DD335: Übersteuerungsmanagement (Februar 2019)

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15 Antworten

  1. Frank Knoche sagt:

    Den „Ruck“ hatte Daimler-Chef Zetsche schon 2015 mit der Daimler Leadership 2020-Initiative angekündigt. Die Schwarmorganisation und agile Coaches haben seit dem exzellente Arbeit geleistet: Innerhalb von 8 Wochen wurde eine neue App programmiert, bei der zwar nicht der Kunde, aber immerhin der Mitarbeiter im Mittelpunkt steht.

    Ein Zitat aus einer Veröffentlichung von 2018:

    „Bereits acht Wochen nach dem Neubeginn in der IT waren die ersten Features am Start. Zu den neuen Apps gehört die Feedback-App ‚Daimler for you‘, auf der die Mitarbeiter Unternehmensinfos lesen und Push-Nachrichten schicken können – hierarchieübergreifend versteht sich. Enthalten ist etwa der Speisplan der unternehmenseigenen Kantine und eine Funktion, mit der man sich über Wunschgerichte wie ‚Currywurst mit Pommes‘ informieren lassen kann, damit man den Essensgang auf keinen Fall verpasst. Jederzeit lässt sich einsehen, wann das nächste Gehalt kommt oder an welchem Standort gerade ein Meetingraum frei ist.“

    Mit vollem Magen lässt sich auch besser über Kundenanforderungen nachdenken – wenn gerade ein Meetingraum frei ist.

    Man hört, dass Tesla und BYD bei so viel Innovation immer noch zittern.

    Ironie aus.

  2. Helmut Lehmeyer sagt:

    Noch Ende 2017 ganz, ganz, ganz bitter zur Schau gestellter Hochmut von Matthias Müller und im Hintergrund mit zynisch lautem Lacher, Matthias Wissmann, ein deutscher Lobbyist und Politiker:
    Volkswagen-Chef Matthias Müller über Tesla – VW vs. Tesla
    https://www.youtube.com/watch?v=wSklSKRkIpk

    Audi zerlegt Teslas Model 3 – und ist einfach fassungslos
    https://www.futurezone.de/produkte/article216422109/Audi-zerlegt-Teslas-Model-3-und-ist-einfach-fassungslos.html

    Bemerkenswert, wo doch schon andere Ingenieure Monate zuvor, nach einer genauen Nachkalkulation die Tatsache erkannt hatten:
    Im Model 3 verbirgt sich eine unbequeme Wahrheit
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/tesla-model-3-ingenieure-finden-unbequeme-wahrheit-im-auto-a-1210541.html

    Unglaublich wie plötzlich dies auf die deutsche Autoindustrie zukommen konnte! Es war wohl unmöglich das zu erkennen seit 2003, als der exzentrische Musk so komische Sachen wie Patente freigeben oder den Aufbau einer Gigafactory vorantrieb, mit der er mal eben die weltweite Akku-Produktion verdoppelt. Deutsche Robotertechnik kauft Musk gleich Firmenweise ein und der deutschen Autoindustrie platzen deshalb praktisch vergebene Aufträge. Nein unmöglich Elon Musk hatte ja auch noch nie geliefert… wenn auch immer etwas später als laut angekündigt, aber eben immer doch?

    Wenn es nur die Autobranche wäre, mit SpaceX stellt Musk gerade auch das europäische Vorzeigeprojekt Ariane 6 ins Abseits.

