DD219: Heilige-hehre Prinzipien schlechter Lehre an der Uni (Juli 2014)

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19 Antworten

  1. Christoph Bopp sagt:

    Habe das mit dem Schwören mutatis mutandis auch schon gemacht. Hat aber gar nicht schlecht funktioniert. Offenbar habe ich kein gutes Skript. … ;-))

    • Eusyllis sagt:

      Ich erinnere mich an ein Habilitierungsverfahren, bei dem der Prüfling nach dem Prüfungsvortrag von der Prüfungskommission mit Mehrheit der Professoren und gegen die Stimmen der Studierenden abgelehnt wurde. Begründung: Der Fachvortrag sei zu verständlich gewesen.

      • Gunter Dueck sagt:

        Haha, war das meiner? Meiner war absolut verständlich. Als ich endete, stürzte der Dekan zum Schlusswort herunter und flüsterte noch „Da war nichts Schweres drin, Mensch!“, dann gingen sie in Klausur, von der mir Kollegen berichteten: Da störten sie sich sofort dran, dass es zu einfach war, aber DANN stand einer der Reinstmathematiker auf (ein „Gegner“, denn ich war Angewandter, damals also „der Dünnbrettbohrerei verdächtig“) und meinte: „Das war so erhellend, dass ich gleich Lust habe, mal in dieses Gebiet zu schauen. Mehr kann man doch von einem Vortrag nicht wollen.“ Da schwiegen alle, stimmten ab, ich war Privatdozent.

  2. Uli Treml sagt:

    Kann es sein, daß die „1 zu 49“ falsch sind? 5 Kugeln sind doch schon draußen…

  3. Gerhard Kramler sagt:

    Ich bin für die Trennung von Forschung und Lehre, zumindest was die Grundlagen betrifft. Alte Ideale hin oder her, aber Teilzeit-Forscher mit Weltklasse-Anspruch, und Teilzeit-Lehrer mit Elite-Anspruch, das kann doch nicht wahr sein!

  4. Ha, das kenne ich. Habe Fragen gestellt, die sich Professorenschaft nicht stellt, und die über den präsentierten Grundlagenstoff hinaus gingen. Schrieb zu flüssig meine Arbeiten. O-Ton: „Das lässt sich ja leicht lesen, ist so erzählerisch.“ oder „Ich bin enttäuscht, es ist zuwenig Bezug zu Vorlesungsinhalten zu erkennen.“ Daraus folgerte die Professorenschaft, es sei zuwenig wissenschaftlich, was ich produzierte. Mir würde die Genauigkeit und Ausdauer für den wissenschaftlichen Prozess fehlen.

    Zusätzlich floss mein Erfahrungswissen über die Materie in meine Ausführungen mit ein. Professoren erklärten mir, wenn ich dieses Erfahrungswissen als Gedächtnisprotokoll ablege und schriftlich fasse, dann gilt das als wissenschaftliche Beweisführung. Es sollte lauten: gesagt, gesehen, erkannt am soundsovielten, im Zusammenhang von…. Wenn ich dieses Erfahrungswissen aber nur in meinem Kopf behalte, dann ist das unwissenschaftlich.

    Mein Fazit: Doktoratsstudium nach zwei Semestern beendet, weil ich dem Rat der Professoren, ich müsse mich in dieses System „sozialisieren“, nicht folgen will.

    Wenn Denken nur in solchem Rahmen (Vorgekautes wieder auskotzen) erlaubt ist, muss ich nicht denken. Was ist ein solches Doktorat eigentlich wert?

    • Gunter Dueck sagt:

      Man wird eben formatiert! Alle meine Bücher sind so, wie Sie schreiben…ich mach es einfach, aber ich habe bis zur Habilitation eigentlich unreflektiert mitgemacht – stimmt. Bei Mathe ist es aber nicht sooo dramatisch anders. Meine letzte Arbeit in Mathe ist „als sehr wichtig, aber unwissenschaftlich geschrieben“ zum Umarbeiten zurückgewiesen worden. „Diese Arbeit ist wichtig und hat eine Stärke, die zugleich die größte Schwäche der Arbeit ist. Diese Arbeit ist in einem Rutsch zu lesen und sehr eingängig, man kann sie in einer Stunde fast konsumieren, wo ich sonst Tage brauchen würde. Daraus resultiert eine Schwäche: So schreibt man einfach in diesem Wissenschaftsjournal absolut nicht.“

  5. OliverG sagt:

    Ich erinnere mich an einen Prof, bei dem ich drei oder vier Anläufe (= Vorlesung testweise besucht, abgebrochen) brauchte, bis ich ihm folgen konnte.

    Als das dann gelang, hat mir das, was ich gelernt hab, weite Bereiche von Literatur und Kultur geknackt.

