DD239: Hauptschüler ohne Chance – braucht ein Briefträger Abitur? (Mai 2015)

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13 Antworten

  1. Lutz Martiny sagt:

    Voll getroffen
    Chapeau
    Lutz Martiny

  2. Harry sagt:

    Neben Zuverlässigkeit kommt hinzu, daß man erwartet, daß jemand mit höherem Abschluß dem Chef/Ausbilder usw weniger Zeit kostet.

    Zeit ist heute zur kritischen Ressource geworden, die es zu „optimieren“ gilt. Damit wird ein Beschäftigter, der weniger „Betreuung“ erfordert, wertvoller.

  3. Hallo zusammen,
    auch in der Hauptschule gibt es Noten.
    Bei Schülern, die in der Hauptschule zwischen eins und zwei stehen, kann man auch auf gewisse Zuverlässigkeit schließen.
    Allerdings hat die Hauptschule immer auch praktische Fächer wie Werken und Hauswirtschaft forciert.
    Dieser praktische Anteil geht den Schülern heute immer mehr ab.
    Die Bedienung eines Besens ist da schon etwas besonderes. Von daher müssen wir wieder an anderen Stellen nachschulen.
    Ich trauere den Hauptschulen hinterher!
    Gruß A. Schmidt (Elektrohandwerks-Meister)

  4. Aufklärung sagt:

    Die Hauptschule wurde ja bereits umbenannt in Mittelschule.

    Wir hatten ein Sozialprojekt mit Haupt- bzw. Mittelschülern und Ihre Vorurteile wurde da zum Teil bestätigt. Einige der Schüler werden es sicher sehr schwer haben später einen Job zu bekommen, weil sie für die Arbeitswelt nicht sozialisiert sind und auch die Grundfertigenkeiten fehlen. Einige andere Kinder waren aber nach meiner Einschätzung auf der völlig falschen Schule, vom Intellekt und der Sozialkompetenz. Den Problemkindern fehlt der nötige Gehorsam und vermutlich die Erziehung aus dem Elternhaus, sich einer Autorität (hier dem Lehrer, später dem Chef) unterordnen zu können.

    Früher konnte da vermutlich die Wehrpflicht einiges richten. Apropos Bundeswehr, da konnte ich damals als Ausbilder auch differenzierte Erfahrungen mit uns Abiturienten machen. Die hinterfragen ständig alles und sind für solides Handwerk z.T. völlig unbrauchbar.

    Was ich im Bekanntenkreis höre ist, dass einige Jugendlichen meinen, sie würden später viel Geld als Youtuber oder Profi-Computerspieler verdienen. Klar gibt es da einige sehr wenige, die davon gut leben. Dabei ist eine solche Karriere nicht planbar, genauso wenug wie die eines Rockstars, Künstlers oder Unternehmers.

    Mit einer soliden Ausbildung sind zumindest normale Einkommen wahrscheinlicher, obwohl es auch Studienfächer mit sehr geringen Marktchancen gibt.

    • Michael sagt:

      Ist das der Beitrag zur Aufarbeitung der Geschehnisse in den 30ern insbesondere der vorherrschenden Denke?

      Mit Verlaub
      ‚Einige der Schüler werden es sicher sehr schwer haben später einen Job zu bekommen, ‚
      Das bestimmt. Aber alle.

      – weil sie für die Arbeitswelt nicht sozialisiert sind
      Das kann nur einen Deutschen einfallen.

      – und auch die Grundfertigenkeiten fehlen.
      Jo mei.

      Das hat sich der Computer der einst ein Mensch war auch gedacht bevor er durch einen ebenbürtigeren Ersatz wurde abgelöst.

      – Einige andere Kinder waren aber nach meiner Einschätzung auf der völlig falschen Schule, vom Intellekt und der Sozialkompetenz.
      Damit haben sie jetzt mind. 90% der Deutschen Manager beschrieben. Sie wissen wie es mit hohen Einkommen unselbstständig Erwerbstätiger ist. Wer nicht viel kann muss mehr tauschen, deswegen bekommt jener der nichts kann hohes Einkommen.

      Vergessen sie das alles.

      Das Konzept von Arbeitsteilung und Tausch als Bewirtschaftungsmodell außerhalb der Erstellung von Gütern deren Rohstoffe begrenzten Ressourcenpools werden entnommen hat abgedankt. Damit ist die Sozialisierung, das ist eine nette Umschreibung für Abrichten, obsolet.

