DD357: Verrechtlichung statt Ethik und Vertrauen

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16 Antworten

  1. Peter Krauss sagt:

    Die Kritik an Unternehmen/Behörden gibt halt nur die halbe Wahrheit wieder. Eigenverantwortung wird immer weniger wichtiger, egal, was passiert, es wird nach einer/m Schuldigen gesucht. Egal ob die Note 6 in einer Klausur nicht richtig begründet wurde, einer sich an den genannten französischen Spezialitäten den Magen verdirbt oder der seit 100 Jahren offene Feuerwehrteich nicht richtig abgesichert wurde – irgend jemand anders muss die Verantwortung tragen. Und dann wird geklagt. Und dann sichern sich alle gegen alles ab. Diese Entwicklung verursachen schon wir alle.

  2. „Geht nicht, es ist Gesetz. Wir dürfen nicht vertrauen. Sie dürfen nicht vertrauen.“

    Wie sagt man: jede neue Regelung lässt bestehende Regellücken umso gefährlicher erscheinen. Manche dieser Beispiele sind sicherlich absurd, und Ihre Formulierung bzgl. Vertrauen entlarvt die Regelexzesse.

    Vielen Dank! Werde ich mir so merken und zitieren.

  3. Rudolf Quetting sagt:

    Wer heute im Baumarkt einen Hammer kauft, bekommt im Blister eine umfangreiche Ableitung dazu, die in mindestens 7 Sprachen darauf hinweist, das das Hauen mit dem Hammer auf die Fingerkuppe u.U. ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen könnte, die In Kombination mit einer Starrkrampfinfektion bis zum hin zum Tode führen könnte. Außerdem dürften Kinder unter 14 Jahren und geistig Behinderte das Gerät nur nach sachkundiger Anweisung und unter Aufsicht eines geschulten Erwachsenen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und nur nichtkommerziell betreiben. Jeder Gebrauch des Gegenstandes, der diese Vorgaben nicht berücksichtige sei als nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch, der in jedem Falle jede Produkthaftung des Händlers und/oder des Herstellers von vorne herein kategorisch nach dem Pilstus-Prinzip ausschließe. Eine Prozessbeschreibung im eigentlichen Sinn findet kaum noch in einer Bedienungsanleitung. Welcher Kaufmann mit BWL Bachelor will heute noch das Risiko der Haftung für einen Fehler eingehen. Bei dieser Denkweise hätte Max Planck nie vom Saulus zum Paulus der Teilchenphysik werden können.

    • A. Irmak sagt:

      Warum soll Max Planck ein Saulus der Teilchenphysik gewesen sein?

      Für die Annahme, dass in einem schwarzen Strahler die Energie gequantelt abgegeben wird, sprach zunächst nichts weiter, als dass er damit eine Strahlungsformel herleiten konnte, die die spektrale Intensität in Abhängigkeit von der Wellenlänge der Schwarzkörperstrahlung korrekt wiedergegeben hat.

      Es ist doch absolut verständlich, dass man sich zunächst äußerst vorsichtig äußerst, ja, sich selber und seinen Schlussfolgerungen misstraut, als mal so eben zu behaupten, dass die mikroskopische Welt einem fundamental anderem Naturgesetz gehorcht, zumal wenn es keine anderen experimentellen Hinweise darauf gibt, dass es sich so verhalten könnte.

      Diese Experimente wurden erst später durchgeführt. Deswegen hat er seinen Rechentrick auch vorsichtig „Quantenhypothese“ genannt.

      Die Teilchenphysik, also die Physik der Elementarteilchen, nahm erst nach dem 2. Weltkrieg richtig an Fahrt auf. Mit der Entwicklung des Standardmodells in den 1960er Jahren hatte Planck nichts mehr zu tun.

  4. Jo Ernst sagt:

    Ja und Nein. Es stimmt, zum Teil sind wir selbst Verursacher dieser Misere, da immer mehr (rechtschutzversicherte) den Gang zur Justiz wahrnehmen und isch einen Vorteil erschleichen wollen. Das Prinzip, wenn ich einen Fehler gemacht habe, dann suche ichmir einen Schuldigen, ist ziemlich typisch deutsch. Aber warum kommt man damit durch? Weil Winkeladvokaten auf Richter stoßen, die mangels Eiern in der Hose solch ein Treiben zulassen. Die Versicherungen machen mit und das Risiko für den Kläger ist in Höhe der Selbstbeteiligung, wenn es denn überhaupt eine gibt.
    Das Problem ist die Justiz. Beispiel Dieselskandal VW: Nun bekommen zigtausende Geld für einen nicht vorhandenen Schaden, nur weil Sie sich einem geschäftemachenden Anwalt angeschlossen haben, und mit dem Geld kaufen sie sich dann wieder einen Diesel, von VW. Und die treuen Fahrer der betrügerischen Marken, die nicht geklagt haben, schauen ins Leere. neid, Mißgunst, der eigene Vorteil, das steht heute im Vordergrund. Vertrauen, Partnerschaft, Aufrichtigkeit, Respekt, alles Werte von vorgestern. Nur: eine Gesellschaft wie von DD beschrieben kann als Gesellschaft nicht funktionieren. Bei MEnschen menschelt es. Das war immer so und das bleibt immer so. Egal wieviele ISOs und Compliancevorschriften noch erfunden werden. Wann kapieren wir das?

