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Dieses Daily Dueck ist gleichzeitig ein Teaser für mein neues Buch über die letzte Kränkung der Menschheit. Ich entwickle darin eine Vorstellung, wie sich humanoide Roboter in unser aller Leben einfügen werden. Lassen Sie einmal die Skepsis für 240 Seiten beiseite. Wir können Humanoide zum Beispiel netter, teamtauglicher und ohne Zicken programmieren. Fühlen sie das schon einmal mit? Erfahren Sie etwas über unsere Zukunft!
Regen Sie sich nicht auf. Humanoide Roboter werden bald die besseren Menschen sein. Bitte, regen Sie sich nicht auf. Wut hilft nicht. Aus fast schon versteinerter Wut gibt es immer noch Leute, die die Erde flach halten wollen; immer noch Leute, die Darwins Gedanken verdammen, wir könnten vom Affen abstammen und immer noch Fans der Aufklärungsphilosophen, die uns überzeugten, wir wären rationale Wesen und keine Instinktarier. Solche Wut ist viele Jahre alt, sie glimmt immer noch schwach – man nennt sie Kränkung der Menschheit. Humanoide sind in diesem Sinne die letzte die letzte Kränkung der Menschheit.

Quelle: für signierte Bücher bin ich selbst. Mail an dueck@omnisophie.com . Alle meine lieferbaren Bücher, nicht nur dieses neue, schicke gerne zum Preis bei Amazon frei Haus; dieses neue kostet 22 Euro. Wenn zu viele Bestellungen kommen, dauert meine Beschaffung etwas, bitte Geduld.
Na gut, ich weiß: wir Menschen und insbesondere wir individuell als Person sind einzigartig. Das sind Großserien-Roboter lieber nicht. Standards sind da besser. Sonst konfiguriert man sie wie deutsche Autos mit komplizierten Extras und ist nach zwei Tagen fertig, seelisch und finanziell. Alternativ nimmt man einen vollausgestatteten chinesischen Humanoiden per One-Click.
Standard-Humanoide haben folgende Eigenschaft: Sie sind so programmiert, wie ihr/Ihr Arbeitgeber sie sich wünscht. Eigenschaften bestmöglicher Mitarbeiter und Führungskräfte werden kilometerweise in Büchern geschildert, auch, wie Mitarbeiter von Managern und Personalern programmiert werden. Die Aktivität von HR-Leuten heißen ja auch stets „Programm“. Sie „setzen ein Programm auf“. Ein bisschen Hirnwäsche im Workshop-Format gefällig? Besonders die US-Konzerne definieren am besten jeden Handgriff für jeden Mitarbeiter im Unternehmen, sie regeln alles in Prozessketten und schränken jeden Eigenwillen durch Incentive-Systeme ein, also durch Strafen und Karotten vor den Esel.
Solche auf diese Weise ideal programmierten Mitarbeiter funktionieren aus Sicht des Arbeitgebers wie eine Maschine. Ich will sie Funktionsmenschen nennen. Man vermeidet natürlich den Begriff des Programmierens, klar. Ich verwende ihn hier. Ich höre so oft, Mitarbeiter seien durch die vorbildliche Unternehmenskultur geprägt. Oder auch: Sie haben den richtigen Stallgeruch.
Diese absichtlich standardisierten Menschen kann man gut als Programmiervorlage für Humanoide nehmen, also nicht die Menschen selbst, sondern ihre Funktionsweisen und idealen Wesensvorschriften. So programmiert funktionieren dann Humanoide besser als Sie oder ich.
Wir echten Menschen sind schließlich öfter emotional oder auch krank, zanken herum und fühlen uns unverstanden oder zurückgesetzt. Das ist bei Humanoiden kein Problem. Sie lernen auch besser – man stellt sie irgendwo zum Zuschauen in die Backstube und sagt: „Ab nächster Woche backst du um 2 Uhr Brezeln.“ Und sofort geht ihnen die Arbeit flüssig von der stählernen Hand – wie Brezelbacken eben.
