DD250: Volkswagening / volkswagieren und Supramanie (Oktober 2015)

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35 Antworten

  1. Andreas Pleye sagt:

    Sehr geehrter Herr Dueck,
    ich danke Ihnen für den unterhaltsamen Artikel.
    Bei der VW Manipulation fehlt mir die dritte Dimension.
    Die Abgasnorm kann eingehalten werden. Die Software dafür existiert ja schon. Sie wir aus einem anderen Grund nur deaktiviert – um die Motoren nicht zu schädigen?
    Wenn dem so sein sollte, kann ja kurzfristig keine Lösung herbeizuführt werden. Warum sollte das jetzt, auf einmal, möglich sein?

    • Gunter Dueck sagt:

      Heute ist dazu ein ganz langer Artikel in der SZ (6.10.2015). Man kann wohl die Normen einhalten, aber nur unter hohen Kosten…es ging darum, gleichzeitig gut, energieeffizient und BILLIG zu bauen, letzteres ging nicht. Man kann wohl umrüsten, dann ist aber „der Gewinn weg“. Technisch saubere Fahrzeuge hätten nichts eingebracht… Man ärgerte sich damals, schlechter als Toyota zu sein. Laut SZ haben sie sehr gerungen, auch viele andere Konzepte probiert, zwischendurch welche gefeuert, die es nicht hinbrachten. Und dann, nach diesem Theater, soll plötzlich ein Ingenieur „hepp“ sagen können, „gelöst“???? Da würde doch Piech wohl nach Jahren von Problemen wissen wollen, wie die es gelöst haben?????????

    • Thomas sagt:

      Also mit SCR könnte man die Norm wohl einhalten, auch mit einfachem DPF und DOC, aber das alles kostet Geld und im zweiten Fall auch ein wenig mehr Diesel.
      Am Prüfstand werden die Motoren massiv runter gefahren. Es gibt Fälle, da wurde auf einem 400 PS Auto ein 40 PS Auto.

      Zum Vorfall an sich: Wie Sie richtig feststellen, dominiert heute die Lüge die Welt. Das große Problem, dass die Politiker jetzt haben ist, dass der ganze Klimaschutz in sich zusammen bricht. PKWs sind nun auf einmal doch nicht so sauber. Die ganze Rechnung stimmt nicht mehr. Ich wette, dass das der Politik gerade recht war, dass hier gelogen und betrogen wird.
      Und es stimmt auch, dass dies in den Entwicklungsabteilungen schon länger so läuft. Laufen die Tests nicht erfolgreich, werden die Zahlen ein wenig hin und her gerückt, bis das Ergebnis passt.
      Selbst in den Schulen läuft es doch so. Der Lehrer gibt den Schülern Hinweise, was zum Abitur kommt, damit er sich dann nicht blamieren muss.

  2. H. Martin sagt:

    „Smartphones haben heute in der Regel Quad-core- oder Octa-core-Prozessoren, also eben vier oder zweimal vier (= acht) Prozessoren. Fast alles auf dem Smartphone läuft mit den ersten vier Prozessoren, die anderen braucht man vielleicht beim gleichzeitigen Filmen und Videoschauen oder so (wenn das geht). Man könnte doch eigentlich gleich nur vier Prozessoren einbauen und die anderen vier irgendwie per Software vortäuschen?“

    Vielleicht sollte man sich fragen, wieso man das alles vortäuscht? Will denn keiner mehr QuadCore, weil es OctaCore gibt? Oder weil die Gesellschaft immer mehr und mehr haben will? Sind wir früher mit unseren 75PS-Volkswagen nicht irgendwie fast genauso schnell ans Ziel gekommen? Heute gehört man mit 150PS schon zu den „Kleinwagen“. Und den Trend zum OctaCore gibt es auch bei den Elektroautos – oder gibt es bei den wenigen verfügbaren Elektroautos welche mit (dicke ausreichenden) 75PS? Nein, da muss es schon ein 400PS Elektromonster sein, und dann beschwert man sich über die 50km Reichweite 🙂 Wer auf dem Teppich bleibt und sich nicht gnadenlos dem Marketinghype …immer mehr, immer größer,…unterwirft, hält vielleicht auch einfacher die Zielvorgaben ein. Auf dem Teppich bleiben heißt bodenständig sein – dann ist es vielleicht auch wieder ein VOLKSwagen und man muss nicht zum volkswagening greifen.

    • Klaus sagt:

      @H. Martin:
      >>Nein, da muss es schon ein 400PS Elektromonster sein, und dann beschwert man sich über die 50km Reichweite <<

      Vorsicht mit dem Vergleich unterschiedlicher Technologien! E-Motoren arbeiten anders als Verbrennungsmotoren. Der Wirkungsgrad bei E-Motoren steigt mit der Nennleistung! Bei Verbrennungsmotoren ist das anders, weil sie nur in einem optimalen Drehzahlbereich ihren sowieso schon sehr geringen Wirkungsgrad ausspielen können. Höhere Leistung resultiert dann in höhere Verschwendung. Bei E-Motoren wird es nur das größere Gewicht sein, was sich negativ auf den Energieverbrauch auswirkt (wenn die Energie beim Bremsen nicht rückgewonnen werden kann).

      Man kann also nicht einfach das Verhalten von Verbrennungsmotoren auf die E-Motoren übertragen. Das ist eine komplett andere Technologie, die sich auch auch ganz anders verhält.

