DD 204 Der ökonomische Stimulus-Response-Wahn simpler „Chefs“ (November 2013)

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19 Antworten

  1. Guido Bosbach sagt:

    ähmmm.. ich zitiere Sie mal kurz: „[…]dass wir alle glücklich werden, dass große Profite erzielt werden oder mindestens, dass wir wirkungsvoll arbeiten. Was immer herauskommen soll – es soll wundervoll sein!“

    Aber wer bestimmt denn nun, was „wundervoll“ zu sein hat? Und diejenigen Menschen auf diesem Planeten, die zum einen Einfluß haben UND gleichzeitig tatsächlich nur wollen das wir (möglichst) alle glücklich sind.. naja, da fällt mir außer dem Dalai Lama, Ihnen (ich nehm’s mal einfach an) und natürlich mir selbst gerade niemand ein…

    • admin sagt:

      Das muss nicht allgemein bestimmt werden. Es richtet sich nach dem Einzelnen… Für Sie selbst müssten Sie es selbst wissen. Bildung hilft, wirklich viele oder möglichst alle Optionen des Wundervollen zu sehen.

      • Jan S. sagt:

        Vielleicht ließe sich der Behaviourismus einfach umdrehen, indem man einmal das _System bzw. die Menschen an den Hebeln so konditioniert, dass sie eben nur dann ihre Zuckerstücke kriegen, wenn sie ihre Sklaven doch als Menschen ansehen. Wäre das nicht ‚mal ein Ziel für Gewerkschaften?
        Freundliche Grüße, js

        • admin sagt:

          Genau mit diesem Gedanken bleibt alles so dumm, wie es ist. Die richtigen „Zuckerstücke“ sind doch die „Währungen“, die ich aufzählte, wenn überhaupt, aber die sind nicht mehrheitsfähig. Immerhin, wenn jetzt Sie so eine Idee vorbringen, kann man das 100ste Mal wieder anfangen, und es endet mit „Punkten“…schon allein die Idee der meisten, Punkte müssten „gerecht verteilt“ werden, bringt alles um, „gerecht“ wird wieder auf „gleich“ interpretiert etc.

  2. Christian sagt:

    Die erwähnte Denke steckt sicher in vielen HR-Instrumenten drin, ich stimme aber nicht ganz zu, dass die Implementierung gar so lausig sein muss. Zumal gerade der erwähnte „grüne Daumen“ mittlerweile in manchen Organisationen gar nicht so gering geschätzt wird…? Ist aber vielleicht nur meine beschränkte Erfahrung.

    Was hilft, ist vielleicht ein Schuss gesunde Selbstironie: Wir sind alle nicht nur aus Lust und Liebe in der Firma, vom Lehrling bis zum CEO. Mit dem Bewusstsein kann man dann als Führungskraft mit Untergebenen offen über Motivations- und Demotivationsfaktoren sprechen. Das sind nicht nur andere Worte als „Belohnung“ und „Strafe“, sie setzen auch eine andere Denke voraus. Gut, aber wem predige ich das – Sie wissen ja wohl, dass es den „grünen Daumen“ gibt, und dass er nötig ist…

  3. Christian sagt:

    Noch ein Gedanke: Das Thema „Was kann ich mir davon kaufen“ ist ein interessantes, vor allem weil Gehälter in der westlichen Welt ein gar schrecklich geheimes Thema sind. Hier in China ist das deutlich offener – vermutlich sind in manchen internationalen Firmen die einheimischen Kollegen deutlich besser über die Gehaltsstrukturen in der Gesamtfirma orientiert als manche Bereichsführungskraft… da kann man auch davon lernen.

  4. Andreas Legner sagt:

    Beispiel: Familienpolitik, ob hierzulande oder anderswo.
    Ziel: dringend nötige Gesellschaftsverjüngung
    Mittel (Stimuli): alle Arten finanzieller Familienförderung, Recht auf KiTa Plätze, etc.
    Erfolg: gering – Mittel werden in Anspruch genommen und zunehmend zur Gewohnheit, sprich Familienkultur verändert sich offiziel gefördert und beschleunigt, aber mehr Kinder gibt’s dennoch kaum.
    Grund: stimmulieren kann man nur, was bereits irgendwie (zu haben oder zu vermeiden) vorgehabt wird.

    In einem Zoo vermehren sich die anspruchsvolleren Arten nicht. Ob Herr Pawlow wohl nur nicht auf die Idee gekommen war, mit seinem Glöckchen dort hinzugehen?!

