Sargnägel der Automobil-Industrie (Daily Dueck 391, Januar 2026)

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Die Chinesen kaufen nicht mehr wie verrückt teure deutsche Autos, die doch nach hiesiger Meinung die allerbesten sind. Worte wie „China-Schrott“ machen die Runde. Warum aber hat BYD gerade im Jahresendspurt Tesla als führenden E-Hersteller überholt? Wir hören, dass die Teslas eben teurer sind und dass Elon Musk als Person zurzeit keine gute Werbefigur hergibt. Besonders Google mit der Tochter Waymo prescht im Robo-Taxi-Business vor, viele chinesische Anbieter auch (WeRide, Pony.ai …). Tesla strebt den Bau von Humanoiden an und betreibt ebenfalls schon ein paar Robo-Taxis. Deutschlands typische Reaktion: „In solch ein Ding setze ich mich nicht.“ Dabei kippt die Stimmung wohl gerade, es heißt manchmal auch: „Ich habe nachts Angst vor den Taxi-Fahrern, ein Robo-Car wäre für mich ideal.“

Quelle: Adobe Stock Photo 771590304
 

Die hiesige Diskussion wird von Memes bzw. Denkmustern dominiert, die sich hartnäckig halten. Deshalb möchte ich einen Beitrag leisten, einmal einiges Unbeachtete zu erhellen. Das ist ziemlich viel, ich gebe die wichtigsten Stichpunkte:

  • Demütigung! Damit Sie Sachargumente nicht gleich abtun, möchte ich zuerst den CEO Jim Farley von Ford zu Wort kommen lassen. Der war ein paar Monate in China und hat sich einige Mal total ehrlich zu seinen Eindrücken geäußert. Er sprach von der „demütigendsten Erfahrung“ seines Lebens ( https://winfuture.de/news,154291.html ). Man hat bei Ford Konkurrenzautos gekauft und zerlegt. Das Resultat ist „schockierend“. Farley nennt ein Beispiel: In einem Ford sind eine Meile oder 1,6 km mehr Kabel verlegt als in einem Tesla ( https://www.focus.de/finanzen/boerse/ford-ceo-baut-china-e-auto-auseinander-was-er-findet-nennt-er-schockierend_57dbc751-6239-438a-98b1-bd8b5c5ecdab.html ).
  • Autos der Konkurrenz zerlegen: Man nimmt an, dass große Erkenntnisse durch das Analysieren von Autoblecht und Zündkerzen und durch das Beurteilen von Kühlergrills gewonnen werden können, aber der echte Fortschritt vollzieht sich in der Software und im Betriebssystem. Die Hardware-Sicht verpasst die neuen Produktionsmethoden und muss eben Kabel verlegen. Unsere Autos haben ihre Extrameile.
  • SDV – Software Defined Vehicle heißt ein neues Prinzip: „Normal“ wird erst die Mechanik entwickelt, dann die Elektrik und Elektronik („Kabel“), dann die Software und die Software-Infrastruktur. Diese Reihenfolge wird besser umgekehrt. Ein Vehicle Computer ist das Herz des Autos, er betreibt einheitliche zentrale Betriebssysteme Hardware-Elemente werden „plug & play“ in die Software eingefügt. Sensoren und Aktoren werden nach IT-Logik entwickelt. SDV revolutioniert die Auto-Produktion. Vergleichen Sie diese Entwicklung aus China mit der Horrormeldungen besonders von VW-Software. Die Medien regen sich leider nur einmal auf, dass sich irgendein Knopf nicht bedienen lässt. Das ist Oberflächenniveau-Quatsch. Die SDV-Revolution betrifft das Auto als Ganzes. SDV-Unternehmen arbeiten viel kostengünstiger und produzieren, was wir abschätzig und töricht „Billig-Autos“ nennen.
  • Chips im Auto: Für Assistenzsysteme und Selbstfahrkomponenten braucht man KI und dafür sehr leistungsstarke Chips im Herzstück des SDV-konzipierten Autos. Kümmern sich deutsche Autobauer darum? Entwickelt DE eigene Autochips? Oder jammern wir hier über Chip-Krisen, wenn es nicht genug Chips zu kaufen gibt?
  • Batterien im Auto: Deutschland ist hier wie anderswo sehr stark in der Forschung, aber praktischer Batteriebau gilt uns als unbequeme Massenfertigung, die leider sehr effizient sein muss – und das scheint uns hier nicht zu behagen. Die Firma CATL ist Ende 2011 gegründet worden und hat heute nach 15 Jahren einen Weltmarktanteil von über 40 % – weit dahinter BYD. Wo bleiben Bosch, Varta & Co.? Wenn klassische Autobauer auf Elektro umschwenken, scheinen sie im Kopf den Benzinmotor herauszunehmen und genau dort die Batterie einzusetzen. Das liegt nahe. Man kann aber auch das Auto von Grund auf neu konzipieren?
  • Bling Bling China Autos: Die chinesischen Autos prunken mit vielen Extras (serienmäßig!), die „wir hier nicht brauchen, denn das Auto soll einfach fahren“. Bling-Bling-Hochnäsigkeit führt hier zu Ignoranz. Inzwischen erkennt man hier allerdings an, dass unsere Autos für den chinesischen Geschmack zu einfach gestrickt sind. Das ist immer noch hochnäsig. Wir werden hier bald den chinesischen Geschmack importieren. Für diese Prognose bekomme ich einen Shit-Storm, auch diese Tatsache ist ein weiterer Sargnagel.
  • Nationalstolz in China: Die unstreitigen Erfolge der chinesischen Technologie führen zu einer stolzen Grundstimmung in China., so wie im Deutschland des einigen Wirtschaftswunders. Das kann dazu führen, dass man bald in China scheel angesehen wird, wenn man Fremdautos kauft.
  • Dark Factories: Es wird hier immer behauptet, dass die chinesischen Löhne so niedrig sind, dass sie eine unfairen  Vorteil bilden. Fakt ist, dass die Chinesen inzwischen schon mit „dark factories“ arbeiten, also Fabriken ohne Licht, weil dort gar keine Menschen mehr arbeiten. Wozu debattieren wir über Wolfsburger Löhne? China überaltert, Deutschland auch. China hat deshalb beschlossen, alles auf Robotik zu setzen, damit das Licht nicht außerhalb der Fabriken ausgeht. Wir debattieren hier am besten über sichere und hohe Renten. Deutschland war einmal führend in Robotik („Kuka“), wie auch Japan („Fanuc“). Dass Robotik unsere Renten sichern und eigentlich eine Stärke der deutschen Wirtschaft sein könnte, kommt nicht in unsere Köpfe.
  • Autonome Autos: Die Selbstfahrsysteme brauchen alles Vorstehende: Chips, IT-Infrastruktur, Radarsysteme, KI. Wenn die Autos in wenigen Jahren überall problemlos selbst fahren können, dann ist dieser ganze Innovationsbereich „Ready for human robots“, die ja auch wie ein Auto sehen, hören, reagieren können. Was geschieht hier in DE außer bei Neura Robotics? Wo stehen wir bei KI?
  • Huawei & Xiaomi: Die hier vor allem als Smartphone-Hersteller bekannten Firmen bauen seit kurzer Zeit Elektroautos. Xiaomi hat das erste Auto Ende März 2024 ausgeliefert und hat im Dezember 2025 mehr als 50.000 Autos produziert – und ist seit Juli 2025 in der Gewinnzone. Geht doch? Huawei ist nicht börsennotiert und gibt nicht viel Information ab. Ähnlich? Xiaomi und Huawei bieten nun Car & Home & Smartphone, alles über eine umfassende Infrastruktur verbunden. Sie entwickeln Chips selbst – Huawei auch aus der Not der US-Sanktionen geboren. Das löst in Ihnen wahrscheinlich „Bling-Bling-Blödsinn-Emotionen“ aus. Aber: Die Phone-Hersteller haben schon irre viele private Kunden! Viel mehr Kunden als Autobauer. Daher verkaufen sich ihre Autos auch aus Markentreue so gut. Man muss derzeit auf Xiaomi-Autos etliche Monate warten. Sofort-Liefer-Kontrakte handelt man am Schwarzmarkt. Und selbstverständlich kann man auch seine Gebrauchtautos locker zu Bestpreisen verkaufen.
  • Flugautos: Der Auto-Bauer Xpeng (diese Marke ist hier in DE seit kurzem vertreten) stößt gerade ebenfalls in die Gewinnzone vor. Er entwickelt auch schon Flugautos unter der Marke Aridge, die noch dieses Jahr in Massenfertigung gehen sollen. „Das brauchen wir hier nicht“, sagen Porsche-Fans. Xpeng nennt einen Preis von 246.000 $ für ein Flugauto. Das ist für Bundesligaspieler ein Schnäppchen, die nun nicht mehr mit einem Lamborghini angeben müssen. Meldung von 2026: „Shanghai will bis 2028 Flugauto-Zentrum der Welt werden. 2028. Nicht 2045 ( https://cnevpost.com/2026/01/04/shanghai-aims-to-be-world-evtol-capital/ ). Bei einer Vorführung der Flugautos im arabischen Raum berichtete Arigde von 7000 Vorbestellungen. Deutschland „braucht das nicht“, versteht sich selbst aber als Exportnation. Da könnte man an außerdeutsche Kunden denken?
  • Fördertröpfe: In Deutschland scheint man erst zu Neuem willig zu sein, wenn man Fördertöpfe abgreifen kann. Das hat so sehr überhandgenommen, dass man erst wartet, bis etwas schiefgelaufen ist und die Regierung zur Schadensbegrenzung fördert. Dann sahnt man die Förderung für z.B. Solar und Windkraft, für Flugtaxis und Mondraketen ab und stellt die Aktivitäten planmäßig wieder ein, wenn die Förderung ausläuft. Die Förderung hat eigentlich den Zweck, die erste Durststrecke ohne zu große Verluste zu überstehen. Am Ende der Förderung muss man so sehr gut vorangekommen sein, dass es auf eigenen Beinen weitergeht. Es geht nicht darum, gleich nach anderen Förderungen zu schauen. Das machen nur Fördertröpfe, oder?
  • Chinesische Subventionen: China fördert auch, verlangt aber von den Firmen, dann einmal allein weitergehen zu können. Chinas Politik zielt auf überlegene Exzellenz ab, nicht auf das Retten schlecht gemanagter Firmen, die man dort gerade in großer Anzahl untergehen lässt. Das Handelsblatt bezifferte das E-Auto-Subventionsvolumen des chinesischen Staates auf 50 Mrd. Euro pro Jahr. Dagegen werden hier deutsche Dienstwagen begünstigt, was nach Schätzungen etwa 14 Mrd. Euro im Jahr kosten soll. China hat aber 17-mal so viele Einwohner. Und mehr als dreimal so viele die EU (wie hoch subventioniert die EU wohl in summa?) Merken Sie etwas? Das Meme der „irren“ Subventionspolitik Chinas dient dazu, hier neue Fördertöpfe zu erlobbyieren. Wussten Sie, dass HIER mehr als 80% der Oberklasse-Autos Dienstwagen sind? Dass diese Quote bei Autos über 50.000 Euro bei über 75% liegt? Heißt: „Die tollen deutschen Verbrenner-Superautos kauft sich kaum ein Deutscher mit privatem Geld.“ Davon lebt unsere Industrie noch immer wie die Made im sehr dünn gewordenen Speck.

Keine Angst! Ohne eine echte Strategie unseres Landes geht unsere Industrie nicht gleich unter. Unsere Fabriken werden aufgekauft und bald „dark“ betrieben. Wir können noch zu Zöllen greifen und unentwegt mit Sprüchen „Wer braucht so etwas?“ und „Das geht hier nicht“ jeden Aufbruchwillen ersticken. Unsere Regierung ersetzt eine nötige Strategie durch das Predigen von der Freiheit zur Richtungslosigkeit. Sie nennt es „Technologie-Offenheit“.

Lieber Leser! Dieser Artikel will nicht rechten, nicht miesmachen – nur klarmachen, wie schlimm die Lage ist. Darf ich mit einer Binsenweisheit schließen? „Wer aufholen will muss schneller laufen als der Führende.“ Unsere Politik verwechselt aber „aufholen“ mit „überhaupt mal was machen und schuldenfinanziert fördernd wieder einen Schritt weiterkommen“.