      Um noch mal auf das 400PS-Fahrzeug zurück zu kommen: Das Model S von Tesla hat zwar einen recht hohen Verbrauch gegenüber anderen E-Fahrzeugen, es hat aber auch die höchste Reichweite! Dies wiederum wird durch eine entsprechend schwere Batterie erreicht. Diese (750 kg von den 2t) wird sich natürlich auch wieder negativ auf den Energieverbrauch auswirkt.
      Und wenn man betrachtet, dass es sich bei dem Fahrzeug um einen recht großen Luxus-Schlitten und nicht um eine Öko-Knutschkugel handelt, sind die ca. 50%, die ein Tesla mehr verbraucht, dann doch ein recht gutes Ergebnis!

      • H. Martin sagt:

        „E-Motoren arbeiten anders als Verbrennungsmotoren“: Weiß ich doch, ich hatte da mehr auf diese Hybrids angespielt, dummerweise ist mein Kopf meistens schneller als meine Finger auf der Tastatur 🙂 Mein Lieblingsvolkswagen hätte einen E-Motor (meinetwegen auch mit 200 PS, wenn`s effizienter ist), eine Reichweite von 150km (reicht mir hin und zurück auf die Arbeit), einen Reichweitenverlängerer (sowas vielleicht: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/neuer-range-extender-ein-motor-fuer-die-ersatzradmulde-a-939312.html (für den Besuch der Schwiegermutti – unbedingt mit Rückkehroption:-)) – das sollte technisch relativ einfach machbar sein.
        Nicht tiefergelegt – kein Sportwagen – keine Beschleunigungsorgienmonster…… und das designtechnisch möglichst golf-mässig konservativ, gibt hohe Stückzahlen und vernünftigen Preis.
        Und natürlich ohne volkswagening….um beim Thema zu bleiben

  3. Wirtschaftler und ihre weltfremden Zeit- und Kostenvorgaben sind teuer,
    und haben nur einen Sinn – ihre eigene Selbstbeweihräucherung – das gute alte Penisspiel – meiner ist länger als deiner …
    Das nächste Auto wird eh ein Tesla. VW hat das verschlafen, die haben zu wenig „Wild Duck“ gelesen … schade eigentlich – der eBulli hätte mir gefallen.

  4. Lieber Herr Prof. Dueck,

    fulminanter Artikel! Möge er sich innerhalb des Volkswagenkonzerns, bzw. auch unter den VW Händlern in großem Maße verbreiten. Dennoch wünsche ich VW nicht das gleiche Schicksal wie Karl Theodor zu Guttenberg.

    Allerdings: die politische Creme de la Creme, die z.B. in Paris anlässlich des Charlie Hebdo Attentats vortäuschte, an der Spitze des aufgebrachten Volkes zu marschieren, haben es sehr wohl verdient, wie zu Guttenberg vollständig „vom Markt zu verschwinden.“

    Letztlich ist es aber das System, das die Wirtschaft wie die Politik zu ungesetzlichem und unmoralischen Handeln zwingt. Es zählen nur die Zahlen, bzw. das Zahlen aller zu Gunsten der Finanzeliten, dessen betrügerisches System das von VW bei Weitem in den Schatten stellt. Kein Staat der Welt bräuchte sich mit auch nur einem Cent zu verschulden. Das FED dominierte Bankensystem hat die Welt zur Hölle gemacht. Wo ihm nicht gehorcht wird, kommen Bomber oder – Personal schonend – die Killerdrohnen… Christian Wulff drückte es in seiner Lindauer Rede noch harmlos aus: Wir werden (von den Banken) am Nasenring durch die Manege geführt. Alfred Herrhausen ist heute aktueller denn je: „Wir brauchen den Glasnost für den Kapitalismus, auch und gerade für den Kapitalismus!“

    Beste Grüße

    Thomas Keller

  5. Ute sagt:

    Lieber Gunter,
    das Phänomen #VWgate oder #Volkswagening ist nicht neu. Ganz im Gegenteil: es ist ein Spiegel unser aller Selbst. Solange wir unsere Kinder (ich habe keine, bin aber 8-fache Tante und mehrfache Großtante) zu Objekten eben dieses ausgetrampelten Pfades, dieser paradoxen Selbstzerstörung, machen, ändert es sich nicht. Wie sagt Gerald Hüther so schön: Menschen wieder als Subjekte wahrnehmen und behandeln, Potentiale entdecken und entfalten etc.

    Ich über lege seit einiger Zeit, ob die Phänomene #greenwashing #socialwashing und sogar #employerwashing nicht der vorübergehende Preis für eine dann hoffentlich wirklich „nachhaltige“ Lebensweise ist. Dann, wenn alle endlich verstanden haben, welchen Sinn das Leben hat und mal aufhören, das Mittel zum Sinn zu glorifizieren…

    Vielleicht sollten wir mal überlegen, ob wir der von den Unternehmen schamlos und verantwortungslos in den Mund genommenen „Nachhaltigkeit“ nicht einen anderen Namen geben wollen bis dass sie vollständig transformiert wurde…ich denke da so an #Objekthaltigkeit oder #sustainwashing oder auch als schönes neues Akronym #LOGAI Lifestyle of greed and illness)?

