DD304: Die spekulative Bio-Neuro-Einkleidung von Philosophien und Fantasien (Nov. 2017)

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10 Antworten

  1. Harrry sagt:

    Niemand will verstehen, dass Menschsein sich aus HW und SW besteht. Die Genderwissenschafter glauben, alles sei SW und veränderbar. Die Neurologen glauben alles sei HW und vordefiniert.

    Aber IT’ler wissen, nur die Kombination aus HW & SW machen ein System aus. Nur wenn man beide Bereiche zusammen nimmt, kann man Menschen verstehen.

  2. Alexander H sagt:

    Da haben Sie Recht, Herr Dueck. Man bekommt immer wieder Aussagen um die Ohren geworfen, die mit „Studien belegen, dass“ beginnen. Auch wenn es vielleicht nur eine einzige Studie war und diese zumal falsch verstanden oder ausgelegt wurde. Und man sich nicht unbedingt gefragt hat, wer die Studie beauftragt und bezahlt hat. Die argumentative Aneignung von Studienergebnissen bei möglicher Verdrehung spekulativer in angeblich wissenschaftliche Wahrheiten bildet eines der Grundnahrungsmittel des deutschen Belehrungsdrangs. Man denke nur an Diskussionen über die Ernährung.

    Nur frage ich mich, ob die Grenze zwischen Genauigkeit und Beliebigkeit wirklich zwischen der Wissenschaft einerseits und den unqualifizierten Interpretationen andererseits verläuft, oder ob sie nicht viel fließender ist und die Beliebigkeit die Wissenschaft selbst kontaminiert hat. Das Rennen um den Quotation Index und die Geldgeber einerseits hat ebenso neue Fragwürdigkeiten eingebaut, wie andererseits die Angabe, die ich vor einiger Zeit las, dass gerade mal grob jedes siebte wissenschaftliche Experiment tatsächlich reproduziert wird. Die Reproduzierbarkt, eine Grundvoraussetzung der wissenschaftlichen Methode, bliebe also in ca. 85% der Fälle ohne Verifizierung, weil einer Studie keine Zweitstudie folgt. Mitte der 1990er Jahre kam in Kanada die evidenzbasierte Medizin auf und überraschte uns Laien, die wir dachten, die Medizin sei doch per Definition evidenzbasiert. Wir erfuhren stattdessen, dass nur grob jedes siebte Therapieverfahren wissenschaftlich gesichert ist und dass die Weltgesundheitsorganisation auch nur ca. 15% der etwa 2.000 Wirkstoffe in ihrem Katalog als wissenschaftlich nachweislich wirksam einstuft. Im Kopf des unqualifizierten Laien verdichtet sich langsam ein Bild, dass eigentlich nur ein Siebtel der Wissenschaft tatsächlich Wissenschaft sei. Das Bild ist sicher ungerecht, da es ja immer beispielsweise noch das Sicherheitsnetz der Metastudie gibt, also der Verdichtung aller Studien zu einem Thema.

    Wir als Außenstehende haben dann aber das seltsame Spektakel vor Augen, dass Professoren aus demselben Fach über Dinge streiten, die eigentlich als wissenschaftlich belegt galten (zu Recht oder zu Unrecht), sodass für individuelle Meinungen eigentlich kein Platz mehr sein dürfte. Parallel dazu scheint sich die Halbwertzeit wissenschaftlicher Wahrheiten immer mehr zu verkürzen, möglicherweise in dem Maße, in dem die Insider die Demut gegenüber ihrer Zunft verlieren. Wer am wenigsten an die Wissenschaflichkeit der Wissenschaft glaubt, sind doch möglicherweise die Wissenschaftler, zumindest die echten, die ganz großen.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Liefert nicht die Wissenschaft selbst ein paar der Stränge des Seils, an dem sie dann von Interpreten aller Couleur aufgehängt und in alle Richtungen wird?

  3. Joachim Schnurrer sagt:

    Dieses Phänomen ist doch nicht nur bei den Wissenschaften zu beobachten, sondern in vielen anderen Lebensbereichen. Nehmen sie mal beispielsweise das Thema Börse. Dort lebt eine überwiegende Mehrheit von „Experten“ von „gesicherten Vorhersagen“, mit denen aktuell Aufmerksamkeit und Geld verdient wird, die aber durch die endlose Hypekarawane, die an den Menschen vorbeizieht permanent durch neue „gesicherte Vorhersagen“ abgelöst wird. Da kommt es auf „Quotenhype“ an, nicht auf gesicherte Erkenntnisse. Je höher der erzeugte Hype, je größer der Gewinn. Bei der Energiewende, in der Flüchtlingsfrage, im Gesundheitswesen usw. kann man gleiche Szenarien erleben, gepuscht von den hypeabhängigen Medien, die eine hohe Hypefrequenz für die Sicherung ihres Geschäftsmodells dringend brauchen.

