DD271: Design Being! Über proaktive Lebensgestaltung und Design Thinking (Juli 2016)

Das könnte dich auch interessieren...

19 Antworten

  1. Die neuen Posts bekomme ich über Twitter, da ich dort über 500 Leuten folge, kann ich nicht alles lesen, Gunter Dueck lese ich aber.

    Was die Japaner da machen ist typisch, die ziehen am Halm, mit entsprechenden Resultaten, wäre es ein Feld, das bestellt würde, würde das Feld entsprechend und verwüstet aussehen. Albert Schweitzer und um gleich mit Gott zu verbinden, kam auf ganz andere Vorstellungen, nämlich die Ehrfurcht vor dem Leben und das scheint mir hier total zu fehlen. Design löst ohnehin Friktion aus, diese Friktion widerspricht bereits der Ehrfurcht vor dem Leben. Nishida hat für Japan die ganzen Ethikgrundlagen von Kant übernommen inkl. der damit verbundenen Imperative, die verbieten, andern Leiden zuzufügen, mit Albert Schweitzer auch nicht Muscheln. Schweitzer verbesserte denn auch Kant, denn Schweitzer sah bei Kant überall dort Probleme, wo Kant unschlüssig blieb, Religion oder Ethik anzuwenden. Schweitzer entschied sich klar für die Ethik mit erwähnten Folgen. Und zum Unterhalt empfahl Schweitzer, dass jeder täglich ein Amt übernehme, egal wie klein, welches anderen das Leben verbessert. Das bedeutet dann auch, dass andere nicht zu insgesamt mehr Verbesserungen kommen, wenn auf Kosten dieser anderen nichts selbst getan würde (wenn aber nun einer nur Mist bauen würde und nichts könnte, schadet der wirklich weniger, wenn er nichts tut). Ethik steht also ganz klar vor jedem Design.

    Schweitzer widerspricht der Bibel, wo sie nicht ethisch ist. Für einen Theologen mutig und aber fundiert.

    Design würde einseitig auf Ästhetik setzen, die aber damit eigentlich geschmacklos wäre. Und geschmacklos wäre dann auch der Druck, der erzwungen wird, gewisse Perlen zu produzieren und auch verbunden mit den dafür nötigen Opfern.

    Das ist das, was es eigentlich ist, das Produzieren und Provozieren von Depressiven und Depressionen usw. ist an sich geschmacklos.

  2. „Wir gestalten unser Leben einmal so, dass für „den Kunden“ alles perfekt passt. Der Kunde sind wir selbst.“
    http://www.sandra-klinkenberg.de/mediapool/107/1076577/data/10Prinzipien-in-Anwendung.pdf
    Wäre machbar. Allerdings nur für Menschen, die einen Mindest-entwicklungsstand in Sozialkompetenz positiver Art haben. Alle anderen werden es für sich selber ablehnen.
    http://www.sandra-klinkenberg.de/mediapool/107/1076577/data/_Organizations-HF-DM.pdf

  3. „Design würde einseitig auf Ästhetik setzen“
    Genau das ist es, was Design Thinking mit seinen Prozessstufen eben nicht nur macht. Durch den Prototypenbau wird gerade der praktische Nutzen eines Produktes oder einer Dienstleistung einem intensiven Praxistest unterzogen.
    Design Thinking mal aus der Metaebene zu betrachten ist ein sicherlich sinnvoller Ansatz. Wenn man allerdings aus zu großer Entfernung darauf schaut, geraten einem schon mal die Details aus dem Blickfeld…

    • Jörg Debus sagt:

      Leider wird „Design“ allzu oft nur mit der Gestaltung der sichtbaren Hülle gleichgesetzt. Das ist aber sehr kurz gegriffen.

      Beim Fliegenfischen kann man schön sehen, wo der Unterschied liegt. Dem gefräßigen Fisch gefällt die künstliche Fliege. Er schnappt zu und schon hängt er am gut versteckten Haken und landet in der Pfanne. Facebook und Twitter und Co. lassen grüßen.

  4. Jörg Debus sagt:

    Design Thinking ist als Methode zur Gestaltung von Dienstleistungen, vor allem IT-Dienstleistungen, eine äußerst gute Sache, weil ein sehr grundlegendes Problem angepackt wird. Die Qualität von Dienstleistungen als wesentlicher Bestandteil einer Kundenbeziehung hat bisher kaum Rolle spielt. Es sei hierzu nur an die „bis zu“-Commitments der Telekommunikationsindustrie erinnert. Der Kunde ist hier nur über seine IBAN im Fokus.

