Fluch und Segen des Home Office

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13 Antworten

  1. Janix sagt:

    ICE-Bahnhöfe wohl ja – selbst ein Montabaur entdeckt da gerade neue Seiten an sich.
    Die diversen Prestige-Flughäfen aber vielleicht aus akuten Klimaschutzgründen doch rasch durch gute Bahnlinien ersetzen (zumindest hier, wo die Landflucht anders als in China eher ruht)
    Ich warte dabei auch auf „Workfromheim“, das die nötige Infrastruktur und Anbindung haben wird, weitgehend autofrei, klima-, familien- wie singlefreundlich – das könnte man dann auch in den dunklen Odenwald, die Altmark-Steppe oder auf eine ausgekohlte niederrheinische Brache setzen, und es funktioniert. Oder gleich an einen Ort, den man auch zum Urlaub nicht mehr verlassen wird.
    Das Problem dürfte in Deutschland nur sein, dass die Datenanbindung hinterherhinkt …

  2. Markus sagt:

    Da schreibt der reine „Denk-Worker“ – weil, unser Restkrams kommt ja aus China oder Bangladesch oder sonst einem Staat, wo man es mit den Arbeitsbedingungen nicht so genau nimmt. Wohl dem, der im Home Office seine Brötchen von Amaoogle und UPL oder DHS geliefert bekommt; dann verteilt sich die Massentierhaltung halt auf Wohnblocks, weil, warum teure Arbeit eigentlich bezahlen; gibt es doch alles als Open Source (wie man bei Corona an den Kleinkunststreams sieht)… Lange Rede – ich denke, das große Bild ist ein wenig differenzierter. Also, in was für einer Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?

    • Nikolaus sagt:

      Naturgemäß ist Home-OFFICE eher etwas für Denk-Worker. wer den Restkrams tatsächlich produziert -egal ob Handys, Solarzellen oder Bio-Äpfel- wird das auch in Zukunft wohl nicht aus dem Arbeitszimmer schaffen, sondern weiterhin vor Ort. Und im Idealfall unter guten Arbeitsbedingungen.
      Und die Massentierhaltung muss sich dann eben nicht auf Wohnblocks konzentrieren, sondern kann auf dem Land stattfinden, wo die Infrastruktur von ÖPNV, Netzanbindung aber eben auch Brötchen und Bio-Äpfel von nebean geschaffen werden muss. Wozu dann wieder etliche vor-Ort-Arbeitende gehören werden.

      • Markus sagt:

        Ah, nie in Nordhessen gewesen; na, da wird es aber noch eine Weile dauern, bis Neuland auch hier Home Office fähig wird… Die Worte les ich wohl, doch allein mir fehlt der Glaube. Und selbst in Wiesloch (Kurpfalz! Nicht Baden…) wo EIGENTLICH guter ÖPNV vorhanden ist, kommt derselbe nur alle Stunde. Man WILL halt um’s Verrecken lieber im Autostau stehen. Soviel zum Thema Infrastruktur.

  3. Harry sagt:

    Home Office wird die Gesellschaft transformieren. Heute nehmen wir es als gegeben hin, daß das Einkommen an der Tätigkeit hängt.
    In den USA beginnen erste Bestrebungen, daß wenn Menschen aus einer teuren Gegend in eine billigere Gegend umziehen, daß diese dann einen Abschlag auf den Lohn bekommen.

    So gut Zuschläge fürs home office wären, ich befürchte das Gegenteil. Warum sind die Gehälter in München höher als im Saarland? Auch wegen der höheren Kosten in München. Wenn ich jetzt ins Saarland umziehe, sollte ich dann nach München oder Saarland bezahlt werden? Ich befürchte, es wird nach Wohnsitz bezahlt.

    Wenn ich Mitarbeiter aus Indien & Co einstelle, die in ihrer Heimat wohnen bleiben, zahle ich diese doch auch nur nach deren Wohnort. Der Druck dazu wird von denFirmen hoch werden und wenn die Mitarbeiter nicht solidarisch bleiben, wird es seht schwer. Solidarität und Streiks bei home office workern kann ich mir kaum vorstellen.
    Bisher haben Firmen jede Transformation zu drücken der Löhne genutzt. Wird es diesmal anders?

    • Piet sagt:

      Ich denke, dass sich eher die Preise / Kosten an die Einkommen anpassen als anders herum.
      Als Unternehmer übernehme ich ja nicht die Kosten meiner Mitarbeiter, sondern bezahle für die Leistung / Wertschöpfung. Höhere Löhne resultieren dann in höherer Zahlungsbereitschaft / Zahlungsmöglichkeit, was die Preise hebt.

  4. Matthias Urlichs sagt:

    @Markus: Klar schreibt da der reine Denk-Worker, seine Zielgruppe sind halt andere Denk-Worker. Aber die neue Büroturmlosigkeit ist auch für die Anderen positiv: wenn der Mietdruck in München nachlässt, dann kann ein Münchner Handwerker oder der Stuttgarter UPS-Fahrer auch wieder selber in München wohnen oder Stuttgart, anstatt sich in das nicht-S-Bahn-angebundene Umland selbstverbannen zu müssen, weil sonst nicht mehr genug für die Familie übrig bleibt.

