Das systemische Versagen in der ersten Millisekunde

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18 Antworten

  1. Frank von der Heyde sagt:

    Guten Tag Herr Dueck,
    eine wirklich zutreffende Beschreibung des mittlerweile auch in den öffentlichen Verwaltungen ziemlich verbreiteten Berater(un)wesens.
    Darüber hinaus hätte ich auch einen Vorschlag zur praktischen Nutzanwendung –> Daseinsvorsorge für die gesamte Menschheit, also die Welt retten und den Menschen auf einem erträglichen Niveau die Grundbedürfnisse sichern.
    Schöne Grüße

    • Gunter Dueck sagt:

      Ach nein…erstens habe ich einen Vorschlag gemacht – nämlich das „Teilen“ des Problems am Anfang zu unterlassen (diesen Fehler machen zB Musk/Gates/Bezos nicht), zweitens ist es seltsam, dass Sie auf einen Einwurf hin, dass sich die Leute es zu einfach machen, einen Zweizeiler zur Weltrettung wollen. So einen gibt es natürlich. „Liebe den Nächsten wie dich selbst“ oder „Lass ab von Hass, Gier und Verblendung“ oder „Widme dein Leben der Annäherung an die Idee des Guten“. Das funktioniert auch, aber eben nur, „wenn alle mitziehen“… etc.

  2. Lieber Herr Dueck,
    Jetzt schenken Sie es dem beratenden Berufstand aber ordentlich ein, und dann noch auf die sympathischen Systemiker. Da ich mich auch zu diesem zähle, muss ich offen zugeben, dass ich den Artikel mit einer inspirierenden emotionalen Mischung gelesen habe, zwischen sich ertappt fühlen, Scham, kokettierender Selbstreflexion und gleichzeitig Widerstand, Trotz und am Ende mit seufzender Einsicht ob des Ausmaßes des Dilemmas, das Sie so treffsicher beschrieben haben.
    Und nun? Da könnte man jetzt doch sagen: Ihr systemischen Berater, erkennt euer scheitern und lasst es einfach sein. Oder aber: Tut wenigstens nicht so scheinheilig weltverbesserisch, sondern bekennt: We’re only in it for the money! Und da wäre syst. Beratung ja mit dem Angebot der Befriedigung eines Grundbedürfnisses nach Ganzheitlichkeit, das systembedingt niemals befriedigt werden kann, sehr gut im Geschäft – und mit der Hybris dies nicht offen zu reflektieren in guter Gesellschaft so ziemlich aller Angebote, die uns Glück, Seelenheil, Erfolg etc. auf schnellem Weg versprechen.
    Nun zur Ehrenrettung oder ev. differenzierten Vertiefung des Themas: An dem Dilemma systemisches Denken&Handeln in fragmentierten Unternehmenskulturen einbringen zu wollen kann man in der Tat zynisch werden, abstumpfen, verzweifeln oder sich einfach abwenden. Viel spannender, konstruktiver und am Ende gesünder für einen selbst ist es jedoch genau diese Spannung und Konflikthaftigkeit der auftretenden Widersprüche als Quelle für persönliche, organisationale Entwicklung und Mikrokosmos kultureller Evolution zu begreifen. Das bedingt natürlich, dass man sich damit ernsthaft auseinandersetzen und die Erkenntnisse praktisch angehen will. Erfreulicherweise sind zunehmend mehr Organisationen und deren Führungskräfte dazu bereit – wenn auch eher selten in der Konzernwelt, auf die Sie immer wieder rekurieren.
    Und das ist ein Weg der in sich das Ziel ist und ähnlich wie die religiös-spirituellen Idealvorstellungen keinen erreichbaren Zustand abbildet, sondern wenn überhaupt nur eine weite Orientierung bieten kann. Und der Rest ist pragmatische Auseinandersetzung mit Hier-und-Jetzt, zwei Schritte vor, einer zurück, Ernüchterung ohne zynisch werden, am Ball bleiben ohne naive Selbsttäuschung…