    Sehr passend zu Ihrem DD335. Da hab ich mir 2015 einen genialen Vortrag von Ihnen Herr Dueck aufgehoben! 🙂

    Am besten ganz ansehen:
    Gunter Dueck: Rede bei der CAE Daimler Konference im Juli 2015
    https://youtu.be/_zcOnxdiE_I?t=159

    Oder zu Highlights springen:
    „Man braucht bald nur noch 1/6 der Autos!“
    https://youtu.be/_zcOnxdiE_I?t=1660
    „Das Problem ist, dass diese Kurve in der Wirklichkeit nie vorkommt“
    https://youtu.be/_zcOnxdiE_I?t=1368

    Digitalisierung, Innovationen und Innovatoren in Deutschland, dass ist ein schwieriges Thema, keiner darf etwas wagen. Weil es bei uns als Totalversagen gilt, wenn es nicht gleich klappt. Die Angelsachsen betrachten das eher als lehrreich und der Innovator gilt nach einem Versagen immerhin noch als erfahren. Was natürlich weitere Versuche zulässt.

    In Schulen verteilen wir Tablets (von MS und Apple gesponsert) anstatt die Lehrer zu bilden und den Kindern eine Fremdsprache namens „Programmieren“ beizubringen (gemein gesagt, wären das nur so 20 bis 30 Vokabeln die man allerdings anwenden lernen muss).

    Die Störerhaftung für Wlan haben wir nach beachtlichen 4 Anläufen immerhin überwunden. Um den Erfolg von Google und Konsorten einzudämmen, bauen sich die deutschen Verlage und Medienhäuser ein Leistungschutzrecht über die guten Kanäle der panisch lenkenden Politik, um Ihre überalterten Modelle zu sichern. In Deutschland hat es absolut nichts bewirkt und genau deshalb wird es jetzt in einer noch schärferen Form über ganz Europa ergossen. Nebenbei zerstört man die vielen kleinen „Innovationslücken“ in diesem Bereich und zwingt die kleinen Kreativen und Rechteinhaber zukünftig über eine neue „Störerhaftung der Plattformen“ unter den Schutzschirm der großen Uploadfilter Hersteller – man ahnt schon, wer diese extrem aufwendige Filter-Infrastruktur zur Verfügung stellen kann und wird.

    Politik im Nebelmodus. Das Heer von Fachleuten ignorierend, werden Lobbys kurzfristig bedient, statt auf lange Sicht das Gemeinwohl gefördert. Nicht durchdacht ohne Visionen für eine Zukunft, ohne klarem Ziel vor Augen. Hauptsache ein Ruck geht durch Deutschland!

    Vom Übersteuerungsmanagement geheilt. Ich will aber positiv bleiben und glaube daran, dass diese extremen Fehler das Pendel zwar schon sehr lange in die eine Richtung treiben, aber es wird auch wieder zurück schwingen. Hoffentlich bedacht, ganz langsam aber bestimmt von möglichst vielen geduldigen europäischen und deutschen Dickbrettbohrern. Die bestimmt gerade ganz, ganz still sinnierend in ihrer Ecke im Schatten verharren, um nicht gar so laut ausgelacht zu werden. 🙂

    Danke Herr Dueck für Ihren anregenden DD335.

  3. Isabel Syrbius sagt:

    Super Artikel, doch ist Tesla kein gutes Beispiel für „Innovation üben“. Das Elektroauto so wie bei Tesla ist eine Fehlentwicklung und wird in einer teuren Sackgasse enden. Es gibt nicht genug Batterierohstoffe und vor allem nicht genug Strom, wenn der gesamte Verkehr komplett umgestellt würde. Im heißen Kalifornien mag man mit dem Elektroauto ja noch halbwegs weit kommen, aber in einer kalten Frostnacht in Deutschland schwindet die Batterieleistung um zwei Drittel. Aus den mickrigen hundert Kilometern Reichweite (die hundertsechzig sind so ehrlich wie die Dieselabgasangaben der Hersteller) werden dann dreißig. An dieser physikalischen Wahrheit kommt man wie Elon Musk nur mit Drogen vorbei, da kann er noch so viel üben und schuften und in seiner Fabrik unterm Schreibtisch übernachten. Man wird ihn irgendwann grillen oder auf den Mond schießen.
    Dass die Politik mit der Energiewende überfordert ist, kann man absehen. Ich hab jetzt ein Notstromaggregat angeschafft für unser Haus auf dem Land. Wir sind keine Prepper, aber wenn mal in den nächsten Jahren im Winter für mehrere Tage der Strom ausfällt, (das kommt garantiert eher als ein funktionierendes E-mobil) möchte ich nicht das ganze Fachwerkhaus wegschmeißen müssen, weil die Wasserleitungen und Heizungsrohre einfrieren und platzen. Wenn die Nachbarn sich dann bei uns aufwärmen möchten oder etwas Warmes essen möchten oder eine heiße Dusche nehmen, kriegen sie das dann bei uns umsonst. Nur ganz bestimmte Leute müssten bei mir bezahlen, bar oder mit Naturalien. Gewisse Politiker zum Beispiel. Das Notstromaggergat hat übrigens einen Dieselmotor…

