DD313: Die Barnum-Babbler wüten unter uns – merken wir denn nichts? (März 2018)

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22 Antworten

  1. Joachim Schnurrer sagt:

    Das erinnert mich spontan an „Heinz Becker“ der, obwohl auch dieser Zunft angehörig, andere immer als „Dummschwätzer“ bezeichnete.
    Man fragt sich ja schon: Wie kann es sein, daß all dieses „Dummschwätzertum“ in der Welt so erfolgreich ist. Beispielsweise hat Herr Diess (VW Vorstand) bei Anne Will vor Kurzem (nach Faktencheck) zum Thema Diesel permanent „Dummgeschwätzert“, ohne irgendeinen Widerspruch zu ernten. Frau Göring-Eckardt war so miserabel vorbereitet, daß sie, statt den Mund zu halten noch mehr „Dummgeschwätzert“ hat und sich damit voll bei Nico Rossberg einreihte. Wie gesagt nur EIN Beispiel! Und all diese „Dummschwätzer“ leben, wie oben beschrieben, völlig unbeschwert, in der Gewissheit, daß die Mehrheit nur „Brot und Spiele“ will 😉
    Es ist wohl das Phänomen „jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf treiben“, das es möglich macht „Dummschwätzern“ dieses unbeschwerte Leben zu ermöglichen, denn schon morgen wird das eine „Dummgeschwätz“ schon vom nächsten abgelöst. Nachhaltiges Hinterfragen würde hier wohl helfen, trifft aber auf die geballte Gegenattacke der „Dummschwätzer“, die bislang wohl die Nase leicht vorne haben.
    Einstein sagte einmal: Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
    Auch schön beschrieben in Carlo M. Cipollas „Allegro ma non Troppo“

  2. Stefan sagt:

    „Also“, sagte Tola’t Shani. „Sie wollten mit mir über mein Buch sprechen“.
    „Ja“, sagte ich. „Ich bin froh, daß ich Sie endlich getroffen habe.“

    (E.Kishon, 1979)

  3. Häschen sagt:

    Der Kunde wird in den Mittelpunkt gestellt. Wie wahr, wie wahr. Wer einmal ‚ja‘ sagt hat auf ewig verloren. Das nennt man Dependency.

  4. Uwe sagt:

    Herrlich! Das nächste Meeting ist gerettet. Das Berlin Beispiel für Terminverschiebungen (immer nach hinten und damit immer teurer) passt. Danke

  5. Rudolf Quetting sagt:

    Man muss zwei grundsätzlich unterschiedliche Kategorien von Barnum-Babblern unterscheiden. Zum einen sind da die, die mir auf den Keks gehen, weil sie das aus Prinzip tun oder gar nicht anders können (und es daher meist selbst nicht merken). Da hilft meist nur weghören. Aber zum anderen sind auch die da, die mein Verständnis haben, wenn sie auf dumme Fragen oder Suggestivfragen mit Blabla antworten. Was soll ein Politiker schon antworten, wenn er im Wahlkampfinterview eine Frage gestellt bekommt, von der der Fragesteller weiß, dass der Politiker sie grundsätzlich nicht beantworten können kann und bei der der Politiker weiß, dass dIe ehrliche Antwort „Ich weiß es nicht.“ politischem Selbstmord gleichkäme. Wer da nicht lügen will, dem bleibt wohl nur ein entschlossenes Sowohlalsauch. Hier gilt es, den Fragesteller als den eigentlichen Übeltäter zu enttarnen. Aber wer kann und/oder macht das schon?

    • Rolf Kalo sagt:

      Aber da stellt sich doch genau die Frage „warum darf ein Politiker nicht einmal sagen, dass er davon nichts versteht“? Insofern heizen wir durch unsere Erwrtungshaltung das Thema doch gerade im politischen Umfeld an.

  6. Stefan Schäfer sagt:

    In Anlehnung an den Turing-Test sollte man mal über einen Barnum-Test nachdenken. Wo doch gerade die vor 30 Jahren totgesagte Künstliche Intelligenz wieder hip geworden ist, wäre das doch eine schöne Herausforderung zum Thema Semantik oder Pragmatik. Könnte vielleicht auch dazu dienen, Herrn Musk die Angst zu nehmen, dass wir alle spätestens 2020 in der Matrix landen. Oder so. Können Alexa, Siri & Co. eigentlich Barnum-babbeln?

  7. Tom sagt:

    SABTA Experten! S-icheres A-uftreten B-ei T-otaler A-hnungslosigkeit. Sehr verwandt mit Barnum Babblern, täte ich sagen. Aber ich habe ja keine Ahnung…..