    Traurig, dass so viele aus Angst vor eigenen persönlichen Einschränkungen mitmachen. Ich habe mich aus solchen Machenschaften, die übrigens auch im Mittelstand und in Kleinbetrieben ähnlich laufen, herausgezogen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Ich würde krank darüber. Vielleicht mag der ein oder andere mal anfangen so zu reflektieren, dass die Systeme eine Chance bekommen, sich zu verändern. Machen alle unreflektiert weiter und wollen nur Lösungen finden, die das System weiterhin krank füttern, wird das aber nix…

    Ich liebe übrigens Ihre Omnisophien 🙂

    Ute

  6. Ute sagt:

    P.S.: Entschuldigen Sie die Vielzahl an Schreibfehlern. Da ist beim Tippen doch glatt mein Temperament mit mir durchgegangen…

  7. Dietmar Schrenk sagt:

    Hallo Herr Dueck,

    Volkswagening passt hervorragend zu all den Dramen.

    Im Sinne des „Made in Germany“ ist das ein absolut unerträgliches Handeln bei der Fahrzeugentwicklung.

    Als ehemaliger Daimler Benz Mitarbeiter in der IT kenne ich die Motorenprüfstände aus der Zeit vor der Elektronik und die Verwertung der Messergebnisse zur Optimierung der Motoren. Wenn man will, kann man heute viel mehr erreichen, als die Politik vorgibt.

    Es ist schon erstaunlich, wie ruhig sich der Wettbewerb weltweit verhält. Wurden möglicherweise Technik und Software geklaut? Nein wirklich, das wäre doch zu einfach gedacht!

    Aber wenn wir die Volksklasse betrachten, wären doch selbst bei einem Golf im Zweifel 500.- Euro Mehrkosten für ein sauberes Auto zu vertreten.

    Einen Widerstand der Kunden gäbe es kaum, denn wer einen Golf will, der bezahlt ihn auch und wenn dies noch ein Vorzeigebeispiel für saubere Motoren wäre, erst recht.

    Bei dem, was geschehen ist, muss man sich über die Dummheit und Verantwortungslosigkeit der Ingenieure und aller Vorgesetzten nur wundern.

    Alle haben ohne Ausnahme vergessen oder ignoriert, dass ein wirklich sauberes Auto das „Made in Germany“ zu einem Kult machen könnte. Audi, BMW, Daimler Benz und alle anderen deutschen Hersteller könnten da leicht mitspielen und ihr Alleinstellungsmerkmal perfektionieren.

    Was jedoch in den Gehirnen der Manager vorgeht, ist oft alles andere, als der Sinn für das Produkt. Das sieht man am besten bei Daimler. Der ursprüngliche Vorreiter für Qualität bevorzugt heute eher die Rendite und weil das so ist, glaubte man auch mit Daimler/Chrysler zu sparen, als ob ein Mercedes mit der Logistik und den Technologien eines Chrysler besser oder billiger wäre.

    Die Vorgänger des Herrn Schrempp waren ja nicht besser. Sie glaubten wohl, dass der Mercedes mit Staubsaugern von AEG, Technologien von Messerschmitt-Bölkow-Blohm und Flugzeugen von Fokker besser fahren würde.

    Es war ja auch nicht so und so kam es, wie es kommen musste. Das Geld war verprasst, der Vorstand tritt mit ausreichender Entschädigung zurück und der nächste kommt und macht weiter!

    Andere Manager wiederum, die den Gottlieb lieber hatten, konnten den Namen Benz nicht verdauen (immer noch Schwaben gegen Badener) und so wurde der Konzern halt umbenannt, mit all dem riesigen Aufwand, der bei einer solchen Änderung erforderlich ist. Das Geld wäre in der Entwicklung besser aufgehoben gewesen.

    Gott sei Dank, dass es in der Schwarz/Weiß Zeit wenigsten Mercédèdes, die hübsche Tochter des Herrn Jellinek gab, denn damit kann der Verkäufer sagen, dass man ja einen Mercededes fährt und keinen Daimler.

    Bei VW schien es besser zu sein, denn Herr Piech kaufte wenigstens nur Unternehmen aus der eigenen Sparte. Aber auch er als Technikmensch, dem sonst nichts entging, musste von diesen Manipulationen gewusst haben. Ob ihm dieses Ergebnis gefällt, möchte ich bezweifeln.

    Vielleicht besinnen sich Manager und vor allem Politiker nach diesem Debakel und erlassen vernünftige Direktiven und Gesetze, die einen Betrug unmöglich machen.

    In diesem Sinne: lasst uns Vollgas geben und beim Tanken die Menge in das Verhältnis zu den Km berechnen. Das überzeugt und zeigt wenigstens ob die Verbrauchsanzeige stimmt.

  8. Joachim Schnurrer sagt:

    Routinen, Regeln, Rituale, Institutionen, Sprache, organisatorisches Räsonnieren, Begründen, Entscheiden und Kommunizieren, Vertrauen, Loyalität, Informationsaustausch und Wissenstransfer in Organisationen – sie alle sind auf Fiktionen angewiesen, auf ein vielfältiges Als Ob, auf Vorgriffe, die von ihrer nachträglichen Einlösung zehren, die sie selbst bewirken – jedenfalls bewirken sollen.

    Das öffnet Fälschungen, Manipulationen, bloßer Signalproduktion, bloß symbolischer Politik und organisierter Scheinheiligkeit Tür und Tor, zumal in einer Hypermoderne, in der die Jagd nach positionalen Gütern, nach ökonomischen und gesellschaftlichen Positionen mit immer größerer Hebelwirkung, in immer neue Überbietungen treibt.

    Das Gegenteil zu berechnendem Schein, unter dem wir einander begegnen, ist die nicht auf Berechnung schielende Gabe. Die Logik und Ethik der Gabe ist für die Organisationstheorie von größtem Belang, weil sogar in Organisationen und gerade in Unternehmen Loyalität, Vertrauen, Fairness, Hilfe und Wissen immer auch nach Art einer solchen Gabe gewährt werden müssen – jenseits ökonomischer Kalkulation.

