DD249: No Surprise! (September 2015)

Share on twitter
Twitter
Share on facebook
Facebook
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING

DD249: No Surprise! (September 2015)

Wenn Sie einmal positiv überrascht werden sollten, ist es eine seltene Freude. Die Überraschungen sind leider meistens negativ. Es liegt an unseren Erwartungen. Wir ärgern uns zum Beispiel über jede Verspätung der Bahn, obwohl die mit geringem Verstande erwartet werden konnte. Viele von uns überraschen unsere Liebsten, ohne sich über deren Erwartungen klar zu werden. „Schatz, ich habe diesmal etwas ganz Besonderes als Geschenk, eine übergroße Heizdecke!“ – Stottern, schwache Anzeichen von Aggression, dann nach der Schrecksekunde ein Versuch auf schüchtern-bekümmert: „Aber ich habe mir doch ein Tablet gewünscht, ich will jetzt in meinem Alter noch ein Digital Immigrant werden…“ – „Weiß ich doch, aber ich dachte, wir könnten mehr gemeinsam unternehmen.“

Diese mangelnde Sensitivität bei Geschenkanlässen führt zu legendären Katastrophen. Ich hatte ein paar in meiner Kindheit, als ich zum Beispiel mit 13 Jahren einen schwarzen Koffer zu Weihnachten bekam, sonst nichts. Er war unnötig teuer, nämlich eine „Anschaffung für dein ganzes Leben in solidester Qualität“. Und dann wurde ich hochnotpeinlich befragt: „Freust du dich denn nicht?“

Noch herber wird es, wenn Ihnen Ihr Chef im Januar eine sehr schmale Gehalterserhöhung präsentiert. Da winden Sie sich, ihm ins Gesicht zu schauen, um nicht mit der Hand auf dieses zu zielen. Da registriert der Chef etwas Ungewöhnliches an Ihnen, weil er gerade einen vierstündigen Zwangskurs in emotionaler Intelligenz absolvieren musste. „Ah, ich merke, Sie haben gar nicht mit einer Erhöhung gerechnet? Na, schon gut, ich habe mich dazu durchgerungen. Ehrlich gesagt fürchtete ich Ihren Blick, wenn ich Sie ganz übergehen würde. Da können Sie von Glück sagen.“

Das sind Beispiele, wo hierarchisch Überlegene den Untenstehenden Überraschungen bereiten, über die sich diese dann arg freuen müssen, was die misslungene Situation überbordend vergoldet. Ich möchte hier zusätzlich einmal thematisieren, dass es auch nicht so gut ist, die Vorgesetzten zu überraschen. „Wo ist das Kundenabnahmedokument für das Projekt? Ich will heute noch die Abrechnung prozessieren, dann haben wir im Quartalsergebnis gerade so eben die Kurve gekriegt.“ – „Chef, der Kunde wollte noch eine Kleinigkeit programmiert bekommen, er bezahlt das auch sehr gut, wir haben einiges rausschlagen können. Klasse, was? Kein Problem, da verdienen wir sogar mehr, als wir dachten.“ – „Dann geht die Zahlung aber ins nächste Quartal, Sie Idiot!“ – „Aber es gibt echtes gutes Geld dafür!“ – „Aber nicht für Sie!“ – „Was soll das jetzt wieder heißen, sind Sie nie zufrieden? Wir dachten, es freut Sie sehr, daher haben wir nicht extra telefoniert, wir wollten es Ihnen gerne persönlich sagen, dass wir uns getraut haben, selbst zu entscheiden, wir hatten ja extra einen eLehrgang dafür.“

Oder: Ich habe einmal vor vielen Jahren als Jungmanager nur 70 Prozent meines Jahresbudgets ausgegeben. Ich war sehr stolz und habe es als Überraschung sehr spät im Jahr in einem großen Meeting verraten. Hui, das gab eine Abreibung. Man hätte das Budget ja anderen notleidenden Abteilungen geben können, es gab Missstimmung von noch weiter oben, weil andere Abteilungen überzogen hatten und ich den lebenden Beweis bot, dass es nicht nötig wäre… Oder: Ich habe einmal vor sehr langer Zeit einen Mitarbeiter mit einer sehr, sehr großen Belohnung überrascht. Er wurde ganz aschfahl und gestand mir, gerade am nächsten Tag kündigen zu wollen, weil er sich nicht genug gewürdigt gesehen hatte. Oh, ich habe das Überraschen im Business anders sehen lernen.

