DD209: Ordnung muss sein – aber jeder sollte seine eigene Ordnung haben – so gut das geht (Februar 2014)

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50 Antworten

  1. Gerhard Kramler sagt:

    Die Gesetze des Rechtsstaats sollen aber schon noch für alle gelten dürfen, oder nicht?

  2. Ich fürchte was wir gerade erleben ist der Siegeszug der linken Gehirnhälfte. Sie hat uns ermöglicht das Leben in Städten zu organisieren und damit sesshaft zu werden.
    Das Leben in Städten führte zur Spezialisierung des Einzelnen.
    Ohne viel auf die Details einzugehen, die Spezialisierung hat letztendlich die Technologische Entwicklung ermöglicht, auf der unsere Gesellschaft heute ruht.

    Evolutionsbedingt ist also die Linke Gehirnhälfte im Vorteil. Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Eine der Schattenseiten einer Linkshirnig dominierten Gesellschaft ist das zwanghafte überstülpen einer Struktur auf andere.

    Was die Zukunft der Wahren und Natürlichen Menschen betrifft, sehe ich in diesem Zusammenhang schwarz. Sie werden unter der Diktatur der Richtigen Menschen leidend untergehen. Sie sind bereits jetzt in der Minderheit.

  3. Lutz Prechelt sagt:

    Also ich habe das so verstanden:

    1. „Humanismus ist […] eine optimistische Einschätzung der Fähigkeit der Menschheit, zu einer besseren Existenzform zu finden.“
    (sagt Wikipedia).

    2. Er wird aber leider auch gern mit dem verwechselt, was so genannte humanistische Gymnasien veranstalten.

  4. Gerald sagt:

    Ich kann mir das schon gut vorstellen. Und eine Notwendigkeit mehr Herz in ALLES und ALLEM reinzubringen besteht ja definitv. Warum soll eine Verbindung von Herz und Hirn nicht funktionieren? Bitte um Beachtung des Wortes Verbindung. Jetzt komplett auf die andere Seite (rechte Hirnhälfte, Herz, weibliche Qualitäten,usw…) zu fallen wäre genauso einseitig wie unsere Entwicklung der letzten ca. 2000 Jahre davor. Es geht um Verbindung/Integration beider Qualitäten in unser Denken, Fühlen und Handeln. Daraus ensteht dann ganz natürlich der SINN für jedes Individuum und daraus folgend auch für eine Gesellschaft(und nein umgekehrt funktioniert es nicht- da bin ganz bei Hr. Dueck). Diese Herausforderung können wir(jeder einzelne) annehmen, oder auch nicht- dass bleibt jedem in seiner Freiheit selbst überlassen.

    Ganz Liebe Grüße

  5. Gerhard sagt:

    Bei allem ist mir nicht schlüssig, wieso das Zwanghafte solch einen Erfolg hat und wieso auch noch zunehmend?! Was wären da die Antworten?

    • admin sagt:

      Sie können die Bücher „Wild Duck“, „E-Man“ lesen … oder ganz kurz: Während die Kreativen noch um Lösungen im Meeting diskutieren, setzen die Zwanghaften schon Kriterien fest, machen Regeln, verteilen die Arbeit…sie diskutieren nicht mit, sondern verwalten sofort. Das ist schneller! Und bringt nichts, aber es ist schneller. Und wenn die anderen noch um gute Lösungen und um Verständnis ringen, ist alles schon auf Submmetings, Taskforces und Calls verteilt… Dann wachen die Kreativen auf und rufen „Halt“, aber die Maschine rollt schon.

      • Gerhard sagt:

        Das mit der Schnelligkeit als Winner ist eine gute Erklärung!

        Mich interessiert aber auch immer die psychologische Dimension, Herr Dück. Wieso kann Zwanghaftes so gut Fuß fassen?! So gut, daß es immer mehr Raum bekommt?
        Um eine Analogie zu bemühen: Es gibt eine Empfehlung, wenn jemand an der bekannt-unbekannten Krankheit OCD (Obsessive-Compulsive Disorder) leidet, daß er einem Zwang möglichst nicht folgt anstatt ihn zu befolgen, da das gewohnheitsmässige Nachgeben ein vermehrtes Auftreten des Zwangs regelrecht befördert. Etwa beim Beispiel des Schliessens der Haustür. Am Schluß überprüft man sie fünfmal und ist immer noch nicht angstfrei.
        Fange ich erst mal damit an, dann wächst das wie Pilze. Der

    • Markus sagt:

      Weil das zwanghaft auch besser abgeprüft werden kann:
      Noten in der Schule. Qualifikationen von Bewerbern anhand von Zertifikaten und Schulungs-Belegen. ISO Zertifizierungen von Anbietern.
      .
      .
      Anzahl an Followern auf Twitter, Facebook und Co. ?!?

