DD295: Manageneering! (Juli 2017)

Share on twitter
Twitter
Share on facebook
Facebook
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING

Schon wieder muss ein neues Wort oder ein Neologismus her, hier eine Mischung aus Management und Engineering. Das Management führt, plant, überwacht und treibt an. Das Engineering führt aus. Die einen regieren, die anderen arbeiten.

Manageneering: Diese Welten müssen wohl besser zu halbwegs einer zusammengeführt werden. Es liegt an den Möglichkeiten der IT und des Internet of Everything und an den aufkommenden Strukturen der Industrie 4.0. Alles wird vernetzt sein!

Heute aber gibt es IT für das Management (Rechnungswesen, Personal, Planung, Einkauf, Logistik), IT zur Kommunikation (Kollaboration, Mail, Kalender) und die Welt der programmierbaren Maschinen und Roboter in der Produktion. Die werden wohl zusammenwachsen?! Schauen Sie vielleicht einmal in den Wikipedia-Eintrag zu „SAP ERP“, dann sehen Sie, dass sich die SAP-Seite eher mit allem befasst, was irgendwie mit „Verbuchen rund um Ressourcen“ zu tun hat, also mit der kaufmännisch-logistischen Seite des Unternehmens. Die Software der Roboter und der Anlagen bildet eine eigene Welt. Dort wird bald die Künstliche Intelligenz einziehen, das Cognitive Computing, die Selbstoptimierung der Prozesse.

Wie werden die Welten zusammenwirken? Was passiert, wenn die Produktionssoftware die optimalen Reihenfolgen oder Termine selbstständig festlegt und wenn dann ein Top-Manager Sparmaßnahmen ins SAP diktiert oder einem Kunden einen Vorzugstermin verspricht? Da greift dann nicht nur die optimierende Mathematik in die Produktion ein, sondern auch politisch von oben Gewolltes und Kundenkritisches sowieso. Da protestieren die knurrenden Ingenieure und tun fluchend wie geheißen

(„das bringt alles durcheinander, so ein A….“). Lässt sich Produktionssoftware Politik gefallen? „Diese befohlene Änderung kostet zwei Millionen Schaden, bitte unterschreiben Sie hier mit Ihrem Blut und Ihrem Fingerabdruck für die Anordnung von technischem Unsinn, wir können auch schon einen Kostenvoranschlag für Ihre Bonuszahlungen schicken.“

So viele Managemententscheidungen lassen uns ja bekanntlich den Kopf schütteln. Es ist „unten“ oft von Totsparen, Ausbeuten, Auspressen die Rede. Was sagen die Algorithmen?

Ich habe in den 90er Jahren Abläufe in Firmen optimiert. Manche unserer Kunden lachten, wenn wir ihnen die optimale mathematische Lösung präsentierten; denn ihre jetzige Lösung war einige Prozent besser als das Optimum! Wir gingen diesem Widerspruch nach und fanden jedes Mal heraus, dass irgendwo „getrickst“ wurde, vom Management oder von den Ingenieuren. Das geht in der neuen Zeit nicht mehr so wirklich, oder höchstens vielleicht bei Abgasen, wenn sich alle einig sind. Man überlud Lastwagen beim Losfahren, löste manches Problem durch unbezahlte Überstunden, fuhr mit Tankwagen in der Sonne herum, damit sich das Benzin ausdehnte. Die Disponenten verteilten Aufträge heimlich an nettere Menschen. Etc. Heute erzeugt alles eine Datenspur, alles wird transparent! Alles wird Teil einer riesigen IT 4.0, die ein Unternehmen steuert.

Die muss jetzt langsam entstehen. Aber wie? Die IT-Abteilungen sind für Mails und SAP zuständig und sollen Kosten sparen. Die Ingenieure hassen die IT, weil die öfter ausfällt, was bei der Produktion graue Haare erzeugt – schon der Gedanke an Informatiker unter Ingenieuren lässt schaudern. Was, wenn die Roboter gehackt werden? Welche Aufgaben haben nun IT, Produktion und Management in dem Geflecht 4.0? Optimieren Algorithmen die unternehmerischen Entscheidungen? Verliert das Management an Macht? Wie sieht ein Unternehmen demnächst aus?