    Herzlich, Markus Hänsel

    • Gunter Dueck sagt:

      Ich will aber auch sagen – das meine ich konstruktiv – dass man den Fehler in der ersten Sekunde nicht machen darf. DAS müssten die Berater rüberbringen – ABER: Die Berater werden in dieser Sekunde noch nicht hinzugezogen. Man müsste also darauf bestehen, von vorne anzufangen! Dann fragen die Manager „Wieso, wir hatten schon Meetings…“ und dann muss man wohl sehr hart bleiben: „Von vorn.“

  3. Jörg Bergmann sagt:

    Lieber Herr Gunter Dueck, sie schrieben vermutlich zu Recht in einem Ihrer Bücher „Aufbrechen!“, dass der Stundensatz eines Beraters auf 20 Euro pro Zeitstunde (sic!) sinken wird. Ich frage für einen Freund, der zur Zeit bei seinem auch Ihnen sehr gut bekannten Arbeitgeber als „Managing Consultant“ (in deutsch: Verwaltender Berater) eingetütet ist. Besteht für ihn systemischer Handlungsbedarf, oder kann er getrost seinem Renteneintrittsalter entgegen sehen?

    • Gunter Dueck sagt:

      Es geht ja alles in die Cloud, und bald gibt es vielleicht SAP im AppStore… Man muss keine alten Versionen mehr pflegen oder umstellen, das ist bei Abo-Modell automatisch etc. Es dominieren schon jetzt große Systeme, die man einfach verwenden kann, ohne Jahre Beratung, Auswahl, Meetings, Berater. Das Problem bei Firmen wie etwa IBM ist, dass sie absolut spitzenmäig darin sind: im Verkaufen in allen Aspekten, mit Vertrieb und Beratung, dass aber eben bald nichts mehr mit PowerPoint verkauft wird, sondern downgeloadet. Die Art, wie der Kunde zu seiner Lösung kommt, wird schlanker. Man verkauft zB nur noch großen Klötzen eine Cloud im Keller, die anderen bedienen sich bei Dropbx Professional, Amazon etc. Das ist auch bei AI etc. so. Man braucht doch auch keine Desktop-Beratung mehr, oder? Alles geht dahin…

      • Jörg Bergmann sagt:

        Panta rhei , da haben Sie wohl sehr Recht. Vielleicht ist es eine gute Idee, Apps designen und programmieren, bzw. generieren lassen zu lernen. Sagt der Ingenieur in mir. Und irgendwie bin ich froh, dass wir wohl PowerPoint entsorgt haben. Damit hätte man sowieso keine Solution bauen können.

    • Gunter Dueck sagt:

      Das ist 12 Jahre her. Wenn man jedes Jahr 2,5% mehr verdient, hat man nach 12 Jahren ca. 134%, heute sind als 20 Euro so etwas wie 26 Euro. Die Leute arbeiten 11 Stunden sechs Tage die Woche oder sagen wir 24 Tage im Monat, das sind 264 Stunden mal 26 gleich 6864….da sind wird doch schon drunter?

      • Jörg Bergmann sagt:

        Jawoll, da sind wir wohl drunter. Bin mal gespannt, wann sie das merken und die Beratungsorganisationen auflösen, weil nicht profitabel… „No surprises“ hatte einst Herr Mehdorn als Schild auf seinem Schreibtisch stehen, als er noch Bahn-Vorstand war…

  4. Martin sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Dück. Haben Sie schon einmal in einem „durchschnittlichen“ Unternehmen gearbeitet? Kennen Sie diese Unternehmen überhaupt? Diese Unternehmen haben maximal 50 MitarbeiterInnen. Und stellen 97 Prozent aller Unternehmen in Deutschland dar. Auch wenn diese Unternehmen nur 1/3 des Gesamtumsatzes aller Unternehmen in Deutschland „generieren“: All die spannenden Probleme und interessanten Fragestellungen in ihren schönen Artikeln spielen bei diesen Unternehmen so gut wie keine Rolle. Dort wird i.d.R. nach einem anderen Grundsatz gearbeitet: Getting Things Done. Ganz ohne Berater und Strategie. Und ich kann Ihnen sagen. Das funktioniert! Vielleicht sollten sie darüber mal einen Beitrag schreiben!

