DD290: Short-Attacken oder Pech durch Mittod – Milliarden vernichtet! (April 2017)

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15 Antworten

  1. Christoph sagt:

    Dieser Artikel ist alarmierend und ein absoluter Augenöffner. Ich wünsche ihm möglichst große Verbreitung, vor allem in den Reihen der Verantwortlichen in der Politik und im Bankengeschäft.

    Short Attacks sind fraglos ein Verbrechen, aber die Rolle der Banken stößt dabei besonders übel auf. Vor meinem geistigen Auge entstehen Bilder von überfetten, glatzköpfigen Bankbossen mit dicken Zigarren im Mundwinkel, wie sie hämisch grinsend mit ihren gierigen Wurstfingern die Knockout-Jetons vom Spieltisch abräumen und dabei rufen, „Ist ja nicht unsere Schuld!“

  2. Hr Dueck hat es mit der Zeitung und den Anlegern, die nach einem Short Attack sich darüber den Kopf zerbrechen, schon angedeutet:
    Die Realität ist das, was passiert. Nichts macht dies rückgängig!!!*
    Um es zu konkretisieren: Ich denke nicht, dass Gesetze hier helfen können. Es ist so wie der Terror: Alleine die Angst(das fehlende Vertrauen) durch Anzeichen löst in den Menschen einen Handlungstrieb aus.
    In der heutigen Welt ist alles so schnell, dass man mit dem Geld „längst über alle Berge ist“.

    Ich gehe noch einen Schritt weiter: Selbst wenn man den oben im Beitrag beschriebenen Fall als Betrug entlarvt(!), und man dadurch die Aktie rational und theoretisch behalten kann(!), ist der Aktienkurs ja kein Abbild des Realwertes(!), sondern ein Angebot-Nachfrage-Konstrukt. Damit muss nur einer(!) annehmen(!), dass ein anderer(!) dies nicht durchschaut und verkauft(und der Wert sinkt). Dies ist praktisch immer der Fall.
    Ok, letzter Schritt: Selbst wenn sie die Aktie halten und nach dem Short Attack nach ein paar wenigen Monaten wieder den Ausgangskurs erreichen, haben sie einen realen Verlust. Dieser besteht in dem Zeitverlust, den ihr Geld/Aktie braucht, um sich zu erholen. Hätten sie eine andere Anlage, würden sie in dieser Zeit vermutlich Gewinn machen. Hätten sie vor der Attacke verkauft und würden am Tiefpunkt(ein paar Tage später) einsteigen, wäre ebenfalls Gewinn drinnen.

    Interessant ist wirklich der Bonus, den das System(die Banken) aus der Sache schlägt. Dies zusammen mit Eigeninteresse ist keine gute Konstellation.

    All das ist so gefährlich, da es sich auf Logik(Mathe) und Psychologie(Zwischenmenschliches) gründet, die nicht so zu verändern sind. Ja, es sind intuitive Annahmen meinerseits, daher kann es auch falsch sein..

    *Gemeint sind die Auswirkungen. Der Geldverlust ist an der Börse zu verteilt, das Vertrauen muss erst ganz langsam wieder wachsen, es gibt niemanden im „System“, der dem betroffenen Unternehmen hilft oder es entschädigt.
    Selbst eine Klage mit positivem Ausgang kann diesen Schaden nichtmal ansatzweise ausgleichen!

  3. Joachim Schnurrer sagt:

    Angst und Gier treibt die Menschheit an. Fake News dienen diesen Ansichten in die eine oder andere Richtung. Vor Jahren gab es im Rohstoffsektor Meldungen über sensationelle Vorkommen, die vom Unternehmen xy ausgebeutet würden. Der Aktienkurs werde sich vervielfachen. Auch hier nutzen entsprechend interessierte Seiten die Fake News, um Profite damit zu machen. Die Anleger waren die Dummen.
    Heutzutage haben aber solche News aufgrund der Verbreitungsmöglichkeiten viel mehr Einfluß als früher auf dem Viehmarkt.
    Manchmal sind auch scheinbar ehrenwerte Geschäftsleute im Fokus, wie in der Affäre Breuer vs. Kirch, die zur Kirchpleite führte.
    Jeder, der sich in diesem Markt betätigt, sollte sich dessen bewußt sein.
    Übrigens hat u.a. der Gesetzgeber die Kreditvergabe von Banken mit den BASEL-Gesetzten gerade für den Mittelstand erheblich erschwert. Selbst als Rentner wird es ein Problem eine Immobilie fremd zu finanzieren, selbst wenn ihr Vermögen höher ist als das Objekt kostet.