  4. Nur mal so …

    Ist denn nicht Wirklichkeit sowieso konstruiert?? Und die Landkarte in Hirn und Herz subjektiv? Dann ist es doch fast wurscht, in welcher Blase ich mich befinde. Hauptsache, das ist meine Priorisierung, sie dient achtsam dem größeren Ganzen. Ganz frei nach dem Motto: „Ich leide nicht unter Realitätsverlust – ich genieße ihn“, bekenne ich mich zu meiner „Blase“. Für eine lebenswerte Zukunft – vor allem für die Kinder und Enkelkinder dieses Blauen Planeten.

    • schiebosoph sagt:

      Das Thema der Verfilmung „The Matrix“. Selbstbetrug (bewusst und unbewusst). Haha – schon reichlich nah an der Satire. Im Karneval hat man ja auch Narrenfreiheit. Die Blickwinkel von zwei Menschen sind allzu oft so unterschiedlich, dass für den einen Krieg ist, was für den anden Frieden (oder eben sicher gerechtfertigte Verteidigung) bedeutet. Die Probleme zwischen diesen Menschen (oder Völkergruppen) fangen meist ganz klein und scheinbar harmlos (fast unmerklich schleichend) an. Vieles bleibt zuerst subtil (versteckt) bis es sich später offenschtlich bahn bricht und schon längst unaufhaltsam geworden ist, der Freelancer hat Erfolg wie früher der Scharlatan oder fällt vor Überanstrengung (Selbstausbeute) tot um oder wird depressiv… tricksen meinen sie schon immer fast alle (zum Selbsterhalt und zur Bedürfnisbefriedigung) zu können, zu dürfen, irgendwie wurschteln sich 50% durch und die ehrliche Haut kann in der Haifischwirtschaft wenigstens hoffentlich noch ruhig schlafen…

      Wer meint Kinder könnte man unter anderm mit einen Vorbild führen, der liegt falsch, denn nur durch das Vorbild führt man Kinder (Mitarbeiter, Völker, etc.). Sinngemäß soll das so von Einstein übertragen worden sein. Egal woher, dem stimme ich zu. Wer seine Konstruktion nicht ständig auf Sinnhaftigkeit und Selbstbetrug überprüft kann aus meiner Sicht kein gutes Vorbild sein. Die Art, wie der Mensch sich die Erde untertan macht hat so auch etwas (Menschen)Verachtendes an sich, leider. Genau an dem Punkt wo der andere als Feind tituliert und (womöglich nur indirekt) dessen Lebensraum zunichte gemacht wird.

      Ein Hoch auf die Authentizität, zumindest ein wenig mehr wieder mal davon tut heute gut, aber selbst die können viele heute gut spielen oder konstruieren… Es gibt aber auch heute noch echte Vorbilder, mit Sicherheit!

  5. Matthias Ertel sagt:

    Diese „Lehren“ tragen die gleichen Züge wie alle anderen Heilslehren auch: Kaum nachprüfbar, für den Laien mystifiziert hier durch einen wissenschaftlichen anstatt eines zB religiösen Mantels. Die Menschen wollen glauben! Und diejenigen, die nicht mehr an Religionen oder göttliche Mächte glauben, suchen sich halt Ersatzlehren. Potenziert wird das Ganze durch unsere Medien: Je mehr Leute etwas behaupten, umso wahrer muss es ja schliesslich sein…..-:))

  6. Bernd sagt:

    Kahneman’s und Tversky’s Gesetz der kleinen Zahlen, ein halbes Jahrhundert alt und scheinbar aktueller denn je 🙂

    Vielen Dank für Ihre Beiträge!

  7. Udo Fritzen sagt:

    „eine Art von Kompromiss zwischen Mammut, Banane, Lohndumping und Smartphone“
    Danke für diesen erneut erfrischenden Gedankenansatz.
    Sehr feine Formulierungen und extrem deutliche Sprache, Chapeau!! (-:

  8. Thomas Götze sagt:

    Ich bin begeistert. Leider kann man das den Anhängern der verschiedenen wissenschafts-Sekten kaum verständlich machen. Ich fasse das gerne in die Erkenntnis zusammen „Der Menschenverstand war noch nie gesund.“

    • schiebosoph sagt:

      Na, im Einzelfall gelegentlich schon, hoffentlich, irgendwie? Der eine in jedem Fall gesünder als der anderer. Die Summe macht den Unterschied. Bzw. ist nur ein Apfel in der Kiste faul, dann sind es auch schnell alle anderen.

      Gesund für die Erde scheinen diese Menschenhorden zumindest nicht zu sein, würde ich sagen.

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