    Ja, man ist bei Konzernen viel zu langsam und Weise werden selten Manager. Aber ausgerechnet den Hochstapler Musk als leuchtendes Beispiel hernehmen? Übrignes zeichnet sich der amerikanische Geldadel vor allem durch Mangel an Ethik aus. Da wird Marktmacht mißbraucht, Löhne gedrückt, Urheberrechte gebrochen, Daten gesammelt und verhökert und Gesetze schlau umschifft. So sind die neuen Unternehmen reich geworden. Die Innovation ist nur ein kleiner Teil dieses Booms, aber man stellt sie natürlich gerne in den Vordergrund, um das andere zu kaschieren.

    • Gunter Dueck sagt:

      Isy. ich kommentiere immer die, über die gerade gelacht wird… Amazon hat man bis etwa 2010 oder nicht ernst genommen, man hat nicht geglaubt, dass man mit Werbung (Google) Geld verdienen kann, die Erkenntnis, Daten sind wie das Erdöl des 21. Jahrhunderts, kommt JETZT so langsam. Schau mal die beiden Artikel an, die Helmut Lehmeyer in seinem Kommentar zitiert. Sie können bei Tesla Autos besser/billiger zusammensetzen als Audi & Co, obwohl sie erst in Kleinserie bauen. Sie können bei SpaceX Raketen billiger zusammensetzen als bei Ariane. Es hat nichts mit Batterieren oder Elektro zu tun. Sie sind besser! Nach so zehn Jahren Üben. Bitte schaut doch mal alle eine Stufe tiefer.

      • M Krautter sagt:

        Richtig. Elektro hin, Elektro her, es geht ja auch darum, dass ich innerhalb von ein paar Jahren ein Unternehmen aus dem Boden stampfe, das Oberklassefahrzeuge problemlos zum gleichen Preis wie die Konkurrenten verkaufen kann, die sich im Ruhme sonnen, das Auto vor über 100 Jahren erfunden zu haben. Diese überstrapazierte „Erfahrung“ ist nichts mehr wert.

  4. detailverliebt sagt:

    Es gibt ja durchaus Länder auf der Welt die perspektivisch Denken und das Land die einen Tanker steuern. Da fahren unsere Politiker ja auch immer hin und sagen: „Das geht so nicht, ihr müsst das so machen wie wir und außerdem die Menschenrechte das ist auch ganz doof was ihr da macht“. Tja und in den Ländern lächeln sie dann immer ganz höflich und sagen: „Ja ja“.
    Es scheint mir fast so als wäre es ein Systemischer Preis den wir für unsere Demokratie bezahlen müssen. Fast als wäre es alternativlos.