Diese schrecklichen Überraschungen entstehen regelmäßig dadurch, dass man keinen ganzheitlichen Blick für das Ganze hat. „Ja, da soll mal einer schlau aus meiner Frau werden!“, klagen viele Männer. Die Männer sind eben nicht schlau.

Viele durchschnittliche Mitarbeiter sind deshalb durchschnittlich, weil sie eben nicht ganzheitlich in dem Unternehmen durchblicken – und deshalb wissen sie nicht so genau, wie sie gesehen und bewertet werden. Oft haben sie das Pech, dass ihre Chefs auch nur durchschnittlich sind und Mitarbeiter nicht so gut bewerten können. Damit ist wohl die Mehrzahl aller Mitarbeitergespräche frustbesetzt – so sehr, dass man sich fragen könnte, wozu dieser gut gemeinte Zirkus eigentlich stattfindet. Man erinnert sich fröstelnd an objektive Deutschaufsatzbewertungen: Der eine kann nicht gut schreiben und der andere weiß nicht so genau, was gut geschrieben wäre.

Es gibt mindestens drei Möglichkeiten, alles gut ausgehen zu lassen:

  • Überraschen Sie eben (lieber) nicht
  • Verstehen Sie alles so gut, dass es keinen Misston geben kann.
  • Warnen Sie alle Leute in Ihrer Umgebung vor allen möglichen Überraschungen durch Kommunikation und noch mehr Kommunikation („Erwartungsmanagement“, Vorabgespräche bei Leistungsminderungen, die noch Chancen lassen, etc.)

Positives Überraschen verlangt einige Meisterschaft. Ganz generell gilt nämlich: Überraschungen lassen das Gehirn zucken, positiv wie negativ. Blitz durch den Körper! Es ist nun leider so, dass nach aller Erfahrung die negativen Überraschungen etwa fünfmal härter einschlagen als die positiven. Eine negative egalisiert fünf positive. Deshalb wird man durch Schaden so viel schneller und sicherer klüger als durch Nutzen.

Wenn Sie also trotz allem gerne überraschen wollen, dann sollten Sie in dem Bewusstsein vorgehen, dass Sie eine höhere Erfolgsquote als Fünf zu Eins erreichen müssen, um überhaupt positive Effekte erzielen zu können. Bei einer schlechteren Quote werden Sie leicht ein „unsicherer Kandidat“, das wäre schlimm. Erst darüber sagt man: „Er ist immer für Überraschungen gut.“ Meister und absolute Ganz-Durchblicker dürfen überraschen! Ja! Und es wird dann wirklich super-gut!

Ich warne trotzdem:

Nichts lieben Menschen so sehr wie sichere, stetige, zuverlässige, gut funktionierende, gleichmäßig freundliche und verlässliche Kollegen, Partner oder Schüler. Das sagen sie immer wieder!

Lehrer lieben Zuverlässige, Manager lieben Mitarbeiter wie geölte Maschinen, Lehrer die Fleißigen, die ohne weitere Betreuung Erfolg haben – und Männer/Frauen wollen immer treue und ehrliche Partner. Das nämlich wollen sie alle wirklich im innersten Herzen: No surprise.

Aber dann sollen die Mitarbeiter doch wieder Querdenker, Männer Superhelden, Frauen Vamps, Schüler kreativ sein – das stimmt, aber es handelt sich wieder einmal um den Versuch der Kreisquadratur – es sind Utopiesyndrome.

No surprise für Kinder. „Ich weiß, du isst nur Spaghetti, aber heute koche ich super-super leckeres Veggie-Lungenhaschee mit Kapern.“ No surprise für Aktionäre: Eine Gewinnwarnung – und der Kurs rauscht ab, egal, was sonst überrascht. No surprise in der Politik, wenn ein Hinterbänkler gegen den Parteikonsens twittert. No surprise, außer vielleicht bei Seehofer, der sehr erfolgreich negativ überrascht. Minderheiten, Eigensinnige, Narzissten, Trotzköpfe oder Masochisten bereiten oft gerne unangenehme Überraschungen, weil sie die Haue danach stärkt.

