DD235: Das Gesetz der kleinen Zahl oder wie man Unverantwortlichkeit als Gerechtigkeit verkauft (März 2015)

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17 Antworten

  1. Gerhard sagt:

    „Nur Mitarbeiter arbeiten unter Schimpfen besser“: Das glaube ich nicht. Aber es kann schon so sein, daß man als Maßnahme flächendeckend Mitarbeiter bestraft, in der Annahme, daß das Leistungssteigerung auf breiter Front generiert. Das ist dann aber eher ein „Herdenprinzip“.

  2. Jakob sagt:

    Beides so schon erlebt, sowohl in der Uni als auch im Job. In letzterem allerdings andersherum. Beim Mitarbeitergespräch hieß es:
    „Du hast zwar deine Ziele übererfüllt, aber ich kann dir nicht 100% der Leistungszulage geben. Viele Kollegen sind schon bei über 100% und ich muss mich an den Durchschnitt halten!“

  3. Rainer Wetekam sagt:

    Schön … Sarkasmus pur. Da fragt man sich doch immer wieder gerne, warum sind Managergehälter höher, wenn sie im Endeffekt bei vielen Sachen genauso dumm oder gar noch dümmer agieren als ihre Mitarbeiter. Eigentlich müsste man sagen: Manager ist ein Job wie jeder andere: man muss halt gute Leistungen bringen, dann bekommt man gutes Gehalt, schlechte Leistung -> wenig Gehalt. Das eingesparte Geld könnte man dann den gut arbeitenden Erzieherinnen, Lehrern, Altenpflegern, etc. geben, die anderen bekommen ja jetzt auch schon wenig Gehalt …

  4. Joachim Schnurrer sagt:

    So ganz spontan scheint es im Profifußball anders zu sein. Da entlässt man den Trainer bei schlechten Mannschaftsleistungen und, oft, wie durch ein Wunder spielt die Mannschaft mit neuem Trainer auf einmal super (aktuell bei Werder Bremen zu sehen).

    Überträgt man diese Systematik nun in den allgemeinen Geschäftsbetrieb, …

    Nun ja, das Beispiel hinkt eben zu sehr.

  5. Felix sagt:

    Ach nee, Gauss wird an seine Glocke gehängt. Heul doch! … Was für ein böses böses Luxusproblem! Warum erhöhen sich dann alle Manager das Gehalt weit überdurchschnittlich? Weil’s geht!! Ach ja, sie ziehen’s unten wieder ab – Gaussglocke ganz schief, aber gerettet.

  6. Alexander sagt:

    Irgendwoher kenne ich das System. Ich durfte es ertragen und anwenden. Ich kann echt behaupten es genau zu kennen. Die Folgen für die Mitarbeiter ist Frust aus ungerechter Behandlungen, für den gerechten Mangager ein schlechtes Gewissen gegenüber seinen Mitarbeitern. Insgesamt leidet das Betriebsklima.
    Aber am meisten leiden diejenigen, die versuchen über Mehrleistung zu einer besseren Beurteilung zu kommen aber auf Grund der Normalverteilung keine Chance haben. Stressfrei leben erstmal die „Faulen“. Für diese hat man dann aber das Performance Management erfunden. Wo man dann nach dem Schneewitchenchen Verfahren vorgeht.
    Die Guten ins Töpfchen die schlechten ins Kröpfchen.
    Sortiert man auf diese Weise alle „Faulen“ aus hat man am Ende die Besten übrig. Um dann der Normalverteilung zu genügen bekommen beide eine mittlere Beurteilung oder der eine die beste und der andere die schlechteste Beurteilung. Damit ist die Ungerechtigkeit transparent.

  7. schnablo sagt:

    Das ist ja alles überaus bedauerlich, aber die Pseudo-Mathematik hier macht es auch nicht besser.

  8. Justin sagt:

    Laut Spieltheorie wird das für alle Beteiligten bestmögliche Ergebnis erreicht, wenn das Mittelmaß bevorzugt wird. Vom Outcome her gedacht, ein halbwegs funktionstüchtiger Betrieb mit mittelmäßigen Beschäftigten, die aber zufrieden sind, bringt mehr ein, weil er weniger Kosten verursacht (geringerer Krankenstand, besseres Betriebsklima, sanfte Betriebsräte usw.)

  9. udo saß sagt:

    Natürlich hat das System. Nur welches Ziel dieses System genau hat, erkenne ich noch nicht und auch nicht wer oder was genau dahintersteht. Es ist doch ein Irrsinn wenn ich als Arbeitgeber von Arbeitsgerichten gezwungen werde, Mitarbeitern ein Zeugnis auszustellen, denen sie absolut nicht entsprechen. Alles muss wenigstens im oberen Mittelmaß bleiben.
    Wie eine Freundin sagt die einige Jahre für einem Meinungsforschungsinstitut verschiedenste Menschen zu den unterschiedlichsten Themen befragt hat: Diesen Job kann ich unmöglich länger aushalten, mehr als 90% der Befragten sind einfach nur b…. und dabei ist es egal ob sie einen Doktor vor dem Namen haben oder nicht.
    Deckt sich mit meinen Beobachtungen.