    Um so bedauerlicher ist, dass Design Thinking so wenig erfolgreich umgesetzt wird. Vielmehr wird das Verfahren wieder einmal zum „Tagging“ von Lösungen verstanden, die genau so wenig für den Anwender fühlbare Qualität besitzen, wie bisher.

    Wild Duecks Idee, doch einmal bei sich selbst mit Design Being anzufangen, finde ich sehr charmant und würde sie vor allem Produktmanagern für Dienstleistungen sehr empfehlen.

  5. Martin sagt:

    Über Geschmack lässt sich immer streiten. Designrichtungen gibt es auch viele.
    Bei Design Thinking ist es wie mit jeder Methode: Sie muss richtig eingesetzt werden. Wer versucht damit einen A380 zu bauen, wird wahrscheinlich Probleme bekommen – bei einer übersichtlichen App sieht das anders aus.
    Universell einsetzbar ist so gut wie nichts.
    Mal sehen, ob das Entscheider (auch) einsehen.

  6. Oliver sagt:

    Mit ‚Fail early & often‘ beherrschen wir ja bereits ein Prinzip des Design Thinking recht gut, wenn auch meist nicht freiwillig.
    Leider scheitern wir all zu oft an ‚One conversation at a time‘, weil wir verlernt haben zu zu hören, denn dafür müsste man sich ja Zeit nehmen.
    So wird es also mit dem Design Being vermutlich nichts werden. Wir sollten uns trotzdem bemühen, hoffentlich schmerzfrei.

  7. Borusse sagt:

    Sinn und Psedudosinn, Depression/Manie oder wahres Interesse, Anteilnahme…

    Vieles wird in Dichotomien beschreibbar strukturiert und bleibt doch meist unvollständig und missverständlich als pars pro toto, nur situativ und konkret verständlich, ein Gedanke als Prototyp einer neuen Bewegung oder erkennbaren Tendenz? Mehrere Pendel schlagen – quasi chaotisch – irgendwo ständig aus. Deswegen versucht man große „Probleme“ zu zerlegen um die Hoffnung zu wahren, dass das Lösen der vielen kleinen Probleme auch das große dann am Ende löst. Ist aber nicht immer so, kommt aber auf die Bewertung (äh, Statistik) und das „Problem“ an 🙂

    Wikipedia (Polytomie)
    „Der Inhalt der Polytomie kann nach der Ansicht von Kant nicht auf dem Gebiet der Logik untersucht werden, weil dabei die Objektkenntnis fehlt. Bei der Dichotomie wird der Inhalt des einzuteilenden Begriffs nicht erforscht, man benötigt nur den Satz vom Widerspruch.“

    Allgemeingültige Regeln gelten nicht immer für alle Situationen mit Menschen. Der Mensch handelt doch – in einer sich ständig ändernden Umgebung – meist auch mehr mit dem Prinzip Trail and Error (nach Gefühl), als mit gesicherte Erkenntnis (oder eben mal so, mal so – das könnte man hoffentlich meist als derzeit Vernünftig oder „das Vernüftigste“ bezeichnen), die dem nächsten Schritt vorhergeht.

    Der Mensch ist fehlbar. Bleibt also neugierig und achtsam! und eben nicht krankhaft narzisstisch, dann ist innerer Antrieb eben nicht die ständige unempathische Vorwärtsverteidigung (ein Angriff) geworden, der bei Gegenangriff zu Eskalation bis zum Tode führt… aber sterben werden wir ja alle, sagt der Narzisst dann? Der Grandiose fühlt sich bestimmt lange einsam nachdem der Depressive schon mal vorging… besser mal Deeskalieren und ein bisschen Gemeinsamkeit pflegen, oder?

    Jeder wie er es gerne hätt – Gesetze regeln, Gott sei Dank, das Zusammenleben, sonst wäre hier noch mehr Chaos in Deutschland (Mitteleuropa), zu viel meine ich. Tolle Errungenschaft der Menschheit, die sich aber selbst kaum zähmen kann, eher zum schädlichen Virus für die Erde, den eigenen Lebensraum, wird und so sehr nach den Sternen greift um am Ende was Bitte noch herauszufinden?

    (Ich habe nix gegen Forscher, im Gegenteil, ich möchte nur „erden“, sprich relativieren – aber nicht Deinen positiven inneren Antrieb!!!)

    Mehr Chaos und Zerstörung als in Syrien geht ja kaum noch, z.B.. Wo wäre da der Sinn, außer im Leben eines Negativbeispiels namens Unmenschlichkeit, die die Menschheit aber auch immer wieder erschreckend hinbekommt, teilweise auch einzelne Menschen, die wir dann als eindeutig krank wegschließen müssen bevor sie weiter schrecklich wüten.

