DD215: Deframing – oder der Sinndiebstahl (Mai 2014)

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15 Antworten

  1. Joachim Schnurrer sagt:

    Wieder mal hervorragend analysiert!
    Die Frage ist aber auch: Haben wir uns alle das nicht selbst eingebrockt? Wahrscheinlich nicht alle, aber diejenigen, die es so wollten. Nach GDs Philosophie sind das wohl die „Bauernartigen“ evtl. mit Unterstützung der „Techies“.
    An der „Spitze der Bewegung“ sitzen dann sicher die Soziopathen, die sich derartige Gedanken, wie im Beitrag geäußert, gar nicht machen. Für die existiert die beschriebene Problematik überhaupt nicht!
    Nach diversen Untersuchungen sitzen aber genau diese Soziopathen mehrheitlich in großen, börsennotierten Unternehmensspitzen.
    Zum Glück gibt es auch viele kleine und sehr kleine Unternehmen, in denen die Soziopathen nicht vorne dran sitzen.

  2. Leo sagt:

    Da wird immer wieder von Burn-Out geschrieben, der ehrenwerten Krankheit des angeblich zu viel Arbeitens. Aber es geht überhaupt nicht um die Arbeitsmenge, auch und nicht mal um die „Beschleunigung“, auch nicht um „digitale Demenz“ und andere Pseudoursachen.

    Sondern dass sich das verbo(r)gene innere Kind irgendwann im Leben gegen sinnlose Geschäftigkeit wehrt, die nicht nur nicht seinen eigenen Anlagen und seinem Wunsch, ehrlich beizutragen, zuwiderläuft, sondern auch jedem anderen „inneren“ Sinn. Im bestenfall sinn-los ist, im schlimmsten erkennbar schädlich ist.

    Woher kommt dies Wandlung? Das ist schleichend erfolgt. Du denkst zu viel, das mögen Arbeitgeber nicht, so wenig wie Papi und Mami. Wenn du dich anstrengst, die Dinge genau wissen willst, dann zwingst du damit ja auch alle anderen aus der Bequemlichkeit. Auch der akademische Betrieb läuft so: welcher Prof will denn eine neue Lösung? Unbequem und demütigend wäre das, „lieber“ liest er in jedem Semester das, was er eh schon erwartet hat und was er so gut kennt, dass er das Ergebnis beurteilen kann…

    Ich habe mal gelesen, dass manche Seevögel ihre Jungen dadruch töten, dass sie die Plastikteilchen, die dank unserer gedankenlosen Verschwendung mittlerweile das Meer überfluten, an ihre Jungen verfüttern, die dadurch verhungern. DAS ist es, was auch Bildung heute zunehmend bewirkt: da wird mit irgendwas volgestopft, das nicht nährt, sondern das Hirn verklebt und verstopft. Die Fähigkeiten werden nicht genutzt, sondern ihre Entwicklung verhindert.

    Zynisch könnte man sagen, was solls, es werden dank Automatisierung eh nicht mehr so viele gebraucht.

    Wie kommt man davon wieder weg? Wenn ichs wüsste… . Das Denken müsste wieder „Mode“ werden … aber es zuzulassen ist unbequem. Lieber Kinder, deren Fragen man wegverwöhnt.

  3. Gerhard sagt:

    Das mit der „grundlosen Begeisterung“ kenne ich am eigenen Leib. Früher gab es das ab und an bei mir auch mal so, war so eine Macke. Allerdings führte das Halsmuskelzusammenziehen dabei fast immer zu Zerrungen derselben. Selber schuld!

    Sinnlose Prozesse sind doch heute das Salz in der Suppe, es wimmelt von Ihnen. Man muß sich beugen und mitmachen – wie das kopfmässig geht? Naja, wenn die Halsmuskulatur mithilft, gehts schon.

    • Gerhard sagt:

      „Sinndiebstahl“, das gab es eigentlich bisher noch nicht als Wort. „Sinnentleert“ schon. Oder sinnentfremded, obwohl das ja was anderes bezeichnet.

  4. Brandaktuelles Thema gepaart mit einem genialen Schreibstil = Hervorragender Artikel

    Danke.