    So steht es auf der Rückseite des Buches „Als Ob“ von Günther Ortmann, das 2004!! herausgegeben wurde (VS Verlag, ISBN 3-531-14374-3)

    Es sage nun keiner, das sei alles so überraschend gekommen wie der Wintereinbruch Mitte Dezember. Nein, es ist so, dass es keiner wissen/wahrhaben wollte.

  9. Ralf Resch sagt:

    „Das wäre beruhigend, dann wäre doch wieder nur Gier im Spiel.“
    Wieso wäre das beruhigend? Gier (nach immer höherer Rendite) gepaart mit Skrupellosigkeit führt doch zu diesem unethischen Verhalten, sicher auch bei anderen Firmen bzw. Produkten – „volkswagening“ is everywhere!
    Und wieso fixt das keiner später? Never touch a running (fake) system.
    VW wollte unbedingt den Verbrennungsmotor beibehalten (damit kennt man sich halt aus) und scheute den konsequenten, aber scheinbar riskanten Wechsel auf alternative Technologien (E-Antriebe in allen Variationen) – diese wurden zwar als Alibi auch entwickelt, aber das Geld sollte weiterhin mit Verbrennern verdient werden. Statt dessen wird nun Geld verbrannt …

    Wer solches Verhalten beenden will, muss das Zielsystem ändern – nicht mehr Rendite durch externalisierte Effekte (Umweltschäden, verbogene Mitarbeiter, Steuersparmodelle usw.), sondern ein besseres Leben für alle durch ethisches Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft. Fangen wir damit an, wo es uns persönlich möglich ist.

  10. Irgendwie verstehe ich den ganzen Lärm nicht.
    Ist doch ein normales Resultat der Reglementiererei und der Testerei, die sich immer mehr an Details denn an Gesamtzusammenhängen orientieren.
    So viel ich verstanden habe, haben die Motoren die Tests im Prüfstand ja erfüllt.
    Wenn die US’ler andere Tests haben wollen, sollen sie’s einführen. Diese werden dann auch eingehalten.
    Aber vielleicht wär’s wichtiger, zuerst bei den Finanzprodukten Umweltvertäglichkeits- und Crashtests einzuführen…

  11. Lieber Herr Dueck und Mitleser- und -schreiber

    Erst konnte ich es gar nicht fassen, was ich da gelesen habe: Kann der Dueck wirklich so naiv sein, zu glauben, dass Wissenschaftler und Ingenieure alleine gefeit gegen die Versuchungen dieser Welt sind? Und dass diese Versuchungen nur materieller Natur sind?
    Naja, weiter hinten im Text wurde das dann etwas relativiert … 😉

    Solche Vorgänge gibt es überall, in Wirtschaft, Wissenschaft und überall sonstwo in unserer Gesellschaft. Der „Gewinn“ ist auch nicht immer materiell, das ÜBerleben, die Ehre, … zählt manchmal noch mehr. Und so wie es Vergewaltigung in allen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen gibt, so gibt es auch alle anderen Formen der Kriminalität überall. Zum Glück, so hoffe ich wenigstens, nur zu einem relativ kleinen Teil.

    Was mich hier jedoch besonders überrascht, ist das Ausmaß des Betrugs und die Blödheit, mit der hier gegen das 11. Gebot, „Du sollst Dich nicht erwischen lassen“, verstoßen wurde.

    Meine Hypothesen:
    1. Synergien im Mehrmarkenkonzern führen dazu, dass sich unter konkurrierenden Ansätzen der unter Kosten-/Nutzen-Aspekten erfolgreichste durchsetzt und so von vielen Uneingeweihten arglos übernommen wird. Das erklärt die Verbreitung.

    2. Der „Fake“ hat stattgefunden, weil es die Beteiligten in einer konkreten Situation erstmal über den Tag „gerettet“ hat. Das kommt im Übrigen relativ häufig vor: Man baut einen „Türken“ (bitte, nicht als Diskriminierung gemeint!), wird dafür gestreichelt und erstmal ist alles gut. Bevor der Schummel auffliegt kann man ja noch was machen, oder man ist sowieso schon wieder ganz wo anders …
    Beispiel: Große IT-Projekte – Inhalte dreimal „downgesized“, Liefertermin zweimal verschoben, Budget schon ein paarmal erhöht, Projektleiter schon einmal gefeuert – naja, dann wird halt gelogen, um zu überleben, die Tantieme zu bekommen, oder einfach nur um gut dazustehen. Es bleiben ein paar Sachen übrig, alle breiten den Mantel des Schweigens drüber, der Chef wird schon nichts machen wenn er was merkt, er hat das ja bereits als seinen Erfolg verkauft, … Und irgendwer wird schon mal aufräumen … . Das klappt oft, wenn die Sache überschaubar bleibt.
    Aber hier war das anders: Plötzlich wird aus einer kleinen „Notlösung“ eine große Sache, das Ganze wächst allen über Kopf, ein Rückzug ohne Blutverlust nicht mehr möglich … Noch nicht mal als klar ist, dass sich die US-Behörden (und andere) mit der Diskrepanz zwischen Test- und Betriebsdaten beschäftigen, zieht einer die Reißleine.

    Also, kurz und knapp: 1. Keine Lösung parat, 2. gelogen, 3. Tragweite unterschätzt, 4. den Kopf in den Sand gesteckt, 5. den letzten Zeitpunkt der Beichte verpasst, 6. auf der Flucht erschossen und viele mit in den Tod gerissen.

