DD200 „Ich habe nichts zu verbergen!“ Doch, denk nach – und empöre dich!

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57 Antworten

  1. Alexander Horch sagt:

    Danke! Können Sie das nicht bitte allen Bundestagsabgeordneten schicken? DIE haben sicher noch Einiges hinzuzufügen zu der schönen Liste. Gab es ausser Frau L.-Schnarrenberger überhaupt einen Politiker, der sich wenigstens ein wenig empört gezeigt hat?
    Vielleicht hilft ja Ihre Liste? Heute wurde veröffentlicht, dass die NSA umfassende Personenprofile erstellt hat, wäre nett mal eines von einem deutschen Politiker zu sehen…

  2. Matthias sagt:

    Man sollte allein deswegen empört sein, weil man ja nicht selber entscheidet, was verbergenswert ist. Zum einen kennt man ja nicht die Filter, nach denen aussortiert wird. In gegebener Zeit und wechselnder Regierung herrschen andere Maßstäbe, und dann ist möglicherweise etwas, dass man heute noch als unschuldig bezeichnen würde, gefährlich. Ist es unwahrscheinlich, dass sich die Leute angeschaut wurde, die kurz vor Sperre Wikileaks Geld gespendet haben?

  3. Theaitetos sagt:

    Ich habe etwas zu verbergen, denn seien wir ehrlich: Wie langweilig muss denn ein Leben sein ohne Geheimnisse?

    Vor allem geht es aber auch darum, dass Menschen berufsbedingt Geheimnisträger sind (Ärzte, Anwälte, Journalisten, Wissenschaftler, Ingenieure, …) und das auch (später) bedeutende Personen ständig überwacht werden: Angenommen ein älterer Herr namens Stein aus einer der beiden großen Volksparteien der BRD will Kanzler werden und die NSA erfährt über Datenspionage Folgendes: Von Herrn Steins Arzt erfährt die NSA, dass dieser unter erektiler Dysfunktion leidet (nicht selten im Alter), und vom Arzt von Frau Stein erfährt die NSA, dass die Frau eine Pilzinfektion hatte (was diese natürlich auch vor ihrem Mann geheim hält). Schwupps weiß die NSA, dass Frau Stein eine Affäre hat und schon gibt es in den Händen eines ausländischen Geheimdienstes ein Druckmittel gegen die Frau des deutschen Bundeskanzlers.

    Es ist nicht nur eine Frage der persönlichen, sondern auch der nationalen Sicherheit.

    p.s.: Ich finde die Aufbereitung der Problematik eines Überwachungsstaats in diesem Youtube-Video (10min) auch sehr schön erläutert.

  4. Jochen Breh sagt:

    Ein großes Problem ist sicher wenn falsche Verknüpfungen stattfinden. E.g ich suche nach Informationen über eine Krankheit, weil ein Familienmitglied betroffen ist und plötzlich werde ich als krank eingestuft. Das kann keiner kontrollieren was das mit was korreliert wird.

  5. Helmut Sperber sagt:

    Also ich finde die Liste blöd, weil sie Straftaten und Vergehen vermischt mit Angelegenheiten der Privatsphäre, die aber völlig legal sind.

    Bei ersteren (Steuerbetrug, Kindesmissbrauch, illegaler Waffenbesitz, Verkehrsdelikte, Versicherungsbetrug, Ladendiebstahl etc.) besteht doch ein öffentliches Interesse daran, dass diese geahndet werden. Also sollte man die erhobenen Informationen auch nutzen, um dies zu tun.

    • VolkerK sagt:

      Sicherlich hat er da einige Verbrechen erwähnt, die wir alle geahndet wissen wollen. Trotzdem ist das hier richtig. Denn:
      Es kommt auf die Interpretation an. Die Interpretation durch den Geheimdienst und die Interpretation, die der Geheimdienst durch andere möglicherweise erreichen will.
      Wir alle können zum Beispiel durch die beruflichen tätigkeiten Angehörige oder Freunde zur potenziellen Infoquelle für Dienste werden. Wie bringen sie uns dazu, zu kooperieren? Wenn anzunehmen ist, dass wir kein Geld annehmen, dann mit Erpressung.
      Da sind bekannte Delikte (Steuern) eine Steilvorlage, hinein interpretierbare Delikte ein Geschenk und untergeschobene Delikte zu erwarten.

  6. bauernsohn sagt:

    es geht doch schon lange nicht mehr um die kleinen schmutzigen geheimnissse. die auswertemaschine dahinter gibt inzwischen die grenzen vor bis zu dennen die taeglichen maerchen von einer gerechten welt für alle getrieben werden koennen. und auf die grenzen im denken legt man dann noch 10-20% unverschaemtheitsrabatt in der tat drauf und freut sich, das man auf der „intelligenteren seite“ der Maschine/des flachbildschirms sitzt.
    its so lame …….

  7. Thomas Nolte sagt:

    „Als die NSA die Kommunisten belauschte, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
    Als sie die Sozialdemokraten aushorchten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
    Als sie die Gewerkschafter digitalisierten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
    Als sie mich digital durchleuchteten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

    Frei nach Martin Niemöller, evangelischer Pastor, (* 14. Januar 1892 in Lippstadt; † 6. März 1984 in Wiesbaden)

  8. Elmar Borgmeier sagt:

    Ich kann mich Herrn Sperber nur anschließen, die Liste ist grotesk. Was soll das sein, ein Plädoyer dafür, dass Kindesmissbrauch heimlich bleiben soll?

    Der Punkt ist doch ein anderer, eben nämlich der, dass Daten über Personen immer Macht über diese Personen ermöglichen, auch wenn sie kein Gesetz übertreten haben.

    Und: Schon die Vermutung, dass man überwacht wird, fördert angepasstes Verhalten. Demokratie lebt aber von der Vielfalt der Meinungen. Auch und gerade der öffentlich geäußerten!