  6. MarekBr sagt:

    Beim Lesen des Textes musste ich an dieses Zitat denken und die Lust am Gewinnen:

    «Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich als Spieler schnell renne, weil ich Angst vor dem habe, das in meinem Rücken ist. Oder ob ich schnell renne, weil ich mich auf das freue, was vor mir ist. Und Angst bekomme ich zum Beispiel, wenn mir der Trainer nur Medizinbälle hinterher wirft.» (Jürgen Klopp; Und Magath ist der, der die Medizinbälle wirft)

  7. Friedhelm Schütz sagt:

    Schade, dass Sie die Erfahrung von Kirche und schlechtem Gewissen so erlebt haben bzw. erleben.
    Ich verstehe die christliche Lehre so, dass Gewissen (ohne schlecht) ein Geschenk (ein gutes) Gottes ist. Weil es die Chance bietet, nicht nur auf sich SELBST geworfen zu sein, sondern sich in einem subjektiven Gegenüber reflektieren zu können. Subjektiv deshalb, weil Gott jedem Menschen individuell begegnet.
    In dieser Reflektion des Selbst kann sich auch der Wunsch zur Veränderung des Empfindens, Denkens, Handelns oder sogar des Selbst zeigen. Das wäre dann „schlechtes“ Gewissen – von Gott geschenktes Energiepotenzial zur Änderung.
    Martin Buber überliefert einen Satz von Rabbi Bunam:
    „Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht – die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering! Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.“
    (Die Erzählungen der Chassidim, © Manesse Verlag, Zürich)

    • admin sagt:

      Hey, ich kenne die idealistischen Ideen dazu, aber es gibt andere Menschen, die statt eines Gewissens ein Ehrgefühl oder eine Ethik (innere Stimme) in sich verspüren… diese „müssen“ dann nach der Diktatur des „man“ auch ein Gewissen haben, das ist dann aber echt aufgezwungen. Es gibt verschiedene Ordnungen – mehr sage ich nicht. Sie verteidigen wieder mal eine davon oder heben sie in den Himmel. Andere Menschen haben trotzdem andere Ordnungen.

      • Friedhelm Schütz sagt:

        Ich wollte nicht verteidigen, sondern meine Sicht darstellen.
        (Habe anscheinend den falschen Kanal benutzt. Aber wenn ich Ihnen ein „Hey“ entlocken konnte, wars nicht so übel 😉
        Ich versuche meine Anfrage, die ich damit verbinden wollte, noch mal anders zu formulieren:
        Steht die Innere Stimme nicht immer im Dialog mit irgend etwas von Außen?
        Ok, ich gehe sofort zurück: vielleicht ist es bei manchen (vielen?) kein Dialog, sondern ein Nachplappern.
        Ist nicht die von Ihnen gewünschte EIGENE innere Stimme, dass Ergebnis einer Kombinatorik der wahrgenommenen „äußeren“ Stimmen und der eigenen Kreativität?

        • admin sagt:

          Ich sage doch nur, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt (meta), mehr nicht. Und die Kirche hat ja auch mehrere…die erste ursprüngliche ist von Augustinus, dem eine innere Stimme sagte, er solle sein Lotterleben lassen und dann Kirchenvater werden…man kann das als eine schöne Verbrämung im Nachhinein sehen, oder? Auf dieser Stelle beruht die Kirchenauffassung von Gewissen. Thomas von Aquin meinte dann, dass sich das gute Gewissen auch erst bilde, wenn man sich im Leben um das Gute bemühe etc. Newman sagt, es gäbe einen „moral sense“ und einen „duty sense“, also zwei Gewissen… und so weiter. Die innere Stimme ist etwas, wovon Sokrates oft spricht…

          Was ich hier sage, ist, dass die Obrigkeit an mein Gewissen appelliert (an den „duty sense“) und damit doch implizit annimmt, ich hätte dasselbe Gewissen wie das offiziell gewünschte… Sie fragen nicht: „Was sagt dein Gewissen?“ – Sie sagen vorwurfsvoll: „Hast du denn kein Gewissen?“