    • Gunter Dueck sagt:

      Sie erkannten doch schon richtig, dass ich da nicht gearbeitet habe; wie also könnte ich dann darüber schreiben? Von außen habe ich den Eindruck, dass es sehr vom Boss abhängt, ob es funktioniert; ich kenne rabiate Chefs, unfähige Handwerksmeister und seltsame Geschäfte – und auch viele solche, wo alles blendend funktioniert. Das ist dann keine Organisationsfrage, sondern eine Psychologie-Lage der Eignerfamilie, oder der Fähigkeit des Meisters oder des Direktors des Gymnasiums…es gibt dann kaum allgemeingültige Aussagen, oder?

      • Martin sagt:

        Die Negativbeispiele nennen Sie beim Namen. Aber die Positivbeispiele? Da bleibt leider nur ein Allgemeinplatz übrig. Es muss auch nicht immer ein Meistertitel sein. Oder Doktortitel. Professortitel. „Direktor“. Es gibt ganz einfach auch Menschen in diesem Land, die jeden Tag ihren Job machen. Gerne und mit viel Leidenschaft. Ohne das ganze Anspruchs,- Bürokratie- und Möchtegerngehabe „großer Organisationen“. Vielleicht können Sie darüber auch mal einen Artikel verfassen und den Blick ihrer LeserInnen erweitern. Denn ich finde Ihre Artikel grundsätzlich sehr interessant.

        • Gunter Dueck sagt:

          Hier unter den 368 DD sind doch solche…und ich habe „Professionelle Intelligenz“ und „Omnisophie“ geschrieben; der letzte Band hat den Untertitel „Der Mensch in artgerechter Haltung“… soll ich alles nochmals schreiben? Immer wieder „Liebe den nächsten wie dich selbst“? Diese positiven Darstellungen & Idealismen werden dann wieder von anderen Lesern übelgenommen. „Wo leben Sie denn? Reden von Einzelfällen, die es schaffen, aber hier – wir – sitzen im Dreck. Das Zeigen idealer Beispiele ist ein Allgemeinplatz (!!) und hilft niemandem.“

          • Francesca sagt:

            Trotzdem finde ich, dass hier auf einen interessanten Punkt hingewiesen wurde. Alle ihre Beschreibungen über den täglichen Wahnsinn in der Arbeitswelt, treffen nur auf die sog. Bullshit Jobs zu. Also die Arbeitswelt der Großkonzerne, der Powerpointorgien, Consultants usw.

            Mittelständler haben für so einen Quatsch gar kein Geld, die würde es sonst sofort aus dem Markt fegen. Und dennoch sind diese „ineffizienten“ Großkonzerne offenbar kapitalproduktiver als der Mittelstand. Irgendwie (wie genau, dass ist für mich immer noch ein Mysterium) akkumuliert sich dort einfach viel mehr Kapital, sowohl absolut als auch relativ. An den systemischen Beratern wird es wohl nicht liegen.

  5. Thimo Müller sagt:

    Ich denke, das ganze beginnt damit, das die Hälfte der menschen gar nicht genau beschreiben kann, was „systemisch“ denn bedeutet.

    Ein Berater, der das erklären kann, hat vielen anderen bereits etwas voraus.

    Wenn es jetzt noch jemanden gibt, der die Vorteile für das Unternehmen und den einzelnen beschreiben kann … ein Traum

  6. Sarah Roth sagt:

    „Leider ist das Reale ist föderal.“ <- Ich glaube, da ist ein "ist" zu viel?

  1. 5. Oktober 2020

    […] Das systemische Versagen in der ersten Millisekunde […]

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