    Bleibt die Frage der Verantwortung und der Mitwisserschaft.

    Die Verantwortung ist klar, der Konzern ist wohl in seiner Substanz massiv gefährdet, dafür müssen eine Reihe von Leuten gehen: Die das „gemacht“ und die das gewusst haben sowieso, die oben drüber und das nicht wissen wollten auch, ebenso wenn sie ihre Pflicht zur Aufsicht nicht im erforderlichen Maß wahrgenommen haben – meiner unmaßgeblichen Meinung nach trifft das auch auf Teile des Aufsichtsrats zu. Spätestens als die offiziellen Gespräche und Ermittlungen in USA begannen.

    Wer wusste es, bzw. wer musste es eigentlich gewusst haben?
    Aufgrund der oben hypothetisch (!) dargestellten Dynamik der Entwicklung kann der Kreis der Wissenden ursprünglich recht überschaubar gewesen sein. Das Kartell der Dreck-am-Stecken-Träger hat kein Interesse daran, den Kreis der Mitwisser zu erweitern, wenn es nicht gleichzeitig zur Absolution führt nach dem Motto „Melden macht frei“ – dazu war es zu spät.
    Spätestens als dem Konzern bekannt wurde, dass gegen ihn ermittelt wird, müssen sich Personen aus den höchsten Führungs- und Aufsichtsebenen mit dem Vorgang befasst haben …

    Ich würde nicht damit rechnen, dass sich AR- und VS-Protokolle zum Thema finden lassen, auch wenn nicht unwahrscheinlichist, dass darüber geredet wurde, aber irgendwer hat Aufzeichnungen gemacht und E-Mails oder SMSe geschrieben, gebloggt oder sonstwas. Vielleicht fragen die US-Ermittler ja mal bei der NSA nach 😉 Wir dürfen jedenfalls gespannt sein.

    Jedenfalls kann man kann was draus lernen. Was, das muss jeder für sich herausfinden 😉

    HG, TS

  12. Thomas sagt:

    Was mich persönlich wurmt: Wie man Dieselmotoren sauberer bekommt, weiß man schon seit den 80er Jahren!!! Die Technologie ist auch nicht aufwendig oder besonders teuer.

  13. Thomas Götze sagt:

    Eine der Erkenntnisse aus Wild Dueck für mich war:
    „Wer Zahlen fordert, wird auch nur Zahlen bekommen.“

    Macht es mich froh, dass hier in großem Stil meine Erkenntnis von 2007 bestätigt wird? Nein.
    Naja, ein wenig schon …

  14. Kati sagt:

    So neu ist dieses System glaube ich nicht. Ich habe als Azubi vor 20 Jahren in einem Kreditinstitut gearbeitet. Wir sollten – anstatt frei zu beraten – nach einem monatlich neu festgelegten Plan bevorzugt Produkte verkaufen, die der Bank hohen Profit brachten. Anlagewünsche und Risikopräferenzen der Kunden sollten bewusst umgangen werden. Das ganze war mit einem Prämiensystem geschickt aufgebaut, so dass nicht nur jeweilige Berater, sondern auch Team und Chef anteilig „Prämienpunkte“ bekamen. So war es schlicht nicht möglich sich dem zu entziehen. Auch wenn man sich persönlich entschloss, den Kunden fair zu beraten, sorgten die Kollegen und der Chef mit starkem Druck dafür, dass dem Kunden komplett unpassende Anlagen „empfohlen“ wurden. Das ganze hatte seit Jahren System und ich würde mich nicht wundern, wenn es nicht nur diese Bank beträfe und noch heute so läuft. Ich habe gekündigt nach der Ausbildung, aber nicht weil ich moralisch so toll bin sondern schlichtweg auf das Geld damals nicht angewiesen war.

  15. M. Riehl sagt:

    Tja, das Volkswagening. Jeder kennt wohl Beispiele. Neulich habe ich gelesen, dass die Absolventen von Cambridge im Schnitt erfolgreicher werden, nicht weil die Professoren dort besser sind, sondern weil einfach nur die besten Schüler aufgenommen werden. Die Tests messen doch immer was sie sollen und stimmen nie!

    Wie schafft man 25% Eigenkapitalrendite ohne Risiko, wie Ackermann es vor der Finanzkrise versprochen hat? Wie kann man ohne Ausbeutung der Schwachen T-Shirts für 3€ verkaufen. Wie kann man 2 Tonnen Autos bewegen mit 3 Liter Sprint?

    Das wissen doch die Verbraucher selber, das das nicht geht. Wer will sich ernsthaft beklagen? Für mich ist eher die Frage, warum die Verbraucher sich so gerne belügen lassen. Alles nur Schwarmdummheit?

  16. Lieber Herr Dueck,
    Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Darstellung. Mir wird mulmig beim Lesen Ihrer Texte. Sie bestätigen, was ich unter vier Augen erfahre.
    „Ich würde krank darüber.“ Ute vom 6.10.2015
    Ich arbeite mit Klienten, denen es derart schlecht geht, dass ihnen sogar spürbare wirtschaftliche Nachteile bei einer beruflichen Veränderung einfach vollkommen egal geworden sind. Sie wollen einfach nur wieder leben…wollen authentisch sein dürfen, sich selbst in die Augen schauen können, ungewöhnliche Visionen sanktionsfrei kommunizieren können…
    VW ist ein ziemlich schriller Weckruf an den Exportweltmeister. Hoffentlich wird er gehört!
    Gabriele Lönne

  17. Marc Mertens sagt:

    In der Stern-Ausgabe vom 01.10.2015 konnte ich heute morgen bei einem Arztbesuch das ganze Dilemma in schwarz und weiß lesen. Der Herr Piech wollte sein TDI-projekt nunmal durchpeitschen, egal was das kommen mag. Bis zum leidlichen EA189-Motor, der anscheinend technisch und emmissionsmäßig nicht optimal durchkonstruiert werden konnte. (Was mich ein wenig an die MB 240er-Benzin und 270er cdi Motoren erinnert.)

