DD243: Pre/Trans Fallacy – die Verwechslung von Gestern und Morgen (Juni 2015)

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18 Antworten

  1. Wiesi sagt:

    wie bekommt man das zu einer breiteren Leserschaft?
    Aber wahrscheinlich würde es nichts nutzen, da man ja dann die bequeme, erprobte Argumentationskette aufgeben müsste…

    Ich glaube, wir brauchen doch mehr German Mut

  2. Schoppmann sagt:

    Bin dabei

  3. L.Huber sagt:

    So sehr ich der These „Die Zukunft wird anders“ zustimme, ist die Antwort m.E. nicht ganz so einfach. Überspitzt ausgedrückt klingt das ein bischen wie „Blind in die Zukunft“, was sicher nicht so beabsichtigt ist.

    Einerseits braucht es Mut und die Bereitschaft das Neue zu wagen und die Bereitschaft, dabei auch Fehler zu machen. Denn nur so Lernen wir und kommen voran. Andererseits ist hat der Rückblick die wichtige Funktion, Fehler nicht zu wiederholen, denn das würde bedeuten nichts daraus gelernt zu haben und deshalb gerade nicht voranzukommen.

    So leisten sowohl die Mutigen als auch die Zögerlichen einen wichtigen Beitrag auf dem Weg in die Zukunft; die Kunst ist die richtige Balance zu finden.

    In der Veränderung fällt es grundsätzlich leichter, das zu erkennen, was bereits da ist und ggf. verloren gehen wird im Vergleich zu dem noch Unbekannten, das dafür gewonnen wird. Deshalb sind die Zögerlichen häufig nicht nur gefühlt in der Überzahl. Und deshalb finde ich den Aufruf – mit in die neue Welt zu kommen – richtig und wichtig.

  4. Michael Stühr sagt:

    Das ist mir heute alles ein bisschen banal, das können Sie besser, Herr Dueck! Wer aufbricht und macht, sollte zumindest einen Plan haben. Wenn schon nicht die gesellschaftliche Utopie der früheren Tage, so doch eine „Vision“ seines Lebens von morgen. Und das ist keine Frage des Internets, sondern einer Ethik, die wir finden müssen, wollen wir uns in Zukunft nicht durch Konzerninteressen und Geheimdienste fremdbestimmen lassen. Wir müssen dringend als Gesellschaft bestimmen, wie die Grundlagen unseres zukünftigen Lebens aussehen sollen, dann können wir Einzelne wirklich aufbrechen und machen. Wenn wir uns da nicht ganz schnell substanzielle Gedanken machen, landen wir in der Abhängigkeit, der Beliebigkeit oder im Klein-Klein von Crowdfunding-Projekten.

    • Gunter Dueck sagt:

      Ich erinnere doch hier so oft an Notwenigkeiten der Zukunft, Profeessionelle Intelligenz, Humboldt 4.0, neue Industrien fuer gute Arbeitsplaetze usw. Das Problem ist, dass zB Sie immer gleich noch die Menschen an sich verbessern wollen, was noch nie geglueckt ist. Dieser Versuch ist eben die Fallacy, ueber die ich schrieb. Zu viel Idealismus blockiert.

  5. Oliver Tacke sagt:

    Erinnert mich an den Roman „The Shockwave Rider“, der auch als Metapher dafür verstanden werden kann, in einer künftig unbekannten Welt zurechtzukommen — eben auf den bisher unbekannten Wellen zu reiten.

  6. Wolfram Kölling sagt:

    Ja auf in die Zukunft ohne in Gegenwart und Vergangenheit hängen zu bleiben. Wir müssen aber das schon bestehende mitnehmen, sonst wird alles neue zu Illusion, zum aufgeblähten Ego. Mit Ken Wilber können wir das Boomeritis nennen. Also Vergangenheit ja, aber nicht als Bremse wirken lassen. Gegenwart ja, aber nicht als Bremse wirken lassen. So gehts dann auf zu Neuem (im Alten). Wir suchen nicht wir finden dann das wirklich Neue.

  7. Die technische Entwicklung verläuft immer schneller, die Entwicklung der menschlichen Psyche aber nicht. Die Gestaltung der Zukunft sollte immer den Menschen und seine immateriellen psychologischen Bedürfnisse in den Mittelpunkt rücken. Nur so ist zu erwarten, dass der technische Fortschritt auch wirklich den Menschen dient und nicht nur sich selbst. Wenn es in der Vergangenheit Strömungen gegeben hat, die genau diesen Ansatz als Ideal vertreten haben, dann macht es durchaus Sinn, dieses Ideal in Erinnerung zu rufen. Deshalb sind alte Ideale („… Solidarität, Gemeinschaft, Gemeinsinn und Inklusion, zu Wertschätzung und Liebe … „) nicht automatisch veraltet, schlecht und hinderlich. Ohne diese an der menschlichen Psyche orientierten Ideale fehlt dem Fortschritt die sinngebende Richtung.