          Ach, ist zu schwierig, das mit ein paar Zeilen… geht so kurz nicht…

  8. Friedhelm Schütz sagt:

    Am Wochenende saß ich mit zwei Vätern schulpflichtiger Kinder und einem Lehrer zusammen. Es kam das Thema Nachhilfe auf. Ich wagte zu erklären, dass ich nicht verstehe, dass die derzeitige Elternschaft viel zu viel duldet und zahlt.
    Wenn ein Kind am Gymnasium Nachhilfe braucht, hat meiner Meinung nach erst mal die Schule (die Lehrer?) versagt. Ein Kind, dass im Gymnasium eingeschult wird, kann ja nicht unbegabt sein. Trotzdem gehts dann im 7./8. Schuljahr zumindest in einigen Fächern notenmäßig ziemlich bergab (eigene Erfahrung). Schule (Lehrer) ermittelt den Schüler als Problem und empfiehlt Nachhilfe. Die Eltern schimpfen und zahlen trotzdem. Das sind keine Einzelfälle.
    Meine Gesprächspartner wollten mir nicht folgen. Die Kinder haben halt keinen Bock und brauchen bezahlte Nachhilfe. Und die Lehrer könnten keine individuelle Betreuung im Unterricht geben. Das sei in unserem Schulsystem halt nicht möglich.
    Ich arbeite in der Industrie. Es ist der GAU, wenn ein Kunde mit einem gelieferten Produkt oder einer Dienstleistung so unzufrieden ist, dass er auf eigene Kosten zu einem Mitbewerber geht und die Mängel beheben lässt.
    Weshalb ist das in unserem Schulsystem so anders?

    • Helmuth Justin sagt:

      Ja, das ‚liebe‘ Schulsystem… eine unendliche Geschichte! 1. Problem ist, dass die Lehrer idr keine Kenntnis davon haben, die Motivation des Kindes, seines Schülers, zu erhalten, oder zu fördern. 2. Problem, dass die weitere Elternschaft nicht zum Kind, sondern eher zum Lehrer hält, der es ja ‚wissen muss‘ obrigkeithörig! 3. Dass das NachhilfeInstitut ja auch Geld verdienen will. 4. Das Schulsystem sich nicht verändern will. Usw…

  9. pexl sagt:

    Sicher ist es so, dass in unserer heutigen Gesellschaft die Kopfmenschen die Prozesse und Regeln definieren.
    Es ist schwierig, sich gegen solche Regeln und auch Normen kreativ zu „wehren“.
    Letztendlich bleibt doch nur der beschriebene Weg. Wie viele kreative Jobs sind denn in diesem Land zu vergeben und wie viele Menschen sind denn tatsächlich „kreativ“?
    Viele stören sich an Prozessen und Vorgehen, da diese nicht immer nachvollzogen werden können. Ja, aber das hat nichts mit Kreativität zu tun. Hier geht es doch eher um Rebellion als Ursache für unverständliche oder für einen persönlich unbequeme Abläufe.
    Die Theorie ist schön, aber in der Praxis leider doch irgendwie anders?

    • Gerhard sagt:

      Wieviele Menschen tatsächlich kreativ sind? Ich denke viele. Sie leben ihre Kreativität vielleicht an ungesehener, bescheidener Stelle aus, aber die Möglichkeit ist allzeit da.
      Feurige,brennende Kreativität, wenn Sie die meinen, haben tatsächlich wenige, da stimme ich bei.

  10. Thomas sagt:

    1.) Ist es doch komplett müßig, über so etwas wie Richtigkeit oder Wahrheit zu diskutieren, weil es die gar nicht gibt. Das werden viele nicht gerne hören, aber alles, was wir an Regeln und Gesetzen haben, ja selbst auf die Naturgesetze trifft das zu, sind in unseren Köpfen völlig willkürlich entstanden.
    2.) Scheint es mir von großer Wichtigkeit zu sein, dass zwischen intrinsisch und extrinsisch differenziert wird. All die Großen, die hier genannt wurden, die sind nicht groß geworden, weil ihnen irgendjemand befohlen hat, dieses oder jenes zu tun, sondern es kam eben von ihnen selbst raus. Sonst hält man so etwas gar nicht durch. Wer an die Spitze will, der braucht eine ganz andere Dimension der Motivation. Und die kann eben nur aus einem selbst entspringen.
    3.) Glaube ich, auch wenn mir GD hier vermutlich widersprechen wird, dass für jeden Menschen der (ein!) Sinn im Leben so wichtig ist, wie die Luft zum atmen.

    Abschließend möchte ich doch sagen, dass wir unsere Problemchen und Probleme doch viel viel globaler sehen sollten. Es geht nicht um dieses Problem in der Schule und jenes im Job, sondern darum, dass unser komplettes Gesellschaftssystem auf der Kippe steht und sich kaum jemand dafür interessiert, wie eine neue Welt aussehen sollte.

    • Gerhard sagt:

      Wieso nicht trotzdem am Kleinen arbeiten?

      • Thomas sagt:

        Tut doch jeder von uns oder behauptet es zumindest, aber das reicht doch vorne und hinten nicht aus. Ist, so kommt es mir vor, oft auch eine Ausrede.