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39 Antworten

  1. Lieber Herr Dueck,
    Schön, endlich wieder von Ihnen zu hören. Ich schätze Ihre pointierte Sicht auf die Dinge sehr und befürchte leider, dass Sie damit Richtig liegen…

  2. Alles Gute im Neuen Jahr und mehr gute, bessernde Gesundheit!

    Ich war vergangenes Jahr als Software Mensch das erste Mal auf der SDV Conference in Berlin. Die ist gut, nur die Besucher sind ein wenig sonderbar.

    Einige Zitate/Stimmungen:
    „Wir machen SDV doch schon seit 20 Jahren!“
    „Wenn Software drin ist, ist das ein SDV.“
    „Unsere Software muss nicht sicherheitsgeprüft werden, denn das zugrundeliegende Modell ist formal validiert“

    Ich habe in meinem Leben mehrfach diesen Clash zwischen Hardware und Software Kulturen erlebt. Bisher hat die Softwarekultur immer den neueren und damit längeren Atem gehabt. Die Hardwarekultur benahm sich gerne arrogant. Was verständlich ist, denn Arroganz wird durch Angst gefüttert.

    Das ganze ging halbwegs gut aus, sobald die Hardwarekultur ihre Angst anerkannte. Andernfalls stirbt das Unternehmen halt langsam. Siehe zB IBM.

  3. Schön, wieder von Ihnen zu lesen.
    Mein Eindruck ist, dass die Politik sich nichts mehr traut, da man in der Zwickmühle zwischen ständig nörgelnder, vorwiegend negativer Presse – und damit scheinbarem „Volkswillen“, und festgefahrener Automobil-Lobby feststeckt. Es fehlt an Aufbruchstimmung und positiver Kommunikation. Aber negative Schlagzeilen produzieren und meckerndes Stammtisch-Gehabe ist eben einfacher als konstruktives nutzenorientiertes Denken.

  4. Wie immer, auf den Punkt.
    Wie bei der Autoindustrie, so ist es bei Solar- und Windkraft passiert.
    China kauft einen deutschen Wechselrichter und lässt alles weg, was sie nicht verstehen, wozu es da sein soll. Und erreicht ein Drittel des Preises, auf Anhieb.
    Ah, und unter wem wurden Kuka und Q-Cells und und und verkauft und abgewickelt?
    Henning Kagermann machte Marge, Marge, Marge zum Grundtenor der Politik; nur produziert ein Buchhalter halt nix von sich aus – der Geschäftsfall („business case“) kann so nur in Subvention liegen. Finde den Fehler. Nur gibt es niemanden, der diesen Tatsachen entgegenwirkt, denn der Deutschen Problem ist die nicht vorhandene Erbschaftssteuer, obwohl sie vorhanden ist, nur mit dem Stiftungsrecht locker unterlaufen werden kann. Noch jemand einen gemeinnützig erstandenen Monet auf dem Klo?

  5. Sehr schön, dass Sie wieder da sind – alles Gute weiterhin!
    Ihr Artikel trifft wieder einmal, gut überlegt und durchdacht, ins Schwarze. Viele unsere Probleme in Deutschland haben mit Einstellung und Festhalten, zu wenig Offenheit und Mut, zu tun. Da gehe ich mit.

  6. Lieber Herr Dueck,
    danke für ihren neuen Beitrag und für die vielen Videos ihrer Vorträge.
    Ich habe selber viele Jahre bei „Think“ und auch bei „Das Beste oder Nichts“ gearbeitet.
    Ihre Schilderungen von Erlebnissen und Gesprächen (in ihren Vorträgen) mit den „Leadern“ aus
    beiden Firmen konnte ich mir lebhaft vorstellen und mußte manchmal freudig schmunzeln.
    Als ich Big Blue Ende der 80er verließ, hatte ich mich sehr geärgert, daß die „Thinker“ nur S-Klasse-
    Rechner bauen wollen. Dell und Co. haben weitergedacht !
    Und der andere Sindelfinger Verein hatte bereits 1997 !!! mit der Sandwich-Bodengruppe der neuen A-Klasse die Voraussetzung für alternative Antriebselemente geschaffen.
    Platz für Batterien, Brennstoffzellen, Tanks, etc..
    Da hatten die Sindelfinger doch den Fuß in der Tür ! Und was wurde aus „Weiter denken“ ?
    Die „BWLer“ wurden wieder lautstark und zeigten auf die Gewinnmargen von 8- u. 12-Zylindern,
    da Erdöl wieder billiger wurde (Preis stieg 2000 aber wieder).
    Dazu kam, daß das Lopez-Virus die Firma bereits infiziert hatte und die BWLer im Einkauf die
    Ansagen machten. Weg mit teuren (qualitativen) Bauteilen. Billig. Billig. Billig.
    Fahrzeugmängel und Kundenbeanstandungen häuften sich (Bauteile rosten, mangelhafte Nahtabdichtung und wirkungsloser Unterbodenschutz wegen Materialeinsparung, …).
    Der Spirit (der mich in diese Firma gelockt hatte) „Das Beste oder Nichts“ verlor seine Glaubwürdigkeit (und das bis Heute).
    Und jetzt sitzen sie in neuen Kursen und Meetings (z.B. Inspirational-Leadership“ mit blutbeflekten Händen vom Fett-Wegschneiden und trinken aus Kaffeetassen mit der
    Aufschrift „Don’t Look Up“. Es ist zum Verzweifeln.

    1. Sehr geehrter Herr Loeb,
      Vielen Dank für ihre eigenständige Analyse und den Vergleich von einigen Aspekten von KI im Automobilbau. Natürlich das Wichtigste:
      Erst einmal weiterhin gute Genesung, und eine kurze
      Antwort:
      Ich war auf Einladung einer chinesischen Kundin und deren Familie 2007 in Chengdu, damals eine in
      starkem Wandel befindliche autonome und lebensfrohe Provinzhauptstadt mit ca 13 Mill.Einwohnern.
      Schon damals hat mich unglaublich beeindruckt der selbstverständliche Stolz aller Chinesen die ich treffen durfte auf ihr Land das den gewaltigen Sprung nach vorne machte…. Im Stadtbild (Herr Merz!!!!) waren damals die vielen Jettataxis alle auf Erdgas und an jeder großen Kreuzung der oft 6 bis 10 spurigen Boulevards Hunderte von elektrifizierten Zwei-und 3-
      rädrigen Vehikel Radl,Mopeds,Karren ,Motorräder,etc
      die alle auf den Wink einer Verkehrspolizistin LAUTLOS
      STARTETEN UND OHNE JEGLICHE AUSPUFFWOLKE
      WIE AUF EINEN SCHLAG DAHINSCHWEBTEN:
      Was für ein Ereignis…
      Das war vor 19 Jahren….
      Nochmals herzlichen Dank für Ihren tollen Artikel
      auf verschiedensten Ebenen