    • Alex sagt:

      Demokratie hat mit diesem „systemischen Preis“ nichts zu tun, sondern ein anderes System – nämlich Kapitalismus. Abgesehen davon, dass gerade demokratische Institutionen einen Staat vor hysterischen Übersteuerungen schützen. (Genauso wie z.B. ein funktionierendes Arbeitsrecht und starker Betriebsrat ein Unternehmen vor Übersteuerung schützen können).
      Wenn Sie solche Länder wie Russland meinen, dann haben Sie vielleicht gesehen, wie es sich dort außerhalb Moskau lebt? Genauso in anderen „perspektivisch denkenden“ Staaten wie Singapur.
      Aus meiner Sicht, das Problem der Übersteuerung bei großen Unternehmen ist ganz oft der „Kapitalmarkt“ – man denkt nur kurzfristig, „börsenorientiert“, man handelt hysterisch, nie mit einer langfristigen Strategie. Es interessiert keinen von den Top-CEOs, wie es den Firmen sogar in 5 Jahren gehen wird, weil für sie jedes Quartal als letztes sein kann. Deswegen gibt es keine langfristigen „disruptiven“ Innovationen – man muss zu lange warten, man muss sich vor „Analysten“, Aktionären usw. rechtfertigen. Wenn eine Investition nicht gleich (überspitzt gesagt) in einem Monat schon Gewinne bringt, wird sie gestrichen und der Manager entlassen. Was bringen mir als CEO Innovationen in 5-10-20 Jahren, wenn ich weiß, dass ich in 2 Jahren 20 Mio verdienen kann, wenn ich einfach ein bisschen Aktivität zeige.

  5. Mathias sagt:

    Über das Beispiel mit Tesla und der deutschen Automobilindustrie könnte ich lachen, wenn ich da drin nicht mein Geld verdienen müsste.

  6. Felix Wiesner sagt:

    Ergebnis sofort, und wenns geht noch einen Tick schneller. – Das ist doch bitte nichts Neues. Ruder rumreissen auch nicht. Das Beharrungsvermögen der Organisationen hat früher ausgleichend gewirkt – heute sind die Lähmschichten entfernt und es kann wirklich dazu kommen, dass man im Bach landet. Die frühere Alternativlosigkeit einer Gott gleichen Macht wie Daimler oder Deutsche Bank ist der Denkbarkeit eines Totalabsturzes gewichen, weil es eben heute Alternativen gibt.
    Das Steuern und Übersteuern ist gleich geblieben, nur díe Fehlertoleranz ist viel viel geringer. Bleibt man beim Segeln, dann ist heute Daimler zur Laser Jolle geworden, und die Gorch Fock ist nicht mehr verfügbar. Und wer einen Laser gesegelt hat, weiss, dass man das nicht in Jeans und Sacko macht. Sicher nicht bei viel Wind und Kurs auf chinesische Containerschiffe.

  7. Joachim Schnurrer sagt:

    Man nehme das Buch „Die Logik des Misslingens“ von Dietrich Dörner, erschienen 1992 als Taschenbuch bei Rowohlt, Original 1989. Untertitel „Strategisches Denken in komplexen Situationen“. Schon in der Einleitung erfährt man als Fallbeispiel, dass Verkehrsdichte, Lärm und Luftverpestung durch eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 kmh nicht erfolgreich sein kann!
    Es reihen sich dann zig Beispiele, in denen die „gut gemeinten steuernden Eingriffe“ total in die Hose gingen. Wohlgemerkt keine Fiktionen, sondern echte Ereignisse! (E10-Sprit, Bündnis/Grüne hätten gewarnt sein können)
    Sehr erhellend auch das Tanaland-Experiment, das ausnahmslos ins Verderben geführt hat obwohl bei einigen Versuchspersonen anfänglich große Erfolge erzielt wurden.
    Das häufige Versagen rührt doch daher, dass partielle Blindheit der Protagonisten für bestimmte Zusammenhänge herrscht. Solche Unkenntnis gepaart mit falschen Hypothesen führt eben nicht ins gelobte Land (gerade auch Religionen sind da Vorreiter wie Vorbeter und Influencer)
    Nimmt man Beispielsweise die „Elektromobilität“ richten sich alle Augen auf „herkömmliche“ Batterien zur Speicherung. Das ist bereits nach heutigen Erkenntnissen global nicht möglich, allein wegen der fehlenden Rohstoffe, sowie einiger anderer Randbedingungen.
    Aber deswegen ist Elektromobilität kein Blödsinn, sondern braucht weitere Innovationen, um regenerativ erzeugte Energie für Mobilität einzusetzen. Fossile Energieträger sind jedenfalls auch endlich!
    Die im Artikel vermisste „Kunst des Steuerns“ nennt man Kybernetik, ein Wissensgebiet, das heutzutage in den Bildungseinrichtungen eher der „Gedichtinterpretation“ weichen muß. Woher sollen die „Steuermänner“ denn ihr Rüstzeug bekommen, wenn nicht in den Bildungseinrichtungen? Man kann nur fordern, verbessert die Bildung! Aber nicht Gießkanne, sondern Artgerecht.
    Zum Abschluß noch eine Lanze dafür, dass ein Ruck nichts Schlechtes wäre. Hier der Link zur „Ruckrede“ von Roman Herzog, von 1997!!! http://www.spiegel.de/politik/deutschland/roman-herzog-die-ruck-rede-im-wortlaut-a-1129316.html

