wie soll ich Sie zu einem glückseligen Lean Brain Leben hinführen? Schalten Sie also einmal ganz ab – und schlagen Sie dann das Buch auf! Viel Freude!