    • Rudolf Quetting sagt:

      Nein, so stimmt das wirklich nicht. Nicht alles Schlechte hat seinen Ursprung in Good Old Germany. Wir verspüren zwar immer den unwiderstehlichen Drang dazu, den Staub vor der eigenen Haustür immer genau dann aufzuwirbeln, wenn gerade mal gar keiner da ist. Aber die Haftung des Mikrowellenherstellers für den Tod darin nach dem Waschen in der Waschmaschine getrockneter Kaninchen ist über den großen Teich geschwappt. Und anders als im deutschen Rechtssystem, können dort die grossen Kanzleien damit richtig Knete machen.

  5. MaLuMe sagt:

    Gut erkannt und doch nur die „Spitze vom Eisberg“.
    Die funktionierende „Fabrik“ lässt grüßen, meint Goerge Orrwell. Oder ist es der gewünschte „Abbau der Menschlichkeit“, was sich einreiht? Und, die Mehrheit der Herde spielt mit. –
    Es war mal tatsächlich anders. Die Ausnahmen wurden zur Regel und die Regel zur Ausnahme. Die einen fraß die schleichende Gewohnheit oder die eingefädelte Gewöhnung, da sie es eh nicht anders kennen. Dem geringeren Anteil – falls sie noch leben – ist die Vergangenheit bewußt oder auch nicht. Wenn sie nicht ebenso der Gewohnheit erlagen, spitzt da als mal etwas durch. Courage lässt sprechen, Feigheit verdreht oder schiebt unter den Teppich.
    „Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens!“ —

  6. Rudolf Quetting sagt:

    Nachtrag:
    Auch bei der inflationären Ausbreitung von Umfragen zur sogenannten „Service-Umfragen“ steht offenbar das Pilatus-Prinzip im Vordergrund. Gibt es keine 5 Sterne, dann muss wohl ein Mitarbeiter Schuld gewesen sein. Und so erschöpft sich die „Serviceverbesserung“ – wenn überhaupt – im Austausch desjenigen, der sich nicht schnell genug wegduckt. Meist geschieht jedoch eher gar nichts, denn die Umfrage wurde vorsichtshalber gleich outgesourced. Was bleibt ist die trügerische Überzeugung, man hätte alles richtig gemacht.

  7. Heinz sagt:

    Wer trägt die Verantwortung wenn in Corona Zeiten ein Fussballspiel abgesagt werden muss, aber keiner die Zeche zahlen will? Deswegen wird gespielt. Es kommt auch von uns, die wir das Ticket ersetzt bekommen wollen weil wir auf unsere Leistung pochen, auch wenn der Andere es ja im Sinne der Gemeinschaft absagen würde.
    Fassen wir uns mal an die eigene Nase, aber bitte nur im Geiste zu dieser Zeit.
    Bist du bereit deine Reise nach Venedig abzusagen und zumindest einen guten Teil davon zu bezahlen? Der Hotelier kann ja auch nichts dafür!

  8. Uwe Pilgram sagt:

    Die Beschreibung der Situation ist sicher eher noch geschönt.

    Aber warum werden wir immer mehr von „unseren“ Politikern eingezäunt? Anscheinend gibt es von den Wählern keine Gegenwehr. Offensichtlich nehmen weder Parteien noch Wähler dieses Thema ernst. Vieles wird als Bürokratie auf die Seite geschoben und einem Entbürokatisierungsbeauftragten zur Lagerung auf der langen Bank übergeben. Selbst die ganz konkrete Aussicht, dass wir alsbald nach der Vollendung der Energiewende nicht mal mehr entscheiden können, wann wir Wäsche waschen oder Kochen wollen, scheint jemanden zu stören.

    Was läuft da schief?

  9. Volker Nitsche sagt:

    Ich finde, das Handelsblatt hat recht: Alle, die die DDs lesen, sollten versuchen, nicht nur immer wieder dieselben Probleme und Fehlentwicklungen zu beschreiben, sondern überlegen und diskutieren, warum es soweit gekommen ist und wie man die Dinge, die wir bemängeln, wieder ändern kann.