Share on twitter
Twitter
Share on facebook
Facebook
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING

18 Antworten

  1. Der Quotient von Erwartetem zu Erreichtem spielt im Leben eine herausragende Rolle. Sie haben das in schönen Beispielen beschrieben.
    Da möchte ich gerne noch zwei Beispiele hinzufügen. Die stammen von Bernhard Ludwig, Psychologe, Psychotherapeut und Kabarettist.
    Das 1. erklärt den Quotienten.
    https://www.youtube.com/watch?v=HJa6vjHTFlE
    Das 2. gibt ein praktisches Beispiel hierzu.
    https://www.youtube.com/watch?v=QAp7PmrjP7I
    Viel Vergnügen beim Anschauen.

  2. Da kann ich Ihnen nicht ausnahmslos zustimmen, für mich gilt:
    Surprise – auf jeden Fall!
    Wo bleibt da sonst der Spaß?
    Wie ein Chef von mir mal zu sagen pflegte:
    Wir sind zwar nicht die Besten, aber die Orginellsten!
    Kurz übersetzt: wir haben richtig miese Zahlen abgeliefert, aber wir haben gezeigt, dass man auch damit Spaß haben kann. Und das Betriebsklima erst, zählt das nix? Und das alles ohne Vorankündigung!
    OK, ein bisschen überspitzt, gebe ich zu – aber wie sollen wir in Zukunft sonst die jungen Nachwuchskräfte ins Arbeitsleben locken? Ich glaube nicht, dass die Digital Natives auf Vorab-Kommunikation und Betriebsfrieden anspringen – ohne Surprise keine Klicks und Follower – wieso nicht auch im Berufsleben?

  3. Wirklich wahre Worte die Sie in dem Artikel geschrieben habben. Aber mein vorhergehender “Kommentator” hat in einem Punkt auch recht: Wo bleibt denn da der Spaß 🙂

    aber Sie haben im Schlussatz ja geschrieben:

    “Minderheiten, Eigensinnige, Narzissten, Trotzköpfe oder Masochisten bereiten oft gerne unangenehme Überraschungen, weil sie die Haue danach stärkt.”

    Zu den “Minderheiten” zähle ich (leider) auch gute Führungskräfte und richtig gute Mitarbeiter. Die können sich das manchmal erlauben, denn da gelingt die positive Überraschung. Manchmal….

  4. Was für den Durchschnitt und darunter liegenden Suprise ist, ist für einen Überdurchschnittlichen nur die Folge von logischen Zusammenhängen. Daher ist die kommende Prügel vorhersehbar und Jeder hat die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten. Aber das ist für andere auch wieder nur Surprise. 🙂

    Mit Freude und Respekt

    Ulrich Teichert

  5. Sicherheit, Stetigkeit, Zuverlässigkeit — danke Herr Dueck, Sie sprechen mir aus der Seele. Diese Werte sind es übrigens auch, die ein gutes Betriebsklima ausmachen und sie stehen der Originalität nicht entgegen.

    Die Spaß- und Klick-Gesellschaft erscheint mir ebenso oberflächlich wie undurchdachte Überraschungen. Aber mit dieser Meinung gehöre ich wohl auch einer Minderheit an…

  6. Hallo Gunter,

    ach, wenn es bei VW doch nur so gelaufen wäre, wie Du schreibst! Kreative Mitarbeiter wollten ihren Chef positiv überraschen mit tollen Ergebnissen beim Abgastest…
    Ich glaube das nicht. Ich denke, die Vorgaben der Chefs waren zu rigide und die alten, schon gefühlt ewig mächtigen alten Männer haben auch keine Widerrede geduldet. Ihr liefert das jetzt bis dann und dann und damit basta!

    Die Politiker, die die Umweltvorgaben machen, müssen ja keine Autos bauen aber die Chefs müssen welche verkaufen, verkaufen, verkaufen. Und der Kunde zahlt nicht jeden Preis. Die Technologie exisitert, aber sie kostet einen Haufen, und den will nicht jeder bezahlen und manche können es auch gar nicht. Sollen die aufs Auto verzichten müssen?

