DD341: Rasender Wandel rund um den Tipping Point

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12 Antworten

  1. Peter Singer sagt:

    Naja, wenn es so einfach wäre den Tipping Point zu erkennen oder gar zu erzeugen, dann würde es jeder machen. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär’n wir alle Millionär. Ob Elon Musk z.B. den Tipping Point erzeugt oder erkannt hat werden wir nächstes Jahr wissen. Entweder Tesla ist dann über den Berg oder wird von den Schulden oder Qualitätsproblemen der unter massiven Zeitdruck zusammengeschraubten Autos begraben. Warten wir mal ab ob die Elektro Mobilität es schafft oder ob der steigende Lithium Preis im Massenmarkt irgendwann die Vision ad-absurdum führt. Aber vielleicht ist das der Zeitpunkt wenn dann doch die Wasserstoff-Technologie die Lithium Batterien ablöst.

  2. Rudolf Quetting sagt:

    Ich denke, das Bild mit dem Hügel, auf dessen einer Seite Sisyphos schiebt und auf dessen andere Seite alles von alleine läuft, ist für viele Fälle zu einfach. Es beschreibt letztlich so etwas wie eine Falten-Katastropbe, bei der es rechts und links des Hügels in den auf dem Bild nicht sichtbaren Tälern zwei unterschiedliche Gleichgewichtszustände gibt. Sisyphos versucht, die Kugel von dem einen Tal in das andere Tal zu schieben, aber immer, wen er kurz vor den Gipfel (Tipping Point) ist, kommt ein Pessimist daher, der ihn überredet , die Kugle loszulassen. Käme statt dessen ein Optimist, der sagt:“ Noch ein kleiner Schubs, und du hast es geschafft.“, dann wäre Sisyphos erlöst.
    Im gesellschaftlichen Kontext gibt es allerdings neben der einfachen Falte auch andere „Geometrien“ von unstetigen, qualitativen Veränderungen (Siehe z.B. C.A: Isnard und E.C. Zeeman: Some models from catatrophe theory in the social sciences). Hätte es Sisyphos z.B. Statt mit einer einfachen Falte mit einer auslaufenden Falte (Cusp Catastrophe) zu tun, könnte er, statt die Kugel mühsam über den Berg zu schieben, diese auch einfach nur um den Berg herum kicken.
    Wenn ich mich recht erinnere, gibt es sieben qualitativ unterschiedliche Klassen von Katastrophen und für jede gibt es eine oder mehrer Strategien die zum Erfolg führen. Bei allen anderen endet man bestenfalls wie Sisyphos am Ausgangspunkt, oder man verschwindet ganz von der Bildfläche. Das Problem der Manager oder Politiker (wo ist da der Unterschied?) ist jedoch, dass sie meist nur eine Strategie gelernt haben, die sie für universal-erfolgreich halten. Und so scheitert der Manager von der Stangen, der über Jahre bekanntes erfolgreich weiterentwickelt hat, wenn es an der Zeit ist, dass sich die Dinge qualitativ ändern. Und Katastrophenmanager scheitern oft, nachdem sie die Katastrophe gemeistert haben. In diesem Sinne könnten die Roten Teufel vom 1. FC Kaiserslautern vielleicht noch heute in der Bundesliga, wenn die Vereinsführung beim letzten Aufstieg sofort den Aufstiegs-Trainer gefeuert und gegen einen Trainer nach EN ISO 9001 ausgetauscht hätte (;-).

  3. Sadoma sagt:

    „Ich fürchte, wir müssen auf den ganz unvermeidlich Tipping Point warten, der ohne Leuchtturm kommt: Die Übernahme von Verantwortung und Macht durch die jungen Leute, die jetzt mental so etwa 26 Jahre alt sind. “

    Mit der Kryptotechnolgie wird die neue Generation hoffentlich ein Tipping Point erzeugen der unsere größte Zivilisationsschwachstelle (Geldordnung) heilen kann.