  8. Rudolf Quetting sagt:

    Eigentlich wüßte man ja als Ingenieur, wo es lang geht. Wenn da nicht der blöde Finanzvorstand wäe, der sich kein Wachs in die Ohren gestopft hat und der bei jedem Sirenengesang über phantastische Gewinnene gleich den Kurs wechseln will. Und dabei kennt er nicht einmal ansatzweise die Eigenarten der dem Kurswechsel zu Grunde liegenden Regelstecke. Das kann dann übersteuernd an einem Eisberg enden, muss es aner nicht. Manchmal schafft man es ja, mehr oder wenige zufällig auf dem richtigen Kurs zu bleiben und die Insel der Sirenen zu erreichen. Dort muß man jedoch erstant feststellen, das der süße Wein bereits von anderen ausgetrunken ist. Nun, ob man nun am Eisberg zerschellt oder an Land verdurstet, der Gedanken, es wäre vielleicht besser gewesen, der Mode nicht zu folgen, kommt dem Finanzvorstand mit Sicherheit nicht. Und so bleibt offen, ob die Crew auf dem ursprünglich eingeschlagenen Kurs tatsächlich in El Dorado angekommen wäre.
    Mir scheint, dass man zwar hinreichend viele gute Ideen hat, die man dann aber meist voreilig sausen läßt, um irgendwelchen Trendshinterher zu laufen. Und wenn dann das Kind in den Brunnen gefallen ist, sind die, die es auf den Rand des Brunnens gelockt haben, die ersten, die sich über den Erfolg derer wundern, den andere mit genau dem gleichen Ansatz ein wenig frühre gehabt haben. Um diese Erfahrung reicher setzt der Finanzvorstand (wenn es den noch gibt der Alte, ansosnten der neue) bei der nächsten Gelegenheit konsequent zu sein. Und dann segelt er mit der Neuauflage einer Frachtversion des Zeppelins in die nächste Katastrophe.

    • Rudlf Quetting sagt:

      PS.:
      Prüfungsfrage für Manager:
      Fünf Katzen fangen in 5 Minuten fünf Mäuse. Wieviel Katzen fangen in 100 Minuten 100 Mäuse?

  9. Rainer Janßen sagt:

    Das späte Reagieren ist doch geradezu ein Karriere-Booster. Wenn Du merkst, dass dein Projekt auf einen dicken Baum zufährt, eskaliere erst kurz vor dem Baum, dann aber laut und bis in höchste Hierarchieebenen – und steure knapp am Baum vorbei. So wirst du als Retter berühmt und befördert! Wenn du dagegen frühzeitig reagierst und geräuschlos alle Bäume umfährst, bleibst du für immer ein braver Projektmanager und wirst nie befördert!