    Hier noch ein Pärchen: Krieg und Frieden.

    Der Sinn ergibt sich meist dann, wenn wir aufhören darüber zu sinnieren was ihn ausmacht.

    Extreme bringen in Bewegung, Ausgleich hält still.

    Der Mensch lebt sein Leben eher wie ein Tier und versucht sich zu oft unbewusst durch zivilisatorische Zwänge motiviert künstlich selbst zu Überhöhen (oder andere tun das für ihn… äh Hitler ist nur ein prominentes Bsp, für viele kleine Tragödien ähnlicher Struktur im Alltag der Familien und Gruppen, auch heute, täglich. Ja, Hitler war auch ein Mensch) um das zu meistern was die Menschheit bis hierher angerichtet hat, „Gut und Böse“. Viele Kausalitäten, Ursachen verdrehen sich mit deren Auswirkung über die Zeit so sehr miteinander, dass sich die Wurzel nicht mehr finden lässt oder gar eine abschließende Bewertung in dichotomischer Art und Weise: hier das eine „Böse“ dort das andere „Gut“.

    Oft hilft da nur noch der Glaube und Demut – damals wie heute.

    Was Du nicht willst das man dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu.

    Leicht gesagt, praktisch stößt das sehr schnell an Grenzen. Ich spare mir die Begründung gegeben durch gängige psychologische Modelle.

    Tja was ist das jetzt hier? Hoffnung oder Destruktivität – menschlich gesehen wohl immer beides (kommt auch auf den leser an), aber das Konstruktive ist der wirkliche Star, der Glück bedeutet. Auch für Narzissten, äh, Muscheln, die Perlen hervorbringen.

    Wir sind jetzt schon alle Design und möchten das wohl auch bleiben… oder?

    Bleibt bitte lebendig, menschlich und konstruktiv, immer, versucht es zumindest auch dann, wenn es mal wieder schief ging (und ihr es sogar gemerkt habt) und sorgt für Ausgleich bei Schuld. Und bleibt auch konkret, nicht wie ich hier 😉

    Keep the balance right (over time).

    Guckt nicht zu weit, eher so zum Nachbarn, z.B..

    LG Borusse

  8. Jürgen Vetter sagt:

    „So viel Pseudosinn wie nötig, so viel Sinn wie möglich.“

    Das wusste schon Fromm, Haben oder Sein (1976)

    • Borusse sagt:

      „Schon“ (im Sinne der Menscheitsgeschichte) ist lustig :-), aber Fromm hat schon was und, besser spät als nie… (ich danke ihm für seine Offenheit und Arbeit)

      Auch „Die Kunst des Liebens“ ist als Kompass und Landkarte für (enge) Beziehungen und Menschenzugewandtheit übrigens auch für jeden zu empfehlen.

      Mein „Liebling“ der Narzisst, der _hat_ (und sucht) [dauerhaft, zunehmend und verkrampft] mehr im außen als er im Inneren tatsächlich _ist_. Wer weniger im aussen sucht und _hat_ als er im Inneren [dauerhaft, zunehmend und evtl. stur oder nur überzeugt] ist, der wird sich tendenziell dem Wechselspiel des Lebens eher entziehen als anbieten, Budda?.

      Am lebhaftesten aber auch anstrengendsten ist es situativ wiederholt beides zu kultivieren, Haben und Sein. Mal mehr das eine mal mehr das andere aber immer zusammen, gemeinsam mit den natürlichen Abläufen und Zyklen dieser Welt, eben nicht anhaltend extrem und polarisierend, nicht ausbeuterisch.

      Was das mit ITIL oder Design Thinking/Being, Nachhaltigkeit, Verbesserung und Vertrauen zu tun hat? Sehr viel. Die Lösung liegt so oft in uns selbst und den tatsächlich vorgelebten Tugenden der Chefs, bzw. aller Mitarbeiter, die sich ihrer selbst wegen verbunden und verpflichtet fühlen (sollten), durchgehend, nachhaltig.

      Man könnte auch sagen „Frage Dich nicht zu sehr was der Kunde an Dich mehr zahlen kann, sondern zuerst was Du dem Kunden noch besser liefern kannst. Denke dabei auch an die Natur und vieles andere in das Dein Tun eingebettet ist – eine tatsächlich nicht triviale Aufgabe“.

      Als gutes Beispiel voranzugehen ist eine anspruchsvolle Aufgabe an sich selbst und sie hört nie auf genau das zu sein.

      Nicht viele Firmen werden so geführt, nicht alle Produkte machen so etwas überhaupt möglich. Wir leben in einer „Hochzeit“, der „Hochzeit“ der Menschheit schlechthin. Das ist oftmals Fluch und Segen zugleich, nicht?