    Ja, das was er lehrte war nahe an siener Forschung. Es war ja auch sein Job, us die nahezubringen. Das ganzganz Abstrakte Zeug hab ich glaub ich bis heute nicht GANZ verstanden OBWOHL ich sein Buch für die Unihauszeirtschrift rezensieren sollte.

    Will sagen: Der „Goldene Weg“ liegt wohl in der Mitte. (Surprise.)

    • Gunter Dueck sagt:

      Wenn man das schlecht Erklärte endlich systematisch dechiffriert und erfasst, kommt man auch an das genauso schlecht Erklärte heran.

    • Gunter Dueck sagt:

      Noch eine etwas bittere Anmerkung: Bei jeder Systemkritik kommen Bemerkungen mit folgender Argumentation: „Ich bin auch geschlagen worden, das war nicht recht, aber es hat mir im Grunde nicht geschadet.“ Wer das sagt, kann gar nicht so genau wissen, ob es nicht doch geschadet hat…

  6. Susanne sagt:

    Ein Kollege (Dr. der Chemie) hat damals meine Diplomarbeit (FH Informatik) auch mit „viel zu einfach und verständlich“ kritisiert. Ich habe aber trotzdem eine eins bekommen.

  7. Oliver Tacke sagt:

    Vor einer Weile habe ich mich mit einem Studenten dazu unterhalten: „Uni is‘ halt so.“

    http://www.olivertacke.de/2013/06/19/uni-is-halt-so/

  8. Leo sagt:

    Ich hatte irgendwann in grauer Vorzeit im ersten Schuljahr Physik. Ich verstand nur Bahnhof, baute eine 3 oder 4, soweit ich mich erinnere. Im folgenden Schuljahr hatte ich einen Physiklehrer, der nach meiner Erinnerung auch keine didaktisch wertvollere Vorlesung hielt als der vorherige. Aber er war für sein Fach begeistert und hat mir dadurch einen Zugang ermöglicht, mit dem ich neben der Schule mit Begeisterung Lehrbücher über Physik durchgearbeitet habe. Dass ich fortan in Physik stets eine „Eins“ hatte, war lediglich ein erfreulicher Nebeneffekt, der mich nicht wirklich interessiert hat.

    Die Art des Zugangs ist bis heute geblieben: mich interessiert ein Zusammenhang, der konkret oder auch als logisches Problem auftaucht und ich eigne mit die zugehörige Systematik an – Vorlesungen, wie schön auch immer, bleiben bei mir nicht hängen, ich bin kein auditiver Lerner, gar nicht. Sie dienen wenn, dann nur als Anstoß, selbst zu vertiefen. Und ja, ich „bin“ ein INT….;)

  9. Thomas sagt:

    Wie sagt man so schön: „Kannst du es nicht auf einfache Art und Weise erklären, hast du es nicht verstanden“.
    Mich beschäftigt gerade sehr die ECTS-Grenze. So nach dem Motto: Schaffst du keine 30 Punkte pro Semester, bist’e raus. Was soll auch nur eine Änderung ins Positive bringen, wenn gleichzeitig die Stoppuhr tickt?
    @Leo: Bin auch INT. und habe nie Mathe verstanden. Das darf doch eigentlich gar nicht sein. 😉 Wollte das jetzt in Rahmen meines Hobbystudiums nachholen, aber da darf ich nicht. Siehe oben. 🙁

    • Leo sagt:

      Irgendwann … wird einem die Stoppuhr auch mal gleichgültig. Ich habe jedenfalls lange und hart dran gearbeitet, mir so sehr zu vertrauen, dass mir fremde Stoppuhren wieder egal sind. Das ist mein Leben, und es ist zu schade, sich von anderen sagen zu lassen, womit ich es verbringe und mit welchem Ziel.

  1. 14. Juli 2014

    […] Gunter Dueck gibt es gerade wieder ein paar Denkimpulse zum Thema Lehre, die ich gerne aufgreife. Auf seiner Website denkt er unter der Überschrift “Heilige-hehre Prinzipien schlechter Lehre…, von welchen Prinzipien ProfessorInnen wohl (unbewusst) bei der inhaltlichen Gestaltung ihrer Lehre […]

  2. 14. Juli 2014

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  3. 14. Juli 2014

    […] DD219: Heilige-hehre Prinzipien schlechter Lehre an der Uni (Juli 2014) Ab und an muss ich gegen „Lehre“ ätzen. Ich habe darüber schon 2007 eine längere Kolumne geschrieben, die finden Sie im neuen Sammelband Dueck’s Jahrmarkt der Futuristik. Professoren haben bestimmte ästhetische Prinzipien, nach denen sie ihre Vorlesungen gestalten. Diese Prinzipien sind Teil der Kultur der Lehre. Es ist …  […]

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