    • Uwe Pilgram sagt:

      Interessant ist allerdings, dass die großen Plattformen für Veröffentlichungen nur genutzt werden, weil das dem Poster nichts kostet und er (vermeintlich) anonym bleibt. Was hat das mit Meinungsvielfalt zu tun? Ich halte das eher für eine Art übersteigertes Mitteilungsbedürfnis, das hier befriedigt wird und dessen Datenernte nützlich ist.

    • CD sagt:

      Es gibt KEIN Argument für flächendeckende Überwachung**!

      Das wird – so interpretiere ich das jedenfalls – mit dieser „grotesken“ Auflistung wohl gemeint sein…

      **Egal, ob von amerikanischen, deutschen oder sonstigen Diensten

  9. Harry sagt:

    Das Thema ist eigentlich komplexer. Wir erleben nicht nur die Sammelwut bei Daten bei den Staaten sondern auch bei den Firmen und auch bei uns (wer von uns löscht schon regelmäßig seine Daten aus seinem kostenlosen space … man könnte ja nochmal etwas brauchen).

    Eigentlich geht es um die grundlegende Frage, welche Daten sollen für welchen Zweck von wem nutzbar sein.

    Wenn NSA mich per GPS ordet dann stört es nicht, wenn facebook meine GPS Daten für Werbung verwendet und speichert, dann ist dies ok?

    Wenn der Staat meine Konten abfragt, ist meine Grenze überschritten, aber wenn Kriminelle Geld ins Ausland überweisen, dann endet die Zuständigkeit der Polizei?

    Wenn eine app meine Telefonverbindungen ausliest und auf einen server speichert, dann freue ich mich über eine kostenlose app, wenn aber der Staat dies tun, kann es eine Grenze überschreiten?

    Wenn die NSA Daten ausspäht dann ist dies ein Aufreger, wenn NSA die gleichen Daten von Firmen kaufen würde, wäre ed dann ok?

    Aus meiner Sicht müssen wir Diskussion darüber führen,
    – welche Rolle habt der deutsche Staat und mit welchen Daten sind diese Aufgaben durchzuführen?
    – Wie ist das Verhältnis zu ausländischen Staaten?
    – Welche Aufgaben sollen Geheimdienste in der Zukunft haben?
    – Welche Daten sind Teil der Privatsphäre und welche dürfen Firmen erheben
    usw

    Es geht bei den Diskussionen über die Abwegung zwischen verschiedenen Datensammlern. Entscheidend ist das „schwächste“ Glied. Es lohnt sich nicht, alle Fenster mit Schlössern zu versehen, wenn die Kellertür unverschlossen ist. Überraschungen nicht ausgeschlossen.

  10. Oliver Tacke sagt:

    Ich kann das Argument verstehen, hier seien illegale und legale Vergehen in unangemessener Weise vermischt worden. Wenn ich mir dann aber einen aktuellen Artikel in der c’t anschaue (c’t 21/2013, S. 116-119: Alleswisser. Erfahrungen mit dem Datenschutz in der Behördenpraxis): Darin berichtet ein Redakteur wie zahlreiche Informationen über seine vollkommen legalen Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz gespeichert und auf Bundesbehördenebene genutzt wurden, um eine Art Profil von ihm zu erstellen – das dann auch noch ohne Grund von Behörde zu Behörde weitergereicht wurde. Das macht mich schon nachdenklich.

  11. Holger sagt:

    Oh ja! Empört Euch. Unbedingt. Unbegrenzt, spontan und überhaupt.
    Als angehender Terrorist sehe ich meine Forschung in Gefahr. Wo kommen wir denn hin, wenn mir staatliche Organisationen zu jeder Zeit auf die Finger schauen können?

  12. Helmut Müller sagt:

    @ Elmar Borgmeier: Falsch. Natürlich ist es begrüßenswert, wenn Dreckiges wie Kindesmissbrauch verfolgt und geahndet werden kann. Das Gefährliche an der Sache ist, dass SIE aufgrund statistischer Annahmen und aufgrund von Ableitungen aus Ihrem Surfverhalten einem Profil entsprechen könnten, das auf Sie in Wirklichkeit gar nicht zutrifft – und Sie müssen dann im Fall einer kafkaesken Verdächtigung das Gegenteil beweisen. Viel Spass dabei.

  13. Thomas Schlosser sagt:

    Meine Güte, ich scheine mein Leben nicht richtig auszureizen!!

    Ich finde mich auch in den negativ zu beurteilenden Punkten der langen Liste praktisch nicht wieder. Ob ich das jetzt gut oder schlecht finden soll, muss ich mir noch überlegen.
    Jedenfalls könnte ich die „Mir doch egal, wenn ich Bestandteil des Bigdata Bestands der NSA bin“ weiterhin anschließen. Weiterhin dagegen wäre ich, all diese Informationen auf meinem Xing und Facebook-Account zu veröffentlichen.

  14. Jörg Debus sagt:

    Die Liste ist nicht überraschend. Aber gut, dass sie von jemandem mit „Senderlegitimation“ zu diesen Themen veröffentlicht wird.

    Was mich allerdings sehr betroffen macht,ist die extreme „Ich-Sicht“ in dieser Sache. „*Ich* habe nichts zu verbergen!“ Dabei ist Kommunikation praktisch immer zweiseitig, auch wenn sie nicht im Dialog passiert. Und damit mache ich auch immer meinen Kommunikationspartner transparent und seine Daten sichtbar. Und der möchte das vielleicht nicht. Aber das würde ja bedeuten, dass man Verantwortung auch für andere übernimmt. Derzeit nicht wirklich cool.

  15. Lothar Winckler sagt:

    Besonders zu Leserbrief Nr. 10: Das genau ist das Hauptproblem:(BÜRGER-)Bespitzelung von allen auf allen Ebenen und zu allen Anlässen und ohne Rechtsgrund! Aber „keine Sorge“, denn wir sind ja jetzt – endlich??? Wahl 2013)-im Mutti-Staat angekommen und Mutti erledigt alles: Mutter Blamage alias Merkelwürdig!

    Lieber Gott, schenk mir Hirn
    und pflanz es ein in meine Birn!!! (…und natürlich in die von Politikern und Beamten!!!)

