Topothesie – Der Mensch in artgerechter Haltung – Teil 3 der Trilogie

Topothesie ist der abschließende Band zur Trilogie, deren ersten beiden Bände Omnisophie und Supramanie bilden. Sie können es aber gerne separat lesen. Ich habe die drei Teile nicht sehr aufeinander bezogen.

Topothesie ist für mich mein bisheriges Meisterwerk. Als ich das Schreiben beendet hatte, dachte ich bei mir: „So, mehr ist nicht zu sagen.“ Und wenig später: „Wirst du je etwas Besseres hinbekommen?“ Und noch später: „So lange du das denkst, solltest du keine weiteren Bücher mehr schreiben.“ Da rief ich den Verlag an und teilte ihm dies mit.

Gunter Dueck - Topothesie - Cover

In diesem Buch will ich zeigen, dass es so etwas wie einen ursprünglichen Kern im Menschen geben mag, den wir nicht verbiegen sollten. Das ist eben die Forderung nach „artgerechter Haltung“. Manche Menschen sind voller Lebensenergie und müssen in der Schule gedämpft werden. Da werden sie aggressiv und hyperaktiv. Manche Menschen sind voller Liebe und treffen auf eine kältere Umgebung. Da werden sie depressiv. Manche sind schüchtern und scheu und sie sollen siegen. Da ziehen sie sich zurück. Ich will darstellen, dass das, was wir fürchten, nämlich Gewalt und Depression, hauptsächlich durch nicht artgerechte Behandlung von Menschen in unserer Gesellschaft in bester Absicht erzeugt wird.

Eine uniforme Behandlung verschiedener Menschen verkrümmt sie allesamt. (Ich zeige, dass es nicht einmal „uniforme“ Menschen gibt, die noch Glück haben könnten. Der Gewaltlevel der Erziehungssysteme muss ja hart genug sein, um die lebhaftesten Kinder einzufangen – deshalb ist er zu hart für diese und alle anderen auch!)

Die Verletzung eines Menschen führt dazu, dass ihm etwas fehlt. Er fühlt es als Mangel von Macht, Dank, Respekt, Frieden, Unabhängigkeit, Liebe, Sicherheit, Lust, Erfolg, Perfektion. Da jagt er diesem Mangel hinterher und wird gierig nach dem, was ihm fehlt. Er vergisst dabei, Mensch zu werden und zu leben, weil sich ganz auf die Heilung des Mangels konzentriert. Sein ganzes Dasein hört er Sätze wie „Reichtum ist nicht alles“ oder „Lauf nicht nur immer Frauen hinterher“ oder „Man darf auch einmal Fehler machen“. Damit sagen uns andere Menschen: „Hör auf, den Mangel zu jagen. Beginne zu leben.“

Ich möchte im Buch die traurige Wahrheit mitteilen, dass das, was wir für unseren Lebenssinn halten, im Grunde einem Mangelgefühl entspringt. Wenn wir den Mangel überwinden, dann glauben wir, dass unser Leben Sinn hat. Dabei war vom Leben nie die Rede, nur vom Mangel.

Im Buch Supramanie habe ich dramatisch dargelegt, woher solch ein Mangel herkommen mag. Wir sollen alle schon im Kindergarten die besten sein. Siegen! Gewinnen! Erfolg haben! Die Erziehungssysteme pflanzen uns das Mangelgefühl ein, wenn wir es nicht bereits durch lieblose oder überforderte Eltern haben.

Behandelt Menschen, wie sie sind! Lasst sie ohne Mangel aufwachsen, der ihnen Höherwertigkeitssucht einpflanzt, die so viel negative Energie freisetzt. Klar. Die Botschaft ist einfach. (Ich fühle mich hier etwas unwohl, weil das Buch viel, viel tiefer reicht, als ich kurz sagen kann.) Die natürlichen Menschen brauchen Herausforderungen für ihre Lebensenergie. Keine Langeweile. Die normalen Menschen brauchen eine Heimat und eine schützende Religion. Keine Unsicherheit und Gefahr! Die wahren Menschen brauchen eine Leben unter wertvollen ethischen Prinzipien, an die sie glauben – sie müssen im Prinzip mit der Welt eins sein können, ohne zu emigrieren. Keine Unwahrheit oder Grausamkeiten gegen die Seele.

In einer Heimat oder in der Nähe des „Göttlichen“ muss nichts geheilt werden. Dieses sehr vielschichtige Buch reicht von der Wunde im Ursprung bis zu einer Art Gottesbeweis am Ende … (und dieser stimmt!).