DD351: Start-up-BWL for Newbies und Teil-BWLer

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14 Antworten

  1. Lutz Prechelt sagt:

    Tja, da kratzt sich ganz Kommentar-Deutschland erst mal peinlich berührt am Kopf.

  2. ThiloM4u sagt:

    Als die Controller in den 70-80er Jahren das Ruder der Firmen übernommen haben, dachte ich schon es kann nicht schlimmer kommen. Doch es kam schlimmer, weil heute praktisch alle großen Firmen nicht mal mehr von den eigenen Controllern gelenkt werden, sondern von Börsen Spekulanten und Bankern. Diese Spezialisten lenken ein Unternehmen völlig losgelöst, ein Technologie Unternehmen in gleicher Weise wie eine Fastfood Kette. Das eigentliche Kerngeschäft eines Unternehmens spielt dabei keine Rolle mehr.
    Durch den Raubbau werden obendrein noch potentielle Nischen für Start-ups zerstörrt, bevor diese richtig erschlossen wurden.

  3. Jo Ernst sagt:

    Danke. Das ist die nackte Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Wie soll es auch anders funktionieren, wenn blutleere Söldner mit 2-Jahresverträgen auf den Stühlen sitzen? So kommt es wie es nun ist: Manager, die nichts entscheiden, vor allem kuschen und mut- und leidenschaftslos agieren. Jeder von denen hat ein Protokoll in der Hinterhand, auf dem steht, das er es nicht gewesen ist. Gehen wir einfach durch die Industrie-Skandale der letzten Jahre: keiner war´s….

  4. Janix sagt:

    Hauptsache, das Quartalsergebnis ist zurechtoptimiert – und der Ego-Bonus schon ‚mal im Beutel. Das mag der Aufsteiger-„Hund“.
    Wobei bei den Autos nie solche „Gewinne“ geherrscht hätten, wenn keine Gesetze und Subventionen sie propagiert hätten und die externen Umweltkosten „zurückgelegt“ worden wären. Nach uns der Hitzeschlag. Hundetage.

  5. Markus Niederöst sagt:

    LOL! Bergbau ist, wie Tetris im letzten DD, ein äusserst gelungener Vergleich!

    Vor bald 30 Jahren arbeitete ich in einer Firma, welche sich nach „EKS“ orientierte (nach Wolfgang Mewes). Dort lernte ich im Zusammenhang mit der Entwicklung von neuen Produkten den Ausdruck „kybernetische Produkt Kalkulation“ kennen. Das ist – so erinnere ich mich – nichts anderes als eine möglichst ganzheitliche Denkweise, die unter anderem – um beim Bergbau zu bleiben – Exploration und Rückbau in die Kalkulatikon miteinbezieht. Wenn dann, nach geplantem Tag X, unterm Strich etwas übrig bleibt, nennt man es Gewinn. Verkauft sich das Produkt weiterhin gut, beginnt die Mine echt zu rentieren!

    Der (ungebrochene) Erfolg meiner damaligen Arbeitgeberin bestätig die Wirksamkeit der Strategie. Das habe ich so bei keiner weiteren Arbeitgeberin angetroffen und erlebt. Deshalb wundere ich mich auch nicht, weshalb „man“ (Management) (wiederkehrend) nach möglichen und unmöglichen Ursachen suchen und eine „Initiative“ nach der anderen lostreten oder sich gar von Teilen seiner erfahrenen Belegschaft trennen muss (Audi, Daimler, …). Und gerade hier startet eine neue Runde der Tretmühle: Was kostet die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, welche zur neuen „Initiative“ passen? Wer bezahlt die Zeche?

    Noch ein Gedanke zu „Batterie/Brennstoffzelle“: Ich meine festzustellen, dass sich die ganze Diskussion um den Energiebedarf der (mobilen) Zukunft einseitig auf „Batterie“ ausrichtet. „Brennstoffzelle“ oder ein anderer (nachhaltiger) Energiespeicher/-Umwandler scheint keine Option. Der Politik sei’s gedankt. Damit starten wir meines Erachtens mit der gleichen bereits dagewesenen Dummheit in den nächsten Raubbau…

  6. Klara sagt:

    Vor gut 40 Jahren planten einige meiner Klassenkameraden (mathematisch-naturwissenschaftlicher Abi-Schwerpunkt) BWL oder VWL zu studieren. Ich nicht verstand, wofür man das braucht. In über 30jähriger Tätigkeit in einem Wirtschaftsforschungsinstitut hat man mir beigebracht, dass Wirtschaftswissenschaften sehr wichtig sind. Jetzt, nach zwei Jahren Ruhe(stand), frage ich mich wieder: Braucht man das oder sollte kann das weg?