      • Jürgen Vetter sagt:

        „Schon“ im Sinne von früher aber nicht noch früher:
        das Biosphärenreservat für Frommsche und später Duecksche Gedanken hat sich bestenfalls ab Anfang der 70er mit wachsenden Wohlstand für größere Menschenmengen geöffnet.
        Seneca z.B. war Teil einer winzigwinzigwinzig kleinen Oberschicht und seine Leserschaft war wiederum nur ein Teil davon.

        Das Narrativ bis 1970 und natürlich außerhalb des Westens bis heute lautet: Gehorche oder leide.

        • Thomas_V sagt:

          Der Spruch geht anders: „Lerne leiden, ohne zu klagen“. 😉

          • Jürgen Vetter sagt:

            Stimmt schon, aber das Leiden beim Gehorchen wird von der Obrigkeit versüsst. Gelegentlich gibt es fürs Gehorchen sogar einen Dienstwagen, dafür muss man dann natürlich anderen Muscheln ein spitzes Teil einsetzen.

          • Thomas_V sagt:

            Ich bin Österreicher. Wir haben das Gehorchen quasi erfunden. 😉
            Aber es funktioniert doch?! Ich habe echt Angst, dass wir das viel zu sehr aus unserer Egozentrik raus sehen. Von vielen Menschen wird das Leben doch als perfekt empfunden, wenn sie einen Job mit gutem Lohn haben, ein Einfamilienhaus, Frau und Kinder. Mehr wollen/brauchen die vielleicht gar nicht. Ob der Job gut ist, die Ehe bereichernd und die Kinder ein evolutionärer Fortschritt muss im normalen Leben normaler Menschen vielleicht wirklich keine Rolle spielen.

  9. Thomas_V sagt:

    Sehr gut geschrieben!

    Diese Verletzung ist ja dann auch eine, wie sie beschrieben haben, Art Trigger. Die Verletzung los zu werden, ist gar nicht so einfach. Man muss da schon sehr an sich arbeiten, um sie los zu werden. Er reicht nicht aus, sich der Verletzung und ihrer Sinnlosigkeit bewusst zu sein. Man muss auch seinem Unterbewusstsein klar machen, dass diese Verletzung verschwinden muss; und das ist schwierig. Wenn ich mir meine Verwandtschaft ansehe: Der eine möchte schön sein, der andere viel Geld haben, der dritte giert nach Anerkennung. Mein Großvater sagt, er hätte seine Kinder noch härter erziehen sollen.
    Hie und da merkt man dann, dass sie keinen wahren Sinn in ihrem Leben haben.
    Ich halte das Leben zwar für objektiv sinnlos, was mich aber nicht daran hindern, ihm einen subjektiven Sinn zu geben; frei nach Viktor Frankl.
    Es ist schon lustig, dass ich nicht der einzige bin, der sich über so etwas aktuell Gedanken macht. Ich hatte als Arbeitnehmer laufend das Gefühl, meine Lebenszeit zu vergeuden, die meiste Arbeit war sehr sinnlos und ich hatte mir dabei gedacht, dass es doch nicht der Sinn des Lebens eines normalen Menschen sein kann, sich mit Unwichtigkeiten zu befassen, vor allem dann nicht, wenn man sie weg rationalisieren könnte oder zumindest automatisieren. Ich glaube aber, dass das nicht viele Menschen so sehen. Ich habe schon den Eindruck, dass die meisten damit zufrieden sind, ihren Stapel abzuarbeiten; und gut isses.

  10. Hans Sprungfeld sagt:

    Sehr geehrter Herr Dueck, vielen Dank für Ihre Texte und Vorträge. Sie wirken unterschiedliche auf mich. Jetzt gerade muss ich heulen.

  11. Christian sagt:

    Eine schöne Allegorie.
    Weniger schön ist das Verhältnis von 1 zu 200 für lebenslange(n) Mühen/Schmerz. Aber nur wenn mindestens eine (Mit)Muschel absichtsvoll geopfert wird.
    Und wieviel schmerzhafte Eingriffe produzieren nur Enttäuschung?
    Zumeist ist die erste schöne Perle erst der Anfang.
    Dann kommt die Gier. Nur nach schönen Perlen? Oder auch nach Schmerz? Und Enttäuschung?
    Ist das Leben nichts als ein grosses Spiel? Und die Menschen nur süchtige Spieler, die nichts als zwei Endzustände kennen: Haben oder Nichtsein?

  1. 12. August 2016

    […] Gefunden auf Gunter Duecks omnisophie-Seite: Design Being! Über proaktive Lebensgestaltung und Design Thinking […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.