    Besonders dusselig erscheint nun, dass aufgrund des sog. „Command & Control“ der Vorstände einfach keine Kritik oder Widerstände zugelassen worden sind. Und weiterhin habe ich im Bekanntenkreis schon sehr lange gesagt, dass ich es als sehr befremdlich finde, wenn man einer Zielcharta zurechnet, unbedingt bis 2018 an Toyota vorbeiziehen zu wollen. Toyota hat eine solche Zielvorgabe nicht in seinen Berichten, man ist einfach aus eigener Kraft und mit (eigentlich deutschen) Ingenieurs-Tugenden Weltmarktführer geworden.

    Und der Prius? Der wurde an einem runden Tisch mit allen Ansprechpartnern aus allen Werks- und Planungsbereichen gemeinsam entwickelt. Vorlaufzeit waren 7 Jahre und nach 5 Jahren war man fertig. Erstes Baujahr war doch glatt schon 1997! Erst belächelt, oft verspottet und jetzt ein Leistungsträger in ganzen Baureihen von Lexus bis Toyota und von klein- bis groß-hubigen Motoren.

    Ich habe mich z.B. ganz bewusst für den gerade ausgelaufenen Auris Hybrid Sportstourer entschieden (also ohne Facelift mit all den tollen Elektronik-Kokolores). Leistung, absolut ausreichend und auf nasser Straße im EV-Betrieb kaum kontrollierbar. ;-))

    Echte Werte: Urlaubsfahrt von München nach Schwerin, 4 Personen (Familie), komplett beladen mit Koffern & Co., bisserl Klima an, bisserl Fenster auf, bisserl Stau, bisserl Stadtverkehr und auf der Autobahn auch mal 140 km/h, dafür entspannt und sauleise bei Stop-&-Go oder in Tiefgaragen (;-)). Verbrauch 5,27l per Tankquittung und KM-Stand. Für mich, voll OK! Und im Münchener OldSchool-Chaos-Großstadtverkehr bewegen wir uns mit der gesamten Familie bei 3,8 bis 4,2l.

    Aber wie heißt es so schön – und vor allem in Bezug auf die oftmals ungeduldig drängelnden und nötigenden Verkehrteilnehmer mit 200 PS+ –
    „Umparken im Kopf“ ist angesagt. Aber oh, dass war ja Opel und schon wieder eine ganz andere böse Story.

    Herzlichen Dank für Ihre Artikel und für die wertvollen Kommentare, gefällt mir gut hier.

  18. Wer 40 PS braucht um 100 zu fahren, sollte vielleicht noch mal mit dem Aerodynamiker sprechen oder unnötiges Gedöns wieder ausbauen.

  19. Marko Umek sagt:

    Also eine ganz interessante Erklärung für das ganze kann man auch hier finden: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/was-geschah-bei-vw-nuetzliche-kriminalitaet-13837008.html .

    Ein paar Gedanken meinerseits:

    1. Grosse Organisationen sollen gelegentlich die Tendenz haben sich nur noch um sich selbst zu sorgen. Die Welt da draussen oder gar ihre Kunden dienen dem Unternehmen und nicht mehr umgekehrt – auch wenn das Gegenteil behauptet wird: Kundenorientierung und so.

    2. Zwei Begriffe werden häufig verwechselt: Ziele und Ergebnisse. Ziele sollten etwas mit Werten zu tun haben oder so belanglose Fragen: Warum existiert mein Unternehmen? Wofür steht mein Unternehmen? Wer sind meine Kunden? Was biete ich meinen Kunden an Mehrwert?

    Das Ergebnis sind die Zahlen von denen häufiger geredet wird. Wenn man jetzt Ergebnisse zu Ziele macht, naja, dann kann es zu einem Fehlverhalten kommen. Den Zahlen ist schliesslich egal wie mit welchen Mitteln sie erlangt werden. (Dies im übrigen auch die Krux mit dem Share-Holder-Value.)

    Da liegt auch IMHO das Problem der Banken: Deren Ziele sind auch Zahlen. Deshalb braucht es auch starke Kontrolle. Alleine schaffen die das nicht.

    Im übrigen war ich die Tage einmal in den Türmen der „Deutschen Bank“. Die haben eine sogenannte „Branding“ Ausstellung. Bei einer Installation wurde massenhaft von Responsibility gesprochen. Bla bla Responsibility da, Blub bla Responsibility dort. Ob denen das nicht komisch vorkommt? Sehen die nicht die Ironie des Ganzen? Glauben die wirklich daran? Ist das nicht auch eine Art volkswagening.

    Danke für den Artikel und weiter so

    Marko

    • Gunter Dueck sagt:

      Was Sie als Ziele bezeichnen, läuft bei vielen Unternehmen als Vision, mit Ziel meinen sie eher „target“, nicht „goal“….und als Vision trauen sie sich nicht „wir sind für die und die Kunden da“ zu beschließen, sondern sie legen fest, „alle Kunden zu erobern und Nummer 1 zu werden“, das ist dann leider so gut wie gar nichts.