  7. Klara sagt:

    Bitte korrigieren:
    Vor gut 40 Jahren planten einige meiner Klassenkameraden (mathematisch-naturwissenschaftlicher Abi-Schwerpunkt) BWL oder VWL zu studieren. Ich nicht verstand nicht, wofür man das braucht. In über 30jähriger Tätigkeit in einem Wirtschaftsforschungsinstitut hat man mir beigebracht, dass Wirtschaftswissenschaften sehr wichtig sind. Jetzt, nach zwei Jahren Ruhe(stand), frage ich mich wieder: Braucht man das oder sollte das weg?

  8. 1. Man muss die BWL als mentales Konstrukt/Produkt (Werkzeug für Manager) verstehen, das seine Anwendungsgrenzen überschritten hat. Weil sich das Werkstück (die reale Wirtschaft) verändert hat.
    2. Überholte/veraltete Produkte sind Kandidaten für Innovationen. Die BWL als Produkt muss neu erfunden werden (nicht nur ‚debuggen‘). Weil die BWL auf den Grundlagen der VWL aufbaut müssen vorgängig auch diese Paradigmen neu aufgestellt werden.
    3. Pflichtenheft ‚Neue BWL‘: {a} Wissen/Können als ‚immaterielle Güter‘ müssen in einer Art Potenzialbilanz (analog ‚Energie‘ in Physik) in die Rechnungslegung Eingang finden (-> Potenzialerfolgsrechnung). {b} Das (monetäre) Werteparadigma muss dahingehend erweitert werden, dass auch die nicht-monetäre und subjektive Wertedimension rational/quantitativ berücksichtigt wird. (Zum Beispiel mit Vektoren.)
    4. Wir haben schon einige Vorarbeiten dazu geleistet – und suchen immer noch ‚Mitstreiter‘. -> Project NEMO (New/Next Economic Model) http://project-nemo.org

    • Markus Gebhard sagt:

      Nicht nur „Innovation“, vor allem auch „Disruption“ – aber dazu bedarf es „Männern“, keine „Memmen“ (rein metaphorisch, versteht sich)

  9. Frank von der Heyde sagt:

    Eine hervorragende Zusammenfassung meiner Erfahrungen, Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Überzeugungen zu „Teil-BWLern“ seit Beginn der 90 Jahre. Und mit jeder Dekade seit damals hat die Fähigkeit zu systemischem Denken und Handeln deutlich abgenommen.

  10. Rudolf Quetting sagt:

    Das ist derLife-Cycle fast jeder Technologie: Wie beimBergbau ist bei nahezu jeder Innovation erst einmal das Risiko hoch. Und haben will das neumodische Zeug auch ert einmal niemand. Das drückt auf den Erlös und den Gewinn. Hat sich das Ding aber endlich durchgesetzt, dann kann man es mit guten Margen auf den Markt bringen, bis irgendwann die Hersteller von Generika anfangen mitzumischen. Und während aus der Innovation langsam Alltag wird, beginnen die Margen zu sinken. Trotzdem kann man, da die Risiken verschwunden und die Entwicklungskosten eingespielt sind erst einmal munter Geld drucken. In eine Weiterentwicklung zu investierent lohnt sich ohnehin nicht, da neue, aber zur Zeit noch teure Produkte das gleiche besser leisten. Und so rollt der Rubel, bis eines Tages die Neuerungen preiswerter werden und man mit seinem alten Kram, den niemand mehr haben will, in die Pleite schlittert. Was lernt der BWLer daraus? Nun ja, er kauft ein Unternehmen, wenn die Zeit der Risiken vorbei ist und verkauft es wieder, wenn der Höhepunkt überschritten ist, rechtzeitig vor der Pleite. So kann er – wenn er die richtigen Zeitpunkte trifft- einerseits den Reibach einstreichen und andererseits die Beerdigungskosten vergesellschaften. So ungefähr sieht jedenfalls das Kern-Geschäftsmodell z.B. der IBM, aber auch vieler anderer börsennotierter Gesellschaften aus. Und was machen in diesem Szenario die Lenker und Strategen der großen Konzerne? Sie erfüllen einfach die von ihren Auftraggebern in sie gesetzten Erwartungen. Wir hätten da zwar andere Ansprüche an das Executivpersonal (insbesondere was die Nachhaltigkeit ihres Wirkens betrifft), aber weder rekrutieren noch bezahlen sie.