  16. Volker Brandt sagt:

    „1984“ ist der reine „Dreck“ gegen die weltweite Realität!

    Und wie weit ist es noch bis „Fahrenheit 451“? Oder schaffen wir selbst unser papierenes Langzeitgedächnis ab?

    Was soll ich nun tun? Vogel Strauß spielen? (Hmm, witziges Wortspiel. Nen Roter und nen Schwarzer?!)
    Oder doch gleich verzweifeln?

  17. DI Walter Haberl sagt:

    Ich finde, die Tatsache ob ich etwas zu verbergen habe oder nicht ist bereits ein Faktum, das ich verbergen möchte.

  18. Ich halte den ganzen Ansatz der Liste für falsch.

    Es geht nicht darum sein eigenes Fehlverhalten zu verbergen. Es geht um das Bild, welches durch die Datenvielfalt generiert werden kann bzw. vermeindlich bestätigt wird. Die Informationen können aus dem Kontext oder dem gültigem Zeitrahmen genommen werden und in anderen Kontext eingebunden werden. So dreht sich die Beweißlast und die Unschuldsvermutung um. Der Rechtfertigungsdruck liegt dann beim Einzelnen bzw. Beschuldigten, welcher hilflos den Interpretationsmöglichkeiten ganzer Institutionen und Gruppierungen ausgeliefert ist. Diese können sich wahllos aus dem Lebesdatenpool bedienen, ohne den geschichtlichen Kontext oder die persönliche Entwicklung zu berücksichtigen zu müssen.

    Hier zur Persiflage:

    100% der Serienmörder trugen regelmäßig Unterwasche – Sie tun dies auch, also…

    Die von ihnen erstellte Liste hingegen unternimmt den Versuch Betroffenheit zu generiern durch Identifizierung mit persönliches Fehlverhalten oder Zuschreibung zu einer sozial geächteten „Betroffenen-Gruppe“ bzw.Tätigkeit und bindet damit auch eine unbestimmte Werte und Normenliste mit ein.

    Damit fällt gleichzeitig aber die Argumentation zusammen, weil sie indirekt den erhobenen Vorwurf bestätigt. Sie zementiert nur die Linie: „Benimm dich korrekt, dann passiert Dir auch nichts“ bzw. „Mach nur das was alle machen und ärgere die es wissen nicht.“

    Manche Dinge müssen aber im Grundsatz geheim bzw. auf den betroffenen Kreis beschränkt bleiben um nicht der Willkür ausgeliefert zu sein.

    Warum sind wohl unsere Wahlen geheim. Weil sonst eine Kontrolle über den Wähler entsteht. Es gilt diese Kontrolle auch im Alltag durch BIGDATA und Datensammelwut zu unterbinden.

  19. Das allerschlimmste ist noch gar nicht auf der Liste.
    Wenn man weiß, dass man beobachtet wird, verändert man sein Verhalten (siehe Panoptikum).

    Das kennt jeder vom Straßenverkehr. Sobald die Polizei hinter einem herfährt, fährt man ganz anders. Oder wer traut sich schon die auf der Autobahn zu überholen?

  20. Uwe Pilgram sagt:

    Ich denke, dass die ganze Datensammelei und die eher passiven Reaktionen darauf, Ergebnis einer langfristig angelegten Strategie der Werbeindustrie ist. Die Fernsehwerbung als bisherige Top-Technologie der Werbewirtschaft ist trotz aller „Spartenkanäle“ immer ein Schrotschuss mit recht geringer Effektivität. Grund ist, dass bei der klassischen Werbung zu wenig über den Empfänger der Werbebotschaften bekannt ist.

    Die Möglichkeiten, Informationen über den Empfänger von Werbebotschaften zu bekommen, brachte erst Internet 2.0. Die Plattformen dazu sind jetzt Google, Facebook, Twitter und Co und nicht mehr RTL oder SAT1. Sie sammeln die Daten von Individuen und damit die Datenbasis für manipulative Werbung. Kein Wunder, dass 70% des Internets (Bereitstellung und Übertragung von Content) durch Geschäfte mit der Werbeindustrie finanziert wird. Und rasch wachsende Umsätze bringt.

    Und das geht so: Ich war unlängst mit einem Bekannten, einem Freund italienischen Essen in Mannheim in einer Besprechung. Die zog sich etwas über die Mittagszeit hinaus. Mein Bekannter hat dann so nebenher an einen kleinen „Freundeskreis“ mit seinem Android-Smartphone getwittert: „Wann ist hier endlich Schluss? Ich habe Hunger.“ 2 Minuten später kam die Antwort per EMail: Eine „Wir sind immer für Sie da“-Nachricht eines italienischen Restaurants mit Link zur Speisekarte und einer Navigation zum Lokal.

    Wir sind dann natürlich dort hingegangen. Mein Bekannter fand diesen Service des Lokals toll.

    Nebenbei: Auf dem Weg zu Speise und Trank kamen wir an drei anderen Italienern vorbei. Aber die hatten wohl keine Werbung gekauft.

    Diese Potenziale zur Manipulation von Menschen aus ihrer Lebenssituation heraus sind so ungemein groß, dass dem niemand aus Wirtschaft und Politik widerstehen kann. Werbung wird als hilfreich und nützlich empfunden, weil sie gerade so prima „passt“.

    So kann man als Partei endlich politische Entscheidungen so erklären, dass es jeder „versteht“. So kann man als Regierung „Steuerflüchtlinge“ aufstöbern. So findet man als NSA Terroristen, ohne dass sie es merken. Oder ganz apart: so kann man auch Meinungsumfragen manipulieren. Ein Traum für jeden Kommunikationswissenschaftler.

    Internet 2.0! Schöne neue Welt.

  21. tonie sagt:

    So konkret wie diese Liste braucht man garnicht werden. Eigentlich braucht man nur genug Masse an belanglosen Daten, dann gibt es auch hinreichend Möglichkeiten, eine Person schlecht darzustellen. Zum Einen, weil abgesehen von den werten Kommentarverfassern hier der Mensch ansonsten im Schnitt doch etwas zu verbergen hat, oder zum Anderen nicht weit von einem Muster liegt, welches wir mit leichten Parameteranpassungen dann eben böswillig zum Match bringen.