    2. Sehr geehrter Herr Dueck,
      Vielen Dank für ihre eigenständige Analyse und den Vergleich von einigen Aspekten von KI im Automobilbau. Natürlich das Wichtigste:
      Erst einmal weiterhin gute Genesung, und eine kurze
      Antwort:
      Ich war auf Einladung einer chinesischen Kundin und deren Familie 2007 in Chengdu, damals eine in
      starkem Wandel befindliche autonome und lebensfrohe Provinzhauptstadt mit ca 13 Mill.Einwohnern.
      Schon damals hat mich unglaublich beeindruckt der selbstverständliche Stolz aller Chinesen die ich treffen durfte auf ihr Land das den gewaltigen Sprung nach vorne machte…. Im Stadtbild (Herr Merz!!!!) waren damals die vielen Jettataxis alle auf Erdgas und an jeder großen Kreuzung der oft 6 bis 10 spurigen Boulevards Hunderte von elektrifizierten Zwei-und 3-
      rädrigen Vehikel Radl,Mopeds,Karren ,Motorräder,etc
      die alle auf den Wink einer Verkehrspolizistin LAUTLOS
      STARTETEN UND OHNE JEGLICHE AUSPUFFWOLKE
      WIE AUF EINEN SCHLAG DAHINSCHWEBTEN:
      Was für ein Ereignis…
      Das war vor 19 Jahren….
      Nochmals herzlichen Dank für Ihren tollen Artikel
      auf verschiedensten Ebenen

  7. Schön wieder von Ihnen zu hören!
    Und wieder einmal den „Sargnagel“ auf den Kopf getroffen 😉
    Weiterhin alles Gute & herzliche Grüße.

  8. Willkommen zurück.
    Und ja, Gedankenanstösse habe ich auch weiterhin geteilt.
    Daher konnte ich die Abwesenheit nicht spüren..

    Gesundheit und orthopädisches Glück von mir als ebenfalls Knieleidender.

  9. Hallo lieber Gunter,
    schön, dass Du wieder da bist! Wir freuen uns über Dein neues DD und stimmen zu, auch wenn es demnach wohl wenig Hoffnung gibt für unsere Autoindustrie. Aber schaumermal angesichts einer Generation Z, von denen angeblich 46% Angst haben, zu tanken. (Nein, sie fürchten sich nicht vorm Bezahlen, sondern, dass sie etwas verkehrt machen könnten beim Kraftstoffzapfen mit dem Tankstutzen!!!) Und dann gab es da noch diesen selbstgefilmten Nervenzusammenbruch angesichts 5cm Neuschnee, bei dem eine junge Dame mit ihrem Auto sich nicht aus dem Hoftor traute. Aufs selber Schneeschippen ist sie nicht gekommen… Meiner verwandten Gen Z sind 830 Kilometer Autofahrt übrigens auch im Sommer zu weit, also nehmen sie den Zug und wollen dann auch noch vom Bahnhof abgeholt werden. Die brauchen Robotaxis wirklich und wenn mal der Strom ausfällt, finden sie sowieso nicht mehr heim, erfrieren, weil sie kein Feuer mehr machen können und verhungern, wenn der Pizzabringdienst auch noch ausfällt. Bei meinem alten Studienkollegen blieb beim Sohn und dessen Freundin (auch Gen Z) nach einem Aufenthalt in einer Raststätte das Auto liegen. Der ADAC behauptete, es wäre ein Totalschaden und weigerte sich deswegen, überhaupt abzuschleppen. Also musste Stefan das Auto seines Sohnes bei Schneetreiben selbst in die nächste Werkstatt schleppen. Dort stellten sich dann vier verrußte Zündkerzen als Ursache der Panne heraus. Die Leute vom ADAC können keine Zündkerzen mehr entrußen (mit dem Kupferbürstchen geht das in fünf Minuten) oder austauschen (drei Minuten, wenn man welche dabei hat). Dafür gibt es aber wohl kein Computerdiagnoseprogramm. Ich sag dieser Generation nur: Viel Spaß mit Euren Computern und Elektroautos bei Winter und Eiseskälte. Und die kommt garantiert bald jeden Winter, wenn der Klimawandel dazu führt, dass der Golfstrom versiegt. Übrigens – Seit wann fährt eigentlich bei 20 cm Schnee im flachen Norddeutschland und NRW kein Zug mehr? Wieso sind 1 cm Neuschnee im Januar überhaupt Grund für eine Katastrophenwarnung? Und wo will die vorbildliche Straßenreinigung, die Frau Fegebank in Hamburg so gelobt hat, eigentlich geräumt haben? Vielleicht immer rund um Frau Fegebanks Haus herum, aber jedenfalls nicht auf der B433 (Ring 3), da war es total vereist und zwischendurch an den Kreuzungen voller Schneematsch als wir am Sonntagabend da entlangfuhren – im Gegensatz zu unserem Bürgersteig, den wir selber komplett freigeschaufelt hatten – übrigens als Einzige in unserer Straße. Hast Du Deinen Kindern und Enkeln schon erste Lektionen in Survivaltraining erteilt? Hast du Ihnen beigebracht, wie man Schnee räumt (vor dem Anfangen überlegen, wo das ganze Zeug hingeschaufelt werden muss, wenn es über Tage und Wochen eventuell mehr und mehr wird, und nicht einfach eine schippenbreite Spur nach links und rechts, wie hier die Flachlandindianer denken)? Ist Dein Haus auf einen mehrtägigen Stromausfall vorbereitet? Genügend Powerbanks, Kurbelradio, Notstromaggregat mit Kraftstoffbetrieb und Vorräte da? Hast Du noch einen funktionsfähigen Kaminofen mit klassischer Holzfeuerung, um die Hütte wenigstens überschlagen warm zu halten? Nach vier Tagen mit Temperaturen unter – 5 Grad können nämlich die Heizkörper im Haus gefrieren, und die Rohre werden dann überall platzen. Das gibt dann Wasserschäden überall, und die kann Dir im Notfall so schnell kein Handwerker reparieren. Hast Du eine Ausweichadresse, wohin Du bei Stromausfall mit dem Kraftstoffauto fahren oder zu Fuß gehen kannst?

