DD220: Nashörner überall, es werden mehr (Juli 2014)

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11 Antworten

  1. Guido Bosbach sagt:

    Wie schön… und wie schrecklich….
    Wie schön, dass ich irgendwann in als Nashorn, dass in/an neue(n) Arbeitswellten denkt, nicht mehr alleine sein werde,
    wie schön, dass da andere kommen und uns paar Nashörnern dabei folgen die Dinge anders zu sehen
    wie schön, dass ich dann nicht mehr einer der wenigen sein werde, die den Menschen etwas besseres gönnen, als modern versklavt zu sein
    wie schön, dass ich jetzt Gewissheit haben kann, dass sich eine Wandlung vollzieht

    und

    wie schrecklich, dass wir dieses hohe Gut des individuell bewussten Lebens doch nicht leben können,
    wie schrecklich, dass wir irgendwann als Nashörner in einer neuen Welt erwachen und die ersten beginnen zu Mäusen zu werden
    wie schrecklich, dass wir den Weg zurück, zu uns selbst dann nicht mehr gehen können

    und wie schön, dass die Delphine noch da sind und und „Und danke für den Fisch“ zurufen, wenn sie gehen.

  2. Leo sagt:

    Uiuiuiuiuiuiui! Was ist das denn??

    Die Umstände zwingen den Menschen zum Nashorn zu werden, insbesondere der Bachelor?

    Ich glaube das nicht. Seine Gefängnisse baut man immer selbst. Auch ein „altes Studium“ lebte nur davon, dass Studenten (manche) ihre Neugier und ihren Wissensdust selbstverständlich beanspruchten und sich mit vielem eben nicht einfach zufrieden gaben.

    Wären sie damals schon „brav“ gewesen, wäre nichts anderes dabei rausgekommen als beim Bachelor.

    Aber warum sind sie brav heute? Wieso sind die, die man in den 60ern in der Grundschule für ihre Weichlichkeit verachtet hat, heute das Ideal? Es ist nicht Angst oder Druck – das gab es früher auch, nicht zu knapp.

    Es ist das Gefühl, dem Druck nicht standhalten zu können, seinen eigenen Impulsen misstrauen zu müssen, wenn sie nicht mit den herrschenden Lehren übereinstimmen. Oberstes Ziel ist es, ungeschoren davonzukommen.

    Und woher kommt dieses mangelnde Vertrauen in sich selbst? Die Nashörner – mir würde Morlock an der Stelle eigentlich besser gefallen – sagen, dass es so sein muss. UND DIE ELOI SAGEN ES AUCH SELBST. Und keiner will ein schlechter Eloi sein.

    Es gab nie Menschen und Nashörner. Es gab seit man denken kann, Morlock und Eloi – die beide früher mal angeblich Menschen waren. Angeblich, so genau weiß das keiner – wissen beide das nicht mehr. Ich auch nicht;-)

  3. Häschen sagt:

    Der Kapitalismus in der Urform erlaubt hohe Gewinne, wenn man bei konstanter Geldmenge die Produktion ressourcensparender macht und dabei nicht vergisst, dass die Entlohnung die Basis für gute Geschäfte im Wirtschaftsraum ist. Kapitalismus lebt vom Freien Markt und der Freie Markt würde in unseren Breitengraden als Mittelständische Struktur bezeichnet. Ein Wirtschaftsraum in dem die Balance der ‚Kräfte‘ gewahrt bleibt ist anarchisch. Der natürliche Wandel und auch das Wachsen inbesondere von Unternehmen sollte genauso wenig gebremst werden wie dem Zerfall stattgegeben. In diesem – Wir sind die Häschen und nicht die Ameisen!

  4. uwepig sagt:

    Mir fällt zu Zeit auch auf dass das Rhinoceros americanus wieder einmal versucht sich auszubreiten. Mittlerweilen trampelt es wieder bei seinen Artgenossen in Europa herum so dass es für die noch letzten herumeilenden Mäuse immer schwieriger wird.
    Einerseits droht vertrampelt zu werden, andererseits drohen Pikser mit der infizierten Nashornspitze, um so selbst zum Nashorn zu werden. Zudem ist auch noch die Koexistenz einer Vielzahl heimischer Nashörner vorhanden, welche dem Rhinoceros americanus gedankenlos verfallen sind.

    Als Maus würde man sich wünschen auch einen Stachel zu haben, um den Dickhäutern die gedankliche Blockade zu nehmen. Denn schon im nächsten Winter frieren nicht nur Mäuse sondern auch Nashörner und erfreuen sich über die seltsamerweise teurer gewordenen wärmenden Gaben des Siberian Rhinocerotis.