  22. Sirus Paidar sagt:

    Aktuell macht die Aufregung sowieso keinen Sinn. Das Geld ist den USA ausgegangen. Die Frage ist, wie lange die noch die Spionage aufrechterhalten können. Ich schätze, dass PRISM jetzt an einen „Schurkenstaat“ verhökert wird, damit wieder Geld in die Kassen kommt.
    Spaß bei Seite. Es steht sicherlich nicht zur Debatte, ob man etwas zu verbergen hat, sondern ob die Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben. Natürlich gibt man in Facebook, Google+, Payback, etc. allerlei Daten Preis, aber es ist die persönliche Entscheidung, dies zu tun. Die NSA frägt ja nicht nach unserem Einverständnis, im Gegensatz zu den zuvor genannten. Und wie es beim Wahlrecht auch ist, man mag aus Politikverdrossenheit nicht zur Wahl gehen (auch eine Art einer Wahl), aber das Recht wählen zu gehen, möchte man dennoch nicht aufgeben.

  23. Karsten sagt:

    Ich finde „Missbrauch von Kindern“ passt in diese Liste der „halbkriminellen“ Dinge qualitativ eher schlecht und ist m.E. auch als Argument gegen Überwachung nicht gut geeignet. Allerdings hätte ich „Raub“-kopierte Musik/Filme/Bücher/Software noch mit aufgenommen. Das dürfte durchaus einige treffen und bei den fantastischen Strafen ließen sich damit im Zweifelsfall mit der Aussicht auf finanziellen Ruin erpressen.

  24. Jens H. sagt:

    Die deutsche Politik hat mir ihrer (Nicht-) Reaktion auf die Enthüllungen von Edward Snowden ein klares Zeichen gesetzt:

    Totalüberwachung von Privatpersonen bis in die intimsten Details eines Menschen durch ausländische Staaten wird nicht nur toleriert, sondern durch fehlende Motivation etwas zu ändern uneingeschränkt unterstützt.

    Wenn der Kanzerlamtschef unverhohlen entgegen besseren Wissens eine Affäre für beendet erklären kann, dann zeigt dies die wahren Beweggründe nach dem Motto: „Die Aufarbeitung einer jeden Affäre kostet Zeit und Arbeit. Lasst mich damit in Ruhe!“

    So skandalös die ganze Affäre und die Ignoranz der Politik auch sind, ich sehe im Moment keine einflussreiche Stelle, die beabsichtigt irgendetwas an der derzeitigen Situation zu ändern.

    Im Gegenteil: wenn ich mir die Facebook-Profile insbesondere jüngerer Menschen ansehe, so scheint es mir eher so zu sein, dass Menschen heute so stark um Aufmerksamkeit buhlen, dass diese sich eher freuen, wenn wenigstens irgendjemand sich für ihr belangloses Leben interessiert.

    Das Bewusstsein dafür, dass auf den Computern der NSA reine Atombomben warten, ist überhaupt nicht vorhanden, weil die Menschen nicht verstehen, dass die 40.000 NSA-Mitarbeiter überhaupt von niemand kontrolliert werden. Sind diese 40.000 NSA-Mitarbeiter alle loyal? Wird keiner von Ihnen Daten zum Zwecke der Industriespionage, persönliche Rachefeldzüge oder nur aus Geldgier verwenden? Natürlich nicht, denn jeder Mensch tut sein ganzes Leben immer nur Gutes!

    Und genau aus diesem Grund ist den meisten Menschen die NSA-Affäre auch egal: Sie bilden sich ein, dass sie es schaffen sich ihr ganzes Leben korrekt zu verhalten und niemals Opfer von Internetkriminalität, Identitätsdiebstahl oder Diffamierung zu werden.

    Fazit:
    Eines der größten Probleme unserer modernen Zeit wird fast vollständig ignoriert!

  25. Roland Stuckardt sagt:

    Höchst interessant und aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die Zurückweisung von Ilja Trojanow, als dieser sich anschickte, ein American-Airlines-Flugzeug in Richtung USA zu besteigen – ganz offenbar auf Veranlassung der US-amerikanischen Behörden:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/ilija-trojanows-einreiseverbot-willkuer-und-freiheit-12599490.html

    Zur Erinnerung: Ilja Trojanow war jüngst federführend bei einem Appell gegen die nationalen und internationalen Überwachungsstrukturen bzw. der entsprechenden Untätigkeit der Merkel-Administration.

  26. Schoppmann sagt:

    Empörung ja! Wer formuliert die? Bin selbst zu faul dazu würde mich aber gerne anschließen! Ob da Millionen zusammenkommen?
    Erst wenn viele durch falsche Verdächtigungen ins Gefängnis wandern, wird’s interessant. Das soll es ja schon gegeben haben.
    Also wer formuliert die Empörung trotzdem schon jetzt? Ich werde unterzeichnen!

  27. Wolf sagt:

    Die Kanzlerin und ihre ganze Regierungstruppe werden gewiss viel von dem Beschriebenen und noch eigige andere Sachen, z.B. plagiierte Dissertationen, der Verbleib gewisser Spendengelder, etc. zu verbergen haben, dass ihnen von der NSA eine lange Liste vorgelegt werden kann, was der NSA alles nicht verborgen blieb.

    Selbstverständlich, verbunden mit der Bitte, den Skandal möglichst kleinzuhalten, wnnn nicht gar totzuschweigen, da sonst nicht garantiert werden könne, dass irgendwelche Revolverblätter davon erfahren würden…

    Wahrscheinlich durfte die Kanzlerin während ihres gestrigen Geheimgesprächs mit Obama(Unterzeichnung der „Kanzlerakte“?) einen kurzen Blick in ihre eigene Akte werfen.
    Es wäre ein Wunder, wenn Regierungsmitglieder anderer Nationen nicht auch gelegentlich in ihre Akte schauen dürften.