    1. Ich glaube, der rote Faden in Ihren Beispielen ist weniger „die Generation“ als ein systemischer Effekt: Externalisierung. Fähigkeiten, Verantwortung und Fehlertoleranz werden zunehmend aus dem Alltag ausgelagert – an Technik, Dienste, Apps und Infrastrukturen. Das funktioniert hervorragend, solange alles reibungslos läuft, macht Systeme aber extrem fragil, sobald etwas aus dem Takt gerät.
      Das betrifft Verbrenner wie Elektroautos gleichermaßen. Früher waren Systeme verständlicher und reparierbarer, heute sind sie effizienter, aber oft Black Boxes. Menschen werden dadurch nicht dümmer, sondern abhängiger. Wenn dann Schnee, Kälte, Stromausfall oder ein banaler Defekt auftreten, steht plötzlich nicht die Technik, sondern das Gesamtsystem in Frage.
      Der entscheidende Punkt ist daher Resilienz: Wie fehlertolerant sind unsere Mobilitäts- und Versorgungssysteme, und wie viel Eigenkompetenz lassen sie noch zu? Ein System, das nur unter Idealbedingungen funktioniert, ist kein gutes System – egal welcher Antrieb darin steckt.
      Die eigentliche Aufgabe wäre, Technik so zu gestalten, dass sie Menschen stärkt statt sie zu entmündigen. Weniger Externalisierung, mehr Robustheit. Das große Bild sollte man dabei nicht aus dem Blick verlieren – sonst verlieren wir uns.

      1. …“die eigentliche Aufgabe“: Für die ist aber niemand…es entwickelt sich…und ja, als ich klein war, gab es die Werbung „Alle reden vom Wetter. Wir fahren.“ Das „Schneechaos“ letzte Woche wäre in meiner Jugend lachhaft gewesen, und jetzt…

        1. Das war kein Schneechaos, das war Wetter respektive Winter. Normale Temperaturen mit erwartbaren Schneemengen, kann vorkommen im Winter. Man muss das natürlich in eine Katastrophe aufblasen medial.

          Das die Bahn selbst im Newsletter das Wetter sofort als Entschuldigung für Stillstand nutzt ist eine bequeme juristisch saubere Pauschalbegründung die Diskussion über Wartungsstau, Personal, Infrastruktur und andere unbequeme Wahrheiten erspart.
          Ich fahre seit 4 Jahren Langsstrecke quer durch Deutschland – reicht für eine Tragikomödie.

          Letztes Jahr war ich 5 Tage in der Region Tokyo – das ist Bahn wie sie sein sollte. Effizient, sauber und pünktlich(st).

  10. Zunächst einmal gute Wünsche für Ihre weitere Genesung.

    Ihr Text trifft vieles richtig. Sie benennen die Selbstzufriedenheit, die strategische Langsamkeit, die Fixierung auf Blech statt Software und die bequeme Berufung auf „Technologie-Offenheit“ als Ersatz für Richtung. Das alles ist real und ein Problem. Gerade deshalb lohnt es sich, den Blick zu weiten – denn an genau dieser Stelle wird Ihr Text zu eng.

    Technologischer Fortschritt funktioniert nicht isoliert. Er funktioniert nur als System. Und jedes System, das dauerhaft tragen soll, folgt – ob bewusst oder nicht – bestimmten Grundprinzipien. In der Permakultur sind es drei einfache Regeln: Sorge für die Erde, sorge für die Menschen und teile Überschüsse fair. Das sind keine romantischen Gartenweisheiten, sondern erstaunlich robuste Systemgesetze. Und genau an ihnen scheitert die technologische Zukunft, die Sie beschreiben, bislang.
    Was derzeit als Fortschritt verkauft wird, ist oft eine massive Erhöhung von Komplexität, Energiebedarf und Ressourcenverbrauch, ohne dass klar ist, wie das Ganze dauerhaft getragen werden soll. Software-definierte Fahrzeuge, elektrische Schwerlastmobilität, vollvernetzte Systeme – all das setzt eine physische Basis voraus, die es so nicht gibt: Netze, Leistung, Speicher, stabile Preise. Zwei oder drei elektrische Lkw gleichzeitig zu laden erfordert Anschlussleistungen wie ein Industriebetrieb. Das ist keine Mentalitätsfrage, sondern Physik. Netze wachsen langsam, Strom ist teuer, Genehmigungen dauern Jahre. Technologie, die diese Realität ignoriert, ist nicht visionär, sondern fragil.

    Noch gravierender ist der soziale Aspekt. Eine Gesellschaft funktioniert nur, wenn ihre Systeme von der Mitte getragen werden. Diese Mitte erodiert. Reallöhne stagnieren, Wohnen und Energie werden unerschwinglich, Mobilität wird komplexer und teurer. In dieser Lage Fahrzeuge und Infrastrukturen zu propagieren, die immer kostspieliger, softwareabhängiger und schlechter reparierbar werden, ist kein Fortschritt für viele Menschen. Ablehnung ist hier keine Borniertheit, sondern eine rationale Reaktion auf ein System, das nicht mehr für sie gebaut ist.

    Permakultur würde an dieser Stelle eine einfache Frage stellen: Ist dieses System selbsttragend – oder lebt es von ständiger externer Zufuhr? Viele der heute propagierten Technologien funktionieren nur unter massiver Subventionierung, regulatorischem Druck oder ökologischer Ausblendung. Das ist kein stabiles Design. Ein gutes System muss auch dann funktionieren, wenn Förderungen auslaufen, wenn Energie knapp wird oder wenn Märkte schwanken. Alles andere ist Abhängigkeit, nicht Zukunftsfähigkeit.

    Hinzu kommt ein weiterer blinder Fleck: Teilen. Ihr Text denkt stark in Wettbewerb, Geschwindigkeit und Marktanteilen. Was er kaum denkt, ist Verteilung. Technologie erzeugt Überschüsse – aber nur dann gesellschaftlichen Fortschritt, wenn diese fair verteilt werden. Wenn Produktivitätsgewinne bei Plattformen, Konzernen und wenigen Kapitalbesitzern landen, während Kosten, Risiken und Ressourcenverbrauch auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, entsteht kein Wohlstand, sondern Sprengstoff. Genau das erleben wir gerade.

