BWLer verwechseln Reserven mit Verschwendung – wir auch

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Die Lieferketten sind unterbrochen! Es gibt keine Chips mehr! Wir können nicht genügend Autos bauen! Jetzt wird Krieg geführt, aber es gibt keine Waffenproduzenten, die eben mal 1000 neue Panzer bauen könnten! Munition fehlt, man brauchte bisher keine. Warum sollten wir so etwas horten?

Seit Jahrzehnten sind die Berater unterwegs, um Geld zu sparen, am besten durch Reserveauflösungen und Personalabbau. Früher sprach man von Lean Management, heute mehr von Optimierung der Prozesse. Alles ist nun so sehr optimiert, dass es supereffizient läuft, wenn nichts dazwischenkommt. Wenn! Aber es kommt immer etwas dazwischen: ein Krieg, ein Lockdown in Shanghai, eine einzige Bankpleite, die das ganze Finanzwesen crasht, eine Dürre oder ein Schwarzer Schwan.

Aber nein, man hat es nicht dabei belassen, alles nur zu optimieren! Alles wurde unter der Annahme verschlimmbessert, dass es nie Ausnahmeereignisse gibt. Darüber hinaus ist man rücksichtslos dazu übergegangen, die Mitarbeiter in Form von unbezahlten Überstunden auszuräubern – sprich: man schaut der Selbstausbeutung der Home-Office-Tätigen gutgelaunt zu.

Es begann mit der Idee des Lean Management. Dessen Grundregeln lauten bekanntlich: keine Verschwendung, keine Überlastung von Mitarbeitern, Führungskräften und Maschinen, keine Unausgeglichenheit, keine Abweichungen und Wertschätzung der Menschen (insbesondere: „sie ernst nehmen“). Es ist klar, dass sich die Gewinne durch Vermeiden von Verschwendung steigern lassen. Sonnenklar, oder? Verstehen Sie diesen Gesichtspunkt? Echt?

Was aber ist denn Verschwendung? Das Toyota-Modell kennt 7 Verschwendungsarten, zum Beispiel unsinnige Wartezeiten, Überproduktion, falsche Bestände, Fehler in der Qualität etc. Wer aber alle Reserven als Verschwendung brandmarkt und abbaut, betreibt schon kein Lean Management mehr – und steht folglich im Regen. Die Bahn hat keine Reserven (Schienen marode, zu wenige Züge, zu wenig Personal). Als Unternehmen wäre sie erledigt. Der Flugbetrieb ist eine Katastrophe, das Gesundheitswesen auch. Die Bundeswehr hatte um 1970, als ich Wehrdienst leistete, ca. 5000 Panzer, jetzt aber nur so 300? Was sollen 300, die die gleiche Wirkung wie null Panzer haben?

Das Volk spricht schon lange vom Totsparen, wo der Standard-BWLer noch Verschwendung sieht. Die muss er sehen, denn außer Sparen kennt er keine sinnvolle Methode mehr.

Ich hatte einmal angeregt (so 2005), dass man die Grundsätze des Risiko-Managements, die man aus dem Finanzwesen kennt (und trotzdem nur unter Androhung von Strafen und Regulierung einigermaßen beachtet), auch auf normale Unternehmen ausdehnt. Warum unterzieht man nicht normale Unternehmen einem Risiko-Stresstest? Da winkten sie alle ab. „Wozu brauchen wir solche theoretischen Übungen?“

Expectations and miracle as a choice – pictured as words Expectations, miracle on doors to show that Expectations and miracle are opposite options while making decision, 3d illustration.

Quelle:

https://stock.adobe.com/de/images/expectations-and-miracle-as-a-choice-pictured-as-words-expectations-miracle-on-doors-to-show-that-expectations-and-miracle-are-opposite-options-while-making-decision-3d-illustration/358512824?prev_url=detail

In den Management-Etagen werden Risiko-Überlegungen tabuisiert, Mahner werden diskriminiert und etwa so „angegangen“: „Haben wir Sie als Schwarzseher engagiert oder als Führungskraft?“ – Oder: „Wie? Sie sehen Risiken, das Quartalsergebnis zu erreichen? Warum sind Sie so negativ? Wie groß ist der Umsatz Ihres Bereiches, wenn alle Ausschreibungen gewonnen werden, bei denen wir mitbieten? Na? Sehen Sie, er ist wunderbar hoch. Da merken Sie jetzt selbst, wo Ihre Latte für den Bonus liegt. Wir müssen alles gewinnen, verstehen Sie? Verpflichten Sie sich jetzt, dieses Maximalziel zu erreichen? Nein? Sie zögern? Dann gehören Sie eigentlich nicht mehr zu unserem Team. Ja, jetzt doch? Sie verpflichten sich? Na, das zeigt Einsicht, auch wenn Sie noch öfter Aufklärung brauchen. Risiken sind etwas für Feiglinge, ach was sage ich, für Loser.“

Reserven sind für Risiken gedacht. Aber es gibt weithin keine Reserven mehr. „Wir haben das Projekt ohne Risikopuffer angeboten, sonst gewinnen wir den Deal nicht.“  Ich habe Manager zittern sehen; sie hatten Angst, den angebotenen Auftrag zu bekommen.