  4. Christof K. sagt:

    Seit meiner Diplom-Arbeit an der TU Braunschweig befasse ich mich, immer wieder fasziniert, mit dem sog. ‚Bifurkations-Punkt‘. Die Tipping Points sind as equivalent dazu in komplexen Systemen. Die Entwicklung produziert immer wieder (gottseidank) diese Momente des grundlegenden Wandels. Übersehen wird nur- gemäß der Lehre offener Systeme, dass es auch den systemimmanenten Widerstand gegen Veränderung gibt und Niemand am ‚Tipping Point‘ wissen kann wohin die Reise geht. Und genau diese fundamentale Unsicherheit führt oftmals dazu, dass Neues versucht wird einzudämmen. Als Berater für Unternehmen ist diese(s) Szenario mein täglich Brot. Beste Grüße und immer mutig vorangehen….

  5. … um so wichtiger neben dem dringend notwendigen Bildungsumbau den (nicht nur digitalen) #Reifegrad der Gesellschaft zu erhöhen. Meine Angst ist die kommende direkte #Demokratie auf niedrigem Niveau (Solidarität, Ethik, Moral, Kultur, Wissen)

  6. Verehrter Herr Prof. Dueck,
    um Ihre Orakelfähigkeiten wissend (mein völliger Ernst) würde mich brennend interessieren, ob ein solches System Ihrer Einschätzung nach einen Tipping Point erzeugen könnte: https://www.deliveryport.de/
    Ihre Meinung dazu hat für mich mehr Gewicht als die Meinung aller PwC-, McKinsey-, EY- und BCG-Heinis zusammen. Und selbstverständlich wäre mir Ihre Meinung dazu auch etwas wert: Einen Geldbetrag Ihrer Wahl

  7. Michi sagt:

    Lieber Herr Lieblingsprofessor,

    Spoiler: die Cloud ist heute eben nicht immer billiger, das Thema Security und deren Anforderungen um ein vielfaches komplizierter abzubilden was das Thema Kosten ebenso verschlechtert
    Auch habe ich schon MalwareSkripte gesehen, die innerhalb von O365 Ihr Unwesen treiben. Auch wenn das alles fast ausschließlich die M$ Cloud betrifft so denke ich, sind diese Vorhersagen nicht wirklich in der Realität angekommen auch wenn das sicher noch so werden wird und man ziemlich genau hinschauen muss bei den Kosten.

    Das wollte ich kurz anmerken in meiner Rolle als Cloud-Networking-Security 😉

    Alles weitere trifft natürlich zu und auch wenn das etwas aus Ihrem Kontext ausgerissen ist, so werde ich derzeit nicht müde dies meinen Kunden (sogar mit Excel) aufzuzeigen. 😀

    Ein sonniges Wochenende lieber Herr Professor.
    & Liebe Grüße aus dem österreichischen Exil

  8. Joachim Schnurrer sagt:

    So schwer es ist, positiv wirkende Tipping Points zu bewirken, so schwer ist es wohl auch negative Tipping Points zu vermeiden. Das deutet doch eher darauf hin, dass Tipping Points eben entstehen und wohl erst in der Retrospektive in etwa identifiziert werden können.
    Ist Donald Trump z.B. der Tipping Point für das „fake news“ Phänomen?
    Ist das „Ibiza-Video“ der Tipping Point für den Niedergang der FPÖ in Österreich?
    Was ist der Tipping Point für den unendlichen Hass in sozialen Medien?
    Das soll nicht heißen, man solle keine „positiv wirkenden“ Tipping Points versuchen herbeizuführen (aber alleine bei positiv wirken, gehen die Ansichten auseinander), siehe den „Veggie Day“ oder „Biokraftstoff E10“ von den Grünen?
    Was ist der „Tipping Point“ für die immer stärker steigenden Rüstungsausgaben? Die 2% BIP-Forderung von Trump? Obwohl die Kräfteverhältnisse NATO vs. Russland bei ca. 5:1 für die Nato (ohne USA) stehen!
    Man muss wohl konstatieren, dass „Tipping Points“ viel mehr brauchen als z.B. die Bereitschaft der „Verwaltung“, in irgendein Thema zu investieren.
    Zum Argument der 26-jährigen ist zu sagen, dass bei der Bundestagswahl 2017 der Anteil der 25-34-jährigen bei den Grünen 10%, bei der AfD 14%, CDU 26%, SPD 18%, Linke 11%, FDP 11%, Rest 10% gelegen hat. Da ist kein Tipping Point zu erkennen!
    Bei den „Erstwählern“ lag die CDU mit 21% vor der AfD mit 16% (Quelle: Tagesschau.de)