    Weder Herr Piech noch Herr Winterkorn sind übrigens als angenehme, mitarbeiterfreundliche Zeitgenossen bekannt. Jede Wette, die haben einfach nur Druck gemacht. Und sie haben die Macht, die Mitarbeiter rauszuwerfen, oder ganze Abrteilungen dichtzumachen. Vielleicht haben sie auch noch zu große Versprechnungen gemacht an die Politik, so in Etwa: Meine Tochter kann Stroh zu Gold spinnen. Und “unsere” Motoren verbrennen das (von Natur aus total dreckige) Diesel fast ohne Rußpartikel und Rückstände zum Nulltarif. Da liegt es doch nahe, anstatt wirklich saubere Autos zu bauen, die zu teuer werden, welche zu konstruieren, die nur beim Abgastest gut abschneiden.

    Und genau so wird auch in den Schulen und Unis gelernt. Hauptsache gute Noten im Test. Ob man wirklich etwas kann oder weiß, ist nicht wichtig.

    Die haben bei VW das mit den getürkten Testsübrigens schon vor einem Jahr gewusst und nix gemacht. Und nun tut man überrascht. Manchmal sind die Menschen eben schlecht aus Verzweiflung. Meistens weil andere schlechte Menschen ihnen schlechte Zeiten bereiten.

    Ich wäre gerne optimistischer, aber genau so, wie ich es hier schreibe, lief es ab.
    Sorry, Deine Grummel-Isy.

    1. VW Betriebsratschef Bernd Osterloh fordert als Konsequenz aus dem Skandal eine grundlegende Überholung der Unternehmenskultur. «Wir brauchen für die Zukunft ein Klima, in dem Probleme nicht versteckt, sondern offen an Vorgesetzte kommuniziert werden. Wir brauchen eine Kultur, in der man mit seinem Vorgesetzten um den besten Weg streiten kann und darf», fordert er in einem Schreiben an die VW-Mitarbeiter, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag.
      Hier wird doch zwischen den Zeilen zugegeben, daß das Duckmäusertum im VW-Konzern an der Tagesordnung ist. Widerspruch ist verboten. Es gilt die Meinung des Vorgesetzten, basta. Wer sich nicht „konform“ verhält muß mit Sanktionen rechnen. Da wird VW nicht das einzige Unternehmen sein?
      Wie überraschend!

    2. Stimmt. Zu 100%. Und ist bedauerlicherweise durch die Bank in fast allen Unternehmen jeglicher Größenordnung so. Gestritten wird nicht, nach “oben” wird grundsätzlich NUR positiv kommuniziert (ganz egal wie übel die Ergebnisse wirklich sind – man wird dann angeleitet “kreativ” mit den Zahlen und Fakten umzugehen) oder eben gekatzbuckelt. So entstehen dann z.B. mit viel Ressourceneinsatz absolut schwachsinnige Produkte, die das Marketing dann als “Revolution im Sinne des Kunden” verkaufen darf und die der Vertrieb mit Zielvorgaben belegt bekommt, die auch wieder nur mit viel Trickserei zu schaffen sind. Aber Hauptsache Wachstum.

      Es gibt ein simples kleines Wörtchen, welchem sich die komplette “westliche” Welt beständig unterordnet und dieses Wörtchen heisst “MEHR”!

  7. Hallo Herr Dueck,
    wie immer ein lesenswerter Artikel, allerdings kann ich einigen Pauschalisierungen diesmal nicht ganz zustimmen. Wenn ich an die Keirsey/Bates Persönlichkeitstypen denke, bin ich mir sicher, da gibt es einige, die Überraschungen lieben und brauchen. Denen wird es im Leben sonst einfach ganz schnell zu öde. Auf mich selber (INTJ) trifft das nicht zu. Ich finde mich in ihren Aussagen ganz klar wieder. Ich bin mir aber absolut sicher, dass es bei anderen Typen eben ganz anders ist.

    1. Die Typen, die Überraschungen mögen, gibt es natürlich, aber die haben dann auch überraschende Brüche in ihrer Karriere. Ich sage nur, dass es in professionellem Umfeld keine gute Idee ist zu überraschen.

        1. Also nun hat Herr Winterkorn ja seine Überraschung, die zu einem überraschenden Bruch in seiner Karriere geführt hat.
          Weniger überraschend wird sein, dass er es sicher schaffen wird mit einer überraschend kleinen Strafe belegt zu werden (er hat ja von Nichts gewußt!).
          Mal sehen wie sie im Vergleich zu Uli Höness oder anderen Personen des öffentlichen Lebens ausfallen wird.