Reserven decken Risiken ab. Wer die nicht einmal denken darf, braucht keine Reserven.

Wenn die Risikofälle eintreten, dann schreien alle. „Warum ist die Bundeswehr nicht einsatzfähig?“ Man gibt vorigen Regierungen Schuld. Was aber, wenn man als Politiker im tiefen Frieden beschlossen hätte, doch lieber einmal 1000 neue Panzer zu kaufen? Wenn Sie zu dem erinnerungsfähigen oder vorstellungsfähigen Teil der Bevölkerung gehören, dann werden sie vor sich die wütenden Demonstrationen sehen, die wilden Fragen, zu wessen Lasten die Ausgaben gehen. „Mehr Panzer, mehr Armut!“ hätte es geheißen und die Regierung wäre hinweggefegt worden. Unser Volk wütet seit Jahren gegen die Schuldenbremse, es soll bitte mehr ausgegeben werden als eingenommen! Immer! Ich habe gerade im letzten Abschnitt einen zynischen Chef reden lassen, der sich die Gedanken an Risiken in seinem Firmenbereich verbittet. Da frösteln Sie eventuell noch, aber unsere Wählergemeinschaft fordert konsequent den Kopf jeden Politikers, der die Schulden senken wollte oder eben alles Marode in unserem Land sanieren wollte.

Wir überaltern. Kann man nicht absehen, dass eine geschrumpfte Bevölkerung nicht nur nicht auskömmliche Renten an die Alten zahlen kann? Dass einfach das Bruttosozialprodukt sinkt, wenn es weniger Menschen erarbeiten? Dass uns das Klima einiges abfordern wird? Das sind keine Risiken, also Folgen von Ereignissen, die eintreten können oder nicht. Es sind feststehende Betonwände, gegen die wir ansausen! Wissen Sie nicht längst, dass auch Sie Opfer des maroden Pflegesystems werden? Dass Sie jetzt alles wollen – auch auf Pump, aber bald unwürdig zu Tode kommen werden?

„Nach uns die Sintflut!“ Wer so sagt, hält alle Reserven für Verschwendung, außer im Kleider-/Schuhschrank und in der neuen Garage für einen SUV. Man muss dazu kein BWLer sein, der dafür gut bezahlt wird, an Wunder zu glauben. Wohlfeile Ignoranz geht auch. Der Volksmund hofft: „Man muss Gas haben.“

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23 Antworten

  1. „Bis jetzt ist es gut gegangen.“
    sagt der Mann bei jedem Stockwerk, an dem er vorbeifällt.
    So denken wir und so handeln wir – seit Jahrzehnten.

  2. „Wie realistisch ist denn der Projektplan?“ So fragte mein Chef nachdem ich – wie geheißen – ohne Reserven und „optimal“ geplant hatte. Ich habe nur noch geantwortet: „Irgendetwas zwischen Tagtraum und Nahtoderfahrung.“

  3. Ob alles marode ist? Bin ich mir nicht sicher. Die Optimierung im Gesundheitswesen hat die Spitzenmedizin nicht erfasst aber natürlich den Teil in dem die Arbeit mit (im Gegensatz zu „am“) Menschen stattfindet.

    Ein Ding das mir auch immer mehr auffällt: Wie wenig Entscheider:Innen wirklich verstehen und erklären können wie etwas funktioniert. Und gleichzeitig sehr überzeugt sind, dass sie „es“ im Griff haben.

  4. Lieber Herr Dueck, wie kommen Sie zu dem Mythos, dass die Grundsätze des Risiko Managements im Bankenbereich einigermaßen beachtet werden? Weil man eine Abteilung hat, die den Namen „Risk Management“ trägt? Oder weil das deutsche Geldwäschegesetz die höchsten Geldstrafen enthält? Ein bekannter publizierender Verfassungsrichter bezeichnete dies auf meine Frage hin als „zahnlosen Tiger“. Zum Risiko Management gehört es nicht dazu, Mythen zu verbreiten, sondern Root Cause Analysis im eingetretenen Schadensfall zu betreiben. Es grüßt recht herzlich ein ehemaliger Kollege, der oben zitierte Chefs und Manager erlebt hat. PS: Die Gewerbe Ordnung sieht das Weisungsrecht des Arbeitgebers vor. Die Sinnfrage wurde demnach nie von Angestellten gestellt, denn sie implizierte den Vorwurf der Sittenwidrigkeit oder der Gesetzesuntreue.

