DD233: Legebatteriehuhn: „Früher war nicht alles besser!“ (Februar 2015)

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12 Antworten

  1. LeoA sagt:

    Beklemmend GENIAL!

    Aldous Huxley aktualisiert. Danke!!

  2. Helmut sagt:

    Ist nicht von mir aber der passt:

    Sie können uns unsere Freiheit nicht entreißen, sie haben gelernt, wir würden uns wehren. Sie bringen uns aber dazu ihnen unsere Freiheit freiwillig zu überlassen.

  3. Janix sagt:

    Die Verdopplung der menschlichen Lebenserwartung ist schon auch schön. Die Selbstgehirnwäsche, hier so treffend allegorisiert, hingegen gehört abgestellt. Raus aus den Konsumnebeln und rein in die Gewerkschaft!

  4. Die sollen sich mal nicht so anstellen, die Hühner. Schließlich: Es ist doch so perfekt für sie gesorgt: Gleichmäßiges Licht, geregelte Temperatur, mineralienoptimiertes hormonangereichertes Futter und isotonisches Wasser … – alles ist da. Verlässlich. Und die Habichte kommen nicht rein und die Füchse sowieso nicht. Sicherheit und Komfort im Überfluss! Wer, als Huhn, könnte mehr verlangen?
    Jaja, die tollen Hähne … Aber die Sache mit den Hähnen hatte ja oft genug ein anstrengendes Nachspiel. Das ganze Geglucke um die Küken, furchtbar nervenaufreibend! Und keine ruhige Nacht!
    Und die wissen ja auch ganz gut wie gut sie es haben, die Hühner. Und wenn mal, wegen Virus im Lüfterklappen- und Käfigtürensteuerungsprogramm die Tore zur Freiheit aus Versehen geöffnet würden, wieviele von dem komfort- und sicherheitsverwöhntem Federvieh würden dann tatsächlich in die Freiheit zu den wilden Hähnen entfleuchen und die Habichte und Füchse dafür in Kauf nehmen und auf portioniertes Hormonfutter freiwillig verzichten wollen? Genau.
    Und mit den spannenden Geschichten von wilden Hähnen kann man es sich doch auch genug sein lassen, was das Maß an Aufregung angeht. Als Huhn.

  5. Ajuvo sagt:

    „damals(TM)“ – Vergleiche können sehr wohl hilfreich sein. Es kommt auf Thema und pädagogischen Einsatz an.

  6. Beim Lesen dieser grandiosen Fabel spürte ich förmlich den Kloß im Hals (nicht nur erkältungsbedingt ;-).

    Die Antithese “früher war alles besser” hört man aber genauso oft auch völlig ironie- und merkbefreit. Dann stellt sich mir immer die Frage, welches “Früher” eigentlich gemeint sein soll? Etwa eines, in dem selbstverständlich an sechs Tagen die Woche über 10 oder sogar 12 Stunden in der Fabrik geschuftet wurde, ohne bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Eine zumeist hirnlose Plackerei, angeführt und schikaniert von patriarchalischen Vorgesetzten, die kein eigenes Denken duldeten (von Widerspruch ganz zu schweigen). An die Zeit nach dem Krieg, als alles in Trümmern lag? Oder an die Zeit vor dem Krieg, in der man erst von einer Weltwirtschaftskrise geplagt wurde und dann von den Faschisten?

    Wie weit man auch zurückschaut, ein “goldenes Zeitalter der Menschheit”, das manche wieder heraufbeschwören, kann ich nirgendwo finden, selbst die “fetten Jahren” des Wirtschaftswunders waren für viele kein Spaß, so sagte man mir. Sowohl von der Arbeitswelt als auch von den Lebensbedingungen allgemein her gesehen. Wollen wir wirklich wieder zurück in die Vergangenheit?

    Wie ich finde, sollte das Ziel der Gesellschaft sein, weder Vergangenes zu verbrämen noch den aktuellen Zustand gut- oder schlechtzureden, sondern sicherzustellen, dass der Fortschritt zum Wohle aller dient.

    • Joachim Schnurrer sagt:

      Hallo Martin,
      sehe ich auch so.
      Zur Frage, welches Früher gemeint ist, gibt es eine klare Antwort: Das Paradies!
      Warum?
      Nun, nimmt man die Erklärung „Früher war alles besser“ in einem nach „Früher“ gerichteten Blick, so geht es Generation um Generation zurück. Und jedes Mal beim Generationenwechsel in Richtung „Früher“ muss es ja ein wenig besser gewesen sein (was auch immer besser gewesen sei?). Durch diese Reise zurück kommt man ganz selbstverständlich im Paradies an, von dem wir einstmals vertrieben wurden.
      Von diesem besseren Früher leben riesige „Religionsbranchen“, die uns das „Früher“ für das Leben nach dem Tode wieder versprechen. Man denke nur an die 99jährige Jungfrau, oder waren es doch 99 20jährige?? 😉

  7. Holger sagt:

    @Janix
    Die Gewekschaft gehört zum Konsum – schon vergessen? – ohne Gewekschaft kein Geld – ohne Geld kein Konsum – also ist die Gewerkschaft ursächlich am Konsum schuld! 🙂

  8. Patrick sagt:

    also raus aus dem Konsum-Nebel, rein in den Gewerkschafts-Nebel !

  9. Martina sagt:

    Die eigenen Zensoren im Kopf, namens Scham und Furcht, sperren viele in ihren selbst gestalteten Käfig ein. Eine Idee steigt in den Kopf und man fühlt die Erziehung: „Der/dem ist etwas zu Kopf gestiegen“, bedeutet meist nichts Gutes.
    Isoliert betrachtet kann jeder Gedanke mickrig wirken, oder sehr abenteuerlich. Trotzdem wäre eine Kettenreaktion darauf denkbar. Vielleicht wäre gerade diese Idee, die in die Tat umgesetzt werden würde, in Verbindung mit einer anderen wichtig.
    Aber oft setzten wir sie nicht um aus Angst anders zu wirken, wenn wir so sind wie wir sind. Teilweise denken Menschen, mit Anfang zwanzig, so und sprechen darüber. Unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit dämpft und hält uns gefangen. Gesund wirkt der, der es schafft sich als ungefährlich, berechenbar und pflegeleicht zu präsentieren. Alles andere könnte zu kompliziert daher kommen und krank wirken. Also sei zufrieden mit dem was du hast und sei es nur dein Leben oder dein Hühnerstall. Es braucht Kraft und Mut offen seine Idee anderen zu zeigen, weil es angreifbar macht. Manchmal spart man sich die Energie, weil die Sache einem nicht wertvoll genug erscheint. Vielleicht hat mancher auch keine Lust mehr zu kämpfen und pflegt stattdessen lieber irgendetwas, was ihm sinnvoller erscheint. Ich finde darin nichts Verwerfliches.
    Der Impuls zu diesem Text wurde bereits 1788 verfasst. Daraus könnte man schließen, dass es früher auch nicht besser war.

  10. Sebastian Important sagt:

    Sarkastisch, metaphorisch, genial gut…
    Mein Lob Günter

  11. Hans Bibera sagt:

    … wenn das vom egoistischen Gen stimmt, dann ist hier ein soziobiologischer Grundsatz erfüllt. Ohne Mensch würde das Hühner-Gen sich nicht so in Masse vermehren. – Wie übrigens alle anderen monokulturisch gezogenen Nahrungsmittel. Der Mensch: das Werkzeug?

    Noch ein Spruch von Carl Valentin:
    „Früher waren sogar die alten Zeiten noch besser.“

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