Alle wir Funktionsmenschen werden in diesem Sinne durch Humanoide ersetzbar sein… Wenn Sie innerlich protestieren, lesen Sie bitte mein ganzes Buch. Viele von Ihnen klagen prophylaktisch: „Wo bleibt denn das Menschliche in dieser schrecklichen neuen Welt?“ Jetzt argumentiere ich etwas sarkastisch: Humanoide können durchaus auch das Ur-Menschliche liefern: Sie haben nämlich Zeit! Zeit, sich in der Arztpraxis mit Patientennöten auseinanderzusetzen oder im Heim Pflegebedürftige zu unterstützen. Ich argumentiere nicht, dass sie das besser als Menschen können – auch darüber müssten wir reden – nein, es geht darum, dass wir menschliche Menschen uns kaum mehr Zeit für Menschliches nehmen können, eben weil wir zu Funktionsmenschen mutiert sind. „Der Arzt hat keine Zeit mehr für mich!“ Dazu kommt, dass wir von mindestens einem Drittel der Ärzte, Call-Center-Berater, Pfleger, Lehrer, Handwerker etc. lieber keine Zeit in Anspruch nehmen wollten. Mindestens solche, die wir auf den Mond schießen möchten, sehen wir dann gerne durch Humanoide ersetzt.
Das Menschliche ist in den KI-Diskussionen omnipräsent, aber nicht, weil wir uns selbst darum kümmern, sondern weil wir fürchten, die KI würde uns Menschlichkeit wegnehmen. Ich betone: Es gibt nicht mehr viel wegzunehmen, und die Humanoiden liefern passable und solide Funktionsmenschlichkeit.
Lassen Sier sich auf diese Gedanken ein. Unser Land ist ein Exportland, wir haben E-Autos verschlafen. Der Bau von Humanoiden braucht ähnliche Teile wie Autos, ebenso ein Betriebssystem und eine Batterie etc. Etliche große chinesische Autobauer haben schon Produktionsbereiche für Humanoide. Das wird das nächste große Business, glauben Sie mir, oder glauben Sie wenigstens Elon Musk. Wenn wir uns hier in Deutschland gegen Roboter sperren, verschlafen wir wieder eine Technologie, immer schön die nächste. Wir müssen unsere Wirtschaft neu denken! Aber nein, was sehe ich? Wir lieben drittrangige Fragen, etwa, wie viele Steuern die Humanoiden zahlen sollen (einfach wie Autos?) und wie unser Rechtssystem reagiert, wenn ein Humanoide einen Pflegebedürftigen hinfallen lässt. Ist das versichert? Solch einen Unfall muss der Humanoide nämlich zwingend per Programm melden, schwierig. Menschen verschweigen es vielleicht einfach, wenn es ihnen passiert.
In diese ganze Gedankenwelt führe ich Sie ein. 240 Seiten. Nüchtern und sachlich. Im Buch betone ich, dass ich mich wie ein Arzt fühle, der dem Patienten eine Diagnose stellt, die diesem nicht passt. Da ohrfeigt der Patient den Arzt und geht zu einem anderen. Mir wird oft unterstellt, dass ich die Zukunft, die ich vorhersage, selbst aktiv wünsche und will. Nein, nein, nein, ich sage nur voraus, indem ich alles zu Ende zu denken versuche.
Beispiel: Meine letzte Kolumne (DD391) wurde kritisiert, dass ich die Automobil-Industrie „am Rande einer mittleren Katastrophe“ sehe und einfach nur ungerecht schlecht-mache. Pfui, Dueck, Schlechtredner, geht gar nicht! Gerade kamen die Absatzzahlen der deutschen Autobauer für das 3. Quartal 2026 herein. Also lesen Sie nochmals das letzte DD vom Januar. Sie sehen: Nicht einmal die Experten sehen ein Jahr voraus. Sie sind nicht dumm – sie wollen einfach nur nicht nach vorne sehen. Sie wünschen sich das beste mögliche Szenario für morgen, sie wollen keine nüchterne und ehrliche Diagnose. Dies alles wiederholt sich gerade rund um die KI. Endlose Diskussionen um „Fluch oder Segen“. Dabei vergeht wertvolle Zeit! Die haben wir nicht. Für Leute, die dafür kein Gefühl haben, sage ich immer: „Wer aufschließen will, muss schneller laufen als der Führende.“ Läuft nun Deutschland schneller als China? Das tun wir nicht entfernt. Wir reden und reden. Das derzeitige „Ergebnis“ des Gezeters: wir wollen eine „eigene souveräne EU-KI“ – ja und? Agieren wir jetzt kraftvoller als die Führenden?