  5. Als Länderverantworltlicher eines Automobilimporteurs habe ich bei der Präsentation des Budgets in Paris, welches sämtliche von der Zentrale gestellten Anforderungen erfüllte (Umsatzsteigerung, Steigerung DB pro Einheit, Steigerung Gesamtgewinn bei markant tieferen Vertriebs- und Marketingkosten), auf die Frage ob ich an das Budget glaube, mit „nein“ geantwortet. Somit wurde ich zeitnah durch einen MD aus der Zentrale ersetzt. Der Niedergang der Marke folgte ebenfalls zeitnah.

  6. Viele Geschäftsprozesse müssen dringend verbessert werden (von Optimierung kann keine Rede sein, dann wäre eher kein Kaizen; ich würde also rennen, wenn ein Dienstleister von Optimierung redet, denn die Dienstleister haben meist genauso wenig einen vollständigen Produkt-Marktüberblick wie der Kunde), sonst kosten sie unnötig.

    Wieso Herr Dück das aber mit mangelnder Risikovorsorge vermischt, ist mir nicht ganz klar, das sind zwei unterschiedliche Disziplinen. Hören wir nicht immer, dass man den Staat nicht wie ein Unternehmen führen könne? Dem würde ich zwar gerne und oft widersprechen, gerade was Kündigungen von Minderleistern angeht, aber ganz falsch ist die Aussage auch nicht.

    Es ist ganz klar Merkels Verschulden, dass die Gasspeicher nach der Wiedereingliederung (bewusst nicht Annexion) der Krim nicht dauerhaft zu mindestens 90% gefüllt waren, und die Liste ihrer Unterlassungen und Verfehlungen sind endlos wie wir wissen. Das nur als Beispiel.

    Aber Herr Dück versucht hier, hyperreiche Schweizer Verhältnisse (immer ein Ersatzzug parat) mit deren paar Einwohnern auf Deutschland zu übertragen, das gelingt nicht.
    Ferner können Risiken selten ausreichend gecovert werden. In jedem Projekt, das ich zeitlebens gemacht habe, wären die Risiken im Millionenbereich gewesen und hätten auch bei geringer Eintrittswahrscheinlichkeit einen riesigen Puffer benötigt, den mir niemals jemand bewilligt hätte. Es ist also realitätsfern, überall Puffer zu verlangen.

    Bei der Bundeswehr oder die durch Merkel und nun Scholz Jahrzehnte vorsätzlich verschleppte Rentenreform allerdings hat Herr Dück völlig recht. Professor Raffelhüschen hat es jüngst berechnet, dass die jungen Generationen 95% ihres Einkommens in Sozialkassen und Steuer abführen müssten, bliebe alles so wie heute.

    Punktuell also hat Herr Dück recht, aber längst nicht überall.

  7. Herr Rausch,
    „In jedem Projekt, …..“ nolens volens bestätigen Sie genau das , was Prof. Dueck gesagt hat.
    Daraus aber zu folgern, es sei „realitätsfern, überall Puffer zu verlangen“, ist schon sehr sportlich. Wohin das System „80% Qualität müssen reichen“ und „ett hätt no immer jut jange“ führt, sehen wir gerade aller Orten. Auch in der (längst nicht mehr ) „hyperreichen“ Schweiz

  8. Sehr, sehr gut geschildert.
    So habe ich auch die 2000er Jahre am eigenen Leib erlebt und musste oft die
    Konsequenzen für das „gegen den Strom Schwimmen“ erleben.

  9. Auch wenn ich nicht jeden Gedankensprung von Dueck nachvollziehen kann …
    Es gibt ja schon noch andere Disziplinen als Marathon (kein Gramm Fett, anscheinend das Lopez-BWLer-Ideal, lässt sich nicht so leicht ausmerzen) und Sumo-Ringen (auch nicht gesünder). Eine Möglichkeit: Wehrhafte Friedlichkeit – enthält einen durchtrainierten Körper, aber nicht völlig ohne Reserven und eine geistige Ausrüstung, die auch Durststrecken und Verzicht aushalten kann. Der Marathonmann kann das zwar, ihm fehlen aber die Reserven und der Sumo-Ringer kann es wohl auch (ist ja ein asiatischer Kampfsport) – doch beiden fehlt die echte Nachhaltigkeit (Sumo-Ringer sterben früh).