    Auch ökologisch bleibt Ihr Zukunftsbild widersprüchlich. Sie kritisieren zu Recht Stillstand, blenden aber aus, dass Ökonomie nicht über Ökologie stehen kann. Eine Erde mit endlichen Ressourcen lässt sich nicht durch immer kürzere Produktzyklen, immer größere Fahrzeuge und immer komplexere Systeme retten. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch neue Labels, sondern durch langlebige, reparierbare, modulare Systeme mit geringem Ressourcenbedarf. Alles andere verschiebt Probleme – oder beschleunigt sie.

    Ihr Text ist ein wichtiger Weckruf gegen Selbstzufriedenheit. Aber er ersetzt eine Illusion durch eine andere: die Vorstellung, man müsse nur schneller laufen, dann werde sich alles fügen. Systeme kippen nicht, weil sie zu langsam sind, sondern weil sie ihre Grundlagen ignorieren.

    Wenn wir wirklich zukunftsfähig sein wollen, brauchen wir nicht nur bessere Technologie, sondern bessere Systemgestaltung. Systeme, die sich selbst tragen. Systeme, die Ressourcen respektieren. Systeme, die fair teilen. Und Systeme, die von einer Gesellschaft getragen werden können, die längst unter Druck steht.

    Fortschritt ohne diese Erdung ist kein Fortschritt. Er ist ein riskanter Sprint auf ausgelaugtem Boden.

    PS: Hinweis zur Usability: Die Beschriftung der Eingabefelder ist auf hellem Hintergrund schwer lesbar. Ein höherer Kontrast wäre hilfreich. 😉

    1. Ui, Sie verlangen in einem kleinen Artikel einen Rundumschlag…mir ging es jetzt nur um die Automobilindustrie. Nur kurz: Sie wollen über die Verteilung der Gewinne nachdenken. Ich sehe doch, weil wir zu langsam sind, dass bald viel weniger zu verteilen ist. Schneller sein garantiert nicht, dass alles gut wird, aber wir werden unseren Wohlstand sonst bald rückbauen müssen. Z. B.: die Chinesen wollen auch so viel verdienen wie wir, viele andere auch. Wenn wir relativ nichts/weniger unternehmen, gleicht sich das aus. Die anderen steigen auf, wir ab. Es bildet sich ein Gleichgewicht, indem besonders wir schrumpfen.

      1. Danke für die Antwort. Ich stimme Ihnen zu, dass Geschwindigkeit relevant ist – Stillstand ist keine Option. Mein Punkt war ein anderer: Geschwindigkeit allein ist kein tragfähiges Kriterium, wenn sie Systeme erzeugt, die ökonomisch, sozial oder ökologisch nicht stabil sind.
        Wenn wir schneller werden, dabei aber Komplexität, Kosten, Ressourcenverbrauch und Abhängigkeiten massiv erhöhen, kann das den zu verteilenden Kuchen kurzfristig vergrößern – langfristig aber genau die Basis untergraben, aus der dieser Wohlstand entsteht. Dann schrumpft nicht nur der Kuchen, sondern auch die Tragfähigkeit der Gesellschaft, die ihn erwirtschaften soll.
        Dass andere Länder aufholen, ist weder überraschend noch falsch. Die Frage ist, wodurch wir unseren Wohlstand sichern wollen: durch immer neue, immer teurere Hochtechnologie mit kurzer Halbwertszeit – oder durch robuste, reparierbare, energie- und ressourceneffiziente Systeme, die auch von einer breiten Mitte getragen werden können. Wenn diese Mitte erodiert, gibt es am Ende zwar noch Technologie, aber keine gesellschaftliche Stabilität mehr, um sie sinnvoll zu nutzen.
        Mein Einwand richtet sich daher nicht gegen Tempo, sondern gegen ein Fortschrittsverständnis, das Systemgrenzen ausblendet. Schneller kann notwendig sein – aber nicht um jeden Preis und nicht losgelöst von der Frage, wer das am Ende tragen, bezahlen und leben soll. Das größere Bild sollte man dabei immer mitdenken.

        1. Schneller werden: Es schadet nicht, wenn man Bauten/Windanlagen unter drei Jahren genehmigt. Es schadet nichts, die med. Systeme zu vereinfachen (!) und die Angst des Bürgers der Offenlegung seiner Zehntmeinungsarztbesuche zu ignorieren. Man muss nicht ein Jahrzehnt streiten, ob man Word in der Schule benutzen darf…man muss nicht zuschauen, dass in China das Auto neu gedacht wird und SIMPLER gebaut werden kann (in DE wird alles für Luxusautos lange geplant und landet komplex irgendwo auch im Polo). Diese Art, schneller zu sein, kauft uns hier den Schneid ab.Wieso fragt uns hier ein ukrainischer Flüchtling, auf welcher Web-Seite er sich registrieren kann? Ich kann lange Listen schreiben, was hier schlafmützig ist. Wir lassen uns ungerührt vortragen, dass IMMER Skandinavien schon alles hat, die Niederlande und die Schweiz oft auch… es ist nicht nur China, es ist ABSTIEG. Und ich habe bei LinkedIn gefragt: Wünschen Sie sich einmal Arbeitsplätze, so gut wie Wolfsburg bezahlt, die unseren Wohlstand sichern, indem sie mehr Steuern an den Staat zahlen als sie über Transfers bekommen. Dann ist es still. Also an Sie: Welche Arbeitsplätze sichern unseren Wohlstand (also nicht solche, die vom Staat getragen werden und eben Steuern KOSTEN), welche bringen Steuern? Haben Sie eine Antwort?

          1. Ja, wir sind zu langsam, und ja, wir befinden uns schon seit Längerem in einem Abstieg. In diesem Punkt teile ich Ihre Diagnose ausdrücklich. Ebenso teile ich Ihre Kritik an Strukturen, die künstlich am Leben gehalten werden und ohne politische Schonung, Subventionen oder Sonderregeln nicht mehr tragfähig wären. 

            Konkret sehe ich solche Arbeitsplätze vor allem in Grundlagenindustrien – also klassischen Vorleistungs- und Ermöglichungsindustrien: Energie- und Netzinfrastruktur (Transformatoren, Leistungselektronik, Speicher, Regeltechnik), Maschinenbau und Automation als Werkzeuglieferant der Weltindustrie, Chemie und Materialtechnik für Medizin, Industrie und Hightech – sowie Mobilität neu gedacht, nicht als Luxus‑Overengineering, sondern als einfache, robuste und reparierbare Plattformen. Das sind keine politisch erfundenen Märkte, sondern physische Notwendigkeiten. Dort entstehen produktive Arbeitsplätze, die ohne dauerhafte Absatzsubventionen funktionieren und entsprechend Steuern zahlen.