  4. Arno Nym sagt:

    Und wieder mal ist es das Werkzeug, welches hingerichtet wird. Konsequent ich bin dafür, Messer, Gabel, Schere und Licht zu verbieten oder zumindest den Gebrauch staatlich zu reglementieren. Schließlich kann man sich oder andere damit übel verletzen oder sogar finanziellen Vorteil aus der puren Androhung einer Gabelattacke ziehen. Wer kennt nicht den gequälten, halb unterdrückten Schrei des potentiellen Opfers Bitte, nein! Nicht die Gabel!!““

    Dieser Weckruf sollte deutschlandweit, ach was – weltweit! – erschallen.

    So geht das nicht weiter!!111einself!!

  5. ThomasV sagt:

    Ich habe nie verstanden, warum ich solche Produkte kaufen sollte. Da kann ich mein Geld ja gleich im Glücksspiel verjubeln.
    Offensichtlich gibt es aber viele Menschen, die genau so etwas suchen…
    Ich persönlich kaufe Aktien und Anleihen rein aus dem Interesse, an der zukünftigen Entwicklung eines Unternehmens teilzuhaben. So war’s doch ursprünglich wohl auch gedacht.

    • Häschen sagt:

      Buy and Hold ist vorbei. Die Aktien gingen nach einer Aufholjagd in den 80ern um den Jahrtausendwechsel in den Zenith. Dann wurden Stockbroker rausgeboxt aus dem Geschäft und die Investmentbanken übernahmen. Das passierte relativ unbemerkt. In dem Sinne war die der Volksaktie ein Beschiss by Design.

      Wenn sie früher einfach Aktien haben gekauft und gehalten war diese Strategie eine gute, heute hingegen bspw. sich auf diese Art eine Pensionsvorsorge aufbauen zu wollen bedingte währen der Arbeit zu traden.

      Mit der Industrialisierung geht einher die Finanzierung des Verbrauchs. Und seien sie versichert die zahlt der Verbraucher, weswegen die Rolle auch so heißt.

      Die Entwicklung der 80er Jahre bis 2k war einmalig. Es ware ein gewisses Aufholpotential da aufgrund der Änderung der Bewertungslogik weg von Substanz zu Hoffnung in alle Ewigkeit abgezinst.

      Sie kaufen heute locker und lässig 16 bis 20 Jahre und im Peak umso mehr Jahre Gewinnvorschau mit und das ist noch billig. Selbst im einfachen Fall, ex-dividende wäre der Gewinn, wird der Kurs um die Ausschüttung korrigiert und durch sofortiges Hochhandeln kommt wieder ein Jahr Hoffnung (Gewinnerwartung) hinzu. Das war nie anders, allein war der Betrag gemessen am Substanzwert vor den 80ern eher klein.

      Aber gehandelt Titel heute repräsentieren die Fähigkeit eines Unternehmens Zinseszins zu erwirtschaften in der Zukunft und nicht nur die Dividende reinzubekommen. Dies Bewertungsniveaus stehen auf höchst tönernen Beinen, mehr als eine Gewinnentwicklung entlang der Exponentialfunktion wird schwer abbildbar sein. Auch aus dem Grund ist das Handeln der Differenz dieser Erwartungen eigentlich unausweichlich. Ewig nach oben kann es nicht geben, rauf und runter ist immer drinnen solange der Spieler den Ball hält.

      Dividenden sind keine Zinsen ;). Das macht klarerweise die Kurse anfällig. Noch dazu orientieren sich die Kurse bspw. von Aktien nicht an allen verfügbaren sondern der gehandelten Menge.

      Aktienmärkte sind nichts anderes als eine Art ‚Verstaatlichung‘ auf amerikanisch – public control.

      Ansonsten kaufen die Pensionsfonds die Aktien wenn die Preise am Hochpunkt sind und die Investmentbanken kaufen wieder zurück wenn die Kurse im Tal sind. Das Spiel ist nicht neu, sondern läuft schon ewig und 3 Tage.