    2. Wären wir glücklich, wenn unser Dasein aus einer permanenten Übereinstimmung des Ist- und des Sollzustandes bestände? Ich kann diese Frage, nur für mich, mit „Nein“ beantworten. Diesen Zustand fände ich langweilig, sinn- und leblos. Überraschungen, egal ob positiv oder negativ, haben mein Leben intensiver gemacht. Natürlich sind die negativen Erlebnisse schmerzvoll und man fragt sich: „Womit habe ich das verdient?“. Das führt ins dunkle Nichts, kann aber alle schönen Momente strahlender werden lassen. Der Kontrast wirkt wie ein Scheinwerfer, wenn wir es wollen.

      Sehr jung wurde ich Witwe. Ich dachte: „Was kann mir jetzt noch passieren? Was wichtig war wird nie mehr sein.“ Relativ angstfrei zog ich umher, obwohl niemand da war, der mir den Rücken stärkte. Dieses Jahr ging gründlich schief. Es ging alles verloren, worauf ich bis dahin gebaut hatte.

      Neuaufbau und Abriss wechselten immer wieder. Das ganze Leben ein Change Management-Prozess. Früher wäre es wohl mit „Tod, Neugeburt, Wandlung, Tod“ oder mit „Schlaf und Erwachen“ beschrieben worden. Dieser Rhythmus kann dazu führen alle Gefühle und die damit verbundenen Emotionen zu spüren. Auch die unangenehmen und ungeliebten. Doch genau dies macht Gefühlsreichtum aus. Ebenso bezahlt man für Angst- und Schmerzfreiheit einen teuren Preis.

      Vergleicht man das EEG eines gesunden mit dem eines kranken Menschen erkennt man schnell: Gesund heißt es gibt ständig Ausschläge. Krankheit erkennt man am langen Ausbleiben der Zacken. Diese ruhende Linie bedeutet für mich, dass kein Impuls da ist. Ein für manche Menschen anscheinend erstrebenswerter Zustand der zum Beispiel durch Alkohol ausgelöst werden kann. Eine positive Weiterentwicklung ist auf dieser Insel schwierig bis unmöglich.

      Erwartungsfrei heißt Sehnsuchtsfrei. Soll das der Weisheit letzter Schluss sein? Ständig in der eigenen Mitte und immer im Rahmen der Möglichkeiten bleiben als goldener Weg? Besinnlichkeit ist gut, aber ständig in ihr zu verharren? Nicht mit mir!

      Ohne Blitzeinschläge liegt es sich eine Zeitlang angenehm im Glassarg. Irgendwann jedoch entstehen Druckstellen. Natürlich kann man die Hoffnung pflegen >>der Prinz, oder die Prinzessin wird kommen um mich zu retten <<. Meist ist diese Methode wenig erfolgversprechend. Ganz
      davon abgesehen, dass diese Person nicht rettet, sondern erweckt. Sie rüttelt einen aus dem paradiesischen Schlummer und das kann ziemlich irritierend wirken. Bis zur Neusortierung des Weltbildes braucht man nicht mit Vergebung oder gar Dankbarkeit zu rechnen. Danach kann die Faszination des Gegensatzes wirken.

      Die Zielvorgaben für andere ins Unerreichbare zu erhöhen führt zu hausgemachtem Leid. Für das Gegenüber, aber auch für sich selbst. Wir verlassen unsere Alltagstrance, während wir die Lösung suchen und langsam steigert sich unsere Kraft. Wer sich selbst oder/und andere ausbeutet, verheizt sinnlos Energien. Die Leistungskurve schnellt hinauf und fällt so weit ab bis gar nicht mehr geht. Imperien entstehen – Imperien vergehen, wenn sie nicht in der Lage sind auf den Wandel zu reagieren.

      Egal, ob im Privatleben oder im Unternehmen – man bekommt Gesamtpakete geliefert, die ihre hellen und ihre dunklen Seiten haben. Dann kann man prima Seminare zur Optimierung anbieten. Nur, was nutzt das, wenn diejenigen Teilnehmer die sich anschließend genau entgegen gesetzt verhalten, befördert werden? Entsorgung durch Beförderung scheint noch in manchem Betrieb eine gängige Methode zu sein. Diese kurzfristige „Lösung“ sorgt zwar dafür, dass derjenige nicht mehr das schaffende Volk blockiert, aber dieser Akt setzt auch mehrere ungünstige Signale. Wäre da eine überraschende Wende des Musters nicht für das gesamte System hilfreich?

