Die beta-inside Galaxie

Dieses Buch enthält einige kurze und längere dichterische Momente von mir und die Texte meiner inzwischen „Kultkolumne“ genannten Dueck-_-Inside Artikelserie aus den Jahren 1999 bis 2001. Die Kolumne erscheint im Informatik-Spektrum, der Mitgliederorgan der Gesellschaft für Informatik. In den vorliegenden Artikeln geht es um Internet, New Economy, Einstellpraxis von jungen Akademikern, um die reine Ausbeutung von Universitätsforschung, ohne sie „nachwachsen“ zu lassen usw.

Es geht mir immer darum, wirklich in die Hintergründe einzudringen und nichts vorzutäuschen, was nicht da ist, aber in allen Hochglanzprospekten oder auf Fahnen hochgehalten wird.

Ich will also gar nicht hinter die Dinge schauen, sondern nur hinter deren Glitzerhülle. Dann sehen die Dinge und Menschen bekanntlich anders aus, so mitten drauf geschaut! Und so will niemand die Dinge wirklich sehen, schon gar nicht sich selbst im Spiegel.

Gunter Dueck - E-Man - Cover

Aber genau darum scheitern so viele Dinge, weil sie für die Hülle gemacht wurden! Und ich mag nicht alles scheitern sehen!

Deshalb halte ich nun allem die grelle Taschenlampe ins Gesicht. Ich habe einige Jahre mit dem milden Vorwurf gelebt, Hofnarr der IBM oder der Gesellschaft zu sein. Ich weiß ja nun nicht, ob ich nun nicht selbst genug in den Spiegel sehe, aber ich fühle mich mit der Zeit ernster genommen.

In der ersten Zeit wurde ich überhaupt nicht ernst genommen – das wollte ich auch nicht. Ich wollte ja erst einmal wahrgenommen werden! Und das war nicht einfach.

Damals sagte mir ein Vorgesetzter: „Sie proklamieren die Wahrheit, Dueck. Aber die ist zu weit von der Welt entfernt. Wenn sie also neben der Wahrheit stehen und laut zu uns herüberschreien, Sie hätten sie gefunden, dann hört sie niemand. Wir andere sind zu weit weg, verstehen Sie endlich? Kommen Sie also näher heran an die Welt, da wird man Sie vielleicht hören. Und bitte: Verstehen Sie diese Sätze als echten Vorwurf an Sie.“

Ich glaube, durch diese Kritik habe ich damals meine Lage viel tiefer erkannt.

Der Band enthält auf etwa 30 Seiten die Satire Nicht nur zur Neujahrszeit. Da habe ich Böll’s Grundidee aus Nicht nur zur Weihnachtszeit in einen ganz anderen Rahmen gezerrt. Für mich ist es eine wirkliche Dichtung geworden, mein subjektiv bestes Werk. Wenn ich ganz frei wäre, würde ich nur solche Geschichten schreiben. Aber diese andere Seite von mir, neben dem Lauten und Protestierenden, wird sehr zwiespältig gesehen. Sei’s drum. Ich halte es aus, wenn auch Sie schreiben sollten: „Da kann ich Ihnen nicht folgen. Wirkt auf mich wie moderne Kunst. Was soll das?“ Und ich: „Was soll’s. Ich steh’ dazu.“