        • Gerhard sagt:

          Es stimmt schon, was Sie sagen:
          Es gibt doch da auch eine durchaus fundierte Aussage, daß, wenn 10 – 15% der Bevölkerung spirituell (was das genau sein soll, lässt sich nicht in 1, 2 Sätzen sagen) ausgerichtet sind, dies eine nachhaltige Beförderung der spirituellen Aspekte in der Bevölkerung mit sich bringen würde.

          Bloß hat man nicht diese 10%.

        • Hallo,

          3. stimme ich natürlich vollkommen zu, ich würde auch keinen Widerspruch von DD erwarten (oder?), zu 2. sag ich vielleicht später noch was (wenn ich dann die Kraft dafür noch habe. Anm PS: hatte ich nicht). Aber mit 1. kann ich nicht besonders gut ;-), sorry!

          Z.B. denke ich nicht, dass irgendjemand willkürlich festgelegt hat, dass einige Dinge der Schwerkraft folgen …
          Und noch ein Gemeinplatz: Leben in Gemeinschaft erfordert Rahmenbedingungen/Regeln, innerhalb derer eine Ausgewogenheit zwischen Einschränkungen und Entfaltungsmöglichkeiten der Individuen herstellbar ist. Bei hohen Konzentrationen, z.B. Städten, s.o., ist das wahrscheinlich ausgeprägter.

          Oft ist eine gewisse Willkürlichkeit (nicht zu verwechseln mit Willkür!) für ein Weiterkommen nötig. Die Mathematiker würden sagen: Beliebig aber fest! Damit tritt dann in der Weiterentwicklung eine faktische Normierung durch vorangehender Festlegungen ein, die per se nicht schlecht sein muss – aber kann bzw. dazu werden kann: legt sie doch Rahmenbedingungen fest, die für einige Individuen von Vorteil, für andere von Nachteil sind. Manches davon ist auch nicht unbedingt sofort absehbar oder nur für bestimmte Individuen oder Gruppierungen, die dann auf Entwicklungen in ihrem Sinne Einfluss nehmen können. Das hat dann wiederum oft etwas mit Gewinnung und Erhalt von Macht zu tun, damit wird die Grenze zur Willkür (s.o.) fließend. Und die Rahmenbedingungen zu „korrigieren“ wird schwer, weil deren Profiteure die gewonnene Macht zum Machterhalt und -ausbau einsetzen. Das produziert Widerstände (Kraft = Gegenkraft – auch nicht ganz willkürlich ;-), die wiederum engere Regularien, die wiederum … bis sich das Ganze entlädt.

          Aber: Die Zusammenhänge in fragilen gewachsenen Gebilden sind oft komplex, Kausalität oft nicht oder nicht leicht sichtbar. Und oft würde man das eine gerne los werden, während man das andere gerne beibehalten will. Entladungen haben dann oft die Tendenz zu (nicht immer) ungewollten Kollateralschäden, je heftiger desto mehr.

          Das alles klingt vielleicht jetzt „ein wenig“ abstrakt, passt aber so ungefähr auf jedes Beispiel, das mir gerade so einfällt: Globalisierte Märkte/Finanzsysteme, Gesellschaftsordnungen, vorherrschende Wissenschaftstheorien (Wirtschaft, Medizin, …), Religionen und v.a. (!) ihre Institutionalisierung, … oder die aktuellen gewaltsamen Auseinandersetzungen.
          Z.B. sind viele von uns entsetzt, wie das Internet als das ideale Instrument der Basisdemokratie (z.B. als Vehikel des „Arabischer Frühling“, u.v.a.m.) zum Schlachtfeld und zur totalitären Machterhaltsmaschine verkommen konnte. Ich habe das auch nicht abgesehen, aber es ist/war wohl im Nachhinein betrachtet unvermeidlich! Aber was machen dagegen?

          Was ich damit sagen will: Die Verzweiflung, die hier an manchen Stellen spürbar ist, scheint konkret willkürlich, ist aber wohl grundsätzlich unvermeidbar. Das entbindet uns aber gerade nicht davon, etwas gegen Fehlentwicklungen zu unternehmen. Im Kleinen (@Gerhard) ist schon mal was, im Großen (@Thomas) wäre schön – wenn es denn gelänge, hat aber Risiken und Nebenwirkungen – die auch Arzt oder Apotheker nicht kennen!

          Liebe Grüße,
          Thomas (noch einer 😉

          PS: Für die bis zum Schluss „Dabeigebliebenen“ 😉 ein paar Anmerkungen:

          So wie es einen Unterschied gibt zwischen Willkür und Willkürlichkeit so gibt es auch einen zwischen Gehorsam und (Selbst-)Disziplin.