  10. Djordje Gladovic sagt:

    Ich persönliche neige sogar zur Aussage, das unser Land und unsere Wirtschaft nahezu führungslos ist. Die Richtung und die Visionen werden inzwischen nur noch vom nächsten Gehaltscheck bestimmt. Zu viel mehr ist Politik und Management nicht im Stande – und war es vielleicht auch nie. Es fehlt einfach an großen Lenkern! Denn nur wenn uns die Richtung präzise vorgegeben wird, dann laufen wir tatsächlich zur Höchstform auf. Nur wo sind sie hin, die großen Lenker und Visionäre? Vielleicht waren sie nie da! Denn wenn es nach Helmut Schmidt geht, heißt es:

    „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“

    Wie ich finde, umschreibt diese Zitat unser Land hervorragend.

    Wir sind geschult fleissig zu sein, Höchstleistung zu erbringen, präzise und fehlerfrei zu arbeiten, pünktlich und termingerecht abzuliefern, etc. etc. etc… Visionen und langfristige Entscheidungen waren doch noch nie so wirklich unsere Stärke. Welches Deutsches Unternehmen hat denn soviel Sitzfleisch wie ein Jeff Bezos? Denn diese Eigenschaft hat maßgeblich zu seinem Erfolg geführt. Sonst wären seine Visionen auch nur in Luft verpufft.

    Nun scheint es aber so, dass die großen Lenker und Visionäre die Welt neu für sich entdeckt zu haben. Der Globalisierung sei Dank! Wir sind vielleicht in ihren Augen unattraktiv geworden? Politik und Land zu träge und zu wenig innovativ, die Bevölkerung spürbar bequem und das Bildungsniveau inzwischen durchschnittlich, und irgendwie fehlt es an allen Ecken am richtigen Biss. Angefangen beim einfachen Bürger, bis hin ins Top-Management und der Politik. Irgendwie geht es schon weiter, scheinen mir hierzulande viel zu viele zu denken.

    Hier muss schon mehr geschehen, als nur ein „Umdenken“. Zwei Beispiele:

    Ein Störfaktor ist sicherlich unser EU-Apparat. Die Krümmung der Bananen, frittierte Pommes, etc. scheinen für genug Beschäftigung zu sorgen. Diese Prioritäten lähmen natürlich auch die nationale Politik und wichtige Entscheidungen bleiben spürbar auf der Strecke. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie dieses Problem gelöst werden kann. Da fehlt mir einfach das politische Know-How.

    Ein noch größere Problem sehe ich dagegen in der Niedrig-Zins Politik! Gar nicht mal in der Form wie die meißten jetzt denken. Ja, ein Traum für Land und Unternehmen. Die richtige Zeit um zu investieren! Aber! Der einfache Bürger hat den niedrigen Zins nun auch für sich entdeckt. Es wird investiert was das Zeug hält! Es verschulden sich jeden Tag mehr und mehr Leute mit einem Eigenheim, in nicht unbeträchtlicher Höhe. Wie viele potenzielle Visionäre und frische Köpfe haben sich nun mit ihrem Eigenheim freiwillig einen Bremsklotz ans Bein gehängt? Wer derart in der Kreide steht, geht kein Risiko mehr ein. Ein sicherer Arbeitsplatz muss her und das regelmäßige Gehalt ist unabdingbar. Für die nächsten 30 Jahre, selbstvertsändlich! Wir schießen unsere potenzielle Zukunft komplett ins Aus. Denn leider haftet der einfache Bürger nicht mit 25.000 Euro Einlage, wenn das Projekt Eigenheim in die Hose geht.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Visionen und meine Kreativität geraten mehr und mehr ins Stocken, angesichts dieser Herausforderungen. Um mit der rasanten Entwicklung und dem globalen Druck Schritt zu halten, bedarf es schon deutlich an Freiheit und Handlungsvermögen. Die Freiheit aber rauben wir uns aktuell selbst und somit bleibt uns nicht mehr viel Raum zum Handeln. Umdenken wir nicht mehr ausreichen.

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