      Es mag im professionellen Umfeld unklug sein zu überraschen, wenn die Spitze ihren Dornröschenschlaf unbedingt weiterführen will. Doch es gibt vereinzelt auch Chefs die wieder belebt werden wollen. Wer es sich leisten kann, kann es versuchen.

  8. “Überraschungen lassen das Gehirn zucken, positiv wie negativ. Blitz durch den Körper! Es ist nun leider so, dass nach aller Erfahrung die negativen Überraschungen etwa fünfmal härter einschlagen als die positiven. Eine negative egalisiert fünf positive. Deshalb wird man durch Schaden so viel schneller und sicherer klüger als durch Nutzen.”

    und

    “Die Typen, die Überraschungen mögen, gibt es natürlich, aber die haben dann auch überraschende Brüche in ihrer Karriere. Ich sage nur, dass es in professionellem Umfeld keine gute Idee ist zu überraschen.”

    Schließe ich daraus, dass es für “professionelle Umfelder” weniger gut ist, klug zu werden?

    Womöglich aber für einen SELBST? Welche Motivation, welches WERDEN soll denn in jemanden wachsen, der nur MAUL HALTEN lernt über 50, 60 Jahre seines Lebens?

    1. Nein, falsch verstanden, es ist klug, dass Chefs die Mitarbeiter vorbereiten und Mitarbeiter die Chefs. “Expectation Management”. Wenn man als Chef in der Sitzung nach Mitteilungen “überrascht ist”, denken alle, man habe den Laden nicht im Griff. Sie sehen das doch in der Zeitung, wenn man einen Minister konfrontiert: “Aber einer von Ihren Leuten hat was anderes gesagt…” Dann staunt der Minister, lässt sich aufklären – und dann bekommt man was drauf. Sie können das Maul alle Zeit aufmachen, aber nicht ohne Kenntnis Ihres Chefs. Sie SOLLEN es DORT aufmachen, nicht irgendwo “hinterrücks” woanders.

      1. das stimmt, aber es handelt sich auch hier wieder einmal um den Versuch der Kreisquadratur – es sind Utopiesyndrome.
        Wenn die Hierarchie das nun partout nicht hören will, hat man die “Arschkarte”, obwohl man den Chef vorbereiten wollte (siehe wieder aktuelles VW-Beispiel).
        Es gab auch viele “Vorhersagen”, dass der Flüchtlingsstrom enorm zunehmen werde, aber das “Management” wollte das nicht hören/wissen. Nun sind alle plötzlich so überrascht!
        Da kann man Dieter Nuhr zitieren mit dem Spruch: Ja wie sollte ich denn wissen, dass man an der Kasse zahlen muß?
        Jedes Jahr sind in Deutschland (z.B. Bayern) die Massen überrascht, wenn am Winteranfang Schnee fällt und keiner Winterreifen aufgezogen hat (Zugegeben ist das z.B. in Heidelberg und an anderen Orten in Deutschland wohl kein Problem). Man könnte meinen da paart sich die Dummheit mit der Überraschung?!

  9. Herr Dueck, Sie haben einen Abrieb bekommen, weil Sie als Nachwuchsmanager nur 70% des Budgets ausgegeben haben – trotz detaillierter Jahresplanung auf Konzernebene im Vorjahr? Ich kann es nachvollziehen.

    Wer in einem Weltkonzern arbeitet und als Top-Manager viele Mitarbeiter führen muss, wünscht sich möglichst wenig Überraschungen seiner Untergeordneten.

    Alles soll seinen geregelten Weg gehen.

    In Konzernen gibt es aber immer wieder vorwitzige Untergeordnete.

    In den Jahresgesprächen wird diesen dann gerne gesagt: “The best surprise is no surprise.”

  10. Ich sitze in meinem Lieblingsrestaurant und bestelle ein Omelette, dann kommt ein Omelette surprise, kommt nicht gut. Bei mir nicht und beim Koch auch nicht. Also beide sind vom Entstandenen überrascht,beide unzufrieden. Bei dem Einen wurden -Vorgaben- nicht erfüllt, dem anderen war die Überraschung missglückt. Wenn dann beim -Surprise- noch eine unpassende Beilage dazu kommt, sage ich das war nicht bestellt. Dann kommt eine weitere Person in das Dilemma, meist der Kellner.
    Der kriegt es dann ab. Happy working

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.