          Ich würde die linke Gehirnhälfte nicht verteufeln. Ich denke dass die meisten der Teilnehmer – inklusiver meiner Wenigkeit – hier sogar einen zumindest leichten Schwerpunkt haben. Die adäquate Koexistenz/Kollaboration ist hier entscheidend. Tatsächlich ist es aber leider so, dass in einer konsensorientierten Entscheidungsfindung oder einer Entscheidungsvorbereitung in einem Unternehmenskontext die Vermittlung von „Bauchgefühl“ nur selten gelingt … anderes spannendes Thema.

          • Thomas sagt:

            Oh, oh, oh, ich wollte und hätte sollen, zu Punkt 1 den Begriff der Viabilität einfügen.
            Er könnte so schön den der Wahrheit in unserem Sprachgebrauch ersetzen und würde dabei um so viel besser passen.
            Ja, natürlich haben wir Naturgesetze, tausende male bewiesen durch Experimente und Rechnungen und trotzdem kommt der Tag, an dem das Experiment nicht mehr funktionieren wird. Das ist der Tag, an dem das Bezugssystem verändert wurde und da kommt die Viabilität zum Tragen. Die Aussage A passt, so lange wir sie im Bezugssystem B sehen, aber nicht mehr im Bezugssystem C. A ist somit nicht richtig oder falsch, sondern als Modell anwendbar oder nicht. dabei sind die Naturgesetze noch das Sicherste, was wir haben. Denke man nur mal an folgendes Beispiel: Mit dem Tag, an dem beschlossen wurde, dass Homosexualität keine Krankheit ist, waren ganz plötzlich Millionen von Menschen spontan geheilt. Ein Wunder. 😉
            Ganz einfach: Es gibt so viele Möglichkeiten, wie Zusammenleben aussehen könnte. Aber die Möglichkeiten werden immer weniger und ich befürchte, dass uns derzeit die Ordnung die Freiheit tendenziell mehr einschränkt als erhält. Nicht mal auf juristischer Ebene, da hat der Staat in gewisser Weise schon aufgegeben, aber wir alle zusammen, wir machen es uns unglaublich schwer.

          • Hi nochmal,
            es ist einfach so, wir haben weder genug Zeit noch genug Platz …

            Wie gesagt, an den Naturgesetzen zweifele ich erstmal trotz aller Tricks mit Bezugssystemen nicht.

            Das mit der Homosexualtät ist ein schönes Beispiel dafür, wie kleine Veränderungen über einen langen Zeitraum etwas ausrichten können.
            Besonders erstaunlich dabei, dass es sich hier um eine Minderheit handelt, die diesen Umschwung letztendlich herbeigeführt hat.

            Ich teile die Befürchtung zu unserer derzeitigen Ordnung. Aber in den Untergrund gehen wird nicht helfen. Was also tun, wenn die Optionen wirklich schwinden?

            Aber wie ist das gemeint mit „wir machen alle uns es gegenseitig unglaublich schwer“? Wegen der Diskussion hier?

            LG, T

          • Thomas sagt:

            Zum Bezugssystem: Gilt Newton immer? Einstein sah das ja anders. 😉
            Wir machen es uns unglaublich schwierig denn, ich darf hier Dostojewski zitieren: „Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist“. So einfach wär’s. Es ist tatsächlich so. ich denke, wir haben uns von all den schlimmen Zeiten, sei es Monarchie oder zwei Weltkriege, noch nicht befreit. Dieser Verdacht erhärtet sich mit immer mehr. Wir leiden noch immer und wissen es vielleicht gar nicht.

        • Gerhard sagt:

          „Es gibt so viele Möglichkeiten, wie Zusammenleben aussehen könnte. Aber die Möglichkeiten werden immer weniger“ – ja, so fühlt sich das an.
          „Wir machen es uns gegenseitig unglaublich schwer“. Auch das „räsoniert“.
          Aber vielleicht stimmt das garnicht! Vielleicht ist die Last, die man fühlt, garnicht so groß? Wie oft war man im Leben denn in einer ausweglosen Lage? Sicher jeder von uns mehrere Male. Heute sehe ich diese Lebens-Punkte als Täuschung an. Und dennoch wohl werde ich wohl ein weiteres Mal in eine Lage kommen, in der nichts möglich scheint.
          Vielleicht unterliegen wir einer Depression?!

          Mir fehlt es natürlich an Kompetenz: Aber es wird, so denke ich, immer Fachkräfte geben, die unsere Möglichkeiten als gut ansehen und welche, die unsere Möglichkeiten als verheerend schlecht ansehen. Wenn die Positivseher ohne Eigennutz zu ihrer Ansicht gelangt sind, dann muß es Chancen geben.

        • Gerhard sagt:

          „Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist”. @Thomas,stammt das wirklich von Dostojewski? Das ist ja eine relativ neuzeitliche Aussage, in spirituellen Kreisen wohlbekannt.