  8. Markus Niederöst sagt:

    Genial, gefällt mir ausserordentlich gut! 🙂
    Habe ich auch schon beobachtet, wenn ich mit meinem Kundenbetreuer bei der Bank oder anderen „Entschiedungs-Helfern“ gesprochen habe. Unterm Strich ist jeweils herausgekommen: „…machen sie es, wie sie es für richtig finden, aber ich kann sie zu Ihrem Entscheid beglückwünschen, denn die Erfolgschance ist mit 50% beachtlich hoch…“, „…ich werde ihnen XY Franken Beratungs-Honorar in Rechnung stellen…“

    Dass „content free communication“ Barnum-Effekt heisst, habe ich bisher nicht gewusst gehabt.
    „Content free communication“ ist oftmals derart gut verpackt, dass man erst bei genauerem Nachdenken (in aller Ruhe) feststellt, dass da kein Content drin gewesen ist. Dummerweise hat man aber bereits zuviel Infos von sich gegenüber dem Barnum-Babbler Preis gegeben. So gesehen ist es sehr gefährlich, denn es hat Fishing-Potenzial.

  9. Bastian sagt:

    War es denn früher (200 und mehr Jahre) anders? Mein Verdacht ist, dass es den „Barnum-Effekt“ oder auch „content free communication“ schon seit je gegeben hat und es werden sich schon immer Menschen daran gestoßen haben (ich inklusive).

    Für mich ergeben sich daraus zwei Fragen:
    1. Ist der Barnum-Effekt für den Menschen als soziales Wesen vielleicht wichtig (eventuell um den emotionalen Zusammenhalt zu stärken)?
    2. Wie kann man ihn dort einschränken, wo es notwendig ist (Politik, Vorstandsetage, Wissenschaft).

    • Joachim Schnurrer sagt:

      @Bastian: Es läßt sich leicht recherchieren, daß derartige Kommunikationen schon immer existiert aben. Insbesondere wird dies unter den Begriffen Klatsch und Tratsch behandelt, der als „sozialer Kitt“ bezeichnet wird. (siehe auch in Wikipedia etc.). M.E. handelt es sich dabei um Bereiche der Kommunikation, die sich gerne jeder Disziplinierung entziehen. Sie finden vor allem in den „Graubereichen“ des Zusammenlebens statt, in denen keine Regulierungen möglich sind. Die Vielschichtigkeit des Alltages führt zu spontanen Kommunikationen, die, wenn man Niklas Luhmann folgt, nur deshalb existiert, um weitere Kommunikation zu erzeugen. Ein übergeordneter Sinn muß dabei gar nicht vorhanden sein! Man ist sicher gut beraten, gerade in der heutigen Kommunikationsüberflutung; ruhe zu bewahren und nicht über jedes Stöckchen zu hüpfen. Das wird uns gerade ganz aktuell von Herrn Seehofer vorgeführt, der das Stöckchen hinhält! Die meisten Politiker konnten sich nicht beherrschen und springen wie verrückt über dieses hin und her. Ignorieren wäre die richtige Antwort gewesen, oder noch besser, wie eben von einer schweizerischen Kabarettistin dargeboten „Make Asholes small again“.

      • Bastian sagt:

        @Joachim: Die Antwort lese ich als Zustimmung und Beantwortung meiner ersten Frage. Intuitiv hätte ich die dieselbe Antwort gegeben. Danke, dass du es wissenschaftlicher aufgeschrieben hast, als ich es aus dem Bauch heraus gekonnt hätte.

        Bleibt noch die zweite Frage…

        • Joachim Schnurrer sagt:

          Ich fürchte, man kann es allenfalls für sich selbt. Solange es Zeitgenossen gibt, die „Stöckchen“ hinhalten, wird es auch welche geben die drüberspringen. Andere wollen sich auch lediglich öffentlich vordrängeln, egal mit welchem Schmarren. Gewisse Medien sind voll davon, existieren gar nur deswegen. Hinzu kommt, dass es in unserer „Mediengesellschaft“ auch viel leichter ist, das zu tun.

        • Rudolf Quetting sagt:

          Zur Frage zwei: Ich kenne nur zwei Möglichkeiten eine, dem Barnum-Effekt zu begegnen, mit der Hoffnung, wenigstens seine Wirkung einzuschränken. Zum einem kann man versuchen, das Barnum-Gebabble as das zu entlarven, was es ist. Diese Mehtode birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das breite Publikum plötzlich das Gebabbel als diskussionswürdig wahrnimmt. Zum anderen gibt es die Methode „Nicht einmal ignorieren“. Aber auch damit erreicht man leider längst nicht alle. Trotzdem, eine dritte Möglichkeit gibt es nicht, auch wenn einige Autokraten meinen, zumindest für das medienbasierten Barnum-Gebabbel eine Methode zu kennen. Denn was ich für inhaltsleer halte, möchte ich schon gerne für mich selbst entscheiden.

      • Rudolf Quetting sagt:

        Danke! Die wohl ärgerlichste und auch gefährlichste Kategorie der Barnum-Babbler, ich nenne sie mal angesichts Ihres Beispiels die Kategorie „Seehofer“ (vorsätzliches Barnum-Gebabbel mit Ziel), hatte ich dummerweise auf die Schnelle glatt übersehen.