      • Joachim Schnurrer sagt:

        Buy and Hold ist vorbei????
        Es gibt zig Gegenbeispiele! Nehmen Sie z.B. Procter & Gamble. Procter & Gamble steigert die Ausschüttung seit 61 Jahren ununterbrochen!! Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei etwa 3%. Aktienkäufer aus dem Jahr 2001 erzielen gut 9%. Solche „langweiligen“ Aktien gibt es viele.
        Die Mehrheit schaut aber auf die „Extremisten“!! Nicht nur bei den Aktien. Gesunder Menschen- und Geschäftsverstand werden eben selten „geliked“. Das gibt ja keine „Aufreger“ her.

        • ThomasV sagt:

          Ja ich meine auch. Mein Portfolio, stockkonservativ, entwickelt sich auch heute noch sehr gut. Aber gut, ich finde, es ist auch gut, wenn es keine zweistelligen Zuwächse gibt. Selbst die alten Chemieschlachtschiffe entwickeln sich gut.
          Ich habe einen Onkel, der sitzt am Freitag immer gebannt vor dem Rechner um seine short Geschichten zu beobachten. Ich hatte nie verstanden, warum er das macht und wie sich das für einen kleinen lohnen soll. Die Regeln machen in diesem Business doch die Investmenthäuser.

    • Wilfried Schollenberger sagt:

      BlackRock, der größte Investmentfont hält z.B. an jedem DAX-Unternehmen 3-7% der Aktion. Dann kann Ihre Strategie so falsch nicht sein.
      Optionen machen Sinn, wenn man sich unsicher ist, und entweder mit begrenztem Einsatz auf eine Kurssteigerung spekulieren statt die Aktie jetzt kaufen will (Call-Optionen), oder wenn man Angst vor Kurseinbrüchen, z.B. nach Wahlen, hat, die Aktien selbst aber nicht aus Panik verkaufen will (Put-Optinen). Im letzten Fall ist der Verlust in Höhe des Options-Preises einkalkuliert, wenn das „gute“ Ereignis eintrit. (Ist etwas komplizierter, aber für hier zu kompliziert.) Das ist dann wie „wetten“, und die Bank verdient im Durchschnitt am Ausgabeaufschlag.
      Zertifikate mit „Knock-Out-Barrieren“ und anderen komplizierten Strukturen gehören aber verboten. Mir wurden solche Dinger auch schon von einer Volksbank(!!!) angeboten, aber keiner konnte mir erklären, wie und warum die Bank und wir, Kunden, von solchen Geschäften gleichzeitig etwas haben können. Also: Finger weg!

      Nebenbei: Falschinformationen, wie eingangs beschrieben sind strafbar. Das ist schlicht kriminell. Seriöse Analysten dürfen mit ihren Insider-Informationen nicht handeln. Das wird von der Aufsicht kontrolliert.
      Und Leerverkäufe sind keine Zertifikate. Ein bekannter schäbischer Unternehmer hat sich und seine Familie mit so einer Spekulation vor ein paar Jahren mal fast ruiniert.

  6. Häschen sagt:

    Diese Attacke gegen den Fußballclub war schon erstaunlich. Aber nichts anderes treiben andere im großen Stil, nämlich jene denen Menschen ihr sauer Erspartes anvertrauen.

    Mal abgesehen von Aspekten rund um die Medien. Eine ähnliche Wirkung entfalten Patentrechtsklagen.

    Die Patentrechtsklagerei im Kontext von Industrie 4.0 und Digitalisierung wird noch spannend. Microsoft und Windows waren nicht ultimativen Heuler, aber Unternehmen konnten halbwegs sicher sein von Patentrechtsklagen nicht tangiert zu sein und der Kunde Frieden zu haben.

    Früher war ein dem Eck solange beim Halter der Patente als jener der es einreichte im Sinne des Erfinders Kulanz ein Möglichkeit. Heute kaufen irgendwelche ‚Investoren‘ solche Patentrechte mit der Absicht irgendwem einfach mal zu verklagen und zu schauen was rausfällt.

  7. Uwe Pilgram sagt:

    Leerverkäufe und -käufe sind letztlich ein Handel mit Erwartungen und seit Jahrhunderten üblich. Im Kern sind dies Nullsummenspiele, also Wetten einer geschlossenen Community, der sog. „Investoren“ auf ein zukünftiges Ereignis, den Verkaufspreis einer Ware. Wenn jemand das zukünftige Ereignis manipuliert, dann ist das Wettbetrug und ebenfalls ein uralte Masche und strafbar. Gerad im Sport fast schon normal (Pferderennen mit gedopten Pferden, gekaufte Boxer oder Torwarte, etc.)