  8. Thomas sagt:

    Das erinnert mich an die „hätte ich doch“ Menschen, die vergangene Entscheidungen mit ihrem heutigen Kentnisstand beurteilen. Nur, dass sie damals noch gar nicht wussten, wie die Sache heute aussieht und dies auch nicht wissen konnten. Entscheidungen in Ungewissheit. Das ist in der VWL eine große Sache.

  9. Thomas H sagt:

    Danke für die Anregung! Da rattert es in meinem Kopf. Das ist, obwohl so einfach, ein spannender Gedanke. Das klingt fast so, als könnte die Menschheit neu anfangen. Mit neuen Denkmustern und mit der Chance ohne Hierarchie, ohne Krieg … jetzt geht es mit mir wieder durch. Wie gesagt, es rattert. Danke dafür!

  10. Sabine sagt:

    Sorry, aber diesem Gedanken kann ich leider ausnahmsweise mal nicht folgen.
    Wenn ich heute in die Vergangenheit schaue auf einen Punkt, in dem ich in die Zukunft geschaut habe und der jetzt mittlerweile auch schon in der Vergangenheit liegt, dann sehe ich einfach, dass sich Verschlechterungen und Verbesserungen ergeben haben. Ich kann diese Vergangenheit nicht einfach wegwischen und sagen „Toll! Die Zukunft! Da kommt was Neues! Lasst uns die Vergangenheit über Bord schmeißen und unbedarft voran schreiten!“. So zu agieren, das hieße für mich, aus der Vergangenheit nicht zu lernen. Und wie genau schaut eine „real zuversichtliche Sichtweise“ aus? Frau Birkenbihl hat einmal den folgenden Vergleich gemacht: „Wenn die Wahrheit zwei Meter lang ist, sieht jeder von uns nur wenige Zentimeter davon – und die müssen sich nicht überlappen.“ (aus der Erinnerung zitiert). Und wenn die Wahrheit – also das Jetzt – schon so ungleich bewertet werden kann, wie soll das erst für die Zukunft ausschauen?
    Die Zukunft kommt immer – basierend auf dem, was wir jetzt tun.
    Aber vielleicht habe ich den DD243 auch einfach nicht verstanden, weil ich realistische Idealistin bin 😉

  11. Tina sagt:

    Jap. Wir müssen uns davon lösen, die Zukunft mit den Augen der Vergangenheit sehen zu wollen. Was auch immer dabei herauskommt. Machen.

  12. Dieter Past sagt:

    Die Welt verändert sich immer. Wir wissen doch seit Darwin, dass die Anpassungsfähigsten überleben werden. Das Buch bringt moderne Einsichten! (siehe Website)

  13. Walter Hehl sagt:

    Ein Worst-Case für Vorhersagen und deren Akzeptanz ist der „Reversal of Defaults“ – die Drehung der Bedingungen um 180 Grad. Dies ist gerade durch IT immer wieder der Fall, etwa im Original von RL Riverso:
    „reversal of defaults“: what was once private is now public; what once was hard to copy is now trivial to duplicate; what was once easily forgotten is now stored forever.“
    Ein amüsanter Reversal ist die öfffentliche Haltung zu Autos und Computer: „Ein Computer wird niemals ein Auto fahren “ (habe ich so oft gehört!)“ und heute „der Mensch wird nicht mehr das Auto fahren dürfen, es ist viel sicherer mit Computern“.

    Wer Reverals um 180 Grad zu früh vorhersagt, gilt als hoffnungsloser Optimist und Futurologe.

  14. Martin sagt:

    „… anstatt dies, das…“ oder „wir müssen …“ – wieso nicht möglichst „sowohl… als auch…“? (Zusammen-)Leben ist nicht binär. Und zum Beitrag von Dieter Past weise ich darauf hin, dass die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft nicht viel mit Evolution gemäss Darwin zu tun hat :-).

  15. Walter Hehl sagt:

    Noch eine Ergänzung zur Täuschung in der Vergangenheit („Post-Trans-Fallacy“): Das allgemeine Geschichtsbild in heutiger Sicht ist voller Fehler und Fehleinschätzungen, dies gilt für Galileo Galilei bis Charles Babbage und Ada Lovelace. Professionelle Historiker betten die Aussagen in den richtigen zeitlichen Kontext ein; ein wunderbarer Blog hierzu ist der RENAISSANCE MATHEMATICUS

    https://thonyc.wordpress.com/

    Ein sensitives Beispiel ist die „Deification“ von Ada Lovelace … (siehe dort)

    Für die Zukunft korrigiert erst der Strom der Entwicklung die Fehleinschätzungen … Leider werden dann die alten Fehlvorhersagen vergessen („Ein Computer wird nie …“)

  16. Ich hielt Anarchie immer für den erstrebenswertesten Zustand einer Gesellschaft. Die Utopie meiner Wahl, wenn man so will, die wir erst erreichen können, sobald wir den Star-Trek-Sozialismus überwunden haben 😉

  1. 1. Juli 2015

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