    Danach fällt es doch leicht, die kleine Bitte zu erfüllen, sich nicht zu empören. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schweigen sie noch heute und alle anderen, die das nicht glauben wollen sind Verschwörungstheoretiker – oder Präsidentin Brasiliens, wahrscheinlich die einzige, mit reiner Weste.

    • Silvio sagt:

      Was sollen wir – oder die Kanzlerin – denn machen? USA ist Besatzungsmacht und kann mit uns machen was sie will. Wir sind kein Staat und unsere „Regierung“ nur eine Verwaltungseinheit.
      Also wenn ihr Euch aufregen wollt, demonstriert für eine Verfassung (und gegen ein „ungültiges“ Grundgesetz und für die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit den USA. Wenn wir danach ein Staat sind, können wir mit der NSA mal drüber reden…

  28. Sabine Haas sagt:

    Und wenn man heute nichts zu verbergen hat, dann ist das morgen möglicherweise schon anders: http://www.result.de/stell-dir-vor-wir-werden-alle-abgehort-und-sind-vielleicht-selbst-schuld/

  29. Elblette sagt:

    Ich schließe mich einigen der anderen Kommentatoren an. Die meisten genannten Dinge sind illegal. Auch wenn sie die NSA nichts angehen, so ist es den meisten Leuten bewusst, dass daraus Konsequenzen folgen könnten.
    Auch was politische Äußerungen angeht, denke ich: Die sind tendenziell öffentlich. Ein Leserbrief liegt auch jahrelang im Archiv und fällt einem dann auf die Füße.
    Viel schlimmer finde ich, wenn eigentlich harmlose Dinge verknüpft werden. Beispiel aus den USA: Leute gucken sich Drucktöpfe und Rucksäcke im Internet an und haben die Polizei vor der Tür. Oder: Ich surfe nach einer Krankheit, kaufe Zigarren und versuche später eine Gesundheitsversicherung abzuschließen – und bekomme keine. Keine Ahnung warum, ich bin ja gar nicht krank. Die wissen, wie alt meine Kinder sind und wen ich alles kenne (wahrscheinlich von allem am Interessantesten). ALLE haben meine Adresse, weil irgendwelche Idioten ihre iPhone-Adressbücher freiwillig durchsuchen lassen, z.B. von der Bahn. Und das Kurioseste: Wer alles bar bezahlt, kein Smartphone und kein Internet hat, ist wahrscheinlich von allen am verdächtigsten….

  30. Jörg Bergmann sagt:

    Ja, das ist sehr schade, dass unser deutsches Bundesdatenschutzgesetz mit den Füßen getreten wird. Das ist aber wohl nicht das einzige Gesetz. Wie steht es mit dem Grundgesetz, mit der Erklärung der Menschenrechte? Wir stehen heute an dem Punkt, dass diese Regeln die wir uns zum Zusammenleben, neben den 10 Geboten, auferlegt haben, keine Bedeutung mehr haben. Das bedeutet, dass wir heute in einem Zeitalter der Anarchie leben, allerdings haben die meisten Hemmungen und trauen sich nicht. Der einzige Ausweg ist, was einem Bundeswehroffizier vor Jahren bereits auf die Frage, was das sicherste System ist, geantwortet wurde: Das ausgeschaltete System. Also Autarkie oder zurück zur Natur. Schon heute „Kontext-frei“ werden und nicht erst in 10 Jahren werden lassen. Viele Grüße, ich mache mir wirklich 1984er Sorgen.

    • Leo sagt:

      Ich finde den Glauben an die Einhaltung von Gesetzen immer wieder rührend!

      Das GG ist eine „allgemeine Leitlinie“ für die Gesetzgebung und für die Rechtsprechung nur im Zweifel maßgebend. Das deutsche BDSG enthält ausschließlich Ordnungswidrigkeiten, analog Falschparken und Schnellfahren sind auch die betreffenden Bußgelder. Das höchste Bußgeld überhaupt wurd emit 1,2 Mio 2009 gegen die DB verhängt – Portokasse für einen Konzern! Für eine Arbeit habe ich mal die Bußgeld-Jahresdaten erhalten: zwischen 2500 – und 500 Euro, ca. 10 Fälle p.a. und die im Bereich Bäcker um die Ecke. DAS ist die Realität des BDSG.

  31. michaela sagt:

    Was ist das denn? Wird da gerade jemand seinen eigenen Grundsätzen untreu? Waren sie es nicht, der das Internet als gesellschaftliches Betriebsystem unbedingt wollte? Das alles mit allem verknüpft gehört? Der die medizinischen Daten an die Cloud in Indien geben wollte, damit mir die genau berechnete Insulinmenge per Automatenspritze verabreicht wird.? Und jetzt Angst davor haben, was so alles über einen gespeichert wird! Sinneswandel?

    • admin sagt:

      Man kann aus Eisen Waffen oder Pflugscharen machen. Ich habe Pflugscharen gepredigt, und Sie meinen, ich hätte etwas gegen Eisen gesagt, weil Schwerter daraus sind?

      • Leo sagt:

        Kluge Antwort 😉

        Wer überwacht, wer hat die Kontrolle künftig, wer mit den Daten was macht? DARUM gehts ja gerade hier!

        Daneben, liebe michaela, geht es eigentlich nicht mehr um die Frage des „ob“. Denn ob man es mag (wie Dueck, Serres u.a.) oder nicht (Spitzer): „ES“ ist ja bereits da und stellt eine nicht aufzuhaltende Entwicklung dar.

        Es ist ja gerade der Punkt,der nicht einfache, sich zu überlegen, wie die Möglichkeiten des Internet FÜR den Einzelnen genutzt werden können (Pflugscharen) statt gegen ihn (Schwerter). Das „Eisen“ ist DA, obs einem nun gefällt oder nicht. Daran dürften auch die Gegener scheitern, denn es hat bereits einen Einfluss und Umfang, dem man sich nicht mehr entziehen kann.