  10. Uwe Pilgram sagt:

    BB ist eine Form der Manipulation. Auch der Barnum-Babbler macht das ja nicht, weil er gerade mal dazu Lust hat, sondern, weil er will, dass man ihm glaubt. Und nicht vergessen: Da gibt es noch das Nudging! Mit Nobelpreis! Auch das ist Manipulation.

    Ansonsten: Warum gibt es auf den Dueck-Seiten so wenig Widerspruch?

    • Rudolf Quetting sagt:

      Warum wohl? Nun ja, wer auf offensichtliche oder vermeintliche Widersprüche, Ungereimtheiten oder Versäumnisse hingewiesen wird, die er unterschwellig auch schon empfunden hat, ohne diese Empfindung detailliert begründen zu können, sucht selten nach Widersprüche im Hinweis sondern läßt sich bezüglich Babbeln, Digitalisieren usw. nur all zu gerne in die Richtung schubsen, in die er sich bis dato nicht so recht vorgewagt hat. Insofern hat DD sicherlich auch ein bißchen was von auch Nudging an sich. Da stellt sich dann auch schon stellt die nächste Frage: Ist dies nun – ethisch und/oder ökonomisch – gut oder schlecht, richtig oder falsch? Ich denke, nach Gödel ist diese Frage auf Grund der Komplexität des menschlichen Zusammenlebens nicht entscheidbar. Ich finde das gut so, denn es gibt mir (und nicht nur mir) die Freiheit, mich selbst zu entscheiden.

    • Joachim Schnurrer sagt:

      Streng genommen manipuliert ja jeder, wen auch immer. Das ist ganz normales Verhalten. Die Barnum-Babbler oder Dummschwätzer, Nudger, etc. übertreiben es eben. Ein gewisses „Grundrauschen“ macht ja kaum jemandem Sorgen. Wenn das aber überhandnimmt und schon von Weitem als solches erkannt wird, dann klingen bei Vielen die Alarmglocken. Das ist auch gut so, denn damit ist jeder in der Lage diesen „Inputkanal“ abzuschalten, zu ignorieren! Man muß es aber selbst machen, abschalten.

      • Rudolf Quetting sagt:

        Abschalten ist nur bedingt eine Lösung, denn das Nudging wie auch das Barnum-Gebabbel zielt in de Regel nicht auf den Einzelnen als Individuum, sondern Kollektiv auf das ganze Rudel. So weit, so schlecht. Am Artikel selbst ärgert mich die in der Frage: „Merken wir denn nichts?“ versteckte Unterstellung, wir würden nichts merken. Wir merken es überdeutlich. Aber bevor wir uns drüber aufregen, sollten wir differenzieren und die dahinter stehende Absicht analysieren. Das hilft, an den richtigen Stellen laut und vernehmlich aufzuschreien und ansonsten mit der Aufregung vernünftig hauszuhalten. Fehlt dieser Aspekt, so rückt das Reden über das Barnum-Gebabbel sehr schnell selbst in die Nähe von Barnum-Gebabbel. Und da ich das bei DD sehr schade wäre, habe ich bewusst nicht abgeschaltet.

    • Joachim Schnurrer sagt:

      Ansonsten:
      Lieber Uwe, widersprich halt, was hindert dich?

  11. Alexander Keller sagt:

    Noch ein Beispiel: Geben Sie ihrer Pflanze nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Wasser. Achso.. ja dann..
    In den Medien, die hauptsächlich der Unterhaltung dienen, kann ich diesen Barnum-Effekt verstehen. Irgendwie muss man die Zeit überbrücken. Soll der Moderator etwa sagen: „Ich habe keine Ahnung, wie das Spiel ausgeht. Das kann niemand vorher wissen.“ So funktionieren Menschen eben nicht. Menschen sind nur bedingt rational. Menschen sind hauptsächlich emotional, wollen träumen. Und hier wird es wieder schlüssig: Der Zuschauer will doch gerade diese Emotionen durchleben. Wir spekulieren gerne: Da muss ich an diese pseudo-wissenschaftlichen Dokumentationen denken, die darüber „philosophieren“ was passieren würde, wenn die Menschheit auf Außerirdische treffen würde. Und dann fangen selbst diese „Wissenschaftler“ an zu träumen. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Natürlich ist der Informationsgehalt bei null anzusiedeln. Dafür fangen die Zuschauer an zu träumen; eine extrem kreative Tätigkeit.
    Vielleicht handelt es sich beim Barnum-Effekt auch nur um das Haschen von Aufmerksamkeit. Ähnlich wie der Gruß zum Geburtstag bei Facebook oder dem weitergeleiteten Bild bei Whatsapp. Ein kurzes Lebenszeichen. Mehr nicht.

  1. 16. März 2018

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