  5. katjanna sagt:

    irrsinnig ist das, ja, und real 🙁

  6. Karl Breuer sagt:

    An Leo und Gunter,

    toller Beitrag – wieder einmal !
    Der Zeitpunkt, an dem genau DAS real war „Denken ist schick“ – das hatten wir Anfang der 60er Jahre.
    Schaut man sich aus dieser Zeit die Filme, die Diskussionen, die Bücher an – egal ob in Deutschland, Frankreich, England oder Spanien – mit ein wenig Abstand auch USA – so sieht man sehr schnell, dass jemand nur dann den „Mund aufgemacht“ hat, wenn er fundiert etwas zu sagen hatte. Heute „brabbelt“ die ganze Welt auf Fratzeboo, zwitschert sinnentferntes Zeugs und W-Appelt so vor sich her, dass derjenige nach kurzer Zeit schon nicht mehr weiß, was er eigentlich meinte.
    Sagt es jedem, der er hören will – oder auch nicht: das reale Leben ist toll und es lohnt sich etwas darüber zu erfahren !

    in diesem Sinne………logoff.
    Karl

    • Leo sagt:

      Das mit „Leben“ ist völlig richtig.

      Es fängt an, wenn man aufhört, Risiken zu vermeiden. Sondern anfängt, sie einzugehen.

  7. Stefan sagt:

    geht es nur mir so, oder könnt auch ihr herrn dueck „hören“ und vor dem geistigen auge sehen wie er das oben verfasste in einer rede vorträgt? […]Es muss nicht beliebig gut sein, es geht mir nur um das Geld.“ Zong,[…]. das hat mir sehr viel spaß gemacht. besonders deswegen, weil es stimmt. sehr gut beobachtet und auf den punkt kommentiert herr dueck. danke.

  8. waldbaer sagt:

    Ich habe jetzt eine ganze Weile darüber gegrübelt..
    Deframing ist ein schönes, brauchbares, neues Wort (newspeak?) also de-framing, aber so wie es dargestellt wird, ist es selber ge-framed, nämlich im Sinne von Enttäuschung.
    Könnte man nicht auch sagen, auch im Sinne von ent-täuschend?
    Könnte man das Wort Deframing nicht auch reframen im positiven Sinne?

    Ich glaube, der Begriff Deframing löst bei mir – zugegeben, nach einem satten Glas Wodka-Lemon – eine Rekursion aus. Wenn man Deframing deframed *öhm* ôÔ

    Viele liebe Grüße aus einem kleinen Kaff im Taunus
    waldbaer

  9. Zu Gefährlich sagt:

    Brilliant geschrieben. Kann ich vollinhalltich flankieren. Nur ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen: Das Traumprojekt. Für uns normale Drohnen gibt es keine Traumprojekte. Wir werden verheitzt. Wer heute im Arbeitsleben noch glaubt, sich im Sinn des Wortes _verwirklichen_ zu können, gehört entweder zu dem millionstel Promill derer, die nicht gnandenlos vernutzt werden oder belügt sich selbst (oder hat noch keine Erfahrung im Berufsleben.)

    Ich habe mich bereits deframed. Ich tue nur noch, wozu ich gezwungen werden kann. Das mag defaitistisch klingen und richtig gut geht es mir damit auch nicht, aber jede Alternative ist noch grausamer. Es gibt genug Lügner und Ausbeuter um mich herum, ich muss mich nicht auch noch selbst belügen und ausbeuten.

    • Manuel Nientit sagt:

      Oh doch, es gibt das „Traumprojekt“, denn „Selbstverwirklichung“ und „Ausbeutung“ sind nur ein scheinbarer Widerspruch. Auch wenn ich ausgebeutet werde, kann ich das in interessanteren oder weniger interessanten Projekten werden. 😉

      Das ändert natürlich nichts daran, dass es selten dämlich ist, „80“ Stunden die Woche zu arbeiten, um dabei sein zu können. Und ich darf den Sinn natürlich dennoch woanders sehen, als mein Chef 😉

  10. calceola sagt:

    Man holt sich Beulen, weil man so oft mit dem Kopf auf den Tisch haut. Aber manchmal geht es auch anders -> http://www.virgin.com/unite/entrepreneurship/ready-for-the-real-world-indias-graduate-changemakers

  11. Joachim Schnurrer sagt:

    Ähnliche Erkenntnisse sind auch hier zu finden:
    „http://www.alphabet-film.com/worum-geht-es.html“

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