Am besten wäre es, ich würde hier die ersten paar Seiten als Leseprobe bereitstellen. Das geht nun nicht so gut – Copyright („kopiere richtig“). Ich habe daher den Text herausgesucht, den ich damals beim Verlag als Versuch eingereicht habe, um mich um ein Buch zu bewerben. Den hänge ich an. Da ist jetzt einiges wiederholt, was ich gerade gesagt habe…sorry, ich werbe ja wiederholt für Wahrheiten und mein Buch, das kann ich nicht oft genug sagen.
Eine frühe Gedankenskizze, aus der das Buch hervorging:
Die finale Kränkung der Menschheit
Wie das Studium vortrefflicher künstlicher Menschen die Entschlüsselung unserer selbst möglich macht
Dieses Buch ist dem philosophischen Weiterdenken gewidmet. Es hält sich mit der Beschreibung temporär bester Technologie und mit „Mathematik“ sehr zurück, vermeidet auch dystopische Gedanken außer denen, die uns beschleichen, wenn wir uns etwas fröstelnd ebenbürtige Humanoiden neben uns vorstellen. Es geht mehr um künstliche Philosophie, streift aber auch ökonomische, psychologische und soziologische Aspekte.
Hinein:
Mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz können künstliche Menschen erschaffen werden, die nicht die bei uns selbst so häufigen Persönlichkeitsstörungen haben müssen. Punkt. Large Language Models wie etwa das bekannte Chat-GPT sind heute dem durchschnittlichen Menschen auf der Denkebene und in puncto fachlicher Expertise überlegen. In ein paar Jahren ist kaum noch irgendein Mensch ebenbürtig. Dieser Durchbruch wurde erzielt, indem man plausible Wortfolgen sammelte und nach diesem sehr einfachen Prinzip erstaunliche Ergebnisse erzielte. Ein LLM reiht Wörter hintereinander, die „meist in dieser Reihenfolge Sinn ergeben“. Dieses computerlinguistische Wahrscheinlichkeitsmodell „weiß alles“, ohne irgendetwas zu „wissen“.
In diesem Buch sehe ich einen weiteren kühnen Schritt vor mir: Wir dehnen unsere KI-Modelle um eine ganze Dimension aus. Wir nutzen nicht nur Wortfolgen zur statistischen Auswertung, sondern wir sammeln kurze Dialoge und Erlebnisfetzen von Menschen in großem Stil und lassen dadurch einen künstlichen Menschen entstehen, der wie „einer von uns“ erscheint, obwohl er – statistisch gesehen – nur wahrscheinliche Gefühlsregungen, Small-Talk-Elemente und Emotionen aneinanderreiht. Wir füttern Large Experience Models (LEMs) – so nenne ich die Erfahrungs- und Erlebnismodelle einmal analog zu den LLMs – nicht nur mit Wörtern, sondern mit wirklichen Erlebnissen. Nicht nur mit faktischen Behauptungen wie „Capri ist schön“, sondern gleichzeitig mit den Emotionen, die hier in Italien wahrscheinlich auftauchen: Seufzen, Sehnsucht, „fast schon kitschig“, überirdisch, blau, von Touristen überlaufen. Wir assoziieren zu Wörtern wie „Schmetterling“ nicht nur die Anzahl der Flügel und Fühler und die Fortpflanzungsweise wie im Bio-Unterricht, sondern eben auch Gefühle und Emotionen: Wir fühlen Sommer und Wärme, empfinden das Flattern, spüren Blütengeruch oder denken an „mindestens diesen einen gibt es noch vor dem Aussterben“.
Wir nutzen dazu nicht nur ein linguistisches Wahrscheinlichkeitsmodell, sondern ein emotionales oder affektives LEM. Ein eigentlich „seelenloser“ Roboter fühlt dann alles, ohne irgendetwas zu fühlen. Man programmiert einfach die zugehörigen Gefühle ein. Man sagt im Deutschen: „Das traf den richtigen Nerv.“ Ja, der muss gefunden und getroffen werden. Dazu mache ich mit Ihnen einen Abstecher in die „Affective Neuroscience“. Bei Säugetieren werden seit einiger Zeit Instinkte erforscht und nach „dem Nerv“ gesucht, der eine Instinktreaktion auslöst. Man findet zunehmend spezielle Neuronen im Gehirn, die diese Funktion haben. Forscher können dann Instinktreaktionen durch elektrische Stimulation dieser einzelnen Neuronen auslösen. Ein solcher Stimulus an der richtigen Stelle bewirkt dann Angst, Panik, Sorge, Neugier oder Wut. Sie kennen es in sich selbst bei der Partnersuche: „Da hat es Zoom gemacht.“ Das alles programmieren wir in Roboter.