          • Thomas sagt:

            Ja, so schrieb es Dostojewski in den „Dämonen“. Ein hinreißend gutes Buch. Ich weiß nicht, ob das nun spirituell ist, aber immerhin war Dostojewski sehr christlich orientiert und vielleicht gerade deshalb ein großer Kirchengegner. Jedenfalls aber passt seine Aussage ganz wunderbar zum radikalen Konstruktivismus. Ich glaube, unser Fehler ist es, Dinge viel zu schnell als gegeben und somit gesetzmäßig hin zu nehmen, anstatt sie ständig zu reflektieren.

          • Gerhard sagt:

            Ich habe die Dämonen leider – als Buch – nie geschafft. Zu undurchsichtig war das Personenhaus des Buchs. Selbst ein aufgezeichnetes Schema half mir damals nicht weiter, da es ja ständig Aktualisierung erfuhr.
            Aber sehr genossen habe ich die Verfilmung als Vierteiler, mit H.H. Dickov, Christoph Panzer, Volker Lechtenbrink, Hannes Messemer ect. Eine Sternstunde des Fernsehens.

    • Joachim Schnurrer sagt:

      Zitat:
      Warum kommen 98% der Kinder hochbegabt zur Welt und nach der Schulzeit bleiben nur 2% davon übrig?

      Wir leben in einer Zeit der großen Umbrüche, Krisen und Orientierungslosigkeit. Finanz, Energie, Klima: Eines haben all diese Problemfelder gleich: sie wurden von Menschen gemacht, oft von Menschen, die an den besten Universitäten und Ausbildungsstätten dieser Welt geschult wurden. Liegt es an der Ausbildung, liegt es an der ihr zugrunde liegenden Haltung? Liegt es an der Strukturierung unserer Gehirne und damit an der Struktur unseres überholten Denkens? Damit wir uns für die Lösung der Probleme von morgen ermutigt, eingeladen und inspiriert fühlen, können wir die Maßnahmen von gestern kaum gebrauchen! Nirgends wird das so deutlich wie in unserem Bildungssystem, wo die größten Chancen und Talente durch Verschulung und Uniformierung vernichtet werden. Anstatt Standardisierung und wirtschaftlicher Nützlichkeit werden Kreativität, Vielfalt und Nachhaltigkeit der Focus neuer Bildungseinrichtungen sein müssen! Die Bildungslandschaft von morgen muss mit der systematischen Belehrung von gestern aufhören und stattdessen Potentialentfaltung und Bereicherung durch Verschiedenartigkeit in den Mittelpunkt stellen. Und schließlich: Wer soll damit beginnen, wenn nicht wir!
      Mehr dazu unter http://www.alphabet-derfilm.at/
      Trailer ansehen lohnt sich !!!!!!

      • xsansara sagt:

        98% der Eltern halten ihre Kinder für SUPER. Das ist normal. Super ist allerdings nicht normal.

        Viele hassen die Schule dafür diesen objektiven Widerspruch aufzuklären. Und vielleicht ist das auch taktisch unklug von der Schule, dies zu tun (insbesondere wie). Aber früher oder später kriegen die Kinder es ja eh mit, dass sie nicht sonderlich superer sind als die anderen, sondern ihre Eltern da einen Sehfehler haben.

        Ich glaube nicht, dass die Schule so wie sie ist, optimal ist. Ich glaube nur nicht, dass man 98% SUPER jemals wird erreichen können. Ausser mit topimieren.

        • Joachim Schnurrer sagt:

          Es kommt auf die Betrachtungsweise an.
          Vor kurzem wurde eine großartige Studie über unangepasstes Denken gemacht. Unangepasstes Denken ist nicht dasselbe wie Kreativität. Aber es ist eine wichtige Voraussetzung für Kreativität. Es ist die Fähigkeit, viele mögliche Antworten auf eine Frage zu
          sehen. Viele Arten, eine Frage zu interpretieren die Fähigkeit, nicht nur linear oder eindimensional zu denken. Der Test untersuchte 1500 Personen.Das Testprotokoll sah vor: Ab einer gewissen Punkteanzahl galt man als Genie im unkonventionellen Denken.
          Wie viele der 1500 Testpersonen erreichten das Niveau eines Genies im unkonventionellen Denken?
          Alter 03-05 Jahre: 98% erreichen Level genial
          Es war eine Langzeitstudie.
          Man testete dieselben Kinder fünf Jahre später.
          Alter 08-10 Jahre: 32% erreichen Level genial
          Man testete dieselben Kinder fünf Jahre später.
          Alter 13-15 Jahre: 10% erreichen Level genial
          Man testete 200 000 Erwachsene ab 25 Jahren, nur zur Kontrolle.
          Alter 25+ Jahre: 2% erreichen Level genial
          Es zeigt zwei Dinge: Erstens: Wir alle haben diese Fähigkeit. Zweitens: Meistens verkümmert sie. Viel ist mit den Kindern passiert, als sie heranwuchsen. Aber eines der wichtigsten Dinge, davon bin ich überzeugt, sie wurden ausgebildet. Sie gingen 10 Jahre in die Schule wo man ihnen sagte, es gäbe nur EINE Antwort. Nicht, dass die Lehrer das so
          wollen, aber es passiert eben auf diese Weise.
          Es liegt im Selbstverständnis des Bildungssystems.
          Die Zitate sind Auszüge aus Ken Robinsons Rede „Changing Paradigms“, die er hielt, als
          ihm 2008 die Benjamin Franklin Medaille verliehen wurde.