      • Marko Umek sagt:

        Danke für die Richtigstellung.

        Ziele können getroffen oder verfehlt werden, also in diesem Sinne haften dem Begriff „Ziele“ die Eigenschaft Messbarkeit an. Und da sind wir wieder bei den Zahlen – also Ergebnis.

        Vielleicht macht es Sinn zwischen quantitativen und qualitativen Zielen zu unterscheiden. Letztere sind schwerer messbar. Aber diese sind leichter in Beziehung zu setzen mit Visionen (s.u. respektive Leitgedanken). Und ob die quantitativen Ziele gleichzusetzen sind mit Ergebnissen mag ich nicht beurteilen, mein Gefühl sagt mir, dass auch dies keine gute Idee ist, da Zahlen auf vielfältige Art erreichbar sind.

        Aber egal wie, am Ende wird es sich in den Ergebnissen also Zahlen widerspiegeln. Nur sollten Ergebnisse nicht Ziele genannt werden – auf Neudeutsch „goal“ oder „target“.

        Zum Begriff „Vision“: Ich mag ihn nicht. Er trägt (zumindest im Deutschen) etwas Unrealistisches in sich. Mir würde der Begriff Leitgedanken wesentlich besser gefallen.

        Ein letzter Gedanke: All dies scheint nur ein jonglieren mit Begriffen zu sein. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Worte tiefe Wahrheiten enthalten. Sie können Bilder implizieren oder gar ganze Geschichten. Ganze Grundhaltungen („mindset“) können abgerufen werden.

        Auch das Gegenteil ist der Fall. Insbesondere wenn Mensch fremdsprachlich (englisch) ausdrückt wird (will?) er häufig Unverständnis sähen. Und somit bekommt man Macht über die Unverständigen. Kurz: Worte sind Waffen.

        Ein Beispiel: Wenn man von Flüchtlingsstrom redet, dann suggeriert dies unaufhaltsame, nur durch Dämme beherrschbare, willenlose (flüchtenden) Menschen.
        Für gegenteilige Beispiele muss man sich nur Kleingedrucktes in Verträgen und ähnliches anschauen. Auch die Wirtschaftsnachrichten geben diesbezüglich gute Beispiele ab.

        Sorry für den kleinen Exkurs, aber Unternehmen werden mit Worten geführt, insofern scheint mir dies ein zulässiger Exkurs.

        Gruss Marko

        • Gunter Dueck sagt:

          Ist kein Jonglieren mit Begriffen. Es gibt so etwas wie Linkshirn- und Rechtshirn- und Instinktbedeutungen der Worte. Und die werden unempathisch oder verwirrend benutzt. zB: „Team“: BWL sagt, dass sind Leute, die bestimmte Rollen einnehmen und ausfüllen, sodass ein Ganzes entsteht. IT: „eine kleine Gemeinschaft von Meistern, die etwas gemeinsames träumen und ausführen“. Soldaten: Man gehorcht den Befehlen…

          Oder: Ziel ist für Linkshirn Zahlen-Ergebnis, für Rechtshirn eher die Idee, die verwirklicht wird, für Instinkt der Sieg, der errungen werden muss. Die Bedeutung hängt ab vom Charakter des Sprechenden, oder von der Firmenkultur. Wenn wir das hier durcheinanderdiskutieren, ohne uns genau zu kennen, gibt es immer Verwirrungssalat. Ich bemühe mich ein wenig, es allgemeinverständlich zu sagen…

          Diese Unterschiede sind in der Omnisophie-Trilogie zur Sparche gebracht, ich sollte mal ein Lexikon der Bedeutungen anlegen…

          • Marko Umek sagt:

            Lieber Herr Dueck,

            Auch da kann ich Ihnen mal wieder nur zustimmen.

            Klar hängt es von der mentalen Grundeinstellung des Senders ab. Aber es wird noch schwieriger: Es hängt zudem von der des Empfängers gleichwohl ab. Und um dem noch die Krone aufzusetzen, ist die Beziehungsebene und/oder auch der Gesprächskontext auch noch von Belang. Und wo wir gerade dabei sind: das Geschlecht, die Lebensumstände, Kultur fliessen wohl auch noch ein – obwohl, vielleicht kann man diese unter mentale Grundeinstellung subsumieren.

            Wenn man das alles zusammennimmt, dann scheint es geradezu ein Wunder zu sein, dass wir überhaupt kommunizieren können. Der Turmbau zu Babel ist omnipräsent: Je grösser die Gemeinschaft, desto grösser die Wahrscheinlichkeit von Konflikten. Berlin-Flughafen lässt grüssen und jedes ambitiöse IT-Projekt.

            Gleichwohl gibt es eine kleinen gemeinsamen Nenner, der uns es ermöglicht zumindest eine Kommunikation aufzunehmen. Die oft gescholtenen Politiker sind häufig Meister darin diese zu finden und zu nutzen – „Yes we can“ ist einfach genial.

            Marko

            P.S.: Ihre Omnisophie-Trilogie werde ich mir mal zu Gemüte ziehen. Danke.

  20. Jens sagt:

    Betroffenheit? Eher nicht. Es gibt an diesem Skandal eigentlich zwei Punkte, die mich unheimlich erleichtern, ja fast schon freuen:

    1. Endlich kommt mal eine der riesigen Betrügereien, die uns in unserer Wirtschaftswelt so umgeben, an’s Licht. Mich wundert, welch unbegrenztes Vertrauen riesige Konzerne allgemein doch so genießen.