      Wahr ist dass nicht nur in .de genauso in .at schwer vermittelbar bleibt, dass die Fähigkeiten einem selbst zum Vorteil gereichen. Möglw. ist das nicht gewollt und man will Kreaturen schaffen die nur im Kollektiv bestehen können. Deswegen auch meine Anspielung an die 30er und das Aufblühen der industriellen Fertigung damals. Man kann das Konzept nicht ewig in die Breite treiben, wie wir im Moment beobachten.

      Dass sich irgendwann mal der Geist dagegen wehrt haben sie selbst beobachtet – Hinterfragen.

      Akzeptieren sie, dass in Zukunft die Leichtigkeit des Seins im Vordergrund steht … das wird auch .de nicht ändern können.

      Wir haben die Menschen aus den Job wegprogrammiert, die Verknappung mehr oder weniger beseitigt und damit die Menschen vom Verschwenden von kostbarer Lebenszeit im Tageslicht befreit.

      Fatality? Würde eher sagen. Flawless Victory!

      • Chris sagt:

        Si tacuisses, philosophus esses – oder: Wenn du mal wieder keine Ahnung hast, einfach Klappe halten.
        Ach wie einfach ist es doch, einfach mal so grobe Keulen zu schwingen. Aber dann sollte man wenigstens die Fakten kennen (oder sich vorher informieren).
        Um nur eines herauszugreifen: Die „Anspielung an die 30er und das Aufblühen der industriellen Fertigung damals“ ist entweder eine bewusste Geschichtsverfälschung, oder aber eine Bildungslücke. Die Blühte der Industriellen Fertigung begann VOR dem ersten Weltkrieg (übrigens gab es schon vor Henry Ford Fließbandproduktion…) und kam zu voller Blühte danach in in den 20ern.
        Die 30er Jahre hingegen waren geprägt von der Weltwirtschaftskrise, die 1929 ausgelöst wurde und selbst Ende der 30er Jahre nicht in allen Ländern überwunden war.

  5. Chris Grier sagt:

    Höchstes Misstrauen hatte ich immer gegen die, die sagten, das brauche man später im Leben nicht mehr. Alles braucht man später. Aber die, die das glauben, die sind erst mal keine Konkurrenz mehr.
    Seit John Hattie‘ Metametastudie „Lernen sichtbar machen“ kann Professionellen klar sein: it’s the teacher stupid – vergesst die Schulformenstrukturallevierjahreneuesaudurchsdorfdiskussion für Pensionsanspruchsbedrechtigte, Schulverschickung. Die Lehrer richten’s/richten, nicht die s.o. Da lohnt sich Investition in Bildung (= ungleich Gehalt).
    CMG/

  6. SergeantHobbs sagt:

    Das ganze System ist krank. Beginnend bei der Schulausbildung, bei der die Kinder nicht lernen, wie sie später ihr Leben selber (positiv) gestalten können, sondern wo es nur um das kurzfristige Erreichen von Noten geht. Wer sagt denn, dass ein Abiturient intellektuell besser dasteht als ein Hauptschüler? Ein Abiturient kann auch ein Abitur haben, weil er es geschafft hat zur richtigen Zeit den richtigen Stoff auswendig zu wissen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe in Bewerbergesprächen Abiturienten gehabt, die manchmal dümmer als das sprichwörtliche Kalb vor´m Uhrwerk waren. Und ebenso Hauptschüler, die mit einem gewissen Maß an Witz und Charme mein Erstaunen erregt haben, weil sie einfach pragmatischer durch das Leben gehen (müssen).

    Krank ist auch das ständige „Optimieren“ durch die Arbeitgeber. Es werden Hürden aufgebaut, um sich selbst möglichst wenig Arbeit zu machen: wer die Stellenanforderungen nicht annähernd erfüllt, fliegt durch´s Raster. Auf diesem Wege sind schon viele „Perlen“ von Arbeitskräften unentdeckt geblieben, weil nicht mehr der Mensch dahinter angeschaut wird. Wozu das führt, kann man allenthalben erleben.