    • Markus sagt:

      Sorry to insist – wie der geneigte Leser leicht selbst überprüfen kann, haben die Miet- oder Eigentumspreise nichts mit Home Office zu tun, sondern eher mit der Tatsache, dass Betongold in Zeiten der Nullzinspolitik immer noch Rendite abwirft; daran wird sich so schnell nichts ändern, weil diesbezüglich sogar Leerstand lukrativer ist, als Vermietung zu Niedrig(eren)preisen (siehe Görlitz oder Dresden)… Und um auf den Denk-Worker zurückzukommen: Die „Berater“, die am Flughafen „arbeitsfähig“ sind, sind dies auch auf dem Klo und genau so ist auch der Output (leider meine persönliche Erfahrung). Dahin würde ich eher behaupten, dass sich diese mit der Digitalisierung (m.E. ein Unwort, weil „digital“ sind wir seit Zuses Rechnendem Raum oder sogar länger) eher selbst abschaffen, also sich eher früher als später in die Reihen derer gesellen, die das aktuelle Mietpreisproblem haben – solche „Beratung und Prüfung“, wie von EY ist dahin tatsächlich obsolet, isn’t it?

  5. Piet sagt:

    Ist die Wahl wirklich nur entweder-oder? Kann es nicht je nach Tätigkeit eine Mischung geben?
    Je nach Tätigkeit ist ein intensiver Austausch mit Kollegen direkt vor Ort sinnvoller, oder ein fokussiertes Arbeiten zuhause, oder per Telefonkonferenz, oder am Ort des Geschehens (beim Kunden, in der Werkstatt, auf der Baustelle, etc.). Meines Erachtens soll dieser Arbeitsort jeweils situativ vereinbart werden, so dass es für alle Beteiligten möglichst gut stimmt. Dazu braucht es Vertrauen und einen offenen Dialog.
    Ich hoffe, dass immer mehr Firmen lernen, ihren MitarbeiterInnen zu vertrauen. Meine Erfahrung ist, dass sich ein offenen, vertrauensvolles Verhältnis sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber positiv auswirkt.

  6. Absolut richtig. Es geht aber noch viel weiter. Ich habe dazu mal ein „PropTech“ Video erstellt. https://youtu.be/npTnYmgxSxE Herzliche Grüße aus Neuss, Michael

  7. Sarah Roth sagt:

    „Geisterstadt London“ ist ein Problem, das älter als Covid 19 ist. Es werden unglaublich viele leerstehende Luxusapartments gebaut, die als reines Spekulationsobjekt enden, tatsächlich benötigter erforderlicher Wohnraum dagegen fehlt. Auch New York ist stark betroffen und wie Markus weiter oben geschrieben hat, findet man das Phänomen offensichtlich auch schon in Orten wie Görlitz oder Dresden.

    • Markus sagt:

      Und Frankfurt und Offenbach am Main (z.B. in der ehemaligen KWU-Zentrale) und sicher auch an vielen anderen Orten der Republik, weil, wie geschrieben, eben einer der wenigen Wege Rendite zu machen (außer Teslaaktien 😉 – den „Aufschrei“ gab es ja in diese Seite auch schon) – Danke EZB und KfW und IWF und all ihr Politiker da draußen – keine Vision ist halt auch nix (gell, Herr Bundeskanzler Schmidt selig).

  8. Michael Schanz sagt:

    Schöner Beitrag. Meine Kinder sind erwachsen und genieße dankenswerter Weise das Homeoffice sehr. Ich arbeite eigentlich in Frankfurt, wohne in Montabaur direkt am ICE Bahnhof. Jedes zweite (lange) Wochenende in Ostfriesland, da wohnt meine Frau mit unseren Tieren. Sowohl Montabaur und vor allem Ostfriesland sind absolut bezahlbar. Ich musste als gut bezahlter Ingenieur feststellen: In Rhein-Main kann man ohne Eigenkapital (erben o.ä.) gerade mal ein Dixi-Klo besitzen. Urlaube einer 4-köpfigen Familie sind nur durch Nebenerwerb möglich. Daher eine lange Fahrt (100 km) zur Arbeit auf mich genommen und als Domizil Montabaur ausgewählt. Anschließend noch ein Resthof in Ostfriesland fürn Appel und ’nen Ei gekauft um unsere Tiere angemessen halten zu können. Dann kam Corona und hat alle möglichen Trends haben sich plötzlich beschleunigt. Meine komplette Arbeit kann ich im Homeoffice erledigen. Der Lohn: Keine Reisen mehr. Der Preis: Lange Konzentrationsphasen und der Ar… kocht irgendwann. Dafür bin ich effizienter und kann über den Tag Dinge nebenbei erledigen. Tagungen veranstalte ich nur noch rein virtuell. Fazit: Ich habe echt Glück gehabt.
    Ich erwarte, dass sich Deutschland jetzt ent-urbanisiert und glaube, dass immer mehr Menschen die Enge in den Städten satt haben. Jetzt ist d i e Gelegenheit. Es gibt kein unbegrenztes Wachstum (von Mieten) — nur in der mathematischen Vorstellung. Wer soll noch als normal sterblicher Angestellter die Mieten in München, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt etc. bezahlen können. Bald ist Schluss damit.

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