          Zudem gibt es von GD ein wunderbares Gleichnis von Pflanzen und Kindern. Es gibt Wüstenpflanzen und Sumpfpflanzen und viele Arten dazwischen mit ganz unterschiedlichem Bedarf an Sonne und Wasser. Wenn alle Pflanzen nun lediglich den Durchschnittswert von Sonne und Wasser bekommen, werden nur die Pflanzen gedeihen, die das ertragen. Wüsten- und Sumpfpflanzen werden sicher eingehen! Analog verhält sich das bei Kindern.

          • Gerhard sagt:

            Wo findet man die Studie?

          • xsansara sagt:

            z.B. http://www.youtube.com/watch?v=iG9CE55wbtY oder auch http://www.youtube.com/watch?v=wX78iKhInsc

            Theoretisch ziemlich interessant und ja auch eine der aktuell vorherrschenden Richtungen. Alles auch ganz sinnvoll.

            Allerdings: Alternative Schulformen haben einen bemerkenswerten statistischen Effekt. Kinder deren Eltern sich die Mühe machen sie auf alternative Schulformen zu schicken sind grundsätzlich statistisch signifikant besser in der Schule, übrigens unabhängig von der tatsächlichen Qualität der Schule. (s. Freakonomics, aber auch die aktuelle Diskussion um Alphabetisierungsmethoden in Deutschland) Daher sieht es immer so aus, als wäre die nächste alternative Pädagogikidee viel besser als alles was davor kam.

            Die tatsächlichen Faktoren, die einen Einfluss haben gehen wohl eher in Richtung Bildungsgrad der Eltern, Stellenwert den die Eltern/Gesellschaft Bildung geben (wobei das leider auch positiv mit der Selbstmordrate korreliert), Bildungsgrad der Lehrer, Mutter arbeitet (insbesondere für Mädchen), …

            Alles langweiliges Zeug, dass man nicht gerade mal von heute auf morgen per KuMiKo ändern kann. Zumal ja fast alles davon außerhalb der klassischen Bildungspolitik ist.

            Es wäre eher Zeit für ein paar echt kreative Ideen. Waldorfschulen u.ä. gibt es schließlich schon seit 95 Jahren.

  11. Ute sagt:

    Disziplin ist ja für die meisten Menschen erstmal ein positiv besetztes Wort. Gefährlich wird es erst, wenn Regeln geschaffen werden um Macht auszuüben gegen andere. Es ist so schön Gleichgesinnte zu treffen. „Das würde ich auch so machen“. Aber wen man das missachtet gerät man in Gefahr von der Gruppe mindestens ausgeschlossen oder sogar angegriffen zu werden. Welche Ängste verhindern hier eigentlich die Tolleranz? Auch ein positiv besetztes Wort!

  12. xsansara sagt:

    On Topic:

    Ich glaube die Antwort von GD warum das Zwanghafte gewinnt ist ein Schnellschuss über den man nochmal nachdenken sollte. Schnell sind eher die Intuitiven und in der eigenen Wahrnehmung immer die Anderen.

    Intuitiv kann ich auch der Argumentation nicht folgen, dass Erwachsene eher Zwanghaft sind und Kinder eher Hysterisch. Kann man das empirisch nachweisen? Als Kind war ich enorm zwanghaft, hab stundenlang Klavier geübt, immer wieder dieselben Figuren. Mein Sohn schaut sich freiwillig immer wieder dieselben Sachen auf Youtube an. Und wehe die richtige Zahnpasta ist nicht da, dann gibt es Tränen.

    Und heute: nach zweimal Flohwalzer klappe ich den Deckel zu; bei der Arbeit etwas mehr als einmal zu tun empfinde ich als Zumutung, das Problem ist ja schon gelöst. Das Strukturbedürfnis meines Sohns nervt mich oft (Schon wieder in den Zoo? Schon wieder dieses Buch vorlesen? Aufstehen um 6.30) und dann muss ich die blöden Regeln auch noch durchsetzen…

    Struktur != Regeln != Zwanghaft != Erwachsen ist mein Eindruck. Naja und gute Regeln sind halt gut und schlechte schlecht. Ausser manchmal.