    Beispielsweise wurden die Grundsätze unserer Gesellschaft vor gut 70 Jahren festgelegt (Föderalismus, Parteiensystem, Gewalten(ver)teilung etc.) und seitdem meiner Meinung nach nur minimal angepasst. Seitdem hat sich die Welt x-mal um sich selbst gedreht, aber wir lassen alles beim Alten. Kein Wunder, dass das nicht mehr funktioniert.
    Aber wie geht es besser?
    Das weiß ich auch nicht so spontan (abgesehen von mehr und besserer Bildung, aber die ist ja vor allem notleidend), aber wenn alle klugen Köpfe, voran Gunter Dueck, darüber nachdenken, kommen garantiert sehr gute Ideen dabei heraus.

  10. Ute Fürst sagt:

    Lieber Herr Dueck,

    Mein Spruch war immer „Gesetze sind dazu da um umgangen zu werden.“

    Hervorragender Artikel von ihnen.

    Wir sind ein Volk der „Hosen-Schisser.“
    Diese Obrigkeits-Gehörigkeit ist unerträglich.

    Meine Devise- erkennen und einfach machen.

    Es geht noch viel, wenn man dieses Theater durchschaut hat.

    Lese gerne bei Herrn Ludwig auf der Seite, der den Blog „Fassadenkratzer“ betreibt.
    Das Verhängnis der politischen Parteien
    Keine Volksvertreter

    Die von den Parteien gestellten Abgeordneten sind keine Volks-, sondern Parteivertreter, deren partikulare Interessen sie im Parlament wahrnehmen. Sie verschleiern das natürlich gerne, indem sie als „Volksvertreter“ ausgegeben werden. Doch das geflügelte Wort „Wer glaubt, dass Volksvertreter das Volk vertreten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten“ drückt schon in sarkastisch- bitterer Weise den wahren Sachverhalt aus. Nach Art.38 des Grundgesetzes sind die Abgeordneten des Deutschen Bundestages zwar „Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“. Das ist aber, seitdem die Abgeordneten ausschließlich von den Parteien gestellt werden, eine Fiktion, die sie zur Täuschung und Vernebelung der Wähler vor sich hertragen.
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/11/18/das-verhaengnis-der-politischen-parteien/

  11. K.-F. Rauterberg sagt:

    Im Sinne von:
    „In seiner grundlegendsten Form bezeichnet „Vertrauen“ einen psychischen
    Zustand, der sich auf ein Gegenüber bezieht und Erwartungen an dessen
    (künftiges) Verhalten formuliert“
    und
    “ Wer einer anderen Person vertraut, der verlässt sich darauf, dass sich
    diese entweder so verhalten wird, wie es vereinbart worden ist, oder wie
    es den (berechtigten) Erwartungen der vertrauenden Person entspricht“
    vertraue ich im vollem Umfang auf genau das oben beschriebene Verhalten.
    Ethik und Moral verschieben sich, und wir alle lassen das zu und „schieben“ kräftig mit.
    (auch mal nachlesen was Moral und Ethik denn so bedeutet).
    Muss es denn zwingend die Bregenwurst aus Göttingen sein und nicht die Wurst vom Schlachter um die Ecke?
    Ist doch eh Wurst.

  12. Gudrun Voigt sagt:

    >Die Unternehmen sind nun gezwungen, sich gegen Betrug und Korruption gehörig zu panzern, aber man hört oft, dass sie nun solche Dinge wie schwarze Kassen an kleine GmbHs outsourcen können, die sofort geschlossen werden, wenn dort etwas bekannt wird.< Meinen sie da die Töchter Firmen, die ganz profissionell an die Wand gefahren werden. Um die Kleptomanie mit Kleptokratie zu übertünchen, damit das Sauber aussieht.

  13. Benjamin Kumpfe sagt:

    Durch die Bank zutreffend!
    Diese safe-your-ass Mentalität ist leider zum daily business geworden. Die Wörter „Vertrauen“ , „Gentlemen Agreement“ , „Verbindlichkeit“ und vor allem „Lösungsorientierung“ wurden ausnahmslos aus dem Duden der Management-Floskeln gestrichen. Die Kunst des Gesunden Abwägens ist ausgestorben.
    Zu welchen Kosten (Nerven / Zeit / EUR) dies zelebriert wird, wird gekonnt auf allen Ebenen ignoriert.

    Interessant fände ich über Ihren Ansatz zu lesen, wie man dieser Spirale entkommen kann.

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