    Es ist so attraktiv, keine Kinder (und Famulie und Ehe) zu haben, bzw. so unattraktive, ebendies zu haben. Beides hat mit Geld oder anderem, was materiell gegeben werden kann, sehr wenig zu tun.

    So subsidiert die Gesellschaft immer mehr diejenigen, die diese „Goldstückchen“ noch produzieren. Schon bedeutend weniger die Bedingungen, unter denen dann auch was aus ihnen werden könnte. Und überhaupt nicht die, die dieses natürlichste der Welt nicht mehr begreifen können.

    Ich fürchte, die selbe Welt- und Lebensfremdheit regiert auch alle anderen Lebensbereiche.

    Vielleicht ist aber auch so, daß wir heute genau so „gerne“ Kinder bekommen, wir in jeder anderen Zeit – nur können wir’s jetzt steuern. Was wäre dann also das korrekte Stimulans? Uiiiiihhhhh, das könnte interessant werden ….

  5. „Wertschöpfung entsteht durch Wertschätzung“.
    Neben technischen kommt sozialen Innovationen künftig eine immer größere Bedeutung zu.
    In Deutschland haben wir uns Menschen als wichtigste Ressource. WIR sind die Wirtschaft, die Gesellschaft, das Land. Und doch gehen wir häufig rüde mit uns um. Jeder mit sich, wir alle miteinander, Unternehmen mit ihren Mitarbeitern. Erschreckend, wie viele Angestellte schon längst innerlich gekündigt haben! Wenn das anders wäre… wie viel mehr positive Lebens- und Arbeitsenergie hätten diese Menschen. Und welche Kraft und Kreativität gewänne jeder vom weltweiten Konzern bis hin zum Handwerker vor Ort.
    Deshalb ist es ökonomisch relevantes Thema. „Wertschätzung“ könnte für unsere Wirtschaft zum entscheidenden Erfolgsfaktor werden.

    heartleaders – das Business-Netzwerk für Menschen mit Haltung – heartleaders tragen dazu bei, für das Thema zu sensibilisieren, nötige Rahmenbedingungen zu schaffen und Lösungen zu entwickeln.
    Mehr Info unter http://www.heartleaders.de

  6. Klaus sagt:

    … das erinnert mich an die X-Y-Theorie von McGregor. Es ist eine Frage des Menschenbildes. Solange ich glaube, dass der Mensch faul ist, muss ich ihn von außen antreiben. Da gibt es kein Vertrauen, da gibt es nur Planung, Kontrolle und Überwachung. Wenn ich dagegen überzeugt bin, dass der Mensch von Haus aus motiviert ist, dann muss ich als Führungskraft nicht motivieren, sondern lediglich alles demotivierende beseitigen. Und ich muss dem Mitarbeiter helfen, es selbst zu tun. Dabei geht es mehr als um die konkrete Arbeit: es geht um Persönlichkeitsentwicklung des Mitarbeiters. Aber der individuelle Mensch interessiert üblicherweise nicht, solange das „Humankapital“ Zinsen abwirft.

    Der gleiche Gegensatz existiert auch im Rahmen der Schulbildung: Regelschule vs. Montessori-Pädagogik. Wer glaubt, dass der Mensch zur Entfaltung der Leistung Druck braucht, wird seine Kinder nicht auf eine Montessori-Schule schicken. Wer sieht wie Kinder die ersten sechs Lebensjahre mit Begeisterung von selbst lernen, kann zur Überzeugung gelangen, dass das unter anderen Umgebungsbedingungen als der der Regelschule anhalten könnte…

    Für mich entscheidet daher in allen Fällen das Menschenbild. Und das ergibt sich aus den individuell gemachten Erfahrungen. Hier haben wir bisher überall hierarchische Verhältnisse gehabt. Und bis man in Hierarchien einmal etwas sagen darf, muss man lange gebuckelt haben, d.h. die entsprechenden Erfahrungen gemacht haben….

  7. Karin Michaela Krischanitz sagt:

    Asymmetrie umgekehrt gedacht: wie könnten MitarbeiterInnen die Führungskräfte so stimulieren dass die gewünschte Führungsleistung erbracht wird?