        Für mich immer (seit „Akte Alu“ auf arte) ein gutes Beispiel das Aluminium: es gibt den nicht von der Hand zu weisenden und durch Studien belegten Verdacht, dass es massiv gesundheitsschädlich ist. Aber versuchen sie mal, ohne Alu einzukaufen?

  32. Mac sagt:

    Wer nichts zu verbergen hat, der hat ein langweiliges Leben!

  33. Leo sagt:

    Ich finde die Liste gut, auch wenn darin Bedenkliches neben Harmlosem steht. Sie fördert einfach das Vorstellungsvermögen, das einem oft abgeht. Danke, Herr Dueck!

    Daneben sind die Aw 8, 12 und 29 auch bedenkenswert:
    1. wer mit „Daten“ zu tun hat weiß, dass es auch fehlerhafte oder auf Basis der vorhandenen Daten geschätzte Daten geben kann (Rating als Beispiel)
    2. dazu kommt, dass die Verknüpfung (Dampftopf und Rucksack im guardian als Bsp.) der Daten und die Schlussfolgerungen, die ein Algorithmus draus zieht, evtl. nicht der Selbsteinschätzung „harmlos“ entsprechen.

    Und da, wie bereits jemand hier geschrieben hat, wünsche ich viel Freude mit dem Widerlegen oder gar Löschen der falschen gespeicherten Daten oder Schlussfolgerungen! Selbst Wenn einem das Widerlegen gelänge: wer will all die Speicherorte und Anwendungen ausfindig machen, in denen sich die falsche Information bereits befindet? Und wer berichtigt die bereits gesicherten Daten??

    Selbst wenn Sie nicht zu verbergen habe (ich zähle mich da eigentlich dazu), sind die Spuren geeignet, ein Profil zu erstellen – was liest der Mensch, was postet er, mit wem trifft er sich. Und je nachdem, ob demjenigen meine Meinung und Lektüre gefällt, BIN ich dann in dessen Augen eben jemand, der verdächtig ist! In China werden immer wieder Systemkritiker offziell wg. „Steuerhinterziehung“ verhaftet. ein schönes Vorbild, und wenig angreifbar.

    Wenn morgen Hr. Dueck wg. Steuerschummeleien verhaftet wird, dann werden wir hier trauern und darüber reden, dass wir uns das nicht haben vorstellen können, DAS ER SOWAS MACHT. Einzelne werden aber bereits in der og. Liste Hinweise auf eine gewisse kriminelle Phantasie sehen und seine Schuld nicht ausschließen. Evtl. aber ist der wahre Grund, dass er irgendjemanden mit einer Meinung oder Initiative auf den Schlips getreten ist und man seiner Öffentlichkeitswirksamkeit einen Dämpfer versetzen möchte.

    Er wird dann auch nicht gefoltert oder so, sondern das Verfahren – auf Anraten seines Anwalts – gegen Auflage nach §153a StPO eingestellt. Er ist dann, frei und etwas ärmer – und sein Einfluss hat den Kratzer einer in Zweifel gezogenen Glaubwürdigkeit.

    DAS kann jedem anderen auch passieren – außer, er schweigt. „Wer nicht schweigen kann, wird beschuldigt.“ Diesen einen Satz, nur diesen, hat ein neulich mit 98 Jahren verstorbener Verwandter schriftlich hinterlassen. Er dürfte damit recht gehabt haben, und viel aktueller sein, als er wusste. (Anmerkung: keine SS-Größe, sondern ein Gefreiter, der als Funker 1943 nach Südosteuropa geschickt und danach 4 Jahre in Kreigsgefangenschaft war – Merkt ihr was? Ich unterstelle hier, dass „der Leser“ denkt. einer, der sowas sagt, habe bestimmt einiges auf dem Kerbholz … es wirkt .. und läuft .. etwas bleibt immer hängen … es wird schon was Wahres dran sein .. er wird es schon verdient haben irgendwie ……

  34. Martin sagt:

    Hallo Herr Dueck,

    haben Sie nach Ihren kritischen Worten im obigen Artikel keine Angst eine Einreiseverbot in bestimmten Ländern zu erhalten?

    Siehe:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/einreiseverbot-fuer-ilija-trojanow-willkuer-und-freiheit-12599490.html

    Natürlich sollte Sie dies nicht von einer Aufklärung abhalten, aber Urlaub und Dienstreisen in bestimmten Ländern sind für Kritiker nicht mehr möglich.

    Dies könnte zu folgender Schlussfolgerung führen:

    Vielleicht sollten diejenigen, die ein wenig Freiheit behalten wollen, auf das Recht freier Meinungsäußerung verzichten.

    Ich habe mein Verhalten bereits geändert:

    Seitdem ich weiß, dass alles mitgelesen wird, nutze ich das Internet nur noch für zwingend notwendige Administrationen.
    Meine Meinung äußere ich jetzt nicht mehr. (Nur bei diesem Kommentar mache ich eine Ausnahme, weil mich Ihre Meinung dazu interessiert.)

    • admin sagt:

      Hallo Martin 1.1.1,

      Ihre Überlegungen habe ich mit Trauer gelesen. Spontanes Gefühl: Wir Deutschen haben unseren Eltern oder Großeltern vorgeworfen, keine Zivilcourage im Nazi-Reich gehabt zu haben. Wir sagten und sagen ihnen, sie hätten sich kollektiv schuldig gemacht. Die Angeschuldigten aber redeten und reden sich zu unserer Empörung heraus, es wäre damals für Leib und Leben gefährlich gewesen, gegen Hitler zu protestieren.
      Und heute? Da sollte Zivilcourage deshalb verweigert werden können, weil mit etwa 1 Promille Wahrscheinlichkeit die geplante Las Vegas Urlaubsreise nicht stattfinden kann und nach Macao verlegt werden muss?

      Gruß GD

      • Martin sagt:

        Hallo Herr Dueck,

        vielen Dank für diese Sichtweise.

        Vielleicht ist genau dies das eigentliche Problem dieses Skandals.

        Sicher passiert es nur schleichend, aber das Ausspionieren von Privatpersonen führt zur Einschüchterung und in der Folge zur Verhaltensanpassung.