Der modulare Aufbau jeder ERP-Software entspricht heute der in vielen Unternehmen üblichen Organisationsstruktur. Klar! Wenn sich aber alles ineinander neu integriert – lässt sich das SAP denn so umdesignen, dass man es nicht neu schreiben muss? Oh, das alles sieht nach ziemlich vielen Geburtswehen 4.0 aus. Die müssen nicht schlimm sein, aber es wäre wenigstens schön, wenn man sich heute gedanklich auf eine Geburt und danach auf ein neues Kind gefasst machen würde.

„Das neue Kind 4.0 muss gewickelt werden und schläft nicht durch? Oh, dann lieber nicht.“

 

Share on twitter
Twitter
Share on facebook
Facebook
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING

5 Antworten

  1. Schwarmdumm lässt grüßen. 🙂
    Ob diese Veränderungen gegen sozialen Kontext verstoßen oder nicht sie werden kommen.
    Wir sind dann halt nur Sklaven einer neuen Ordnung. Da ist immerhin etwas gutes an der Herrschaft von Zahlen und Tabellen, sie zwingen mich zum richtigem handeln.
    Das ist kein Fatalismus, sondern fußt auf der Annahme, dass ich mich nur persönlich in Schritten entwickeln kann, die von einem Raster von außen nicht vorgegeben werden können.
    Ich kann den Job (Meine Persönlichkeit erfüllt die Anforderungen.) oder nicht.
    Kann mich also nur als Person entwickeln und einen Platz finden an dem ich wirksam bin.
    Mehr Zeit, mehr Entwicklung also mehr Möglichkeiten. Im besten Falle.

  2. Der Artikel ist gut, bleibt aber auf der Ebene der technischen Phänomenologie. Es ist die fehlende oder dysfunktionale Kommunikation direkt zwischen den Silos. Sie legt die Basis für die schleppende oder misslungene Integration von technischen Funktionalitäten zwischen den Silos.
    Die Silos wurden erzeugt, um im Rahmen der Industrialisierung eine höhere Effektivität (“doing things right”) der Einzelschritte zu bewirken, heute geht es aber um Effektivität (“doing the right thing”). In den Silos entstanden Subkulturen mit eigenständigen Glaubensgrundsätzen, die Verständigung sehr schwierig machen. Diese Fragmentierung findet sich schon länger zwischen den einzelnen Disziplinen in einem Rechenzentrum. Die Netzwerker glauben an “Stabilität” ihrer Netzwerke, Applikationsentwickler an “Flexibilität” ihrer Applikationen. Seit die Netzwerke (durch das Design-Paradigma “mIcro-services”) zum Nervensystem der Applikationen wurden gibt es dort einen permanenten “clash of cultures”.
    Um diesen aufzulösen muss sich der Diskurs auf die Ebene der Kulturen (konzentrisch: core beliefs / values / norms / artefacts) verlagern, so dass ein wechselseitiges Verständnis entsteht, WELCHE Kulturen WARUM in den jeweiligen Silos regieren. Dann können die unterschiedlichen Kulturen wertschöpfend miteinander verbunden werden.
    Die Kommunikation zwischen den Silos muss sich verlagern von den Implementationsdiskussionen (im Mediations-Deutsch: Positionen) zu Funktionsdiskussionen (im Mediations-Deutsch: Intentionen). Um das zu erreichen bedarf es zum einen eines Skill-Overlaps zwischen den Silos, damit Kommunikation auf Architekturlevel möglich wird und zum anderen dem Verständnis, wie man unterschiedliche Kulturen nutzt um Dilemmas zu nutzen statt 50/50 Kompromisse zu verhandeln.

    Literaturliste:
    Kulturen / Dilemmas / Value Creation: “Riding the Waves of Culture” (Fons Trompenaars)
    VUCA / Scaling Structures / horizontal communication: “Team of Teams” (General McChrystal)

    Auf der VMworld in Barcelona halte ich einen Talk unter anderem genau darüber.
    Es wird höchste Zeit.