    • Gunter Dueck sagt:

      Habe ich etwas von 2017 gesagt? Wir haben 2019, und da haben die Grünen 34%. Man erkennt Tipping Points bestimmt nicht aus alten Statistiken. Hier schauen: https://wahl.tagesschau.de/wahlen/2019-05-26-EP-DE/umfrage-alter.shtml

      • Joachim Schnurrer sagt:

        Ihr Optimismus ist immer wieder lobend hervorzuheben und, selbstverständlich soll sich jeder für eine lebenswerte Welt engagieren.
        Wenn Sie nun die Ergebnisse der deutschen Grünen bei der Europawahl hervorheben, ist das sicher zunächst mal ein Hype, keine Frage. Betrachtet man das dann auf der Europaebene (https://europawahlergebnis.eu/), es war ja eine Europawahl, keine Deutschlandwahl, sieht das Bild nicht ganz so optimistisch aus. Es haben gerade mal 50% der Wahlberechtigten abgestimmt. Die Rechtspopulisten haben hohe Ergebnisse erzielt (was ich im Übrigen als einen negativen Tipping Point einstufen würde).
        Dass es einen gesellschaftlichen Umbruch braucht, wird sicher von vielen Menschen geteilt und es werden sicher auch die Jungen und im Denken jung gebliebenen sein, die das bewerkstelligen können (1968 war das ja auch so ähnlich). Ob das Ergebnis der Grünen in der Europawahl nun der Tipping Point war, wird sich noch zeigen. Angesichts der unübersehbaren Nationalismen, Handelsbeschränkungen und stark steigender Rüstungsausgaben, würde ich, entsprechend dem Bild in Ihrem Artikel, nicht davon ausgehen, dass die Kugel nun von alleine den Berg hinabrollt, sondern im Gegenteil leider noch bergauf gestemmt werden muss.

  9. Gerhard Radtke sagt:

    Wie wahr wie wahr. Ich habe das in meinen letzten Berufsjahren als Bereichsleiter für Innovationen erlebt. Zusammen mit einem sehr kleine aber feinen Team haben wir immer wieder die Kugel hochgeschoben, weil wir von der Idee überzeugt waren. Das Problem an der Geschichte, das kostet zu viel Zeit. Wir haben dann auch erleben dürfen, was passiert wenn man den Tipping Point erreicht bzw. Überschritten hat. Zunächst einmal ein schönes Gefühl. Es dauert jedoch nur kurze Zeit und dann sind auf einmal ganz viel Zweifler und Bedenkenträger schon immer für dieses Projekt gewesen und verstehen eigentlich gar nicht, warum das alles so lange gedauert hat. In unserem Projekt sieht das Bild jedoch nach dem Tipping Point ein wenig anders aus. Es geht eben nicht nur steil nach unten. Kommt es erneut zu Problem, fallen viele wieder in alte Muster und pushen dann doch nicht mehr so wie kurz nach dem Tipping Point. Dann hört man so Aussagen wie, daß habe ich von Anfang an gesagt oder so ähnlich. Wie einfach ist das denn? Erst einmal dagegen sein, wenn dann der Tipping Point erreicht ist, schnell umschwenken und bei den kleinsten Problemen, dann wieder zurück ins Schneckenhaus bzw. Aaran erinnern, dass man eigentlich von Anfang an dagegen war. So wird das nichts mit innovativen Projekten.
    Mein Vorschlag: Lässt nicht einen immer wieder die Kugel hochschieben. Schiebt gemeinsam und lasst dann aber auch im Zweifelsfall gemeinsam los, sonst kann es passieren, dass einer unter die Kugel kommt. Ab und zu mal innehalten, ist auch nicht schlecht. Das gilt auch für die Talfahrt

  1. 18. Juni 2019

    […] ein Bild zu nutzen, das Gunter Dueck in seinem aktuellen Omnisophie Beitrag genutzt hat, beginnt die Kugel, die lange von den vielen, die es Sisyphus gleich tun und anderen “earyl […]

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