            Dafür braucht es allerdings verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere Planbarkeit bei Energiekosten und Bürokratie. Wenn man für die Errichtung einer PV‑Anlage sinnbildlich eine Europalette voll Papier als Genehmigungsunterlagen benötigt, ist das weder schnell noch skalierbar – und hat mit funktionierender Industriepolitik wenig zu tun.

            Ein entscheidender Punkt ist für mich die politische Realität des angeblichen Bürokratieabbaus, der in der Praxis oft darin besteht, für den Abbau erst einmal ein neues Kontrollinstrument zu schaffen: Auf der Kommunikationsebene wird er ständig beschworen, praktisch erleben wir jedoch das Gegenteil. Das Ergebnis ist nicht weniger Bürokratie, sondern mehr – nur feiner granuliert und schlechter zu durchschauen. Tempo entsteht so keines, höchstens Beschäftigung im Verwaltungsapparat. Ich habe zudem Zweifel, dass EU-weite Verordnungen, die häufig fern der operativen Basis entstehen, die Skalierung von Technologie hier tatsächlich beschleunigen. 

            Zur Digitalisierung: Ich arbeite im Digital‑Business seit rund zwei Jahrzehnten und bin inzwischen eher fassungslos als überrascht, wie wenig in deutschen Behörden tatsächlich digital funktioniert. Dass Länder wie Lettland, Litauen oder selbst die Ukraine in vielen Verwaltungsprozessen weiter sind, ist keine Erzählung, sondern Alltag.

            Noch sensibler ist für mich der medizinische Bereich – auch deshalb, weil hier enorme Mittel gebunden werden, ohne dass daraus nachhaltig Gesundheit oder tragfähige Wertschöpfung entsteht. Wenn Sie schreiben, man müsse die Angst vor der Offenlegung der Zehntmeinungsarztbesuche ignorieren, vermute ich, dass Sie die elektronische Patientenakte meinen? Diese Sorge halte ich nicht für irrational. Der Chaos Computer Club hat die EPA bekanntlich bereits vor dem breiten Start kompromittiert. Bei Gesundheitsdaten geht es nicht um Bequemlichkeit, sondern um Vertrauen – und das lässt sich nicht per Tempo herstellen. Ich sehe im Alltag sehr deutlich, was mit Daten geschieht: Aus vermeintlich anonymen Informationen werden schnell detaillierte Personenprofile, meist aus wirtschaftlichen Interessen.

            Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Unser Gesundheitssystem ist vor allem auf teure Nachsorge und Symptombehandlung ausgerichtet, nicht auf Prävention oder Ursachenarbeit. Letzteres wäre oft günstiger und effizienter, ist aber systemisch unbequemer. Digitalisierung beschleunigt unter diesen Bedingungen vor allem Verwaltung, Abrechnung und Kodierung. Wenn wir hier schneller werden, ohne das System selbst grundlegend umzubauen, werden wir lediglich effizienter im Falschen.

            Ich sage ausdrücklich nicht, dass Schulmedizin grundsätzlich schlecht ist, aber Symptome abzuschalten ist nicht gleichbedeutend mit Gesundheit. Gerade hier gäbe es vielfältige Möglichkeiten, neue Arbeitsplätze zu schaffen, die sich tatsächlich um menschliche Gesundheit kümmern – jenseits monetär getriebener Anreize in Symptombehandlung und geldbetriebener Chirurgie (neben wirklich indizierten Eingriffen).

  11. Schön, daß Sie wieder zurück sind. Leider haben Sie Recht und weder unsere Politiker (die schon gar nicht) noch unsere Wirtschaftsbosse verstehen den aktuellen Wandel. Erst wenn Deutschland eine Touristenattraktion oder ein Entwicklungsland geworden ist, werden einige den vergebenen Chancen nachweinen. Ich bin 67 und beschäftige mich jetzt seit 2 Jahren mit KIs und deren Programmierung (als alter SF-Leser allerdings schon seit 50 Jahren 🙂 ). Letztens gab es an der Fachhochschule Neu-Ulm die IT-Tage und das einzige, wo sich wirklich mit beschäftigt wurde, war, wie man KIs beschränken kann. Es war beänstigend! Und dann Studenten, die sprach- und fraglos in den Vorträgen sitzen. Wir haben in Deutschland eine gefährliche Mischung aus Arroganz und gewollter Unwissenheit (wir glauben!).

  12. Das freut mich sehr, dass es wieder was von Herrn Dueck zu lesen gibt. Es sind halt Inhalte die einem (nicht) gefallen, weil sie Realität widerspiegeln.

  13. Lieber Gunter Dueck,

    Wie gut, dass Sie sich aufgerafft haben!

    Einen Punkt möchte ich besser verstehen, vielleicht schreiben Sie alsbald mehr dazu?:

    “Dass Robotik unsere Renten sichern und eigentlich eine Stärke der deutschen Wirtschaft sein könnte, kommt nicht in unsere Köpfe.”

    Beste Grüße,
    Eva Lutz

    1. Es geht darum, dass immer mehr Jobs weniger in den Staat einzahlen als sie über Transfers bekommen. Ein Arbeiter bei VW in Wolfsburg zahlt mehr Steuern etc. als er über Transfers bekommt. Ein Museumsdirektor bekommt sein Geld vom Staat („Auszahlung“). Die Überschüsse auf der einen Seite müssen ausreichen, um die Staatsaufgaben zu tragen. Und was ich meine (ich kann das nächste DD dazu schreiben): Wir schaffen nicht genug Jobs, die „Einzahler“ sind…Darum kümmert sich keiner, der hier immer mehr nach dem Staat ruft. Wir brauchen aber Netto-Einzahler.

  14. Hurra!
    Wir brauchen Ihre Stimme!
    Erst gestern erzählte ich jemandem, dass ich schon lange nichts mehr von Ihnen hörte und befürchtete das Schlimmste.
    Weiterhin gute Besserung!