  3. Der Service, das Arbeitsergebnis wird so beweglich wie das Geld selbst.

    Ein Link auf das Arbeitsergebnis ersetzt das erleben wie das Arbeitsergebnis durch Menschen und einen Prozess überhaupt zustande kommt.

    Das bedeutet tendenziell mehr Entfremdung und Abhängigkeit des Konsumenten.
    Er kann das (noch mehr) nicht selbst machen, aber das scheint allgemein erwünscht zu sein, das ist eine Versuchung. Ohne das ist er fasst lebensunfähig oder fällt zurück in die Steinzeit, heute verbaut durch Neuzeit-Produkte und überbevölkert. Ach, Lassen wir dem Menschen seinen Tatendrang, allemal besser als Däumchendrehen.

    Das sind ja tolle Aussichten…

    Manager-eer ist nur noch der Kunde (der mit komplexen Maschinen kommuniziert um Produkte zu bestellen und Dienstleistungen zu erhalten) oder der Lieferant. Und der Provider versucht das Risiko des Produkts bzw. der Dienstleistung gleichsam auf diese beiden Gruppen abzuwälzen, er ist nur noch Vermittler – solange sich nur ein Lieferant und Kunde findet, der das Risiko zu diesen Konditionen eingeht, dann wird losgelegt…

    Diese AI-Kommunikation kann der Manager-eer (Endkunde und Integrator) kaum noch von der mit echten Menschen unterscheiden, nur die AI ist freundlicher aber auch penetranter als jeder Mensch! Geduldig fragt der Roboter bis die Daten komplett sind und die Kommunikation gesichert ist, vollständig und für “Es” nur dann “Sinn” machen, egal was bei raus kommt. Renn!

    In der Dienstleistungs-Firma gibt es nur noch die wenigen, die AI (gemäß Führungsvorgabe, Kapitalentscheidung) einkaufen, mieten, konfigurieren und keinerlei Einfacharbeit mehr, denn konfigurierbare Standardprodukte oder Dienstleistung liefert die AI zeitnah selbst.

    Der, der AI liefert und integriert hat sicherlich eine Mammutaufgabe zu erledigen und benötigt viel stabile und sichere und performante (virtualisierte) Infrastruktur (und “Apps” – zur galanten Service-Compositions-Lösung) – trägt großes Risiko oder kann das Risiko gar nicht mehr wirklich übersehen, so schließt er es aus oder wälzt es möglichst ab, “Nutzung auf eigene Gefahr und Freifahrtschein für die App-Analyse des persönlichen Cloud-Verhaltens und User-Daten” zwecks gezielter Werbung, die Informationsblase lässt grüßen.

    Anders als früher ist nur die Reichweite und das Tempo…

    Und schon lange sind wir auf der Suche nach einer redundanten Lösung, einer Erde-2, -3, -4… anscheinend muss das so sein ;-). Migrate earth? Da kann aber einiges schiefgehen, uuups. Ich denke an die Darwin Awards.

    Sinn Machtsystem AI (Systemmacht): da könnte man noch so einiges drüber erzählen/sinnieren und z.B. gucken wie sich Menschenrechte und Robotergesetze zueinander verhalten… ein andermal.

  4. Ich denke nicht, dass es zu einer radikalen Umgestaltung von SAP kommen wird. Da der Need jedoch vorhanden ist werden Startups mehr und mehr Ingenieursprozesse aus den Excel-Tabellen herauskitzeln und in einheitliche Systeme verlagern, die man wiederum mit SAP verknüpfen kann.
    Bleibt nur noch die Frage ob die “großen Firmen” denn in der Lage sind schnell genug das Potential zu erkennen und bei diesen Startups (wie auch dem meinigen) sich einzudecken. Oder muss erst ein Elon kommen, der das Geschäftsmodell der Großen in Frage stellt, bevor diese umdenken?

  5. Hallo Herr von Wallenberg,
    können sie das auch genial einfach? Würde mich schon interessieren, was sie zu sagen haben.
    Ist mir sprachlich aber zu sperrig. Ich empfinde ihren Beitrag, als technologischer, als ich den DD angelegt sehe.
    Vielleicht möchten sie es für mich ein bisschen aufbereiten.

    ASCII
    braucht ja nicht viel Platz.

    Danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.