Dieser Ideenkomplex führt zu einer klaren Schlussfolgerung: Wir können durch LLMs und LEMs künstliche Menschen erzeugen, die von Menschen im Alltag kaum noch zu unterscheiden sind. Natürlich haben künstliche Menschen oder Humanoide keine „Biologie“, sie müssen zur Inspektion und nicht zum Arzt und sie brauchen zum Fortpflanzen Industrieroboter in der automatischen Fertigung statt Partner, aber ein Faible für Kleider-Shopping und Verlieben sollten sie per LEM mitlernen können. Vielleicht kann man Humanoide gegen ein privat bezahltes Mini-Update dazu bringen, sich authentisch wirkend in Sie zu verlieben?
Wenn ich in dieser Zeit mit normalen Menschen oder verschiedensten Experten auf Konferenzen über KI rede, wird oft eine Art Grauen spürbar. Viele Vorträge der Art „KI – Fluch oder Segen?“ glauben nicht so recht an den Segen, lassen sich aber sehr pessimistisch gestimmt über unsere Zukunft mit KI aus. Werden uns die Humanoiden beherrschen? Können sie ein Ersatz für echte Menschen sein? Nehmen sie uns die Arbeitsplätze weg? Im Thema KI stecken viele Emotionen. Wer sich für KI begeistert, wird mit Stirnrunzeln in die Ecke gestellt; denn er weiß wohl nicht, was er da gut findet. Ich denke, dahinter verbirgt sich das, was ich als finale Kränkung der Menschheit bezeichnen möchte:
Und der Mensch schuf sein Ebenbild aus Draht und Strom, und er sah, dass es besser gelungen war als er selbst. Da haderte er mit sich und weinte bitterlich.
Sigmund Freud benannte als Erster die drei Kränkungen der Menschheit Die Erde ist nicht Mittelpunkt der Welt, der Mensch stammt vom Affen ab, und sein Geist wird viel mehr von Trieben und Instinktauslöseneuronen gelenkt als von seiner Vernunft.
Nun kommt die KI.
Haben Sie nicht auch in der Schule gelernt, wir wütend die Menschen der jeweiligen Zeit auf Kopernikus, Galilei, Darwin oder eben Freud reagiert haben? In diesem Sinne kann Ihre Skepsis natürlich sehr berechtigt sein, aber ich weise Sie nur darauf hin, dass es zum Bildungskanon gehört, über die extreme Ablehnung früherer Kränkungen der Menschheit fundiert informiert zu sein. Bitte schimpfen Sie also nicht unkontrolliert über die KI. Überlegen Sie bitte, wie sehr Sie selbst heute schon selbst programmiert sind: Durch Bürokratie, Traditionen, Kultur oder Ihr Einkaufsverhalten als nutzenoptimierender Homo Oeconomicus. Sie werden durch den Chef und die Regierung durch instinktauslösende Anreize, Incentives und Punkte in Flensburg stromlinienförmig gehalten. Ich komme darauf zurück.
Kurz: Wir sind bald so weit, künstliche Menschen per LEM zu konstruieren. Die Verwendung physischer Roboter wird derzeit besonders in China vorangetrieben. Nachdem man „Sinnesorgane“ für autonome Autos produziert, werden diese auch in Robotern installiert. China hat einen ernsten Grund: Wegen der damaligen Ein-Kind-Politik überaltert das Land und verliert zehn Millionen Arbeitskräfte im Jahr. Daher wurde die Losung ausgegeben, möglichst viel zu automatisieren. Das zieht man in China seit Jahre so konsequent durch wie damals die Nur-Ein-Kind-Regel. Sie können beides kritisieren, aber so ist die Lage. In China gibt es bereits Teams von Humanoiden, die sich zur Gruppenarbeit verständigen können.
Wie sieht eine Welt mit „vortrefflichen künstlichen Menschen“ aus? In diesem Buch möchte ich nicht wild und wüst spekulieren, ob und wie Roboter mit uns umspringen oder wir mit ihnen. Ich möchte hier (auch) auf mehr philosophische und psychologische Fragen hinaus.
Du, dem der Spiegel nicht taugte:
Sieh den Humanoiden und erkenne dich endlich selbst.
……so weit die Idee des Buches!