  5. Joachim Schnurrer sagt:

    Lieber Prof. Dr. Dueck,
    wehren Sie sich gegen Standardisierung und Gleichmachung? Scheint Ihnen alles zur Routine reduziert zu werden? Erkennt keiner mehr das Wahre, Wunderbare? Werden wir alle durch äußere Einflüsse Nashornifiziert? Wird Differenzierung abgeschafft als zu teure Facette des Lebens? Schauen wir nur noch auf die Karotten, die uns vors Gesicht gehalten bekommen? Wird alles konvergieren auf „den einen Lebensentwurf“, den dann alle gehen müssen? Keine Wahlfreiheit mehr? Mensch ist man nur noch, wenn man eine Sozialversicherungsnummer hat? Wer die nicht hat, kann das mit nichts anderem ausgleichen? Eine sechs in Mathe oder Französisch oder xyz Wichtigfach oder mehrere davon sind gleichbedeutend mit dem Verlust aller positiv besetzten Perspektiven? Wird die Bildung durch analytischere, differenziertere, genauere Festlegung nicht besser, sondern schlechter? Ist Bildung nicht immer als Prozess des „Sich-Bildens“ zu verstehen, der sich im einzelnen Menschen ereignet, also individuell? Kann Bildung daher überhaupt standardisiert vermittelt werden? Enthält der Bildungsbegriff nicht einen großen Anteil an Selbstentfaltung? Aber der Kapitalismus braucht stromlinienförmige, nach klaren Regeln funktionierende Humaneinheiten! Mit den Fließbändern hat das spätestens begonnen. Wo, bitteschön braucht man dort Selbstentfaltung? Provisionsträchtige Wertpapiere an Anleger verkaufen geht nicht mit selbstentfaltenen Humaneinheiten; na ja, es geht schon, wenn sich die Humaneinheit verbiegt und sich Nashornifiziert, usw… usw. Gute Nacht Sumpf- und Wüstenpflanze, ihr müsst nashornifizieren, sonst seid ihr „weg vom Fenster“.

    • Leo sagt:

      „Aber der Kapitalismus braucht stromlinienförmige, nach klaren Regeln funktionierende Humaneinheiten!“

      Nicht mehr lange: die Ressource Humaneinheit erlebt gerade Götterdämmerung, weil echte Maschinen im Maschinesein immer überlegen sein werden – zuverlässiger, schneller, widerspruchsfreier.

      Zeit, sich dran zu erinnern, was uns unterscheidet. Und daran, dass das in keinem Seminar erlernbar ist – Bachelor oder nicht.

      Was also unterscheidet uns?

      • Joachim Schnurrer sagt:

        “Ein Unternehmensvorstand und ein Gewerkschaftschef in USA besuchen eine durch Roboter hochautomatisierte Automobilfabrik, in der nur noch wenige Menschen arbeiten. Der Vorstand fragt den Gewerkschafter mit einem hochmütigen Lächeln: ‘Wie willst du meine Roboter dazu bringen, für deine Gewerkschaft zu streiken?’ Der Gewerkschafter lächelt zurück: ‘Und wie willst du deine Roboter dazu bringen, deine Autos zu kaufen?’”…….was die MIT-Forscher, die Braunberger heranzieht, so beschreiben: “Demnach wird es nur mehr zwei Gruppen von Beschäftigten geben. Das ist zum einen die Gruppe jener Beschäftigten, die den Computern sagen, was sie zu tun haben. Die zweite Gruppe wird aus Beschäftigten bestehen, denen die Computer sagen, was sie zu tun haben. Auf eine attraktive Bezahlung wird nur die erste Gruppe rechnen können.” In diesem Szenario sind es aber nicht die Maschinen, die Computer, die Macht haben, sondern diejenigen, die sie programmieren und einsetzen.

        • Leo sagt:

          Es ist möglich, selbstlernende „Maschinen“ zu programmieren, die irgendwann untereinander ausmachen, was zu tun ist.

          Das andere ist, dass der Finanzmarkt gerade lernt, sich ohne Produktion am Laufen zu halten – hat nur noch keiner bemerkt. Die Produktion könnte künftig sein, dass Sie ein Gerät und die Rohstoffe erwerben, um sich mit allerlei Dingen selbst zu versorgen. Wer die herstellt? Roboter. Wer die konzipiert? Von Programmen (weiter)entwickelte Konzepte.

          So weit sind wir davon nicht entfernt, dass Roboter keine Menschen mehr brauchen, zu nichts. Weder als Sklaven noch als Herren.

          • Leo sagt:

            Wir schaffen uns gerade selbst ab, und merkens nicht mal…

          • Joachim Schnurrer sagt:

            Alfred P. Sloan wollte dies Mitte der 90er Jahre(in Teilen) auch für General Motors erreichen, um von den Individuen unabhängiger zu werden (mehr Nashornifizierung der Mitarbeiter!). Der Versuch hatte nicht den gewünschten Erfolg.
            Ich kann mir nicht vorstellen, dass es demnächst (in den nächsten 100 Jahren) möglich wäre einen Automobilkonzern nur noch, auch nicht weitgehend, von Maschinen betreiben zu lassen. Der „Maschinenanteil“ an der gesamten Arbeit mag weiter zunehmen (und mehr Nashörner produzieren), das wars dann aber.

  1. 6. August 2014

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