  13. Aufklärung sagt:

    Vor etwa 10 Jahren bin ich in die IT-Abteilung einer großen Versicherung gegangen.

    Anfangs war ich noch versucht meine Dynamik einzubringen, aber das kostet Kraft und Energie, „man“ eckt an und gilt schnell als Quertreiber. Nur weil „man“ das hat MAN schon IMMER SO gemacht nicht nachvollziehen wollte.

    Heute verhalte ich mich ganz konform (ist ja nicht meine Firma), leite unsinnige Projekte die das Unternehmen Millionen kostet und werde in den Himmel gelobt, obwohl ich quasi meine Arbeitszeit in Meeting verquatsche. Nicht mehr versuchen gegen den Strom zu schwimmen hat sich auch finanziell gelohnt, konnte ich mein Gehalt dadurch doch über die Jahre verdoppeln.

    „Man“ muss eventuell nicht die Welt retten, zumindest nicht die Arbeitswelt. Tja, so läuft es glaube ich in vielen Großunternehmen. Konformität „zahlt“ sich aus.

    • Gerhard sagt:

      Diese unsinnigen Projekte haben vielleicht doch ein Benefit. Was für eine rührige Abteilung, wie agil die ist, was die alles für Ideen hat…so wirkt es nach aussen! Das ist Eigenwerbung pur.

  14. Einfacher Mensch sagt:

    Eigene Strukturen bedürfen Selbstbewußtsein. Ich stelle in meinem Umfeld eher fest, dass die meisten nicht das Selbstbewußtsein haben sich ihre eigenen Strukturen zu schaffen und sich lieber wie ein Fisch im Fischschwarm verstecken.

  15. Aufklärung sagt:

    @Gerhard: zumindest ernährt uns IT diese unsinnigen Projekte und auch dem Vorstand seine Kumpels haben einen zahlenden Kunden mehr 😉

  16. Joachim Schnurrer sagt:

    Hab noch was vergessen.
    Nicht jeder kann sich den Film ALPHABET ansehen, wenn er nicht gerade im Kino läuft, was eher selten ist.
    Aber es gibt trotzdem Möglichkeiten das Thema Bildung für sich zu erweitern/vertiefen.

    Ausschnitte zu ALPHABET gibt es unter:
    http://www.youtube.com/results?search_query=alphabet%20film&sm=1

    Weitere Einzelheiten von Sir Ken Robinson:
    http://www.ted.com/talks/lang/de/ken_robinson_says_schools_kill_creativity.html

    Und Einzelheiten von Prof. Dr. Gerald Hüther:
    http://www.youtube.com/watch?v=MrYcRzN91eE

    Ich kann nur jeden ermuntern, sich dem Thema mal von dieser Seite her zu nähern.

  17. Mein Lieblingssatz in dieser Diskussion hier ist:
    „Naja und gute Regeln sind halt gut und schlechte schlecht. Ausser manchmal“
    Danke, xsansara!

    Aufklärung, Nr. 13: Gehört auch zu meinen Highlights!

    Beides werde ich bei Gelegenheit zitieren, wenn nichts dagegen spricht!

    LG, TS

  18. Joachim Schnurrer sagt:

    Die letzten Antwortversuche an Gerhard bzgl. Studie sind leider gescheitert.
    Sowohl Firefox als auch Internetexplorer melden:
    „Möchten Sie wp-comments-post.php von omnisophie.com öffnen oder speichern

  19. Joachim Schnurrer sagt:

    Evtl. liegt es an dem Link zu Ken Robinson, der nicht in der Antwort vorkommen darf.
    Die Studie zu Divergent Thinking ist in dem Buch Breakpoint and Beyond, von George Land and Beth Jarman, veröffentlicht.
    Um zu dem Video von Ken Robinson zu kommen kann man folgendes in Google suchen.
    RSA Animate – Changing Education Paradigms

  20. Bravo Herr Dueck,
    Sie sprechen mir zutiefst aus der Seele!

    Das ist wie mit der Freiheit, die fängt im eigenen Kopf an (http://tinyurl.com/n66cd8o)!

    Herzlichen Gruß von Freidenker zu Freidenker, von Selbstinnenstrukturiertem zu Selbstinnenstrukturiertem,
    Peter Lauhöfer.

    PS: Aus der Therapieszene: „Man ist niemand!“

  1. 27. Februar 2014

    […] Zum gesamten Text samt der lesenswerten Kommentare geht´s auf Omnisophie. […]

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