  15. Lieber Herr Dück, schön mal wieder von ihnen zu hören.
    Eine sehr gute Zusammenfassung, die leider nicht nur für die Autoindustrie gilt. Ich erzähle das auch jedem, aber die meisten wollen es nicht hören. Ich hoffe sie haben eine größere Reichweite als ich.
    Ich war gerade ein paar Wochen in Asien, Singapur, Kuala Lumpur, Bangkok. Ich war vor 10 Jahren das letzte Mal in der Gegend. Da waren das schon sehr aufstrebende Städte, Wenn ich diese Tiger Cities heute mit Deutschland vergleiche, dann wird mir Angst und Bange und vor allem bewusst, wie weit wir in den letzten 10 Jahren schon ‚herunter gekommen‘ sind. Das können wir schon gar nicht mehr aufholen.
    Die von ihnen angesprochene Subventions-Mentalität sehe ich auch als eine große Katastrophe für Deutschland und für die EU. Da werden Milliarden für sinnlose, nicht lebensfähige Experimente verbrannt. Nicht jede Schnapsidee lässt sich halt mit möglichst viel Geld zum Erfolg führen. Das geplante Abschöpfen von Förderungen, ohne Aussicht auf Erfolg halte ich für kriminell.
    Mich würde mal ihre Sichtweise auf die Wasserstoff Technologie interessieren. Auch ein Umfeld, welches seit Jahrzehnten nur mit Subventionen überleben kann.

  16. Innovator’s Dilemma für Deutschland?
    1997 veröffentlichte Clayton Christensen „The Innovator’s Dilemma“, deutsch: „Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovation verlieren“. Führende Unternehmen scheitern offenbar, weil sie im Grunde alles richtig machen wenn sogenannte disruptive Technologien auftreten.
    Nun drängt sich der Gedanke auf statt nur auf Unternehmen auf ganze Länder zu schauen. DeepSeek hat das sofort verstanden und präsentiert dazu ein Interview mit der WirtschaftsWoche vom Januar 2025 mit Uwe Cantner, Titel: „Wir erleben in Deutschland den klassischen Fall des Innovator’s Dilemma“. Der Artikel steckt leider hinter einer Bezahlschranke, der Gedanke wird aber auch woanders so diskutiert.
    Ich stieß interessanterweise auf „The Innovator’s Dilemma“ in der Biografie von Stephen Witt über den Nvidia-Chef Jensen Huang. Huang hat das Buch gleich in der 90er Jahren gelesen und hat Clayton gar als Berater engagiert so sehr vertraute er ihm. Und Huangs Biograf notiert, dass Huang sich grundsätzlich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht, nicht nur selbst wachsam bleibt sondern gerne die ganze Firma in einer Art Alarmzustand hält als ob der Firma eine große Gefahr drohen würde.
    Bringt es das auf den Begriff für das, was gerade passiert?

    1. Christensen zeigt, dass das Neue erst so klein und vor allem QUALITATIV SCHLECHT ist, sodass die Konzerne quasi lachen. „Die Spaltmaße eines chin. Autos sind schlecht.“ Sie merken nicht (das ist das Wichtige daran), dass das Neue anders für andere Kunden und anderen Nutzen entsteht. Man schaut heute nicht mehr so auf die Spaltmaße, mehr auf die Software… und dann verschlafen sie die Software, während sie die Spaltmaße perfektionieren. Zum Beispiel haben damals die Festplattenhersteller die USB-Sticks mit 128k verlacht (ich habe noch meinen von IBM, kostete über 100 DM). Heute ist alles SSD! In diesem Sinne verstehen Hersteller nicht, worauf es NEU (!!!!) ankommt, dass Speicher für Kameras/Phones gebraucht wird und nicht nur für Computer…etc. Christensen war auch Redner bei IBM (ich war dabei), es hat nichts geholfen, man hat bei IBM wieder 2006 über die Cloud von Amazon gelästert, alles noch mal von von. JEDER lese das Buch. Ist leider etwas trocken geschrieben.

  17. Lieber Herr Dueck,

    es ist wirklich schön wieder von Ihnen zu hören, ich habe Ihre pointierten Beiträge sehr vermisst. Und wie immer treffen Sie genau auf den Punkt, bzw. in diesem Fall auf viele Punkte. Bleiben oder werden Sie bitte wieder ganz gesund, für sich selbst und damit wir wieder mehr von Ihren klugen Worten erhalten können.

  18. Könnte es sein, dass uns etwas Wohlstandsverlust sogar gut täte? Zum Beispiel statt 50 Millionen zugelassener PKWs nur 20 Millionen? Dann könnten immer noch alle Einwohner Deutschlands zur selben Zeit im Auto sitzen. Wir sparen viel Benzin, das wir nicht mehr teuer aus dem Ausland beziehen müssen. Wir bewegen uns mehr und sind gesünder. Schon wieder beim Gesundheitssystem gespart. Autofahren ist eine tolle Sache, aber immer nur wenn man selber fährt. Wenn andere Auto fahren, dann ist das für einen selber nur eine Belastung. Weniger Autos könnten mehr Lebensqualität bedeuten. Arme Chinesen, die Auto fahren müssen 😉

  19. Lieber Gunter, ich habe mich sehr gefreut, endlich wieder einen Beitrag der Omnisophie zu lesen (nachdem ich den Abo-Newsletter aus dem SPAM-Müll gerettet habe).
    Überfällig der Artikel und leider ist das Kind bereits kaum rettbar im tiefen Brunnen. Stattdessen gibt es Abschreibungssubventionen, die nur die noch immer üppigen Gewinne der Autokonzerne vergrößern – als Kleinaktionär von deutschen Autoaktien könnte ich mir überlegen, ein chinesisches Elektroauto – natürlich mit der neuen E-Auto-Förderung aus weiteren Steuermitteln zu kaufen, dass ich dann mit dem Strom der jüngst aus Steuermitteln finanzierten Solaranlage mit Speicher und Wallbox lade.
    Fördermaßnahmen können auch in der Sanktionierung von falschen Wegen bestehen – die CO²-Bepreisung ist wohl der beste Weg – und mit diesen zusätzlichen Einnahmen werden die wirklich Bedürftigen auf Antrag unterstützt (anstelle mit der Gieskanne wieder verplempert). Kommt einem bekannt vor diese Argumentation??? Also neu verpacken als „Deal“, dann kommt es bei uns vielleicht akzeptabler an.
    Liebe Grüße, Ihr treuer Leser und Bewunderer
    Frank Klages

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