        Auch ich denke wie viele, dass ich ja nichts Schlimmes zu verbergen habe und trotzdem mache ich mir jetzt Sorgen, welche Informationen über mich in falschen Händen zu meinem Nachteil verwendet werden können.

        Viele werden es wohl nicht zugeben, aber Prism & Co. führen dazu, dass Menschen zur Anpassung und Unterwerfung erzogen werden.

        Das ist schlimm! Ich sehe nur keine Lösung solange die Kritiker Einzelkämpfer sind.

    • Leo sagt:

      Hallo Martin 111,

      nur, dass das auch nix nützen wird: ohne „Spuren“ sind Sie erst recht verdächtig 🙁

      Hier ein Link zum Blog eines Juristen – den ich nicht sonderlich finde, ABER: bitte Kommentar 9./10. lesen! Das ist so genial auf den Punkt gebracht, finde ich: http://www.internet-law.de/2013/10/die-post-privacy-falle.html. Vielleicht denken Sie ja nochmal drüber nach, was Reise“freiheit“ dann noch wert ist.

      Dazu: der einreiseverweigerte Mensch Trojanow hat ein Buch geschrieben „Der überflüssige Mensch“, war gestern bei Pelzig zu Gast. Ehrlich: für die „geistige“ Freiheit würde ich gerne in Kauf nehmen, dass ich meinen Körper nicht mehr in USA oder sonstwo hintransportieren darf.

      Dazu noch: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/neuer-mediendienst-ebay-mitbegruender-wird-zum-greenwald-finanzier-/8945218.html von heute.

      Ich zumindest wittere Morgenluft: es sind zwar weder die Meisten noch die „Mitte der Gesellschaft“, die hier was verstehen. Aber Leute wie Snowden, Lavabit, Greenwald, Trojanow, Dueck und Omidyar – IT-Menschen, Schriftsteller und Geldgeber – lassen mich hoffen, dass mit der durchaus kapitalismuskonformen Auslegung einer neuen Transparenz *vielleicht* ein ernsthafterer und kreativerer Umgang mit den Abhörzumutungen möglich ist, als es ein Massen#aufschrei bewirken könnte, der ohnehin stets schnell verpufft. Aus echter Aufklärung und Transparenz ein Geschäft machen – das könnte die Lösung für das Geweine der Medienvertreter sein, die tagtäglich Agenturmeldungen abdrucken und Hetzkampagnen gegen gesellschaftlich im Grunde völlig belanglose Menschen (Brüderle, Tebartz) entfachen. Denen zu zeigen, dass echter Journalismus unabhängig vom Medium belohnt und bezahlt wird! Es GIBT diese Chance, davon bin ich überzeugt!

  35. Claudius sagt:

    „Wer sich nur dann an seine Grundrechte erinnert, wenn er sich persönlich geschädigt fühlt, hat entweder nicht verstanden, worum es geht, oder zeigt sich schlicht verantwortungslos.“

    (Trojanow/Zeh – Angriff auf die Freiheit; Carl Hanser Verlag, München 2009)

  36. Lukas Schröder sagt:

    Sie waren doch derjenige, der sich immer über die dummen Deutschen lustig gemacht hat, die sagen, dass in der Cloud die Daten nicht sicher sind.

    (Und nein, es ist egal wo die Daten gespeichert sind, wie man jetzt zur Genüge erfahren hat. Man geht dann eben da hin und holt sie sich.)

    Gedankenlos alles zu erfassen und zu vernetzen, bloß weil es möglich ist, zieht einen zu großen Rattenschwanz an politischen Problemen mit sich, welche die gewonnene Bequemlichkeit fad erscheinen lässt, wie es jetzt scheinbar langsam auch die letzten merken.

    • admin sagt:

      Na, technisch ist es ja sicher… aber das Einbrechen der USA in die Daten ist irgendwie ungesetzlich (naiv gesehen) und muss unterbunden werden. Unsere Häuser sind ja im Prinzip auch sicher, aber wenn der Staat das Einbrechen freigibt, eben nicht. In der Cloud und anderswo, dann ist nichts sicher.

      • Lukas Schröder sagt:

        technisch auch nicht sicher, außer vielleicht für den Fall, dass es ein reiner Ablagespeicher ist und die Daten vorher mit einer vertrauenswürdigen Methode verschlüsselt werden. Wenn die Daten weiterverarbeitet werden sollen, müssen sie ja unverschlüsselt vorliegen. Und an dieser Stelle muss man all den Mitarbeitern des Cloud-Anbieters vertrauen. (das würde dann zweckmäßigerweise auch zur „technischen Sicherheit“ gehören, denn der Kunde hat ja keinen Einblick in das Unternehmen).
        Wieviel Mitarbeiter haben die großen Internetkonzerne? Das Problem ist auch bei einer Abschaffung der Geheimdienste noch da. Hinter jedem Baum, auf jeder Seite (auch auf dieser, in Form von fonts.googleapis.com). Der finanzielle Wert der personenbezogenen Daten etwa für zielgerichtete Werbung etc. ist zu hoch, um sich auf Abstinenz zu verlassen.
        Man muss natürlich irgendwo anfangen, naheliegend beim Staat, der das Gewaltmonopol hat, aber wenn Daten gemäß obiger Liste aus sich selber irgendeine Art von Macht bedeuten, fangen die Grenzen zu verwischen an.

        Von jemandem, der für gewöhnlich relativ weit in die Zukunft schaut, erwarte ich Professionalität, d.h. eine umfassende diesbezügliche Analyse ein paar Jahre früher (gab es die?) 😉 …auf jeden Fall dranbleiben

  37. Claudius sagt:

    ach ja, und außerdem …

    Wer gar nichts zu verbergen hat, der hat auch kein Schamgefühl.

  38. Arno sagt:

    Ich denke, dass Empörung zwar ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium ist, um die Datenschnüffelei zu unterbinden.
    Zunächst ist Sensibilität und Wissen vonnöten – da ist Ihre Sammlung an Ideen und Möglichkeiten, was man mit solchen Daten alles anfangen kann, schon sehr gut.