  11. Michael Meier sagt:

    Die Frage lautet immer, ist es Dummheit oder Absicht? Es wird noch interessant,nach dem sogenannten „Atom-und Kohleausstieg“. Wie kann man Millionen von Elektroautos betreiben wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Bei der Politik tippe ich auf Dummheit.

    https://www.wsj.com/articles/worlds-dumbest-energy-policy-11548807424

  12. Markus Gebhard sagt:

    Na, das ist dann aber ein Armutszeugnis für die Leute, die sich Professor nennen und unsere Hochschulausbildung bestreiten (nur „G-tt“ und sich selbst verantwortlich) oder noch nicht einmal das, wenn dabei nur „Teil-XYZ“e rauskommen; dies betrifft ja leider nicht nur die BWL. Ansonsten gilt wohl immer noch, was Patricia Pitcher schon in den 90er Jahren über das „Führungsdrama“ herausgefunden hat (ISBN: 9783608918434): Firmen brauchen Künstler, Handwerker und Technokraten – aber eben letztere nur ausnahmsweise.

  13. schip sagt:

    Das einzige was vermutlich bestmöglich hilft (heutiges Wissen), nach all den Jahrtausenden des Fortschreitens der Zivilisation (zuletzt immer „schneller“), ist das Domestizieren des Menschen per Demokratie. Und zwar in allen Bereichen, auch der Wirtschaft, den Unternehmen, die heute doch meist eher Diktaturen ähneln. BWLer Diktaturen.

    Denn, dass Gewissen und die Moral funktionieren nicht hinreichend, wenn echte oder unechte existenzielle Ängste walten und das tun sie immer für den einzelnen Menschen und für Gesellschaften jeder Größe, im Zyklus eines Menschenlebens (oder eben einer Gesellschaft), maximale Schaffenskraft im Alter von 20 bis 60 im Jahr 2020 (beim einzelnen Menschen).

    Demokratie entschleunigt (oha – wie nervig?) und ist des Mächtigen Erzfeind, da Teilhabe systematisiert wird und Reichtum (Macht) eben systemisch beschränkt.

    Verbots- und Gebotskultur (Rücksichtsnahme) lässt sich eben nicht absolut implementieren? Aber dafür gibt es doch den Staat, der sich aber am Ende auch finanzieren muss und stärker wird, je stärker der Steuern-erzeugende Wirtschaftsraum. Libertäre fangen grade an zu kotzen. Sollen sie ruhig und dann aber schnell den Armen freiwillig und uneigennützig helfen – ich muss laut lachen. So wie Bill Gates. Dabei tut er heute wohl wirklich auch Gutes… uneigennützig? Im Alter hilft man gerne…wenn man nur kann. Evtl. aber auch leise, deswegen muss ich Bill Gates nicht mehr bewundern als Menschen in Sozialberufen oder eben Ehrenämtern, unbezahlt, der Sache des Helfens echt verpflichtet, durch inneren Antrieb und Bescheidenheit.

    Wo sind die Leitplanken die vor den extremen Polen des Kapitals schützen? Es gibt sie schlicht nicht oder eben kaum und das ist asozial per Definition.

    Egoismen suchen sich auch immer Ihren weg, zur Not im Krieg, im Extrem, welches evtl. ??? nur ein natürliches Produkt ist und eben wie die Jahreszeiten (im übertragenden Sinne) auf das reduziert wird was es rein natürlich gesehen ist:

    Ein Auf- und Ableben. Dazwischen ist der Überlebenskampf.

    Hört sich zu schräg an?

    Kam mir nur recht spontan in den Sinn und klang nicht besonders falsch.

    Dennoch ist doch unsere Aufgabe das anzustreben was uns allen ein Zusammenleben ohne Krieg ermöglicht, wenn auch schwergängig. Was ist schneller bzw. stärker, die Rücksichtnahme oder das Asoziale?

    Also: Doch wieder, lieber Demokratie? Hoffentlich doch!!!

    Man möge nur sehen wie sich Elternschaft entwickelt hat, in nur 50/60 Jahren.

    Es gibt den Unternehmer, der so tickt – demokratisch (Teilhabe ermöglichend), aber, der ist in der Minderheit und er muss noch mehr kämpfen als die anderen, die eben auch bescheissen um „noch besser zu überleben“.

    „Macht bedeutet jede Chance…“

    Sicherlich ist es schwierig den Beweis zu führen. Aber die Geschichte bietet doch all diese wiederkehrende Muster nur in immer neuen Gewändern, nicht?

    Und „Kapital“ ist so viel flexibler als „Arbeit“. Ich erkenne keine Chancengleichheit nur ansteigende Spannungen seit 1944 in Deutschland (Gesellschaftlicher Lebenszyklus? Leider!!!)… der Spannungsausgleich wäre dann die natürliche Folge… die Frage ist nur:

    Wann?

    Scheinheiligkeit und Selbstbetrug überall.

    Aber am Ende des Lebens kann das Gewissen schon auch quälen… selbst wenn soziale Ächtung oder Knast nicht passierte…

    Vieles passiert allzu subtil und ist eben nicht justiziabel.

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