    Solange die Teilnehmer an den Wetten wissen und ihnen klar ist, dass es Wetten und keine Geschäfte sind, ist dabei auch nicht viel einzuwenden. Sie sind keine „Investoren“ sondern Zocker. Problematisch wird das ganze, wenn die Zocker mit dem Geld anderer Leute zocken. Und genau das wurde als Erkenntnis aus der Weltwirtschaftskrise 1929 dadurch verhindert, dass solche Geschäfte nur aus Eigenkapital der Zocker finanziert werden konnten. Der Glass-Stegal-Act der USA von 1933 verbot den „Investment“-Banken sich Geld bei Geschäftsbanken zu leihen (Trennbankensystem). Damit waren die Einlagen der Sparer vor dem Zugriff der Zocker geschützt.

    Das hat den Zocker-Banken natürlich nicht gefallen und wurde 1999 unter Bill Clinton komplett aufgehoben. Damit konnten sich die Zocker Geld bei den Geschäftsbanken leihen und damit munter wetten. Die Internetblase der Aktienkurse und deren Platzen waren die direkten Folgen. Die Immobilienkrise war dann die nächste Katastrophe.

    Wundersamerweise wurde die Wiedereinführung des Trennbankensystems von Donald Trump in seinem Wahlkampf mehrfach versprochen. Die EZB lehnt es ab, warum auch immer.

    Jeder Handel mit Erwartungen ist letztlich schon wegen der damit verbundenen Kosten (z.B. Bonus-Zahlungen an „Händler“) eine Vernichtung von Kapital und damit schädlich für die Realwirtschaft. Auch der Handeln mit Aktien ist ein Handel mit Erwartungen. Der Aktienhandel, dessen Volumen den Handel der Realwirtschaft inzwischen übersteigt, enthält auch einen deutliche Komponente „Erwartung“, nämlich auf die Zahlung einer Dividende.

  8. Bullenbär sagt:

    Zu Ihrem ersten kritischen Anmerkung muss ich ein paar kritische Worte loswerden.

    Dass Banken, die Knock-Out-Zertifikate emittieren, von plötzlichen Kursrückgängen profitieren, ist schlichtweg nicht richtig. Sie sichern sich gegen jede mögliche Kursbewegung der Aktie ab (Hedge).
    Sie sind Finanzdienstleister und verdienen lediglich am Ausgabeaufschlag. Das Risiko wollen sie nicht tragen (und dürfen sie meistens auch gar nicht).

    Short-Attacken bleiben trotzdem schlecht. Volkswirtschaftlich selten sinnvoll (nur wenn Überbewertung tatsächlich vorliegt).

    Derivate dienen generell zum Risikotransfer zwischen Parteien, die Risiko absichern wollen denen, die es aufnehmen wollen, um Rendite zu generieren. Macht also eigentlich Sinn.
    Knock-Out-Zertifikate erfüllen diesen Zweck jedoch leider nur bedingt. Die gibt es eigentlich auch nur, weil es genug private Anleger gibt, die doof genug sind die Dinger zu kaufen. Institutionelle Anleger meiden diese Zertifikate.

    Ansonsten wieder sehr guter Beitrag! Vielen Dank 🙂

  9. Ria Hinken sagt:

    Hier ein Link zur Strafgesetzbuch „Bankrott“ § 283 StGB. https://dejure.org/gesetze/StGB/283.html
    Insolvent ist also nicht gleich mit Bankrott. Nur mal so als Info.
    Die Zocker interessiert es natürlich nicht. Und einem Unternehmen nützt es auch recht wenig, wenn es durch Zocker in die Pleite getrieben wird.
    Der BVB sollte sich besser aus dem Aktienmarkt verabschieden, ehe noch Schlimmeres passiert.
    Freue mich, dass der BVB gestern das Halbfinale des DFB-Pokals gewonnen hat.

  10. Joachim Schnurrer sagt:

    Ist sicher nicht ernst gemeint mit dem Rückzug vom BVB als AG, oder??
    Falls doch, wer soll sich denn noch aus dem aktiven Leben verabschieden, weil es verrückte Individuen gibt??
    Mit solchen Einstellungen kann man ja gleich unterwürfig zum Terroristen, Verbrecher, Erpresser usw. gehen und um Gnade winseln.
    Wer in solcher Weise Verbrechen kommentiert, hat irgendwo einen Denkfehler begangen.

  1. 9. Mai 2017

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