  10. Eine Führungskraft forderte mich unlängst zu folgender Herangehensweise auf: „Starten und Führen Sie die zukünftigen Projekte mit gesundem Menschenverstand“. Das empfand ich zuerst irritierend da sonst eher die Frage nach Expertise an erster Stelle stand. Nach über zwei Jahrzehnten angewiesenem Optimismus und erlebter ( Vorgaben: keine Reserven, gehen Sie an die Grenzen und darüber, seien Sie mutig…) sachlicher Ahnungslosigkeit eine neue Art Führung. Wie einfach wurden mir in der Vergangenheit Reserven und Puffer mit chirurgischer Präzision aus Projekten entfernt („seien Sie sportlich, das Risiko trägt das Unternehmen, wir müssen den Auftrag gewinnen usw.). Vergangene Erfahrungen mit ausbrennenden Kollegen, die fehlende Reserven durch Opferung Ihrer Reserven kompensierten, kennt der eine oder andere Leser.
    Auch ich erlebe es jeden Tag wie es an vielen Stellen „knallt und raucht und zischt und frage mich bei vielen Aktivitäten warum wir einen bestimmtes Vorgehen wählen. Veränderungen werden entweder durch Einsicht oder durch Schmerz begonnen. Heute sind wir an vielen Punkten im Schmerzmodus

  11. Ja, Herr Dueck, ich muss Ihnen mal wieder Recht geben. Nur, was ich leider bis heute immer noch nicht weiß: was macht mag gegen diese Miesere?

  12. Als ehemalige Führungskraft hat mich diese unternehmerische Einstellung meine Gesundheit gekostet. Aber was will man erwarten, wenn die Politik dies vorlebt und von den Medien unterstützt wird? Meines Wissens ist der Politikerberuf so ziemlich der einzige, der ohne den Nachweis jeglicher fachlicher Qualifikation über Milliardenbeträge, etc. entscheiden kann. Natürlich ist eine Haftung auch ausgeschlossen. Wenn sie in Deutschland ein kleines Holzhöckerchen erstellen und verkaufen wollen müssen sie Tischlermeister sein oder einen im Betrieb beschäftigen ….
    Auch im Bundestag korreliert nicht Quantität mit Qualität. Für mich war der letzte wirkliche Staatsmann Helmut Schmidt.

  13. Zunächst mal „Willkommen zurück in der Arena“, Gunter.

    Das Pendel schlägt in eine Richtung aus, die vorher bekannt war (oder sagen wir lieber, hätte bekannt sein können), aber aus der Kurzsichtigkeit der Systemteilnehmer wird diese langfristige Pendelbewegung nicht erkannt oder sogar nicht einmal wahrgenommen.
    Trotz vorhandenem Wissen über diese Sachverhalte, hat der kurzfristige Erfolg alles andere übertönt. Wer nicht in der Globalisierung dabei war, musste gar Insolvenz anmelden (außer Trigema!).
    Kommunen haben für „Einmalerfolge“ ihre Infrastruktur verkauft, Söder als Bay. Finanzminister einen riesigen Wohnungsbestand des Freistaates, den man heute liebend gerne zurückhaben würde. Beispiele gibt es genug.
    Allerdings ist es auch so, dass unsere auf Tempo getrimmte Gesellschaft nichts anderes mehr kann oder akzeptiert. Was soll man auch erwarten, wenn das Allgemeinwissen darin besteht: Das Wasser kommt aus dem Hahn, der Strom aus der Steckdose, das Gas aus der Leitung, das Geld vom Konto, die Meinung von BILD usw. und alles aber billig! Und wenn’s mal nicht läuft springt der Staat ein und pampert alle, die schnell genug hier schreien.
    Und dann setzen wir noch einen oben drauf indem wir Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren. Nicht diejenigen, die im normalen Geschäftsleben zustande kommen, sondern exorbitante Fehlleistungen privater und öffentlicher Hand. Und da sind die unverschämten Bereicherungen der €SU, namentlich Sauter Nüßlein, Tandler noch nicht einmal enthalten.
    Ein Teil unserer „gesellschaftlichen Elite“ trägt hierzu maßgeblich bei, dass es immer öfter „Nach uns die Sintflut“ heißt oder „ich geb Gas, ich will Spaß“