  8. Joachim Schnurrer sagt:

    Das mit der Glocke und dem Hund ist ja nicht wirklich so, wie berichtet wird.
    Der Experimentalpsychologe Jerzy Konorski hat das Experiment nahezu exakt wiederholt, bis auf den Klöppel in der Glocke! Den hat er nach einiger Zeit ohne Wissen des Assistenten entfernt. Der Hund hat trotzdem saliviert! Konorski schloss daraus, dass der Klingelton ein Reiz für Pawlov war, aber nicht für den Hund!
    Das zeigt doch schon, dass der Behaviorismus, der sich eben auf das Pawlowbeispiel gründet, nicht wirklich voll durchdacht scheint.

  9. Andreas Kolbig sagt:

    Der Behaviorismus ist ja im Grunde wissenschaftlich schon sehr lange „falsifiziert“, nur die Ökonomen haben diese Problem der „leeren Anzüge“. Weswegen die meisten ökonomischen Theorien, die in Deutschland öffentlich diskutiert werden, Zombietheorien sind, also anti-wissenschaftlich. Dort haben sie das hier diskutierte Problem ebenfalls verankert (nennen wir es: schwäbische Hausfrau, die VWL versteht), indem die Nachfrageseite komplett ignoriert wird. Da wird der „Export“ stimuliert, und dann beschweren sich die importierenden Länder auch noch (USA). Eine jede Realität (und ein Mensch sollte doch wenigstens eine solche sein) folgt einem Stimulus doch nur an der langen Leine, wenn überhaupt. Oder drastischer: Man kann den Leuten nicht ins Gehirn scheißen. Irrae humanum est. Oder sind Chefs etwa keine Menschen?

  10. Christof Helfrich sagt:

    Laut Dank Pink ist es wissenschaftlich erwiesen, dass die Methode über Belohnungs und Strafe nur bei Aufgabenstellungen funktioniert, bei denen die Problemlösungsstrategie offensichtlich ist (Spargel ernten, Versicherungsverträge abschließen, etc.).

    Wenn die Problemlösungsstrategie erst gefunden werden muss, so ist es allerdings NICHT so, dass die Methode über Belohnung und Strafe nicht funktioniert. Es ist so, dass diese Methode kontraproduktiv ist; je höher die Belohnung, desto schlechter das Ergebnis!

    Was lehrt uns das über die Folgen von Evaluation oder Managerboni?

    Hier der TED Vortrag von Dan Pink: http://www.youtube.com/watch?v=rrkrvAUbU9Y

  11. jante-futuris sagt:

    Wie wir alle wissen, hatte die Initiative 1:12 vorerst in der Schweiz keinen Erfolg: http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/schweiz-volksentscheid-managergehalt. Als Konsument fehlt mir da jegliche Liebe und ich greife gerne auf Alternativen z.B. bei Schokolade zurück (GEPA, um nur 1 Beispiel der Zukunftswelt zu nennen), um Nestlé-Produkte zu vermeiden. 🙂
    Liebe Herren Exzess-Gehälter-Bezieher, wann begreift Ihr endlich, dass ihr die personifizierte Kälte repräsentiert?

  12. jante-futuris sagt:

    Zum Thema „fehlende Kinder“: es gibt viele Einflussfaktoren, wie immer. Mir gefällt das Modell Gemeinschaftl. Kinderbetreuung und -Erziehung (CoHousing Dänemark: 1 Kind hat viele alternative Ansprechpartner als zusätzl. Eltern, Überforderung tritt seltener auf), und zwar nicht nur in Einzelfällen, sondern von Gemeinden/Kommunalverwaltungen baupolitisch unterstützt (einfach wünschen ist natürlich schwierig, wenn zuwenig Steuereinnahmen vorhanden sind), zur Erhöhung des Gemeinwohls. Umgesetzt in vielen skandinavischen Ländern, die für soziale Innovationen ein leuchtendes Vorbild sind. Subsumierbar unter dem Stichwort „CoHousing“ (klingt merkwürdig, löst aber mehr Probleme, als es schafft, erfahrungsgemäß, bei guten Regeln).

  13. Frank Runge sagt:

    Vielleicht funktioniert jedes an sich (kurzfristig), aber die Verbindung nicht? Anreize funktionieren in ihrem Umfeld, machen aber noch keine bessere Welt? Die hängen doch eher von unserer Kommunikation = Koordination ab. Denn da jeder seine beste Welt ein wenig anders definiert, muss er sich mit anderen koordinieren, und hier entstehen die Probleme: WIE koordinieren wir uns? Mit erhobenem Blick und achtsam offenem Geist? Oder hierarchisch und manipulativ?

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