  7. Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass bei Arbeiten, die die volle Konzentration auf das Wesentliche erfordert, die Fehlerquote bei Abiturienten höher war als bei Hauptschülern. (z.B. in der Lagerlogistik)

  8. Joachim Schnurrer sagt:

    Gibt es denn überhaupt in der Diskussion Grundlagen oder „Basics“, die man als „gesichertes Wissen“ betrachten kann? Wenn nicht, dann diskutiert jeder irgendetwas, das aus einer nicht bekannten „Ursuppe“ von Meinungen/Einschätzungen entsteht.
    In Deutschland ist Erziehung/Bildung ja Ländersache und damit dem Risiko der „Schwarmdummheit“ ausgesetzt, da hier ja nur ausgemachte Fachleute/Spezialisten (hahaha!?) zu Gange sind, die laut Theorie ja nichts Intelligentes zuwege bringen können (Schwarmdumm bedeutet ja, dass sich die Leute nicht freiwillig zur Lösung dieses Problems zusammengefunden haben!).
    Insbesondere die „Elternhäuser“ haben die Chancen ihrem Nachwuchs die Fertigkeiten und Eigenschaften zu vermitteln, sofern dort Schwarmdummheit weitgehend abwesend ist. Der Rest muß sich mit Schwarmdumm abfinden.

  9. Michael sagt:

    Wie oben bereits erwähnt, offensichtlich ist es schwer zu vermitteln, dass Bildung einem selbst Nutzen stiften kann.

    Der Peter Kruse hat das mal ein Abschluss einer Rede vorgetragen, ‚Der Staat hat 500k Jobs geschaffen.‘ ‚Besten Dank‘ sagt der Arbeiter, ‚Ich habe 3 davon‘.

    Der Nachteil von Arbeitsteilung und Tausch, altbekannt, ist einfach, dass sein Talent zu verwenden einem selbst nichts bringt. Egal ob wir das sehen aus der Perspektive der Sinnstiftung oder des Nutzens.

    Früher war das klar. Der Arbeitnehmer bringt sich ein im Rahmen der Fertigung der Güter und erhält Tauschmittel damit er das von anderen produzierte kann eintauschen. In der Systematik wird die Anwendung des Talents für die eigenen Zwecke nicht belohnt. Wo kein Tausch kein Geld. Das gilt in beide Richtungen. Genau aus dem Argument wird die Herabwürdigung nicht funktionieren.

    Jetzt bleiben 2 Alternativen. Man hofft, dass die Menschen die nicht in der Arbeitsteilung Fuß fassen etwas schaffen (Asset: Viel Arbeitseinsatz im eigenen Auftrag oder Private Equity), das getauscht werden kann – Künstler oder Erfinder oder die Menschen zumindest konsumieren.

    Wer hat denn früher die neuen Produkte gekauft – der Unternehmer. Die Chancen liegen entlang der Bleeding Edge und dort zu balancieren muss gekonnt sein. Kapitalgesellschaft mir allein unselbstständig Erwerbstätigen sind alles andere als ein Garant, dass Menschen ihre Kreativität freisetzen. Kreativität freizusetzen nachdem jemand, wie von ‚Aufklärung‘ angemerkt, in Richtung Arbeitsleben wurde sozialisiert ist eigentlich schwer möglich.

    Die Krux besteht eher darin eben diesen Vorteil für sich selbst zu vermittlen und nicht die Message mit auf den Weg zu geben, ‚Lerne brav, damit alle anderen etwas davon haben‘. Der Nutzen für die Gemeinschaft ist eher das Abfallprodukt und nicht der Sinn des Strebe(r)ns.

  10. Thomas Wittlinger sagt:

    “good enough” ~ not good enough by half…;]
    Wie immer es kommt auf die Inhalte der “Bildung“ an. Wer immer nur „Hüllendiskussionen“ > „G8/G9“, „Sekundarschule“, „Gemeinschaftsschule“, “Primusschule“ etc. pp.< führt landet sehr schnell bei „Des Kaisers neue Kleider“!
    Solange die Entscheider „Bildung“ nur an der Verpackung festmachen besteht die große Gefahr, dass am Ende nur eine Mogelpackung entsteht. Ob u.a. eine „Primusschule“ wirklich einen „Primus“ hervorbringt muss sich noch zeigen.

    Es geht auch anders ~ "Hauptschule pusht Karriere" …;]
    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-02/hauptschulabschluss-arbeitsmarkt-karriere-chancen

    Es bleibt spannend!

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