  14. Ja Günther, (darf Dich hoffentlich so ansprechen, da wir vor langer Zeit beide im WZH arbeiteten und uns trafen …)
    eine der Hauptursachen scheint für mich eine typisch menschliche Schwäche zu sein: Wenn etwas mal gut gewirkt hat, wird es gerne bis zum Exzess immer wieder versucht. Konkretes Beispiel – in unserer Firma wurde von einem frischen Manager mal ein Grossreinemachen bei den Servern angeordnet – und ca. 25% waren tatsächlich nicht mehr nötig und konnten abgebaut werden. Prima Technik, um die Betriebskosten zu senken.
    Inzwischen macht jede neue Managergeneration die selbe Übung, mit seltsamerweise immer geringer werdender Wirkung …
    Beim letzte Mal war es gar soweit, dass man Vorgaben machen wollte, wieviel Rechner abzubauen wären …
    Glücklicherweise widersetzten sich langjährige Support-Verantwortliche und wir waren froh, als wir zu Beginn der Ukraine-Krise doch noch etwas Reserve im Keller hatten, um die Last-Peaks abzufangen !
    Ja, der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht (wie etwa die Radreifen am ICE, wo es auch erst eine Katastrophe brauchte, um die exzessiven Sparmassnahmen zu hinterfragen).

  15. Sehr geehrter Herr Dueck,

    ich freue mich sehr, dass Sie sich mit ihrem DD zurückmelden. Da hat echt was gefehlt.

    Sie nennen einen wichtigen Punkt mit den fehlenden Reserven. Aktuell fehlt es in Bayern wohl massiv an Grundschullehrern, so dass das Unterrichtsangebot eventuell nicht komplett gewährleistet werden kann. Allerdings fehlen (wie sie schon dargestellt haben) nicht nur dort die Reserven, sondern beinahe überall.

    Darum frage ich, wie sollen die benötigten Reserven gebildet werden? Wenn es zu wenige Krankenpfleger gibt und welche davon Lehrer werden, weil es zu wenige Lehrer gibt, dann gibt es im Endeffekt viel zu wenige Krankenpfleger. Wenn Journalisten zu wenig Zeit haben, um ihre Arbeit gewissenhaft zu erledigen und manche davon darum Polizisten werden (weil es davon auch zu wenige gibt) oder Lokführer – wie sollen noch weniger Journalisten die Arbeit erledigen?

    Wie also sollen Reserven gebildet werden, wenn es scheinbar an den Grundlagen dafür fehlt? Oder anders gefragt, warum können wir uns Reserven nicht mehr leisten?

    1. „Keine Reserven“ ist wie „kein Geld auf dem Konto“, ein „Mangel“ ist wie „Kredit aufgenommen“. Wie kommt man heraus? Man schaut, wie man den Kredit zurückzahlt. Wovon? Schauen Sie sich um: Es geht uns so gut wie nie. Wir könnten Wohlstand opfern, 45 Stunden die Woche arbeiten, erst mit 70 in Rente gehen. Alle solche Ideen erregen derzeit nur Empörung. Andere Möglichkeiten gibt es doch aber nicht. Auch ein Wirtschaftsaufschwung würde nichts helfen (das wird immer so gesagt), weil wir ja nun 10 fette Jahre HATTEN. Kurz: wir haben uns angewöhnt, von der Substanz zu leben und wollen davon absolut nicht lassen. Krieg? Kein Problem… es gibt Zuschüsse, damit niemand leiden muss… alles auf Pump und immer schön schimpfen, dass nichts mehr klappt.

  16. Die von Ihnen genannten Lösungen verstehe ich und ich sehe auch die Empörung, die solche Lösungen verhindern.

    Ich frage mich, ob auch die zunehmende Ausdifferenzierung der Arbeitswelt einen Beitrag dazu leistet, dass es keine Reserven mehr gibt. Ungefährlich scheint mir hierbei der Verweis auf Tatoostudios zu sein. Viel mehr Menschen arbeiten, um genug Geld zu verdienen, um sich tätowieren zu lassen. Es braucht gleichzeitig Menschen, die tätowieren. Einmal geht Arbeitszeit und einmal Arbeitskraft verloren. Offensichtlich können wir uns das aktuell leisten – zu Lasten der Reserven.

    Oder anderes, böses Beispiel. Die grundsätzlich notwendigen Frauenbeauftragten sind eine Berufsgruppe, die es früher nicht gab. Würde man diesen Beruf abschaffen, es wäre eine kleine Reserve an Lehrern und Polizisten (oder welche Arbeit diese Menschen ergreifen wollen) geschaffen. Die Empörung wäre wahrscheinlich nicht minder hoch.

    Ohne Empörung über Einschnitte keine Reserve.

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