  10. Und dann wird gerne vergessen, dass das Gesetz der großen Zahl nur bei unabhängigen Ereignissen, wie beim Würfeln, gilt. Die Leistungen von Menschen in einem Team sehe ich eher als voneinander abhängig an. Also weg mit diesem Gesetz, da es nur auf die tote Welt anwendbar ist.

    Denkerische Grüße,
    Conny Dethloff

  11. Wenn zwei oder mehr Menschen sich zusammentun, bildet sich ein System. Automatisch. Anfangs bestimmen noch die Beteiligten Inhalt und Ausrichtung des Systems, sowie seine Regeln und deren Einhaltung.
    Was die Menschen aber nicht wissen: Das System wächst heran und bildet eine Art eigene „Persönlichkeit“. Es entwickelt sich quasi ein ganz eigenständiger, aber unsichtbarer Beteiligter, der immer größer, stärker, mächtiger und unabhängiger wird. Und dieser unsichtbare Beteiligte hat ganz eigene Interessen. Sein wichtigstes und größtes Interesse ist sein Selbsterhalt!
    So gestaltet „das System“ als graue Eminenz im Hingergrund nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Beteiligten. Da aber keiner um die Existenz dieses unsichtbar wirkenden „Dritten“ weiß, denken und fühlen alle Beteiligten, sie würden nach wie vor wesentlichen Einfluss ausüben und dass die Erhaltung dieses von ihnen geschaffenen und unterhaltenen und eigentlich auch für gut befundenen Systems „alternativlos“ sei.
    Daraus entsteht dann die prekäre Situation, dass die Menschen dem System dienen, was wir ja allenthalben in der Welt, vor unserer eigenen Haustür oder in unserem eigenen System Familie sehr intensiv beobachten können und nicht umgekehrt, dass das System dem Menschen dient, so wie es ja ursprünglich mal gedacht war.
    Zum Infragestellen und Ändern eines Systems braucht es Dissidenten (sich auseinandersetzende, sich absetzende, widerstrebende), System-Kritiker im besten Sinne, damit wieder deutlich wird, wer eigentlich für wen da ist.
    Sie, Herr Dueck, sind für mich ein solcher Dissident.

  12. Markus sagt:

    Ich habe das mit Interesse gelesen.
    Auch den Sarkasmus verstanden. Bin sogar der gleichen Meinung.
    Und jetzt?

  13. Ulrich sagt:

    Habe mich immer gewundert Jahr für Jahr immer die gleiche (schlechte) Note bei den Klassenarbeiten in Deutsch zu bekommen. Bis mir klar wurde, warum ! Ich war „Referenz“ Schüler, d.h. die Arbeiten ausgewählter Schüler wurden festen Noten zugeordnet und die übrigen Arbeiten dann einsortiert ! Ergibt das Ergebnis gerechte Noten und eine Normalverteilung ?

  14. Andrea sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel.

    Den Fokus der Schulleitung und auch der Eltern auf die Normalverteilung kann ich genau so bestätigen. Die einfachen Lehrer sind hier aber Opfer des Systems: Gibt man in schwachen Kursen Noten, die die Schüler verdienen, hat man in dreierlei Hinsicht Ärger. 1. Man muss eine Klausur wiederholen; 2. Man hat Theater mit den Eltern; 3. Man hat Theater mit der Schulleitung. Folglich gibt man einfach gute Noten.

    Das ist erbärmlich und der Grund des Übels sind letztendlich die 5% Eltern leistungsschwacher Schüler, die am lautesten schreien. Diese werden von der SL erhört. Eltern leistungsstarker Schüler oder Eltern die zufrieden sind, schreien ja nicht: „Toll!“, sondern sind einfach still.

    In der Schule hat man also bereits seit mehreren Jahren das Problem der Minderheitenregierung durch Eltern und die Rückgratlosigkeit inkompetenter Schulleitungen, die es allen Recht machen wollen (nur eben dem Kollegium nicht -> Außenwirkung).

    Ich bin Lehrerin an einem Gymnasium u.A. für das Fach Mathematik.

  15. Jörg Debus sagt:

    Vielleicht sollte man einfach Gauß-Verteilung sagen. Dann wäre der Aufhänger „Normal“ weg. Worte zu ändern ist ein funktionierendes Werkzeug des Mind-Engineerings. Kann man übrigens auch im Internet sehen: Das gute, alte „Share“ = „Gemeinsam nutzen“ als Aufforderung, seine Meinung anderen mitzuteilen, wird seit der Staatsschuldenkrise plötzlich übersetzt mit „Teilen“ = „Etwas abgeben“ übersetzt. Honi soit qi mal y pense.

  1. 15. März 2015

    […] Das Gesetz der kleinen Zahl oder wie man Unverantwortlichkeit als Gerechtigkeit verkauft: […]

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