    2. Der Umstand, dass der Betrug an’s Licht kommt, scheint hier sogar echte Konsequenzen zu haben. Anfangs fürchtete ich so wirkungslose Reaktionen wie beim NSA-Skandal.

    „Wo bleibt die Verantwortung für die Umwelt?“ – Herr Dueck, es geht hier um Ingenieure bei einem Automobilkonzern, nicht um solche bei Greenpeace. Und (ich zitiere sinngemäß aus der einzigen BWL-Vorlesung, die ich je besuchte, 1997): Das Ziel von VW ist nicht, gute Autos zu bauen, sondern Gewinn zu erwirtschaften.

    Schade, unsere Welt könnte so schön sein…

  21. Thomas sagt:

    Und nun wird die Schuld, vermutlich auch die Verantwortung hin und her geschoben. Der US Chef Horn sagt, dass die Ingenieure Schuld waren und das Management nicht mal wusste, das gespielt wurde. Möglich ist das, aber sehr unwahrscheinlich. Gleichzeitig wurde berichtet, dass Wolfgang Bernhard das Problem von Anfang an kannte, die Abgasnachbehandung von Daimler lizenzierte, das Projekt aber nach seinem Abgang sofort abgebrochen wurde. War das Ego der Nachfolger zu groß? Volkswagen soll nun einen sehr harten Sparkurs fahren. Das gerade in der Zeit, in der die Automobilbranche komplett auf den Kopf gestellt wird, zu machen / machen zu müssen, ist schon sehr gefährlich. So langsam dämmert es auch den Deutschen, dass sie sehr stark von der Automobilbranche abhängig sind; nicht die besten Voraussetzungen für eine prosperierende Zukunft.

  22. Lutz Werner sagt:

    Die Karriere des Verbs „Volkswagening“ (geprägt von Svati Kirsten Narula, in Deutschland popularisiert und ausführlich weiterentwickelt von Gunter Dueck) zeigt die unglaubliche Macht von Bloggern in der Nische.

    Narula ist jetzt weltberühmt, auch der Eintrag von Gunter Dueck wird in vielen Foren intensiv diskutiert und als „250. Daily Dueck“ mit spannenden Reaktionen in aller Welt in die Geschichte eingehen.

    Die Karriere dieses Worts ist auch ein Beispiel für das Versagen der traditionellen Medien. Deren traditionell angestellten Redakteure schrieben in den Tagen nach dem Bekanntwerdung neutral „Diesel-Gate“, in einer schiefen, unpassenden (wenig kreativen) Anlehnung an „Watergate“, ein Wort, das zwei Reporter der Washington Post geprägt haben.

    Gehört in einer Redaktionssitzung: „VW ist ein Anzeigenkunde von uns, wir können nicht `VW-Gate` schreiben, das würde VW in ein zu schlechtes Licht rücken. Und wir könnten in Zukunft Anzeigen verlieren. Hier handelt es sich ja nur um ein Fehlverhalten von einigen Mitarbeitern. Deshalb schreiben wir neutral `Diesel-Gate`.“

    In herkömmlichen Medien hätte ein Chefredakteur auch einen solchen Begriff „Volkswagening“ unter keinen Umständen zugelassen.

    Gehört in der Redaktionssitzung ein paar Tage später: „Mit `Volkswagening` werden 600.000 Mitarbeiter in Misskredit gebracht. Wir als Zeitung müssen differenzieren und werden diesen pauschalen Begriff in unserer Zeitung nicht wiederholen, also in keinem Fall abdrucken.“

    An dieser Stelle ein Dank an alle Betreiber von Blogs. Verbunden mit einer Anerkennung für deren sprachliche Kreativität und deren Wortschöpfungen. Sie mögen keine Millionen-Anzeigen-Umsätze erhalten. Aber einige von ihnen werden weltberühmt werden, wie im Beispiel von Narula bewiesen.

  23. Michael sagt:

    Mich wundert, dass in der gesamten Diskussion der Aspekt, dass es hier um einen Konzern geht, an welchem das Land Niedersachsen 20% der stimmberechtigten Stammaktien hält und dafür allein 2014 knappe 300 Millionen Euro direkt als Dividende ausgeschüttet bekam (ganz abgesehen von den Unternehmenssteuern aus durchschnittlich 11 Milliarden Euro p a. Betriebsgewinn des VW-Konzerns in den Jahren 2011-2014), mit keiner Silbe erwähnt wird.
    Will der deutsche Staat solche Betrügereien überhaupt aufklären, wenn er nur durch Abzocken der (auch, aber nicht nur amerikanischen) Bürger seine Schwarze Null erreichen kann?

  1. 6. Oktober 2015

    […] 2015, mingle with peers and enjoy this years’ invited speaker Gunter Dueck. He published an essay about volkswagening (german only) that is worth reading. Reminds a bit about the graphic card producers that optimized […]

  2. 12. Oktober 2015

    […] Gunter Dueck über “Volkswagening” und was genau das mit sogenannten “Score-Man”, die überall beste sein müssen, zu tun hat: Volkswagening / volkswagieren und Supramanie. […]

  3. 13. Oktober 2015

    […] und ehemaliger CTO bei IBM[/caption] Aber dann griff auch schon Gunter Dueck den Begriff in seinem Blog auf und schrieb: Ich erinnere an mein frühes Buch Supramanie. Es hat den Untertitel: „Vom […]

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