    Heutzutage wird es zunehmend schwieriger, den geschütztenm Raum des Privaten vom Öffentlichen zu trennen, selbst dann, wenn es einem nicht egal ist, sondern man das möchte. Das ist das eigentliche Problem – und das hat etwas zu tun mit der Inkompatibilität des Kapitalismus mit der Demokratie. Es geht um Macht und wie man Herrschaft ausübt oder ausüben kann, und es geht um Kontrolle und um Ressourcen.

    Hilfreich, dies zu verstehen, ist dieser Artikel von Noam Chomsky zu dem Thema Kapitalismus und Demokratie hinsichtlich unserer bestehenden Klimaveränderungen (http://www.chomsky.info/articles/20130305.htm).
    Es gibt auch in Fall der langfristigen Klimaänderungen die „Wissenden“ und die „Skeptiker“; dasselbe gilt analog für diesen Fall der Datenspionage, die „is‘ mir doch egal, ich habe nichts zu verbergen“ und die „Datenschützer“.

    Danke für Ihr „food for thought“.

  39. Fritz sagt:

    Die Liste zeigt zunächst einmal, dass man bei den meisten Menschen „etwas“ entdecken könnte. Jeden einzelnen Menschen mit seinen Schummeleien und Fehlern zu überwachen ist aber nicht die Absicht. Das Datenmaterial wird auf der ersten Stufe benötigt, um Normalverteilungen bilden zu können, um dann automatisch die „Abweichler“ feststellen zu können. Es geht, so paradox das klingt, um das Herausfiltern der Personen, die etwas zu verbergen scheinen, was in den Daten sich nicht ohne Weiteres findet. Die Verdächtigen werden dann von den Analysten näher „analysiert“, also getrackt über alle Datenquellen hnweg. Andererseits geht der Prozess auch andersherum: Jemand ist zwar in den Datenbeständen nicht auffällig und lebt auch ganz korrekt, aber jemand im Machtzentrum findet zum Beispiel nicht gut, dass er etwas gegen die NSA geschrieben hat und er außerdem Bundestagsabgeordneter ist. Dann kann das Rad andersherum laufen: Der nach allen landläufigen Kriterien „saubere“ Mensch wird zu einer „unsauberen Person“ erklärt, getrackt und dann findet sich immer irgendetwas und wenn es eine Einladung von einem Lobbiysten zu einem Abendessen war, das geht „aus anonymer Quelle“ an die Presse etc. Genau dort liegt die Gefahr für die Demokratie, dass die Serviceabtielung für Feindaufklärung zur eigentlichen Machtzentrale im Staat wird, die auch den ganzen politischen Apparat und die Verwaltungen nach Ihren Zielen tanzen lassen kann. Man hat ja jetzt schon bei IM Friedrich sowie anderen politischen Spitzenkräften den Eindruck, dass sie es gar nicht wagen, offen gegen diesen Apparat zu stellen, weil dies den Apparat, bei dem ein hohes industrielles Interesse an seinem Erhalt und noch besser Wachstum besteht, zu Gegenmaßnahmen herausfordern würde.
    Wie auch immer: Die Liste ist nett, trotzdem müssen sich Hinz und Kunz eben nicht bedroht fühlen, egal wie viel Dreck sie am Stecken haben und ob sie dauernd mit dem Auto zu schnell fahren. Unterspült wird die Demokratie durch eine neue Supermacht im Staate, die so in keiner Verfassung steht. Offiziel steht diese Macht zwar unter demokratischer Kontrolle, tatsächlich aber kontrolliert sie ihre Kontrolleure. Wobei ein anderes Szenario nicht viel besser wäre, nämlich dass es eine „2-Klassen-Gesellschaft“ ganz neuer Art gibt: Auf der einen Seite die „Abhörsicheren“ (hohe Beamte kriegen Zugang zu abhörsicheren Smartphones), auf der anderen Seite wir alle, bei denen schon der Versuch, sich gegen das Datenabhören zu schützen, eine Straftat darstellt – geht es nach der NSA, sollen ja alle Selbstschutzmaßnahmen verboten sein („Sie hatten vorhin für 5 Stunden Ihr Smartphone ausgestellt. Ferner haben Sie unerlaubertweise die Social Connections App von Ihrem Mobile Device gelöscht. Besteht der Verdacht auf Verbindungen zu … Untersuchungsverfahren eingeleitet … Gefängnis bis zu 5 Jahren … Herzliche Grüße, Ihre Behörde für internationalen Patriotismus und wehrhafte Demokratie …“)

  40. Anonymous sagt:

    Meiner Ansicht nach liegen hier alle komplett falsch. Alle diese aufgezählten Gründe, die Belegen sollen, dass das ausspähen von Menschen problematisch ist, sind entweder soft und irrelevant (Datenverknüpfungen führen zu falschen Einschätzungen einer Person) oder ideologisch begründet (Recht auf Privatssphäre).
    Das eigentliche und selbst den Kritikern anscheinend nicht bewusste Problem liegt darin, dass die technologischen Grundlagen geschaffen werden für eine allmächtige Überwachungsmaschiene, aus der im Notfall KEINER mehr entkommen kann.
    Im derzeitigen System (welches zwar korrupt und durchaus Manipulativ agiert) stellt das bisher tatsächlich keine so große Gefahr dar.
    Die Gefahr ist potenzieller Natur und wird dann real, wenn diese allmächtige Überwachungsmaschiene in die falschen (also wirklich bösartigen) Hände gerät.
    Dass sie noch nicht in den falschen (nur naiven) Händen ist, wird dadurch belegt, dass die Leute, die sich hier kritisch äußern, noch am Leben sind.

  41. Hervorragender Beitrag und einen wirklich schönen Blog hast du hier! Ich werde sicherlich öfter mal vorbeischauen! 🙂

  1. 5. Juni 2014

    […] hat, hat nichts zu befürchten” (diese Beiträge erklären, weshalb das dumm ist: 1, 2, […]

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